Gozdowice

Ort in Polen
(Weitergeleitet von Güstebiese)

Gozdowice (deutsch Güstebiese, früher auch Alt-Güstebüse) ist ein Dorf mit 115 Einwohnern (31. Dezember 2004) der Gemeinde Mieszkowice (Bärwalde in der Neumark) im Powiat Gryfiński (Greifenhagener Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Gozdowice
Gozdowice führt kein Wappen
Gozdowice (Polen)
Gozdowice
Gozdowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfino
Gmina: Mieszkowice
Geographische Lage: 52° 46′ N, 14° 20′ OKoordinaten: 52° 46′ 0″ N, 14° 20′ 0″ O
Einwohner: 115 (31. Dez. 2004)
Postleitzahl: 74-505
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Verwaltung
Webpräsenz: www.gozdowice.pl



Dorfkirche, bis 1946 der evangelischen Gemeinde von Güstebiese

Geographische LageBearbeiten

Der Ort liegt in der Neumark am rechten Ufer der Oder, etwa zehn Kilometer westlich von Mieszkowice (Bärwalde in der Neumark).

GeschichteBearbeiten

Erstmals erwähnt wurde das im Besitz der Herren von Güstebiese befindliche Fischerdorf am Rande des Oderbruches im Jahre 1337. Später gehörte der Ort in der Neumark dem Johanniterorden in Grüneberg (Neumark), heute ein Dorf in der Gemeinde Cedynia. Im Jahre 1665 lebten in Güstebiese 30 Fischer, 16 Kossäten sowie 6 Kleinhäusler.

Bei der Trockenlegung des Oderbruches im Jahre 1753 wurde zwischen Güstebiese und Hohensaaten ein neuer begradigter Flusslauf – die "Neue Oder" – geschaffen, um die alte Flussschleife über Wriezen und Oderberg abzuwerfen. Am 2. Juli 1753 erfolgte der Durchstich des Dammes der Neuen Oder.

Das durch die Melioration neu gewonnene Land wurde besiedelt und westlich der Oder entstanden auf Güstebieser Fluren die Kolonien Neu-Güstebiese (1755) und Karlsbiese (1756).

Während des Siebenjährigen Krieges wurde eine Schiffbrücke über die Oder errichtet, die Friedrich II. am 22. August 1758 auf dem Wege zur Schlacht bei Zorndorf überquerte. Im Jahre 1908 wurde an der Oder ein Denkmal an dieses Ereignis errichtet.

Die Einwohnerzahl erhöhte sich, 1800 lebten in Güstebiese 1.000 Einwohner. Der Charakter des Dorfes hatte sich gewandelt, in Ort waren zahlreiche Handwerker, Schiffer und auch Forstleute ansässig. 1815 nahm eine zu Tag und Nacht verkehrende Fähre über die Oder nach der Güstebieser Loose den Betrieb auf, die bis 1945 ununterbrochen bestand. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts entstanden Windmühlen und Werften.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Chausseebau von Bärwalde nach Wriezen. In der Güstebieser Loose entstand ein Chausseehaus, in dem das Wegegeld erhoben wurde und um das eine kleine Ansiedlung entstand.

Im 20. Jahrhundert öffnete sich das Dorf an der Oder dem Tourismus und erlangte die Anerkennung als Luftkurort. An der Oder entstand ein weithin bekannter Badestrand und 1912 konstituierte sich der Fremdenverkehrsverein.

1933 wurde in einem groß inszenierten Fest mit etwa 20.000 Gästen an den Oderübergang Friedrichs II. erinnert. 1939 hatte Güstebiese 1.077 Bewohner, in der Kolonie Karlsbiese lebten 180 Menschen. Bürgermeister war Franz Rückheim. Der Ort hatte ein Standesamt und eine Poststation. Die nächsten Bahnstationen waren Bärwalde und Zäckerick-Alt Rüdnitz. Das zuständige Amtsgericht war Bärwalde/Neumark. Die Gemarkung umfasste 1382 Hektar.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges befand sich das Dorf in der Hauptkampflinie der Oderfront. Bei den Kämpfen, die am 1. Februar 1945 begannen und bis zum 14. April dauerten, erlitt das Dorf im Landkreis Königsberg schwere Schäden. Am 16. April 1945 errichteten polnische Pioniere eine Behelfsbrücke zur Forcierung der Oder als Übergang für die Truppen für die Schlacht um Berlin.

 
Fähre über die Oder, mit dem Dorf im Hintergrund

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Güstebiese von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde das Dorf zusammen mit anderen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung polnischen Migranten, die zum Teil aus von Polen nach dem Ersten Weltkrieg eroberten Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Die deutsche Ortschaft Güstebiese wurde in Gozdowice umbenannt. Soweit die einheimischen Bewohner des Dorfs nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

An der Stelle des Denkmals Friedrichs des Großen entstand eine Gedenkstätte für den Oderübergang der 1. Polnischen Armee.

Die links des Flusses befindlichen Fluren mit den Kolonien Neu-Güstebiese, Karlsbiese und Güstebieser Loose verblieben bei Deutschland und sind heute als Ortsteil Güstebieser Loose Teil der Gemeinde Neulewin im Landkreis Märkisch-Oderland.

Seit dem 20. Oktober 2007 verkehrt nach 62 Jahren wieder eine Fähre über die Oder zum deutschen Ort Güstebieser Loose. Sie verkehrt von April bis Oktober, nur bei ausreichendem Wasserstand, und nicht montags. Als Fahrzeug wird ein motorisierter Raddampfer benutzt.[1]

DemographieBearbeiten

Anzahl Einwohner
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1804 1000 in 103 Haushaltungen (Feuerstellen)[2]
1840 1751 in 178 Wohngebäuden.[3]
1864 2071 in 202 Wohngebäuden[4]
1867 2144 am 3. Dezember[5]
1871 2056 am 1. Dezember, darunter 2054 Evangelische, ein Katholik und ein Sonstiger[5]
1910 1271 am 1. Dezember[6]
1933 1132 [7]
1939 1081 [7]

PersönlichkeitenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bericht mit Foto von der Fähre
  2. Friedrich Wilhelm August Bratring: Beschreibung der gesamten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg, Berlin 1809, S. 116 (online).
  3. Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. Gustav Harnecker's Buchhandlung, Frankfurt a. O. 1844, S. 97, Nr. 82 (online).
  4. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., 1867, S. 120, Nr. 226 (online ).
  5. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 120–121, Nr. 42 (online).
  6. www.gemeindeverzeichnis.de.
  7. a b M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)

WeblinksBearbeiten