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Wappen der Stadt Flensburg

Fruerlund
Stadtteil von Flensburg

EngelsbyFriesischer BergFruerlundInnenstadtJürgensbyMürwikNeustadtNordstadtSandbergSüdstadtTarupWeicheWestliche HöheLage von Fruerlund in Flensburg
Über dieses Bild
Basisdaten
Einwohner 6225 (1. Nov. 2011)
Koordinaten 54° 48′ 12″ N, 9° 27′ 33″ OKoordinaten: 54° 48′ 12″ N, 9° 27′ 33″ O.
Eingemeindung 1. Mai 1910
Räumliche Zuordnung
Postleitzahl 24943
Stadtteilnummer 10
Bild
Der Wasserturm Mürwik steht eigentlich im Volkspark in Fruerlund

Der Wasserturm Mürwik steht eigentlich im Volkspark in Fruerlund

Quelle: http://www.flensburg.de/politik-verwaltung/daten-zahlen-fakten/interaktive-stadtteilkarte/index.php

Fruerlund (dänisch ebenfalls Fruerlund, Sønderjysk Frulunj) ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Flensburg in Schleswig-Holstein, der zur Region Angeln gezählt wird.[1] Der Name ist dänischen Ursprungs und lässt sich als "Frauenhain" übersetzen, wobei unklar ist, auf welche Frau(en) sich der Name bezieht.

Der Stadtteil Fruerlund liegt im Nordosten von Flensburg. Er grenzt im Westen an die Flensburger Förde, im Norden an Mürwik, im Südosten an Engelsby und im Süden an Jürgensby. Er umfasst heute den Stadtteil nördlich der Nordstraße bis nach Mürwik, zum Osbektal und nach Engelsby-Dorf, die allesamt außerhalb von ihm liegen.

GeographieBearbeiten

Stadtbezirke FruerlundsBearbeiten

Häufig wird Fruerlund auch als eine Art Stadtbezirk von Mürwik eingestuft. Offiziell gilt Fruerlund jedoch als ein Stadtteil von Mürwik, mit eigenen Stadtbezirken. Die offiziellen Stadtbezirke sind Blasberg, Bohlberg und Fruerlundhof (teilweise abgekürzt: Hof). Das kleine, schmale Gebiet Kielseng gehört dabei zum Stadtbezirk Blasberg, obwohl es optisch eher mit dem Mürwiker Gebiet Sonwik verwachsen ist.[2] Weitere Gebiete die Fruerlund gehören sind Fruerlundholz sowie ein Teilbereich von Fruerlundmühle.

HöhenlagenBearbeiten

Die in Fruerlund zu findenden Ortsbezeichnungen Tomatenberg, Blasberg, Bohlberg und Finisberg deuten auf verschiedene Höhenlagen hin. Die besagten Berge sind aber von ihren Erhebungen nicht immer ganz präzise verortbar. Der größte Teil von Fruerlund liegt deutlich oberhalb der Flensburger Förde. Das kleine, schmale Gebiet Kielseng bildet eine Ausnahme und liegt direkt an der Flensburger Förde.

GeschichteBearbeiten

Das ursprüngliche FruerlundBearbeiten

Namentlich erwähnt wurde Fruerlund erstmals im 19. Jahrhundert. Das ursprüngliche Fruerlund bestand aus einer sehr schmalen, aber von Nord nach Süd recht lang gestreckten Gemarkung, die bei weitem nicht deckungsgleich mit dem heutigen Stadtteil ist. Im Süden reichte sie bis Adelby (vgl. Fruerlundmühle). Die Kernsiedlung Fruerlund bestand nur aus zwei Höfen. Weiter nördlich lag die kleine Fischer- und Kätnersiedlung Fruerlundholz. Den nördlichsten Punkt bildete die Einzelstelle Mürwik. Dessen Name Mürwik bezeichnete ursprünglich nur eine Bucht im dortigen Bereich.[3] Seit 1869 bildete Fruerlund eine Landgemeinde gemäß der preußischen Kommunalverfassung.

Während die Fruerlunder Höfe zu den größeren landwirtschaftlichen Betrieben im Kirchspiel Adelby gehörten, verdienten die Bewohner von Fruerlundholz ihre Einkünfte durch Lohnarbeit und Fischerei. Im 19. Jahrhundert gab es westlich des Dorfes eine Ziegelei. Eine noch größere Ziegelei entstand jedoch in Mürwik, das damals noch zur Gemeinde Fruerlund gehört. Letztere gehörte dem Flensburger Hospital. Das damals noch kleine Mürwik wurde im 19. Jahrhundert zu einem viel besuchten Ausflugsort, als der Flensburger Kaufmann und Hospitalsvorsteher Heinrich Göttig am zu Mürwik gehörenden Gelände einen Park in Mürwik sein Eigen nannte. Dieser wurde wegen seiner Naturschönheit, einiger konstruierter Attraktionen wie einer Grotte und seiner schönen Lage viel besucht, darunter in den 1850er Jahren auch von König Friedrich VII., wenn dieser im Sommer auf Schloss Glücksburg weilte. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Mürwik zudem zu einem Badeort. Das alte Hofgebäude bzw. das Wohnhaus des Ziegeleipächters wurde zum Strand-Hotel ausgebaut, und am Park entstand zudem ein Park-Hotel.

Im Jahr 1901 erhielt Fruerlund einen Bahnanschluss an der Südstrecke der Flensburger Kreisbahn nach Satrup. Dieser lag im Süden der Gemeinde an der alten Glücksburger Chaussee. Auch dort entstand eine kleine städtische Siedlung. 1901/1902 wurde am nördlichen Rand der Gemeinde Fruerlund beim ursprünglichen Mürwik die Torpedostation der kaiserlichen Marine gebaut. In der Nachbarschaft, auf dem gegenüberliegenden Seite der Osbek, auf dem Gebiet der Gemeinde Twedter Holz wurde bald darauf die Marineschule Mürwik errichtet.

Eingemeindung und ihre FolgenBearbeiten

 
Alt-Fruerlundhof 1 mit Teich im Schnee (Januar 2015)

1910 wurde Fruerlund gemeinsam mit den Nachbargemeinden Twedter Holz, Twedt und Engelsby nach Flensburg eingemeindet. Der Flottenstützpunkt der kaiserlichen Marine, der auf dem Gemeindegebiet von Fruerlund und Twedter Holz errichtet worden war, wurde nach den Eingemeindungen der beiden Gemeinden, offenbar immer häufiger dem noch jungen Mürwik namentlich zogeordnet. Mürwik entwickelte sich in Folge des militärischen Ausbaus immer mehr zu einer städtischen Siedlung. Auch das nahe Fruerlundholz wurde mit mehrstöckigen Wohnhäusern ausgebaut. Eine neue Hauptstraße vom Flensburger Hafermarkt nach Mürwik, auf der auch die Straßenbahnlinie 3 verkehrte, entstand bis zum Jahr 1912 und führte zu weiterem Wachstum.[4]

Nach der Eingemeindung Fruerlunds nach Flensburg wurden neue Stadtteilgrenzen definiert.[5] Zum Stadtteil Fruerlund zählt heute auch der Blasberg mit Volkspark und Sportanlagen. Besagter Bereich gehörte ebenso wie Kielseng am Osthafen früher zur Gemarkung Jürgensgaard. Auch die zum Hospital gehörende Ballastbrücke wird heute als Teil von Fruerlund betrachtet. Der südlich der 1953 erbauten Nordstraße gelegene Ortsteil mit dem ehemaligen Bahnhof zählt heute zum Stadtteil Jürgensby, der kleinere Teil östlich des Lautrupsbachs zu Engelsby. Nur die nahe dem ehemaligen Bahnhof gelegene Bushaltestelle erinnert noch daran, dass dieses Gebiet ursprünglich zu Fruerlund gehört hatte.[6] Der ehemalige nördliche Teil von Fruerlund sowie das gesamte ehemalige Gemeindegebiet von Twedter Holz und der Norden des ehemaligen Gemeindegebietes von Twedt wurden letztlich zum Stadtteil Mürwik zusammengefasst.[7]

 
Abendlicher Blick von Kielseng zum benachbarten Sonwik, mit der dahinter liegenden Marineschule Mürwik, dem Roten Schloss. Fruerlund wird auch heute noch häufig als ein Teil von Mürwik angesehen.

In der Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Mitte der 1920er Jahre wurde der Volkspark mit dem zugehörigen Stadion angelegt. 1932 hielt Adolf Hitler dort eine Wahlrede zur preußischen Landtagswahl. Im Jahr darauf erfolgte die Nationalsozialistischen Machtergreifung. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ließ sich die letzte Reichsregierung im Sonderbereich Mürwik nieder, zudem auch das gesamte Fruerlunder Gebiet gehörte.[8] Nachdem der letzter Reichspräsident Karl Dönitz am 7. Mai 1945 die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht erklären ließ, wurde die Stadt Flensburg vom 8. bis zum 13. Mai durch britische Truppen besetzt, mit Ausnahme des Mürwiker Sonderbereiches, der erst am 23. Mai besetzt wurde.[9][10] Nachdem am 7. Mai 1945 Karl Dönitz auch die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht erklären.

NachkriegszeitBearbeiten

 
Das Turm-Haus am Nettelbeckplatz (Zentralbereich von Flüchteby)

Nach dem Krieg, der durch den Zustrom von Flüchtlingen vor allem aus Hinterpommern und Ostpreußen Flensburgs Einwohnerzahl auf über 100.000 steigen ließ (vgl. Einwohnerentwicklung von Flensburg), wurde Fruerlund stark bebaut. Zunächst entstand das Wohngebiet um die Fruerlundlücke westlich von Alt-Fruerlund. Es war Flensburgs größtes Neubaugebiet der frühen 1950er Jahre und war von zwei- bis dreistöckigen Häuserreihen, in einigen Straßen auch von kleineren Reihenhäusern geprägt. Bauträger war der Selbsthilfe-Bauverein. Im Volksmund wurde das Viertel manchmal Flüchteby genannt, da sich hier tatsächlich viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene niederließen und da die meisten Straßennamen an die früheren deutschen Ostgebiete erinnern. Die Anhäufung ostpreußischer Straßennamen geben auch heute noch diesem Gebiet den umgangssprachlichen Namen Klein Ostpreußen oder Klein Königsberg. Zentrum war der Nettelbeckplatz an der Kreuzung Fruerlundlücke-Mühlenholz (der alten Verbindung von Jürgensby mit Blasberg und Mürwik), der später nach dem Gründer des Selbsthilfe-Bauvereins und Flensburger Stadtbaurat Willi Sander umbenannt worden ist. Seit 2010 lassen Stadt und Selbsthilfe-Bauverein das Gebiet komplett umgestalten, da die Häuser stark sanierungsbedürftig geworden sind und die Wohnungen als nicht mehr zeitgemäß aufgefasst werden. Weite Teile des Viertels werden seither durch Neubauten ersetzt. In den 1960er Jahren errichtete man ein großes Wohngebiet mit Wohnblocks und einzelnen Hochhäusern unmittelbar südlich von Fruerlundholz.

1953/54 wurde das Mutterhaus der DRK-Schwesternschaft Elsa Brändström von Mürwik nach Fruerlund verlegt. 1955 wurde die Fruerlunder Schule nahe Alt-Fruerlund eröffnet. Die 1884 eingerichtete alte Engelsbyer Schule hatte im Süden der Gemarkung Fruerlund gelegen. Noch früher hatten die Fruerlunder Kinder zur Schule nach Adelby gehen müssen. Mit der Realschule Ost (seit 1991: Integrierte Gesamtschule) und dem Fördegymnasium Flensburg sowie der Friholtschule, einer Förderschule, wurde der Ortsteil Standort mehrerer Bildungseinrichtungen, deren Bedeutung über den Lokalbereich hinausgeht. Das Einkaufszentrum des Stadtteils lag an der Travestraße nahe südöstlich des alten Fruerlundholz, doch sind die meisten Geschäfte der beiden Ladenzeilen inzwischen nicht mehr vorhanden.

Der Stadtteil heutzutageBearbeiten

2016 wurde das Robbe & Berking Yachting Heritage Centre beim Flensburger Industriehafen eröffnet.

 
Der untere Verlauf des Lautrupsbachs.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Fruerlund zählt eine ganze Anzahl von Kulturdenkmalen, beispielsweise den Volkspark. Auch verschiedene Bereiche des Flensburger Hafens werden heute zum Stadtteil gerechnet, so beispielsweise auch das Kapitänshaus, das Fischerhaus sowie das Rönnenkamp-Stift in der Straße Ballastbrücke. In der Liste der Kulturdenkmale in Flensburg-Fruerlund sind die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale zu finden.

Der grüne Korridor des Lautrupsbachs ist Teil eines Grünzuges der vom Flensburger Hafen, über den besagten Bachlauf, dem Adelbyer Gebiet, dem Vogelsang, Blocksberg und dem Tremmeruper Wald, bis zum Schloss Glücksburg reicht.

LiteraturBearbeiten

  • Karl Weigand (Bearb.): Flensburg-Atlas. Die Stadt Flensburg in der deutsch-dänischen Grenzregion in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1978.
  • Gerret Liebing Schlaber: Administrative tilhørsforhold mellem Ejderen og Kongeåen indtil 2007. Flensburg 2007.
  • Fruerlund. Stadtumbau in Flensburg - ein Quartier erfindet sich neu. (Große Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte; 81) Flensburg 2016.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. Die Landschaft Angeln; Abgerufen am 10. Januar 2014
  2. Stadtteile, herausgegeben von der Stadt Flensburg (Memento vom 24. Februar 2016 im Internet Archive)
  3. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009, Artikel: Mürwik
  4. Flensburger Tageblatt: 100 Jahre Eingemeindung: Der graue Esel und des Kaisers Piste, vom: 6. Mai 2010; abgerufen am: 4. Mai 2018
  5. Wann genau ist unklar. Möglicherweise zunächst durch Sprachgebrauch und erst später nach dem Zweiten Weltkrieg amtlich.
  6. Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860–1930. Flensburg 2009, S. 132
  7. Flensburg Atlas, Flensburg 1978, Karte Nr. 16.
  8. Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 115
  9. Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 211.
  10. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 410

WeblinksBearbeiten

  Commons: Fruerlund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien