Fred Rauch

österreichischer Liedtextdichter, Sänger und Kabarettist

Fred Rauch (* 28. September 1909 in Wien; † 1. Juni 1997 in Gmund am Tegernsee) war ein österreichischer Liedtextdichter, Kabarettist und Sänger.

Bekannt wurde er vor allem als Hörfunkmoderator des Bayerischen Rundfunks, wo er zwischen 1947 und 1978 mittwochabends durch das populäre Wunschkonzert Sie wünschen, wir spielen: Ihre Lieblingsmelodien führte. Er moderierte auch für andere Sender wie den ORF oder RAI Bozen.

Als folkloristischer Sänger war er vor allem in den 1950er Jahren aktiv. Sehr bekannt ist hier das von Gerhard Winkler – mit dem er häufig zusammengearbeitet hat – komponierte und von ihm selbst zusammen mit Fini Busch getextete Lied Schützenliesel, das 1952 zum ersten Nachkriegs-Oktoberfesthit wurde und das noch heute regelmäßig aufgeführt wird. Populär waren auch seine Lied Oh, Mr Swoboda und seine deutsche Version von Battle of New Orleans, einem Hit von Johnny Horton, die er als Die große Rauferei anno 1902 veröffentlichte.

Kulturhistorische Bedeutung erlangte er 1955 als der Entdecker von Slavko Avsenik und den Original Oberkrainern, die die volkstümliche Musik im deutschen Sprachraum revolutionierten. Daneben verfasste er Texte für die Münchner Kabarettszene, unter anderem für Werner Fincks Mausefalle und das Zehnerlkabarett im Bayerischen Rundfunk. Auch einige Bücher veröffentlichte Fred Rauch.

Sein Grab liegt auf dem Bergfriedhof von Gmund.[1]

WunschkonzertBearbeiten

Rauch betreute als Moderator das wöchentliche Wunschkonzert (Sie wünschen? Wir spielen Ihre Lieblingsmelodien) erstmals am 11. Dezember 1947. Bis 1978 folgten über 1.500 Sendungen unter verschiedenen Titeln. Bald setzte sich jedoch der Programmname Sie wünschen, wir spielen Ihre Lieblingsmelodien durch. Rauch sprach selbst verfasste Zwischentexte und übermittelte die Grüße des Wunsch-Einsenders. So schlug die Sendung auch Brücken zu den Deutschen in der damaligen Sowjetzone und in Südosteuropa. Nur bei Urlaub oder Erkrankung ließ sich Rauch vertreten. Mit seiner sympathischen Stimme vermittelte er in der schweren Zeit der Nachkriegsjahre das Gefühl der Geborgenheit und ließ die Sorgen und Nöte des Alltags stundenweise verblassen. Das verschaffte ihm bei den Hörern eine enorme Popularität weit über Bayern hinaus. In vielen Familien durften die Kinder länger wach bleiben, um mit den Eltern diese Sendung zu hören. Hörerpost für ihn traf manchmal körbeweise beim Bayerischen Rundfunk ein.

Die Sendung bot den vielen Musikwünschen eine breite Bühne. Nach einem Auftaktblock mit Volksmusik und dem einen oder anderen Marsch leitete eine humoristische Kurzszene beispielsweise mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt oder in den 1970er Jahren mit Emil Steinberger zum Schlagerteil über. Hier konnten die Hörer sicher sein, die aktuellen oder doch sehr aussichtsreichen Titel aus den Charts mitzubekommen. Im mehrwöchigen Turnus wurde ein Wunschkonzert für die Opernfreunde eingeschoben.

Weitere RundfunktätigkeitBearbeiten

Neben dem Wunschkonzert betreute Rauch noch andere Sendungen beim BR wie A warmer Ofen, a Schalerl Kaffee, Gute Noten für gute Noten oder Noten und Anekdoten. Beliebt war auch seine Weihnachtssendung Weihnachtslieder aus aller Welt. Im Fernsehen trat Rauch nur selten auf. Von 1956 bis 1958 moderierte er Beiträge des bayerischen Werbefernsehens, später die Oberkrainer-Show Mit Walzer und Polkas um die Welt und das Jubiläum 25 Jahre „Sie wünschen“ am 17. Januar 1974 aus der Münchner Olympiahalle.

Musikalisches WirkenBearbeiten

 
Fred Rauch – Schützenliesl
 
Rauchs Erfolgshit Oh, Mister Swoboda (1955), in Begleitung der Böhmischen Stadtmusikanten

Rauch gilt als Entdecker und Förderer zahlreicher Musiker und Musikgruppen. Die 3 lustigen Moosacher und die Hot Dogs wurden durch Fred Rauch zu regionalen Stars. Für Patienten in den Krankenhäusern kamen zuhauf Bitten für den Titel Du bist nicht allein, was den Durchbruch für den Augsburger Sänger Roy Black bewirkte.

Fred Rauch machte sich zudem als Liedtexter einen Namen. Es ist bekannt, dass er die Pseudonyme Theo Rauthenberg und Sepp Haselbach verwendete. Im Jahr 1951 traf Rauch den Komponisten Gerhard Winkler, mit dem er später zusammenarbeitete. Aus seiner Feder auch der Text des 1860er Liedes,[2] der Vereinshymne des TSV 1860 München.

Fred Rauch betätigte sich zuweilen als Sänger und war mit seinen eigenen Titeln ebenfalls gern gehört. Bekannte Interpretationen von ihm sind Mei Schihaserl hat a kalt’s Naserl, Der Herr Skilehrer und Oh, Mister Swoboda. Mit Grüß’ mir die Franzi aus Tirol trat er 1956 in dem Heimatfilm Pulverschnee nach Übersee auf. Sein größter Erfolg wurde der von Fini Busch getextete Bierzelthit Schützenliesel aus dem Jahr 1953.

Einen Welthit hatte er mit seiner Zusammenarbeit von 1952 mit Winkler bei Mütterlein (könnt` es noch mal so wie früher sein), einem Lied das ursprünglich von Leila Negra vorgetragen wurde. 1954 wurde es von Wolfgang Sauer mit einem neuen Text von Rauch als Glaube mir veröffentlicht. Im November belegte es in der englischen Version mit Texten von Carl Sigman als Answer me, Lord above mit David Whitfield und Answer me (my love) mit Frankie Laine gleichzeitig die ersten beiden Positionen der englischen Charts. Gesungen von Nat King Cole wurde die letztere Version auch in den USA zu einem Top 10 Erfolg. 1976 kehrte Answer me, diesmal gesungen von Barbara Dickson, noch einmal in die englischen Top 10 zurück.

AutorBearbeiten

In seinen späten Jahren veröffentlichte Rauch auch mehrere Bücher mit gesammelten heiteren Begebenheiten, Versprechern, Kuriosa und Stilblüten.[3]

Entdeckung von Slavko Avsenik und den OberkrainernBearbeiten

1955 bereiste Fred Rauch im Urlaub den Wörthersee in Kärnten, wo er eines Morgens gen elf Uhr in einer Sendung namens „Slowenischen Stunde“ (Po željah) eine eingängige Musiknummer im Radio hörte. Die Qualität beeindruckte ihn; er meinte, da seien nicht nur Musiker, sondern gar richtige Musikanten am Werk. Die Melodie – in für damalige volkstümliche Musik ungewöhnlicher Form dargebracht mit Akkordeon, Trompete, Klarinette und Bariton; die Gitarre sollte erst noch dazu kommen – erinnerte ihn an ein Echo von Trompeten. Er wollte mehr darüber erfahren und besuchte den Radiosender, wo er vom Redakteur Helmut Hartman Mitschnitte bekam. Die darbietendede Gruppe war das Gorenjski kvartet, was Hartmann mit „Oberkrainer Quartett“ übersetzte.

In München spielte er dies seinen Hörern vor, denen es recht gut gefiel. Slavko Avsenik reiste nach München, wo er das Stück – bisher Na Golici genannt, was in etwa „Beim Kahlkogel“ nach einem 1836 Meter hohen slowenischen Berg bei Jesenice, den Slavko Avsenik zeitlebens nie gesehen hat, bedeutet – neu aufnahm. Die Neuaufnahme geschah aber nicht, bevor Fred Rauch noch einen kurzen Text für das Lied schrieb, der – wenngleich er kaum je Verwendung fand – ihm fortan regelmäßige Tantiemen einbrachte. Das Stück sollte laut GEMA über weltrekorverdächtige 30 Millionen Mal live aufgeführt worden sein und wurde auch mehr als 600-mal gecovert.

Die Slavko Avseniks Oberkrainer wurden sehr erfolgreich, fanden viele Nachahmer nannten sich alsbald die Original Oberkrainer, die sich anschließend im gerade aufkommenden Volksmusik-Boom alsbald im Wettbewerb mit Formationen wie Ernst Moschs Original Egerländer Musikanten und dergleichen sahen. Avseniks Oberkrainer, die mit ihrem neuen Stil die volkstümliche Musik revolutionierten, blieben aber die erfolgreichsten und verkauften in den folgenden Dekaden weit mehr als dreißig Millionen Tonträger. Über drei Jahrzehnte hinweg traten sie an 200 Tagen pro Jahr auf, oft sogar bei zwei Veranstaltungen an einem Tag.

In den 1970er Jahren war das Trompetenecho die Erkennungsmelodie der ZDF-Sendung Lustige Musikanten und der monatlichen Hörfunksendung Wettstreit nach Noten des Deutschlandfunks. Außerdem war es 20 Jahre lang die Titelmusik des ORF-Musikantenstadels. Fred Rauch schuf noch 160 oder mehr Texte für Lieder von den Original Oberkrainern.

 
Grab von Fred Rauch auf dem Bergfriedhof von Gmund

Werke als Liedtexter (Auswahl)Bearbeiten

EhrungenBearbeiten

SchriftenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rauch, Fred. In: Carl Dahlhaus (Hrsg.): Riemann Musiklexikon. 12., völlig neubearbeitete Auflage. Personenteil: L–Z, Ergänzungsband. Schott, Mainz 1975, S. 451.
  • Rauch, Fred. In: Paul Frank, Wilhelm Altmann: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon. Zweiter Teil: Ergänzungen und Erweiterungen seit 1937. Hrsg.: Burchard Bulling, Florian Noetzel, Helmut Rösner. 15. Auflage. Band 2 L–Z. Heinrichshofen’s Verlag, Wilhelmshaven 1978, S. 206.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gerd Otto-Rieke: Gräber in Bayern. München 2000. S. 92.
  2. Vergleiche den Nachweis im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  3. Zum Ganzen: Sebastian Lindmeyr, Nachlass Fred Rauch, Onlinepublikation des BR@1@2Vorlage:Toter Link/www.br-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.