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Friedrich von Erckert

deutscher Offizier der Garde
Friedrich von Erckert als Schutztruppenoffizier

Friedrich von Erckert (* 30. Dezember 1869 in Bromberg; † 16. März 1908 bei Seatsub, Betschuanaland) war ein deutscher Offizier der Kaiserlichen Schutztruppe. Wegen der ersten nennenswerten Einführung von Dromedaren in das deutsche Militär gilt er als „Vater der Kamelreiter-Truppe“.

Inhaltsverzeichnis

Militärischer WerdegangBearbeiten

Friedrich von Eckert wechselte 1886 vom Gymnasium Freienwalde zum Kadettenhaus Wahlstatt in Niederschlesien. Von 1886 bis 1889 wechselte er zur Hauptkadettenanstalt Lichterfelde; gelegentliche Dienste am Hof als Page.

In die Preußische Armee trat er am 22. März 1889 als Sekondeleutnant im Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm IV.“ (1. Pommersches) Nr. 2 in Stettin ein. Zum Aufbau der chilenischen Armee nach preußischem Muster wurde er vom 18. August 1895 bis 18. August 1897 als Ausbildungsoffizier („Instructor“) freigestellt. Nach einer Bewerbung wurde er im November 1899 zur kaiserlichen Schutztruppe nach Deutsch-Südwestafrika einberufen. Im Mai 1900 wurde er Distriktchef, später Bezirkshauptmann von Omaruru. Nach Deutschland kehrte er am 12. Dezember 1902 zurück und trat dem Dienst im Braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92 an. Zum Hauptmann und Kompaniechef der 2. Kompanie wurde er am 22. Mai 1904 befördert. Nach Beginn des Hererokriegs meldete er sich freiwillig zum Wiedereintritt in die Schutztruppe. Er wurde Führer der 12. Kompanie im 2. Feldregiment (IV. Bataillon), Teilnahme an diversen Gefechten des Aufstands der Herero und Nama. Im April 1907 wurde er Kommandeur des Militärbezirkes Nord-Namaland. Im Oktober 1908 begann er mit der Ausbildung des Lehrpersonals für das Kamelreiten und der weiteren Vorbereitungen. Erckert beginnt am 4. März 1908 mit dem Abmarsch. Beim Sturm auf das Lager der Nama am 16. März fällt er durch einen Halsschuss als einer der ersten Deutschen und wird in der Wüste bestattet. Als man die Leiche später sucht, um sie auf dem Friedhof von Gochas bei Mariental am Rand der Kalahari zu bestatten, findet man sie nicht mehr. Unter dem dortigen Grabstein ist deshalb ein leeres Grab.

AuszeichnungenBearbeiten

„Der Zug des Hauptmann von Erckert“Bearbeiten

Der mit großer militärischer Gründlichkeit vorbereite Feldzug gegen die „Simon-Kooper-Hottentotten“ (heute Nama) mit tragischem Ausgang wurde literarisch von Hans Grimm in seinem Roman Volk ohne Raum (1926) aufgearbeitet: Hauptmann von Erckert bekam den Auftrag, die letzten aufständischen „Hottentotten“ zu bekämpfen, die aus der Kalahari, von britischem Gebiet aus, immer wieder deutsche Siedlungen und Posten angriffen. Um die Gegner in die Wüste verfolgen und schlagen zu können, plant von Erckert seine Soldaten mit Kamelen auszustatten. Akribisch wurde jede Kleinigkeit geplant und die Soldaten, die Pferde gewohnt waren, auf Kamelen ausgebildet. Der Zeitpunkt der Verfolgung wurde in die Reifezeit der Wüstenmelonen gesetzt, die als Wasserreserve für Mensch und Tier wichtig sind.

Der betreffende Auszug erschien auch als eigenes Büchlein Der Zug des Hauptmann von Erckert (1932). Grimms Buch um den intellektuellen Militär, der in der Realität immer wieder bei engstirnigen Vorgesetzten aneckte, machte von Erckert schon in der Weimarer Republik bekannt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Friedrich von Erckert schließlich zum Vorbild einer Generation hochstilisiert.

Friedrich von Erckert schrieb selbst unter Pseudonym Artikel für die Zeitung Die Zukunft und trug zum Buch Mit der Schutztruppe durch Deutsch-Afrika bei, wo er unter dem Pseudonym Simplex Africanus schrieb.

Sein bekanntestes Zitat, ein Sinnspruch, entstammt seinem Tagebuch, was man bei dem Toten fand: „In erster Linie die größte Selbstachtung – Nichts Gemeines tun, Leib und Seele reinhalten – Sich stets beherrschen; selbstlos, heiter und mutig sein – Sich sagen, daß eine gerade, aufrechte Haltung auch die Äußerung einer geraden Seele ist – Sich an einfachen Dingen erfreuen, nichts Unmögliches verlangen, an ein erreichbares Ziel aber Geduld, Ausdauer, gesammelten Willen wenden – Bleibe nie im Schmutz. Auch der Beste kann gelegentlich hineingeraten, aber darin zu bleiben braucht niemand“.

LiteraturBearbeiten

  • Hans Schmiedel: Hauptmann Friedrich von Erckert in Deutschsüdwestafrika und seine Zeit. Dortmund 1974.
  • Ernst Anders: Hauptmann Friedrich von Erckert. Ein Lebensbild (Beiheft zum Militär-Wochenblatt, 8/1910), Mittler, Berlin 1910 (Bibl. Nachweis und Digitalisat)
  • Julius Ohlemann: Beim Kamelreiterkorps des Hauptmann von Erckert. In: Auf weiter Fahrt. Band VI, 1909.
  • ohne Namen: Gefechtsmeldung und Nachruf auf Friedrich von Erckert. In: Südwestafrikanische Zeitung. vom 25. März 1908.
  • Die Expedition des Hauptmann von Erckert gegen Simon Copper. In: Zeitschrift Die Woche. Juli 1908.
  • Volker Lohse: 1908 – Der Kalaharifeldzug der Kopper-Hottentotten. In: Zeitschrift Damals 1989.
  • Volker Lohse: Kalaharimarsch gegen die Hottentotten 6.–22.3.1908. In: Die Zinnfigur. Heft 2/1974.
  • W. Grunow: Entstehung und Einsatz des Kamelreiterkorps der kaiserlichen Schutztruppe für DSWA. In: Die Zinnfigur. Heft 3/1974.
  • Zum 50. Jahrestag des Todes von Hauptmann Friedrich von Erckert. In: Mitteilungsblatt des Traditionsverbandes ehem. Schutz- und Überseetruppen. Nr. 6, 1958.
  • Arne Schöfert: Der chilenische Orden des Hauptmann Friedrich von Erckert. In: Zeitschrift Orden und Ehrenzeichen. Heft 66, April 2010 (Onlinefassung aus Februar 2005 auf der Webseite des Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen).
  • Walther Wülfing: Im Morgengrauen gegen Kopper. Glanz & Gloria Verlag, Windhoek 2010, ISBN 978-99945-71-72-7.

WeblinksBearbeiten