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Straßenschild der Stichstraße Osbek

Osbek (dänisch Osbæk) ist der Name eines kleinen Baches und eines ehemaligen Wohnplatzes im Nordosten der kreisfreien Stadt Flensburg. Die Osbek fließt durch ein Tal, das sogenannte Osbektal. Unter dem Namen Osbek stellt das Tal sowie die angrenzende Bebauung zugleich einen Stadtbezirk im Flensburger Stadtteil Mürwik dar.[1] Zudem existiert noch eine kurze Stichstraße die den Namen Osbek trägt.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Lage der OsbekBearbeiten

Die Osbek entspringt in der Nähe vom alten Dorf Engelsby (Engelsby-Dorf beziehungsweise Alt-Engelsby) und fließt dann Richtung Norden. Die Mündung ist kurz vor ihrem Ende verrohrt, so dass im Bereich, wo die Osbek in die Flensburger Förde fließt, keine natürliche Mündung erkennbar ist. Sie fließt verrohrt beim Bootshafen der Marineschule Mürwik ins Wasser.

Die Landschaft um die Osbek herumBearbeiten

 
Wildblumenwiese im Osbektal
 
Einer der Rodelhänge des Osbektals im Januar 2015

Das Osbektal ist ein glazifluvial entstandenes Tal, das über die Osbek in die Flensburger Förde entwässert. Der Bereich zwischen Engelsby-Dorf bis zur Osterallee wird als Oberes Osbektal bezeichnet und ist durch seine Knicks und die landwirtschaftlichen Flächen geprägt. Das Mittlere Osbektal beginnt an der Osterallee und endet in der Nähe des Kraftfahrt-Bundesamtes an der Fördestraße. Der Talraum ist schmaler und die Hänge sind steiler als im Oberen Osbektal. Der größte Teil der Fläche wird gärtnerisch genutzt und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das Untere Osbektal kann ebenfalls nicht betreten werden, da es Teil des Marinegeländes ist.

Das Osbektal ist heutzutage von Bebauungen umgeben. Aus der einstigen ländlich geprägten Landwirtschaftsfläche ist ein innerstädtischer Grünzug geworden. Bis an die Hangkante heran wurden Wohnhäuser und andere Gebäude errichtet. Die Hänge wurden teilweise zu Gärten umgestaltet. Einige feuchte Bereiche wurden soweit entwässert, dass man sie landwirtschaftlich nutzen kann.

Von der Osteralle nach Richtung Süden in das Tal befinden sich Wiesen und Äcker, Knicks, feuchte Niederungen mit Binsen und Sumpfdotterblumen und den Verlauf des Baches, an dessen Ufer Gehölze wachsen. Der Talraum dient Vogelarten als Lebensraum, ebenso kommen Frösche und andere Amphibien in großer Zahl vor. Außerdem wurde festgestellt, dass auch seltene Tierarten wie Steinmarder, Hasen, Wasserspitzmäuse und Ringelnattern hier leben. Aus Sicht des Naturschutzes handelt es sich um einen der wertvollsten und landschaftsprägendsten Teile von Flensburg. Für den Naturschutz sind der Bachverlauf und der feuchte Bereich südlich der Osterallee besonders interessant; ein Teil der Flächen steht darum auch unter gesetzlichem Schutz. Auch die Knicks und die Teiche sind per Gesetz geschützt, sie dürfen nicht zerstört werden.

Das Osbektal ist schon seit Jahrhunderten keine reine Naturlandschaft mehr, sondern sie hat ihr typisches Aussehen dadurch erhalten, dass der Mensch sie genutzt hat. Sie wird darum als „Historische Kulturlandschaft bezeichnet. In der Stadt Flensburg gibt es noch andere Beispiele für diese Mischung aus Acker, Grünland und Knicks, etwa die Marienau. Ohne die landwirtschaftliche Nutzung würde sich das Bild des Osbektales innerhalb weniger Jahre grundlegend ändern. Auf Feldern würden Sträucher und Bäume wachsen, so dass ein Wald entstehen würde. Das Tal gehört zu den Landschaftsschutzgebieten Flensburgs.

GeschichteBearbeiten

EntstehungBearbeiten

 
Relief vom Osbeck-Hof beziehungsweise Osbek-Hof am Gebäude der Kaiserlichen Post in Mürwik

Die Entstehung des Osbektals begann gegen Ende der letzten Eiszeit, also vor über 10.000 Jahren, und dauert bis heute an. Das Wasser bahnte sich seinen Weg durch ein Gelände, das das typische Relief Angelns aufweist. Der fließende Osbek hat sich danach zudem über weitere Jahrtausende immer tiefer in den Boden gegraben, womit schließlich das heutige Kerbtal entstanden ist. Weitere bekannte Kerbtäler der Stadt sind das Mühlenstromtal, das Lachsbachtal, das Lautrupsbachtal, das Schwarzenbachtal und die Cäcilienschlucht.[2][3] Der Höhenunterschied von rund 20 Metern, der zwischen der Talsohle und den Hangkanten liegt, hebt die Gestalt des Tales hervor. Im Gegensatz zu allen anderen Bachläufen Flensburgs fließt die Osbek vorwiegend in Süd-Nord-Richtung und stellt damit eine Besonderheit dar.

BenennungBearbeiten

Der Präfix „Os-“ soll nach Wolfgang Laur aus dem Dänischen kommen und „Mündung“ bedeuten.[4][5] In aktuellen Dänischwörterbüchern ist diese Übersetzung jedoch nicht zu finden. Im heutigen Dänisch hat das Wort „Os“ die Bedeutung „Qualm“, „Dunst“ oder auch „Rauch“. Der Suffix-bek“, dänisch „-bæk“, hat leich erkennbar die Bedeutung Bach.[6] Eine ganze Anzahl von Bächen in dem Gebiet enden mit diesem Suffix, beispielsweise Mühlenbek und Adelbybek. Der Name „Osbek“ wird also im Allgemeinen als „Mündung eines Baches“ gedeutet.[7] Trotz des Namens, der wie angenommen auf die Mündung in die Förde Bezug nimmt, bezeichnet der Name Osbek, im Sinne eines „Mündungsbaches“, den gesamten Bachlauf. Auch wenn das Wort „Bach“ einen männlichen Artikel besitzt ist der Artikel des Namens Osbek weiblich.[8]

BesiedlungBearbeiten

 
Rehe beim Osbektal am Rande von Engelsby-Dorf

Das Osbektal lag einst weit vor den Toren der Stadt Flensburg. Der Bachlauf war schon damals teilweise begradigt und auch die Knicks verliefen großteils bereits so, wie sie es heute noch tun. Die dazwischenliegenden Felder wurden landwirtschaftlich genutzt.

Unweit der Mündung des Baches in die Flensburger Förde lag früher eine wohl von Twedter Holz abgelegte Katenstelle, die im 19. Jahrhundert derart umfangreiche Ländereien besaß, dass sie als vollwertiger Bauernhof besteuert werden konnte. Erstmals erwähnt wurde die Stelle 1685. Seit 1734 bezeugt ist die etwas westlich hiervon unmittelbar am Fördeufer gelegene Ziegelei. Osbek unterstand der Verwaltung des Amtes Flensburg und gehörte nach 1864 zur Landgemeinde Twedter Holz im nunmehr preußisch-deutschen Kreis Flensburg.

 
Die ehemalige „Osbekschule“ die heute den Namen Ostseeschule Flensburg trägt.

Wer vor 100 Jahren auf einem der seitlichen Hänge stand, hatte einen weiten Blick über das leicht hügelige Land rundum, in dem das Osbektal eine markante Trennlinie darstellte. Anfang des 20. Jahrhunderts lag ungefähr an der Stelle zwischen der Christuskirche und dem KBA der Osbek-Hof.[9] Nach der Einstellung des Ziegeleibetriebs 1900 wurde der gesamte Besitz vom Fiskus erworben. Unmittelbar südlich der Mündung der Osbek entstanden ab 1903 die ersten Bauten des Flottenstützpunktes Mürwik, nördlich davon ab 1907 die Marineschule Mürwik. Der landeinwärts gelegene Hof Osbek blieb als landwirtschaftlicher Betrieb zunächst bestehen, doch 1939 wurden die bis dahin noch erhaltenen Gebäude bei einer Militärübung gesprengt. Unmittelbar nördlich des ehemaligen Hofstandortes liegt heute das Kraftfahrt-Bundesamt. Im unteren Osbektal wurde in den Jahren 1929/30 eine Schule nach Plänen des Architekten Paul Ziegler errichtet. Diese „Mürwiker Schule“ trug später über viele Jahrzehnte hinweg den Namen „Osbekschule“. Sie wurde mittlerweile in Ostseeschule Flensburg umbenannt. Früherer Straßenbaupläne die das oberste Osbektal zerstört hätten, wurden mittlerweile verworfen. Der dortige Naturraum gilt heute als gesichert.

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Laur: Die Ortsnamen in Angeln, in: Jahrbuch der Heimatgemeinschaft für die Landschaft Angeln 1968. V. a. S. 41.
  • Gerret Liebing Schlaber: Fra opland til bydele. Flensborgs bymark og de indlemmede landsbyer i foto og tekst ca. 1860-1930. - Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860-1930. Flensburg 2009. S. 140 f.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Osbek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stadtteile, herausgegeben von der Stadt Flensburg (Memento vom 24. Februar 2016 im Internet Archive)
  2. WiF, Kerbtäler, abgerufen am: 31. Mai 2015
  3. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: Osbek und Cäcilienschlucht
  4. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005 , ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Osbek
  5. Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860-1930. Flensburg 2009. Seite 145
  6. Im Niederdeutschen bezeichnet „-bek“ ebenfalls einen Bach. Das Wort „Os-“ zeigt eine öffensichtliche Ähnlichkeit zum niederdeutschen Wort „Oss“, das Ochse bedeutet; vgl. auch Oxbüll (Wees). Der Name Osbek wird jedoch traditionell nicht niederdeutsch gedeutet. Vgl. Johannes Sass: Der neue Sass – Plattdeutsches Wörterbuch – Plattdeutsch – Hochdeutsch, Hochdeutsch – Plattdeutsch. 2. Auflage, Wachholtz Verlag, Neumünster 2002 sowie: Wolfgang Lindow: Plattdeutsch-hochdeutsches Wörterbuch. 5. Auflage. 1998
  7. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005 , ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Osbek
  8. Vgl. beispielsweise: Flensburger Tageblatt: Dauerregen in SH: Flensburg kämpft gegen das Wasser, vom: 16. Januar 2015; abgerufen am: 3. Mai 2016 und Flensburger Tageblatt: „Spielrevier statt Straße“: Kinder-Demo am Alsterbogen, vom: 4. Mai 2009; abgerufen am: 3. Mai 2016 sowie Wif. Kerbtäler, abgerufen am: 3. Mai 2016
  9. Vgl. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 126

Koordinaten: 54° 48′ 3″ N, 9° 28′ 12″ O