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Galeere

mediterranes gerudertes Kriegsschiff des Mittelalters und der frühen Neuzeit
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Eine französische Galeere und eine niederländische Galeone vor einem Hafen, Gemälde von Abraham Willaerts aus dem 17. Jahrhundert

Eine Galeere ist ein mediterranes gerudertes Kriegsschiff des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Typische Kennzeichen sind ein schlanker und flacher Rumpf, eine Reihe Riemen an den Seiten, eine Hilfsbesegelung und ein Überwasserrammsporn am Bug. Umgangssprachlich wird der Begriff „Galeere“ auch auf die antiken Vorgänger der eigentlichen Galeeren übertragen, teilweise sogar als Sammelbegriff für alle historischen geruderten Kriegsschiffe verwendet.

Inhaltsverzeichnis

BezeichnungBearbeiten

Griechisch galéē [(γαλέη)] „Wiesel“ wird übertragen auf einen Seefisch, mittelgriechisch galía [(γαλία)], von da auf die großen Ruderschiffe des Mittelmeeres. Über mittellateinisch galea entsteht italienisch galera, das zuerst 1609 als gallere im deutschen Text erscheint. [Philipp von] Zesens Versuch, es durch Walschiff oder Walleie zu ersetzen, bleibt ohne Erfolg […].“[1]. Trotz sporadischen Auftretens dieser neueren Form war jedoch galee „bis ins 17. Jh. und länger die herrschende Form (schon mittelhochdeutsch auch galê[…]).“[2]

Historische EntwicklungBearbeiten

AntikeBearbeiten

Die ältesten Ruderkriegsschiffe der Phönizier und Griechen waren lange, offene Boote meist mit Decks am Bug und kamen um 850 v. Chr. erstmals zum Einsatz. Schon die Assyrer bauten zweireihige Ruderkriegsschiffe mit einem vollständigen Kampfdeck über der oberen Rudererreihe. In Griechenland kamen um 700 v. Chr. ebenfalls Ruderkriegsschiffe mit zwei Reihen von Ruderern auf, die Biremen. Vom 6. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. war dann die Triere (griechisch) oder Trireme (lateinisch, beides zu deutsch: Dreiruderer) das wichtigste Kriegsschiff der Seemächte im Mittelmeer. Mit dem Aufstieg Roms zur einzigen Seemacht im Mittelmeer waren die Triremen aber zu schwer und zu langsam für die neue Hauptaufgabe, die Jagd auf Piraten. Kleine schnelle Kriegsschiffe wie die Liburne wurden zur neuen Hauptwaffe der römischen Flotte.

Der Einsatz der geruderten Kriegsschiffe bot im Mittelmeerraum allgemein eine Reihe von Vorteilen. Ein gerudertes Schiff war vom Wind unabhängig und konnte so im Gefecht beliebige Manöver durchführen, und Wendigkeit ist in einem so stark gegliederten Seegebiet wie dem Mittelmeer vom großen Vorteil. Außerdem konnte ein gerudertes Schiff für kurze Zeit auf erheblich höhere Geschwindigkeit gebracht werden als ein gesegeltes, und nicht zuletzt bot ein Schiff ohne Segel dem Gegner erheblich weniger Angriffsfläche für Brandwaffen, denn seit jeher stellten Brander die größte Gefahr für ein Schiff dar.

Das Erbe des antiken Schiffbaus lebte in der Dromone, dem Kriegsschiff des byzantinischen Reiches, fort. Dromonen verfügten über einen Unterwasserrammsporn, zwei Riemenreihen und ein Rahsegel. Die Dromone stand somit am Ende einer langen Entwicklung und war ein ausgereifter Schiffstyp, der aber technisch seine Grenzen erreicht hatte und kaum noch Potential für die Weiterentwicklung bot.

Im 7. und 8. Jahrhundert eroberten die Araber große Teile der Mittelmeerküste und begannen, den Mittelmeerschiffbau zu beeinflussen. Wesentliche Elemente des arabischen Schiffbaus wie das trapezförmige Luggersegel und der stark ausfallende Steven sind noch heute in der Dau zu sehen. Die Dau war ein reines Segelschiff, für das der stetige Monsunwind des Indischen Ozeans ein hervorragender Antrieb ist, aber als Kriegsschiff im Mittelmeerraum wäre sie zu langsam und zu träge zu manövrieren gewesen.

MittelalterBearbeiten

 
Hintere Abschlussfigur eines Seitenornaments einer venezianischen Galeere (17. Jahrhundert)

Mit den Kreuzzügen wuchs der Schiffsverkehr im Mittelmeerraum rapide an. Davon profitierten vor allem die italienischen Hafenstädte,allen voran Genua und Venedig, die es durch den Seetransport und -handel zu großen Wohlstand brachten. Sie verfügten über die finanziellen Mittel, große Flotten zu bauen und zu unterhalten um ihre Seewege zu sichern. Im 11. und 12. Jahrhundert liefen deshalb verschiedene Ruderschiffe vom Stapel, die teilweise nur Kopien von Dromonen waren, aber auch schon einige arabische Baumerkmale einfließen ließen. Ende des 12. Jahrhunderts etablierte sich schließlich die Galeere als neuer, wegweisender Kriegsschifftypus. Sie war ein wendiges schnelles Schiff mit einer Riemenreihe und einem ausfallenden Vorsteven, der in einem Überwasserrammsporn endete. Sie war der Dromone an Geschwindigkeit überlegen und außerdem sehr viel wendiger als die arabische Dau.

Ab dem 13. Jahrhundert gab es im Mittelmeerraum nur noch einen Kriegsschiffstyp, die Galeere, die im 14. Jahrhundert ihre Vervollkommnung erlebte. Zum Ende des Mittelalters machte der Schiffbau in ganz Europa rasante Fortschritte, und die Einführung des Heckruders und der mehrmastigen Takelage machte auch vor der Galeere nicht halt, die nun nicht mehr allein auf die unhandlichen Riemen angewiesen war und später noch den Tarida einen zweiten, kleineren Mast am Heck dazubekam. Ab dem 15. Jahrhundert begann man, noch einen dritten Mast am Bug aufzustellen. Die unhandlichen Vierkantsegel wurden durch das wirkungsvollere Lateinersegel ersetzt.

Mit Einführung der Feuerwaffen auf See im 15. Jahrhundert wurden auch die Galeeren mit Kanonen bestückt. Da die Galeere, deren Hauptwaffe der Rammsporn war, im Kampf direkt auf ihren Feind zusteuern musste, wurden die Kanonen auf der Back, in Fahrtrichtung zeigend, installiert. Damit hatte die Galeere ihre endgültige Form erreicht, die sie über die nächsten Jahrhunderte beibehalten sollte.

Die nordafrikanischen Korsaren der Barbareskenstaaten bevorzugten für ihre Raubzüge auf dem Mittelmeer etwas kleinere und wendigere Galeeren, die sogenannten Fustas mit 15 bis 22 Ruderbänken.

Im Marinemuseum in Istanbul ist die Galeere Kadirga (türkisch für „Galeere“) zu sehen (ohne Masten). Das Schiff stammt aus dem späten 15., nach anderen Angaben aus dem 16. Jahrhundert und ist die einzige erhaltene Galeere der Welt. Bis 1839 war sie im Dienst. Sie ist 37 m lang, 5,7 m breit und hat einen Tiefgang von ca. 2 m. 144 Ruderer bewegten mit 144 Riemen das 140 Tonnen schwere Schiff.

NeuzeitBearbeiten

Im 16. Jahrhundert war die Galeere immer noch das Standardkampfschiff in den europäischen Flotten. Um mit den schiffbautechnischen Entwicklungen in der Renaissance Schritt halten zu können, entwickelte man die Galeasse, eine Kreuzung zwischen Galeone und Galeere, die zusätzlich zum ihrem Ruder- auch ein Batteriedeck tragen sollte. Diese Schiffkonstruktion hatte allerdings durch seine Größe und Masse stark an Geschwindigkeit und Wendigkeit eingebüßt. Zu alledem war sie auch nicht in der Lage so viele Geschütze wie ein Segelschiff zu tragen. Dennoch hatten diese schwimmenden Festungen einen bedeutenden Anteil am Sieg bei Lepanto, da die Osmanen ihr nichts gleichwertiges entgegensetzen konnten. Trotzdem hatte die Galeere ihr Entwicklungspotential ausgeschöpft und es war ab da nur noch eine Frage der Zeit, bis sie vom Segelschiff als primäres Kampfschiff der europäischen Flotten abgelöst wurde. Den europäischen Admiralitäten war auch bald bewusst, dass die Galeere aufgrund ihrer geringen Feuerkraft und ihrer fehlenden Hochseetauglichkeit bzw. Ladekapazität für die Kolonisierung der Neuen Welt und zur Sicherung überseeischer Interessen nicht geeignet war. Das neue Kriegsschiff des 17. Jahrhunderts, das Linienschiff, war aufgrund seiner Größe und Bewaffnung mit Galeeren nicht zu bezwingen.

In den Marinen des Orients hingegen wurden Galeeren noch bis ins 18. Jahrhundert hinein eingesetzt. Da sie ausschließlich im Mittelmeerraum operierten war die fehlende Hochseetauglichkeit nicht so wichtig, Piraterie und Sklavenhandel lieferten stetigen Nachschub an billigen Ruderkräften, und Galeeren waren günstiger und einfacher zu bauen als Linienschiffe, die damals die aufwendigsten und komplexesten technischen Systeme in der Seefahrt waren. Aus ähnlichen Gründen kamen auch in der flachen Ostsee noch bis ins 18. Jahrhundert Galeeren zum Einsatz. Obwohl sich die Galeere kaum weiterentwickelte, blieb sie nicht ohne Einfluss auf den neuzeitlichen Mittelmeerschiffbau. Ihre Rumpfform diente im 18. Jahrhundert als Vorbild für die Entwicklung von Schebecke und Polacker.

Bis es soweit war, wurden im 16. Jahrhundert noch in großer Stückzahl Galeeren gebaut und im Kampf eingesetzt. 1571 kam es bei Lepanto zur größten Galeerenschlacht der Geschichte. Die spanische Armada von 1588 bestand unter anderem aus Galeeren und Galeassen. In den Kriegen der Spanier gegen die Niederländer kamen auf spanischer Seite auch noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts Galeeren zum Einsatz. Auch Frankreich hatte weiterhin Galeeren im Einsatz, sowohl im Mittelmeer als auch in der Nordsee. Im Spanischen Erbfolgekrieg lagen 6 Galeeren in Dünkirchen, die jedoch nur bei ruhiger See zum Einsatz kamen – also selten. Dann jedoch stellten sie eine Gefahr für die gegnerischen englischen und niederländischen Segelschiffe dar – selbst für gut bewaffnete – die bei Windstille nicht manövrieren konnten.[3]

KonstruktionBearbeiten

Anlässlich des vierhundertsten Jahrestages der Seeschlacht von Lepanto wurde im Museu Marítim de Barcelona 1971 eine spanische Galeere des 16. Jahrhunderts originalgetreu nachgebaut und ausgestellt. Es handelt sich dabei um das Flaggschiff von Don Juan de Austria, die Real, mit der er als Oberbefehlshaber die Flotte der Heiligen Liga bei Lepanto anführte. Diese Galeere war 60 m lang, hatte eine Breite von 6,2 m und einen Tiefgang von 2,1 m, wurde von 290 Ruderern bewegt und trug in der Schlacht etwa 400 Mann seemännische Besatzung und Soldaten. Ihrer Bedeutung gemäß waren ihre Aufbauten reich verziert und das ganze Schiff in den Farben Rot und Gold gehalten. Mit ihr trug Don Juan entscheidend zum Sieg der Liga bei, indem er das Flaggschiff des osmanischen Admirals Ali Pascha, die Sultana, angriff und nach hartem Enterkampf bezwang. Die Real war allerdings weitaus größer als die zu ihrer Zeit typischen, im Mittelmeer eingesetzten Galeeren. Die venezianischen Großgaleeren bei Lepanto waren 46 m lang und 5,5 m breit (7,3 m mit den Riemenauslegern), hatten 1,8 m Tiefgang, und wogen leer etwa 180 Tonnen; die normalen Kriegsgaleeren waren 42 m lang und 5,1 m breit (6,7 m mit den Auslegern), hatten 1,7 m Tiefgang und wogen 140 Tonnen. Die Schiffe der osmanischen Flotte waren etwas länger (50 m) und breiter (6 m), aber leichter gebaut.

Die Galeeren der christlichen und osmanischen Flotten unterschieden sich nur anhand der Details ihrer Dekorationselemente und der Deckausrüstung. Die Galeeren der Spanier, Venezianer und Genuesen waren oft reich mit Gold, Stuck, sowie mit Darstellungen antiker Gottheiten verziert. An den Schiffen der Osmanen hingegen waren abstrakt ornamentierte und farbige Vertäfelungen zur Ausschmückung angebracht. Die Ähnlichkeit der Konstruktion leitete sich von der gemeinsamen Abstammung von den Galeeren der Antike her. Die Takelage einer Galeere des 16. Jahrhunderts bestand standardmäßig aus zwei Masten, dem Großmast ("mestre") im Zentrum und dem etwas kleineren Fockmast vor dem Bug. Bei den Großgaleeren stand am Heck noch zusätzlich ein Besanmast. Sie waren mit langen Spieren versehen, die aus zwei Rahen bestanden von der jede ein Lateinersegel trug. Gesteuert wurde das Schiff von einer Plattform am Heck aus, eine Art schmaler Balkon, der in den Steven des Steuerruders hineinragte. Davor stand die sogenannte "Karosse", die nur spärlich möblierte Kajüte des Kapitäns, bedeckt mit einem Stoffbaldachin, um ihn vor Witterungseinflüssen zu schützen. Vor der Karosse befand sich das "Karee", die Kommandobrücke von der aus die Galeere befehligt wurde. Der längste Teil des Schiffes bildete der zentrale Laufgang mit den seitlichen Ruderbänken. Generell umfassten die Ruderplätze an die 30 Stück. Direkt im Zentrum des Laufganges war die Kombüse platziert. Sie war völlig offen und nur mit einem Ofen ausgestattet. Normalerweise gab es auf den Mittelmeergaleeren des 16. und 17. Jahrhunderts auch an Backbord und Steuerbord je eine kleine Plattform (anstelle jeweils einer Ruderbank), wo das Beiboot bzw. der Kochherd standen. Auch hier konnten Seesoldaten zum Nahkampf aufgestellt werden. Im Bug befand sich das Backdeck wo die Artillerie in Fahrtrichtung ausgerichtet war und bei der Jagd auf ihre Gegner eingesetzt wurden. Den vorderen Abschluss einer Galeere bildete die verlängerte Bugspitze, mit Rammsporn und "Galion", eine Plattform, die das Entern gegnerischer Schiffe ermöglichen sollte und gleichzeitig als Abort für Matrosen und Soldaten diente.[4]

BewaffnungBearbeiten

Das Rammen der gegnerischen Schiffe wurde während des Mittelalters aufgegeben. Der Rammsporn wurde über die Wasserlinie verlagert und deutlich verlängert, diente jetzt aber vorrangig als Enterbrücke. Vor der Einführung der Feuerwaffen war das Entern die wirksamste Methode um ein gegnerisches Schiff entweder zu zerstören oder zu kapern. Danach erlaubte die relativ tiefe Positionierung der Geschütze am Bug, auch sehr große Kanonen oder Bombarden zu verwenden. Diese konnten auch viel größeren Schiffen gefährlich werden. Die mittig positionierte Coursier genannte, große Kanone wurde von kleineren Geschütze für den Nahkampf flankiert. Daneben befanden sich an günstigen Standorten die Drehbassen, die für das Verschießen von Hagel genannten Schrott und andere Metallteile (Musketenkugeln, Nägel etc.) im Nahkampf eingesetzt wurden. Die Armierung mit Feuerwaffen war generell dennoch relativ dürftig, meist nur fünf oder sechs schwere Kanonen, Kolubrinen und Drehbrassen, obwohl die Tragfähigkeit dieses Schiffstyps die Aufstellung von mindestens 50 Kanonen erlaubt hätte. Die Erfindung der Stückpforte um 1500 ermöglichte es, eine größere Zahl schwerer Geschütze in Breitseitenaufstellung zu platzieren. Dies war aber nur bei Segelschiffen, nicht jedoch bei den Galeeren möglich, da bei ihnen die Breitseiten mit Riemen und Ruderern belegt waren. Der Galeere erwuchs somit mit den Segelschiffen bald ein neuer gefährlicher Gegner, der anfangs jedoch im Mittelmeer nicht sehr oft zum Einsatz kam, da ihnen die Galeeren an Geschwindigkeit und Wendigkeit immer noch deutlich überlegen waren und die Kadenz der damaligen Feuerwaffen noch zu schwach war, um diesen Nachteil zu kompensieren. Die Segelschiffe errangen erst im Laufe des 17. Jahrhunderts – auch durch ihre stärkere Feuerkraft – die dauerhafte Überlegenheit über die Galeeren.[5]

Leben an BordBearbeiten

Antike griechische und römische Ruderschiffe wurden in der Regel von Freien gerudert. In Ausnahmesituationen wurden jedoch gelegentlich auch Sklaven auf die Ruderbänke gesetzt, denen aber meistens vor oder nach dem Einsatz die Freiheit gewährt wurde. Die Galeerenstrafe für verurteilte Verbrecher war im Altertum gänzlich unbekannt.[6]

Auf einer 50 Meter nicht übersteigenden Kriegsgaleere des 16. Jahrhunderts drängten sich auf knappen 300 m² mitunter über 400 Mann. Trotz des beengten Raumes gab es auf der Galeere zwei Welten, die wenig miteinander gemein hatten. Das Leben an Bord war für alle – Besatzung, Soldaten und Ruderer – mit großen Entbehrungen verbunden. Befand sich das Schiff auf See, schliefen alle an Deck, auch die Offiziere. Nur für den Kapitän stand ein Bett in seiner Kajüte zur Verfügung. Lag das Schiff im Hafen, wurde ein Sonnensegel über das Deck gespannt. Die Offiziere suchten sich an Land ein Quartier, nur die Deckwache verblieb an Bord. Ein Deck oder Halbdeck tiefer, je nach Größe der Galeere, saßen die Ruderer. Auf französischen Galeeren wurden sie "la chiourme" genannt. Ihre Aufseher waren die "gardes-chiourme". Diese Bezeichnungen leiteten sich vom lateinischen celeusma ab, der Gesang der Ruderer, der ihnen am Bord einer antiken Galeere den Takt vorgab. Bei kleinen Galeeren waren es 80, bei den größeren Galeassen auch mehrere hundert. Hauptsächlich bestanden sie aus Sklaven und Kriegsgefangenen, Sträflinge, aber auch Freie, die gegen Bezahlung ruderten. Sie unterschieden sich äußerlich dadurch, dass die Köpfe der Sklaven und Sträflinge glattrasiert waren, die Kriegsgefangenen durften einen Zopf tragen und die freien Ruderer ihr normales Haar. Zwei bis fünf von ihnen bedienten je einen Riemen. Allerdings gab es auch Galeeren, bei denen jeder Ruderer seinen Riemen allein bewegte. Je weiter der Ruderer vom Drehpunkt des Riemens entfernt saß, desto größer war der Weg, den er bei jedem Schlag zurücklegen musste. Während derjenige, der direkt an der Bordwand saß, nur den Oberkörper zu bewegen brauchte, musste der Ruderer, der zur Schiffsmitte hin saß, bei jedem Schlag aufstehen und einen Schritt vor und zurück machen. Entsprechend wurden die Ruderer eingesetzt: die Älteren und Schwächeren nach außen zur Bordwand, die Stärkeren nach innen zur Schiffsmitte hin. Die Ruderer durften – bis auf wenige Ausnahmen – ihre Bänke nicht verlassen. Die Sklaven und Sträflinge unter ihnen waren die meiste Zeit über angekettet und schliefen sogar auf ihren Bänken. Auch die sanitären Verhältnisse waren entsprechend, denn auch ihre Notdurft mussten sie dort verrichten. Gerudert wurde manchmal bis zu 10 Stunden am Tag. Den Liegeplatz einer Galeere konnte man deshalb schon von weitem riechen. Die Sterblichkeit unter ihnen war deswegen sehr hoch. Es war meist billiger, Ersatz zu beschaffen, als einen Kranken oder Verletzten wieder gesund zu pflegen. Solche Galeeren konnten zwar dadurch unter jeglichen Wetterbedingungen fortbewegt und manövriert werden, für längere Reisen waren sie aber ungeeignet, da Stauraum für Nahrungsmittel u. ä. nicht vorhanden war. Da die Mannschaft hauptsächlich aus Zwangsverpflichteten bestand, ergaben sich daraus naturgemäß gravierende Sicherheitsprobleme. Nur im Gefecht konnte es vorkommen, dass man die Galeerensträflinge loskettete und bewaffnete und ihnen im Falle des Sieges die Freiheit versprach (siehe Lepanto). Ansonsten blieben alle angekettet und ertranken, wenn die Galeere versenkt wurde.[7]

Seeschlachten, an denen Galeeren beteiligt warenBearbeiten

MeloriaBearbeiten

Die Seeschlacht bei Meloria, am 6. August 1284 zwischen Genua und Pisa ausgetragen, war die größte Seeschlacht des Mittelalters. Knapp 100 Schiffe der Seerepublik Genua schlugen dort unter dem Kommando Oberto Dorias die etwa 120 Schiffe umfassende pisanische Flotte, die vom venezianischen Admiral Alberto Morosini geführt wurde.

CurzolaBearbeiten

Die Seeschlacht bei Curzola wurde am 8. September 1298 zwischen den Flotten Venedigs und Genuas bei der dalmatinischen Insel Korčula im Adriatischen Meer ausgetragen. Die venezianische Flotte unter dem Kommando des Admirals Andrea Dandolo unterlag den Genuesen unter Admiral Lamba Doria, der mit einem Überraschungsmanöver seiner Reserve die Schlacht zu seinen Gunsten entscheiden konnte.

PolaBearbeiten

Die Seeschlacht bei Pola am 7. Mai 1379 war eine der Schlachten im Chioggia-Krieg, der zwischen den Seerepubliken Genua und Venedig ausgetragen wurde. Die Genuesen schlugen dabei die zahlenmäßig unterlegene venezianische Flotte.

LepantoBearbeiten

Die Schlacht von Lepanto war die letzte große Seeschlacht mit geruderten Galeeren. Am 7. Oktober 1571 besiegte eine Flotte der Heiligen Liga unter Don Juan de Austria eine Flotte des Osmanischen Reichs unter Ali Pascha. Die Flotte der Heiligen Liga, eines vom Papst initiierten Bündnisses gegen die Osmanen, bestand zum größeren Teil aus spanischen, zum kleineren Teil aus venezianischen Schiffen. Mit dieser Schlacht wurde die seit dem Fall Konstantinopels 1453 als Bedrohung des Abendlandes empfundene osmanische Expansion eingedämmt. Die europäischen Staaten konnten im Mittelmeer wieder Fuß fassen. Die Macht Spaniens erreichte ihren Zenit.

Untergang der Spanischen ArmadaBearbeiten

Zur spanischen Armada gehörten vier Galeeren unter dem Kommando von Diego de Medrano und vier Galeassen unter Huc de Montcada.

LiteraturBearbeiten

  • Hans D. L. Viereck: Die römische Flotte. Koehler, Herford 1975, ISBN 3-7822-0106-X.
  • Hugh Bicheno: Crescent and Cross. The Battle of Lepanto 1571. Phoenix Paperback, London, 2004, ISBN 1-84212-753-5.
  • Edmond Paris, Lothar Eich, Ernest Henriot, Luise Langendorff: Die große Zeit der Galeeren und Galeassen. Verlag Delius Klasing, 1973, ISBN 3-7688-0163-2.
  • Jean Marteilhe: Galeerensträfling unter dem Sonnenkönig. Memoiren. Beck, München 1989, ISBN 3-406-32979-9. (Einziger Erlebnisbericht eines Galeerensträflings).
  • Jean Yves Delitte, Frederico Nardo: Die Grossen Seeschlachten. Lepanto 1571, Band 3, Finix, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-945270-72-1.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Galeere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Galeere – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Colleccions (Webseite des Museu Maritim von Barcelona zum Nachbau der Galeere Real, auf Katalanisch)

AnmerkungenBearbeiten

  1. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Aufl., bearb. v. Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin 1960.
  2. Galee. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 4: Forschel–Gefolgsmann – (IV, 1. Abteilung, Teil 1). S. Hirzel, Leipzig 1878, Sp. 1160 (woerterbuchnetz.de).
  3. Jean Marteilhe: Galeerensträfling unter dem Sonnenkönig : Memoiren. München: Beck, 1989.
  4. Delitte/Nardo 2018, S. 52–53
  5. Delitte/Nardo 2018, S. 52–53
  6. Außer einem möglichen Fall im Ptolemäischen Ägypten. Lionel Casson: Ships and Seamanship in the Ancient World. Princeton University Press, Princeton 1971, S. 325–326.
  7. Jean Marteilhe: Galeerensträfling unter dem Sonnenkönig – Memoiren. Beck, München 1989, ab S. 266.