Friedrich Thieberger

österreichischer Reliogionsphilosoph und Judaist, Publizist, Übersetzer und Autor von Werken mit jüdischen Themen

Friedrich Thieberger (geboren 12. November 1888 in Goltsch-Jenikau, Österreich-Ungarn; gestorben 30. Mai 1958 in Jerusalem) war ein tschechoslowakisch-israelischer Religionsphilosoph und Judaist, Publizist, Übersetzer und Autor von Werken mit jüdischen Themen.

LebenBearbeiten

Friedrich Thieberger entstammte einer Rabbinerfamilie und war der Sohn des Prager Rabbiners Dr. Karl Thieberger. Im Jahr 1907 schloss er seine Schulausbildung am St. Stephans-Gymnasium in Prag ab.[1] Anschließend studierte er an der Karls-Universität Prag Germanistik bei August Sauer sowie Philosophie und Philologie und wurde promoviert.

Franz Kafka ließ sich von 1914 bis Herbst 1917 von Thieberger, mit dem er Ende 1912 in einer Buchhandlung ins Gespräch gekommen war, in Hebräisch unterrichten.[2] Thiebergers Schwestern Gertrude, später Lyrikerin und ab 1922 verheiratet mit Johannes Urzidil, und Nelly Thieberger freundeten sich mit dem jungen Schriftsteller an.[3]

Nach seinem Studium war Thieberger als Gymnasialprofessor für moderne Sprachen an deutschen Gymnasien in der Tschechoslowakei tätig.[4]

Thieberger beteiligte sich engagiert am jüdischen Leben in Prag, war aber zionistisch orientiert und kein Angehöriger der orthodoxen Judentums.[5] Von 1926 bis 1938 gab er die Monatsschrift des B’nai B’rith für die Tschechoslowakei heraus.

Im Jahr 1939 ging er nach Palästina und wurde dort der Rektor der Hebräischen Universität.[6] Er übersetzte auch einen Teil der Werke Josef Klausners ins Deutsche.

Thiebergers literarischer und wissenschaftlicher Nachlass befindet sich heute in der Nationalbibliothek Israels.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Masarykovo kredo a židovské náboženství, Aufsatz, 1931
  • Masaryk und das Judentum, 1934
  • Jüdisches Fest – Jüdischer Brauch, 1937
  • King Salomon, 1947
  • Die Glaubensstufen des Judentums, 1952 (Sammlung Völkerglaube)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hartmut Binder: Kafkas Welt. Eine Lebenschronik in Bildern, Seite 580, Verlag Rowohlt, 2008, ISBN 3-498-00643-6 (Auszug)
  2. Manfred Voigts: Geburt und Teufelsdienst. Franz Kafka als Schriftsteller und als Jude, 2008, Seite 32 (Digitalisat)
  3. Peter-André Alt: Franz Kafka. Der ewige Sohn, 2008, Seite 425 (Digitalisat)
  4. Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 3: S–Z, Register. Hrsg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 1378 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Kairos. Zeitschrift für Religionswissenschaft und Theologie, Bände 32–35, Seite 235, Verlag O. Müller, 1991 (Auszug)
  6. Hans-Gerd Koch (Hrsg.): "Als Kafka mir entgegenkam ...", Seite 121, Wagenbach Taschenbuch Band 528, Verlag Wagenbach, 2005, ISBN 3-8031-2528-6 (Auszug)