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Moderne „Lady Loo“-Frauenurinale von GBH, in Reihenanordnung mit Trennwänden

Ein Frauenurinal ist ein Urinal, welches an die anatomischen Voraussetzungen von Frauen angepasst ist, es ermöglicht die Miktion in aufrechter Körperhaltung und unter Vermeidung eines direkten Körperkontakts zum Objekt. Neben ausschließlich für Frauen konzipierten Urinalen werden von verschiedenen Anbietern Unisex-Urinale vertrieben, die gleichermaßen von Frauen und Männern benutzt werden können. Urinale für Frauen sind insgesamt weniger verbreitet als reine Männerurinale und finden sich meist auf stark frequentierten öffentlichen Toiletten.

HintergrundBearbeiten

Bauweise und BenutzungBearbeiten

   
Von Frauen vorzugsweise eingenommene Körperposition zur Miktion: Vollhocke (links) und schwebende Halbhocke bzw. „Skifahrer- oder Abfahrtshaltung“ (rechts)[1]

In den 1970er Jahren wurden von Alexander Kira, Professor für Architektur und Experte für Sanitärwesen, an der Cornell University Studien zum Miktionsverhalten beider Geschlechter durchgeführt. Er verfolgte den Anspruch, Sanitärobjekte zu entwickeln, die auf den menschlichen Körper und seine Bedürfnisse angepasst sind und dabei auch mit konventionellen Gestaltungsvorgaben zu brechen.[2][3]

 
Benutzungshinweis für ein Frauenurinal
 
Verschiedene Modelle von Frauenurinalen

Auf einer klassischen Sitztoilette wird die „korrekte“ Benutzung durch die Form des Sanitärobjekts vorgegeben. Kira ging unter anderem der Frage nach, welche Körperpositionen Männer und Frauen vorzugsweise einnehmen, wenn keine äußeren Vorgaben erfolgen, beispielsweise bei der Miktion in freier Natur. Er untersuchte die Trajektorien des Urinstrahls und deren Kontrollierbarkeit sowie Bequemlichkeit und gesundheitliche Aspekte verschiedener Körperpositionen. Während Männer in der Regel in stehender Körperhaltung urinieren und den Strahl dabei, mit der Hand steuernd, nach vorne leiten, nehmen Frauen vorzugsweise eine Hockposition ein. Dabei wird der Strahl durch die Haltung des gesamten Körpers kontrolliert und ist senkrecht nach unten bis leicht schräg nach hinten gerichtet. Diese Position ist für Frauen allgemein am bequemsten und geht mit der geringsten Sprühstreuung einher.[4][5][1]

Die heute angebotenen Modelle ähneln einander konzeptuell stark und lehnen sich in Form und Gestaltung an Männerurinale an, sind jedoch stärker auf die weibliche Anatomie zugeschnitten. Gemeinsam ist all den heute eingesetzten Modellen, dass sie rückwärtsgewandt in einer leichten Halbhocke, der so genannten „Skifahrerhaltung“, benutzt werden. Diese orientiert sich an der Haltung, die Frauen in der Regel auf herkömmlichen öffentlichen Toiletten einnehmen, sofern diese verschmutzt sind beziehungsweise ein Körperkontakt nicht gewünscht ist.[1]

Vorteile im Vergleich zur ToiletteBearbeiten

 
Öffentliche Toiletten werden überwiegend zum Zweck der Miktion aufgesucht[6]

Urinale bieten gegenüber Toiletten sowohl im Unterhalt als auch in der Benutzung verschiedene Vorteile. So sind sie platzsparender anzubringen, auf der Grundfläche einer Toilettenkabine ließen sich mehrere Urinale installieren. Diese sind im Betrieb ökonomisch und ökologisch günstiger zu betreiben, da im Vergleich zur Toilette weniger Wasser beim Spülvorgang gebraucht wird; moderne Trockenurinale kommen sogar ohne Wasser aus. Für die Benutzerinnen ergibt sich der Vorteil eines hygienischeren, weil kontaktlosen, Miktionsvorgangs.

Durch die bei gleicher Grundfläche erhöhte Anzahl der Bedürfnisstätten ergibt sich ein schnellerer Ablauf mit kürzeren Wartezeiten vor öffentlichen Toiletten. Zu zirka 90 % werden öffentliche Toiletten ausschließlich für die Miktion (gegenüber der Defäkation) aufgesucht. Durch ein Ersetzen von Toiletten mit Urinalen wird die genutzte Fläche erhöht. So ergab eine Studie der Universität Ghent, dass durch den Einbau von Urinalen bis zu 30 % mehr Personen gleichzeitig die Toiletteneinrichtung nutzen können.[7]

Damenurinale eignen sich besonders für den Einsatz in öffentlichen Toiletten, die zu Stoßzeiten hoch frequentiert sind und mit einem großen Andrang rechnen müssen, also primär in Einrichtungen wie Diskotheken, Clubs oder sonstigen Orten mit hohem Nutzeraufkommen zu Stoßzeiten. Darüber hinaus wurden mobile Frauenurinale für den Einsatz bei Open-Air-Veranstaltungen Festivals entwickelt sowie freistehende Urinale im öffentlichen Raum.

Eine 2011 in Australien durchgeführte Studie ergab, dass über die Hälfte der befragten Frauen ein Urinal benutzen würden, wenn dieses verfügbar wäre.[6] Zunehmend werden inzwischen Forderungen nach einer “urination equality” – einer Gleichberechtigung beim Pinkeln geltend gemacht. So sorgte eine Grassroots-Kampagne in Holland für Aufsehen, bei der Frauen die Urinale in Männertoiletten benutzten.[8]

Geschichte des FrauenurinalsBearbeiten

 
Amerikanisches Frauenurinal der Firma J.L. Mott Iron Works, 1897

Die Entwicklung in jüngerer Zeit, zunehmend Urinale für Frauen bzw. für die Benutzung durch beide Geschlechter zu schaffen stellt keine Revolution des Sanitärbetriebs dar, wie dies von einigen Herstellern mitunter angedeutet wird. Vielmehr handelt es sich eher die Renaissance eines Konzepts, dessen Wurzeln im 19. Jahrhundert liegen. So fanden in den Anfangstagen der öffentlichen Toiletten im ausgehenden 19. Jahrhundert Frauenurinale durchaus Verwendung; Urinale waren weniger als heutzutage ausschließlich mit Männertoiletten assoziiert. So weist das Handbuch der Architektur aus dem Jahr 1897 „Frauenurinale mit automatischer Spülung“ aus, wobei auch zu jener Zeit die Vorteile in der weniger aufwendigen Installation und der Wassereinsparung gesehen wurden:

 
Skizze des Baustadtrats München eines Frauenurinal, geplant zur flächendeckenden Einführung in die öffentlichen Toiletten der Stadt, 1906
 
Frauenurinale (verm. von Villeroy und Boch), 1908

Dem Vorbilde Englands folgend, hat man in den letzten Jahren sogar Pissoirs für das weibliche Geschlecht mit Erfolg angewendet. Diese bestehen aus sog. 'Urinettes' oder Porzellan-Sitzbecken mit automatischer Spülung und werden besonders in den Aborten von Eisenbahn-Wartesälen, in Geschäftsläden, wo viele Madchen beschäftigt sind, in Theatergebäuden, wo ein großer Chor oder großes Ballett besteht, eingerichtet. […] Solche 'Urinettes' haben den grolßen Vortheil, daß sie dort aufgestellt werden können, wo ein 2-zölliges Abflußrohr vorhanden ist, wahrend die gewöhnlich von Frauen zum Urinieren benutzten Spülaborte ein 4-zölliges Abfallrohr verlangen.

Handbuch der Architektur: «Entwässerungsanlagen amerikanischer Gebäude», 1897 [9]

In Deutschland konnte sich das Frauenurinal zu jener Zeit nicht durchsetzen, sie wurden nur vereinzelt installiert. Im Jahr 1902 wurde in München auf Initiative des Stadtbauamts der Beschluss gefasst, Frauenurinale flächendeckend in öffentlichen Bedürfnisanstalten zu installieren. So findet sich in einem Schreiben an den Verwaltungsrat Kirchmair in Erläuterung des Plenarbeschlusses des Baumagistrats vom 13. Februar 1902:

Es wurde von mehreren Seiten angeregt, die verschiedenen Klassen der Aborte aufzuheben, die Einrichtung gleichmäßig zu gestalten und für sämtliche Aborte, mit Ausnahme der Freiaborte, 5 Pfennig Gebühr zu verlangen (das entspricht der II. Klasse), ferner Freiaborte in allen bestehenden Aborten einzurichten. Auch wurde von der Errichtung von Damenpissoirs, wie sich solche in anderen Städten finden, gesprochen.

Stadtarchiv München 1902, zitiert nach Möllring (2003)[1]

Diese Idee wurde weiterverfolgt, so dass sich in den Unterlagen des Baustadtrats vom 13. Januar 1906 Pläne zur konkreten Umsetzung finden:

Die Becken sollen aus Gußeisen hergestellt werden und mit Emailüberzug versehen sein. Ein Sitzbrett ist nicht vorzusehen. Hingegen dürfte sich vielleicht empfehlen, über dem Becken Messingstangen anzubrin-gen, welche von einer Wand nach der anderen reichen und dort befestigt sind. Ältere und schwächliche Personen könnten an dieser Stange Halt gewinnen. Für beide Becken wäre eine intermittierende Spülung eventuell alle 10 Minuten vorzusehen. […] Für die ersten Versuche mit Aufstellung von «Frauenpißorten» dürfte es sich vielleicht empfehlen, die Standorte derselben in der Nähe von Spielplätzen zu wählen, damit Kindermädchen oder sonstige die Aufsicht über die Kinder führende weibliche Personen dieselben benützen könnten.

Stadtarchiv München 1906, zitiert nach Möllring (2003) [1]
 
Frauenurinale der amerikanischen Firma Manstone aus den 1940er Jahren

In dem Architekturführer „München und seine Bauten“ von 1912 wurden im Kapitel „Bedürfnissanstalten“ die Frauenurinale in drei öffentlichen Toiletten (Lerchenfeldstraße, Ottostraße und Max-Weber-Platz) erwähnt. Diese waren, im Gegensatz zu den eigentlichen Toiletten, als „Freiaborte“, also zur kostenfreien Nutzung vorgesehen. Diese erfreuten sich großer Beliebtheit und wurden hochfrequentiert. Im Laufe der 1910er Jahre wurde der Ausbau nicht weiter vorangetrieben, wohl auch da durch die kostenfreie Nutzung der Stadtkasse Gelder entgingen. Schließlich wurden die Freiaborte für Frauen in kostenpflichtige Anstalten umgewandelt. Ein Antrag von einer ersten weiblichen Stadträtin Münchens im Jahr 1922 auf Wiedereinführung dieser Freiaborte wurde von der rein männlich besetzten Direktion der Bade- und Bedürfnisanstalten schon im Ansatz abgewehrt.[1]

Die Entwicklung der Jahrhundertwende wurde nun in Deutschland nicht weiterverfolgt; diese ersten Ansätze gerieten zunehmend in Vergessenheit.

Bis in die 1970er Jahre waren in den USA Frauenurinale im Sortiment verschiedener Hersteller vorhanden, so beispielsweise das Sanistand von American Standard Companies. In den 1980er und 1990er Jahren wurden verschiedene Konzepte und Prototypen entwickelt, wobei die meisten jedoch nicht über das Entwurfsstadium hinaus entwickelt wurden. Erst seit der Jahrtausendwende kommen Damenurinale wieder zum Einsatz und werden kommerziell vertrieben.[1]

Gegenwärtige VerbreitungBearbeiten

 
Hinweis auf die Frauenurinale vor einer öffentlichen Toilette in Frankfurt/Main

Frauenurinale finden eine stetig wachsende Verbreitung, da die Vorteile des Urinals, nämlich die schnelle und hygienische Benutzung sowie der geringere Wasser- und Platzverbrauch, genauso für Frauen gelten. In zunehmendem Maße werden Urinale entwickelt, die für alle Geschlechter nutzbar sind. Während Urinale für Männer nahezu flächendeckend in öffentlichen Toiletten zu finden sind, stellen Damenurinale, die speziell für die Benutzung durch Frauen konzipiert sind, bisher noch ein Nischenprodukt dar. Laut Mete Demiriz, Professor für Sanitär- und Bädertechnik an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, stehen neben sozialen Konventionen auch ökonomische Erwägungen einer Verbreitung von Frauenurinalen entgegen:

Für die Hersteller ist es nicht lukrativ, da sie mit jedem Frauenurinal weniger normale Toiletten verkaufen würden. Sowohl die Auswahl als auch die Produktion von öffentlichen Toiletten ist außerdem eine Männerdomäne. Wenn die Frauen da nicht kräftig mitmischen, wird daraus nichts. Es war einmal eine große deutsche Firme bei mir im Labor, die meine Entwicklung produzieren wollte. Es waren auch Sekretärinnen da, die sie ausprobiert haben. Dann hat die Frau des Vorstandsvorsitzenden gesagt: ‚Was für ein Quatsch, ich setze mich zu Hause immer drauf.‘ Damit war das wieder gestorben. Es ist aber ja gar nicht für zu Hause gedacht.

Mete Demiriz[10]

Frauenurinale für öffentliche ToilettenBearbeiten

 
Frauenurinal „Lady P“ auf dem Flughafen Dortmund

In den 1990er Jahren wurden etliche Prototypen für Damenurinale entwickelt, von denen es letztlich nur drei zur Marktreife schafften und heute Verwendung finden: das „Lady P“ von Sphinx Sanitair, das „Lady Loo“ von GBH sowie das „Girly“ von Ceramica Catalano, welches mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet wurde.[11]

Im Jahr 2011 wurden in Frankfurt am Main auf den öffentlichen Toiletten testweise Frauenurinale eingeführt.[12]

Alle heute auf dem Markt erhältlichen Damenurinale sind wandmontiert und werden in einer halbhohen, „skifahrenden“ Position verwendet. In der Vergangenheit gab es Modelle, die in einer vollen Hocke verwendet wurden (ähnlich wie asiatische Hocktoiletten) wie die „Peeandgo“ von Chen-Karlsson[13], die sich aber nicht am Markt etablieren konnten.

Unisex-Urinale für öffentliche ToilettenBearbeiten

Im Zuge der Entwicklung hin zu Unisex-Toiletten stehen Designer und Entwickler zunehmend vor der Herausforderung, geschlechtergerechte Lösungen zu schaffen. Verschiedene Modelle sind mittlerweile entstanden, die gleichermaßen von Frauen und Männern bequem genutzt werden können.

Sowohl in Austin (Texas)[14] als auch in Berlin[15][16] soll es in Zukunft Unisex-Toiletten mit Unisex-Urinalen geben, die von beiden Geschlechtern gemeinsam genutzt werden können. In Berlin wird mit dem Auslaufen des Betreibervertrages für öffentliche Toiletten mit der Wall GmbH ein neues Toilettenkonzept für den öffentlichen Raum der Stadt Berlin entwickelt. Wesentlicher Bestandteil der in Zukunft als Unisex-Toiletten geplanten Einrichtungen sind Urinale, die von beiden Geschlechtern genutzt werden können. Der Vorschlag der Planungskommission sieht die Wahl des Girly von Catalano vor. Dieses soll, obzwar als Frauenurinal konzipiert, auch von Männern benutzt werden können.[17][18]

Es gibt nämlich einige öffentliche Toilettenanlagen in der Stadt, die ausschließlich Pissoirs für Männer anbieten und Frauen und ihre Klobedürfnisse völlig ausschließen. Das ist im Sinne der Gleichstellung nicht akzeptabel, urteilt der Senat. Weil man keine Herscharen wildpinkelnder Männer in der Stadt will, werden die Anlagen klugerweise nicht geschlossen, sondern in Unisextoiletten umgewandelt, die von allen Geschlechtern genutzt werden können […] Berlin hat sich des Problems jetzt heldenhaft angenommen und plant Urinale für Frauen und Männer in allen öffentlichen Toiletten. Das steht im Toilettenkonzept für Berlin, das der Umweltsenat mit der Firma Zebralog und der Technischen Universität Berlin letzte Woche vorgestellt hat. Für die Geschlechtergerechtigkeit […] Der Vorteil des Frauenurinals ist, dass es den Urinstrahl früher auffängt und so die ansonsten unvermeidliche Spritzerei vermeidet und so schlicht hygienischer ist. Das Urinal kann von beiden Geschlechtern benutzt werden. So ist an alles und jeden gedacht.[19]

Mobile Urinale für den AußeneinsatzBearbeiten

 
Pollee – ein mobiles Frauenurinal für den Außenbereich

Auf dem Roskilde-Festival 2011 wurde das weltweit erste mobile Urinal für Frauen unter dem Namen Pollee vorgestellt[20] und erwies sich als großer Erfolg.[21] Das Pollee-Urinal ist vorwiegend für Open-Air-Veranstaltungen, insbesondere Musik-Festivals vorgesehen und wird als Frauenurinal vertrieben, lässt sich prinzipiell jedoch auch als Unisex-Urinal nutzen.

Probleme in der UmsetzungBearbeiten

Momentan werden in der Praxis zwei unterschiedliche Anordnungen umgesetzt: in Reihenanordnung (in der Regel mit Sichtschutzwand als Trennelement), vergleichbar zu Männerurinalen, und in Kabinen wie bei klassischen Toiletten. Letztere Lösung stellt jedoch eher einen Kompromiss dar, der wohl nicht zukunftsfähig ist. Ein Hauptvorteil gegenüber der klassischen Toilette, die geringe Baufläche, bleibt dabei ungenutzt. Während bei einer Reihenanordnung die Anzahl der Bedürfnisstätten merklich erhöht und damit eine schnellere Benutzung möglich wird, bleibt diese bei Kabinenanordnung gleich, wobei die klassische Toilette dabei noch in ihrer Funktion eingeschränkt wird. Die Kabinenlösung wird öfters mit dem Argument verwendet, dass die Urinalbenutzung für Frauen ungewohnt und mit Schamgefühlen verbunden sei. Dies jedoch ist auch bei Männern oft der Fall, es bleibt allerdings immer die Möglichkeit, auf eine klassische Sitztoilette auszuweichen, sofern die Urinalbenutzung mit Schamgefühlen (z. B. bei Paruresis) verbunden ist.[22]

Diese Problematik entsteht umso mehr im Rahmen der zunehmenden Entwicklung hin zu Unisex-Toiletten für Männer und Frauen. Eine Zusammenlegung der Toiletten wirft die Frage auf, wie Urinale für beide Geschlechter im Raum anzuordnen sind. Während Toiletten üblicherweise in Kabinen mit abschließbaren Türen untergebracht sind, werden in geschlechtsgetrennten Toilettenräumen Urinale in der Regel frei im Raum in Reihenanordnung installiert. Diese Bauweise führt zu einem geringeren Platzverbrauch und somit zu mehr Möglichkeiten zum Urinieren, neben hygienischen und wirtschaftlichen Gründen ein Hauptvorteil der Urinale. Ein Möglichkeit bestände darin, Urinale weiterhin in Reihenanordnung anzubieten. Diese könnten, ob getrennt in Männer- und Frauenurinale oder als Unisex-Urinale, durch sogenannte Schamwände getrennt sein. Fraglich ist jedoch, ob die, gegenüber herkömmlichen Toiletten, geringere Privatsphäre auf Akzeptanz stoßen würde. Aufgrund soziokultureller Konventionen erscheint die offene, gemeinschaftliche Nutzung von Urinalen durch Männer und Frauen gegenwärtig für viele Nutzer und Nutzerinnen ungewöhnlich. Eine Alternative würde darin bestehen, Urinale für beide Geschlechter zukünftig in Kabinen unterzubringen oder weiterhin nur für Männer anzubieten. Damit wären jedoch die oben genannten Vorteile der Urinale zumindest eingeschränkt.[10] Der Jurist, Autor und Moderator Marcus Werner sieht entsprechend einen wesentlichen Nachteil in Unisex-Toiletten, wenn diese zu einer Abschaffung der Urinale in klassischer Reihenanordnung führen würden:

Deshalb wäre es sehr, sehr traurig, wenn der Unisex-Klo-Trend am Ende dazu führt, dass Männer in der Schlange stehen müssen, weil jedes Urinal in einer Kabine untergebracht wäre, was die Anzahl der Becken dramatisch verringern würde. Das wäre in Summe über alle Gender gerechnet Zeitverschwendung. Männer verlieren Zeit, ohne dass Frauen welche gewinnen […] Dort kann es ja gerne Unisex-Urinale geben. Aber bitte außerdem noch die ergonomisch in Reihe montierbaren (Männer-)Pissoire. Das entlastet alle.

Marcus Werner[23]

In Kabinen angeordnete Urinale konnten sich in bisherigen Konzepten oftmals nicht durchsetzen, die Vorteile gegenüber herkömmlichen Toiletten waren aufgrund des gleichbleibenden Platzbedarfs nicht ersichtlich.[24] Nach 13 Jahren wurden im August 2015 mangels Interesses die vier Damen-Urinale im Salzburger Kongresshaus entfernt. Sie wurden wieder durch herkömmliche Sitzklosetts ersetzt.[25]

In den 2017 für Austin (Texas) geplanten Unisex-Toiletten sollen die Urinale in einem vom Eingangsbereich durch eine Tür abgetrennten Bereich befinden. Diese werden als Unisex-Urinale ausgelegt und sind innerhalb dieses Bereichs offen in Reihe angeordnet.[14][26] Damit würden (sofern nicht eine, weiterhin vorhandene, Toilettenkabine aufgesucht wird) Männer und Frauen gemeinsam nebeneinander frei im Raum befindliche Urinale benutzen. Dem planführenden Architekten Richard Weiss zufolge würde somit eine größtmögliche Wahlfreiheit für alle Geschlechter geschaffen:

Das ultimative Ziel ist, dass jeder in der Lage sein sollte, das zu tun, was er tun möchte, wo er es tun will.

Richard Weiss[14]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Kyriakou, D., & Jackson, J. (2011): We Know Squat About Female Urinals. Plumbing Connection, (Autumn 2011), 54 (Originaldokument)
  • Möllring, B. (2003): Toiletten und Urinale für Frauen und Männer: die Gestaltung von Sanitärobjekten und ihre Verwendung in öffentlichen und privaten Bereichen. Dissertation an der Universität der Künste Berlin, Fakultät Gestaltung (Originaldokument)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Möllring, B. (2003): Toiletten und Urinale für Frauen und Männer: die Gestaltung von Sanitärobjekten und ihre Verwendung in öffentlichen und privaten Bereichen. Dissertation an der Universität der Künste Berlin, Fakultät Gestaltung (Originaldokument)
  2. Designed-In Safety. The radical reformers who sought to redesign the American bathroom. – Places Journal
  3. The History of the Bathroom Part 5: Alexander Kira and Designing For People, Not Plumbing – Treehugger
  4. Kira, A. K. (1976): The bathroom. Penguin Books ISBN 0-14-004371-3
  5. Urine trajectories by sex | Alexander Kira – Society Pages
  6. a b Kyriakou, D., & Jackson, J. (2011): We Know Squat About Female Urinals. Plumbing Connection, (Autumn 2011), 54 (PDF)
  7. Scientists have revealed why women take longer in the bathroom than men. – News
  8. Dutch women snap selfies in public urinals to protest lack of female toilets. Campaign comes amid a nationwide debate over gender equality sparked by a court ruling on public urination. – EuroNews
  9. Handbuch der Architektur, Ergänzungsheft zum 3. Teil, «Entwässerungsanlagen amerikanischer Gebäude», Stuttgart : Bergsträsser, 1897. - Getr. Zählung
  10. a b Der Name 'Frauenpissoir' kann abschrecken. Die Frauenurinale in Berlin sind gerade ein großes Thema. In: Jetzt (Süddeutsche Zeitung)
  11. Girly System von Catalano (PDF-Datei; 105 kB) (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive)
  12. Urinale für Frauen werden getestet (Memento vom 1. Juli 2013 im Webarchiv archive.today) - ZDF
  13. Peeandgo, The Lady Urinal with a Splash of Gold – Gizmodo
  14. a b c One Texan’s solution to the transgender bathroom battle: ‘All-gender urinals’ – The Washington Post
  15. Julia Wadhawan: Toilettenkonzept für Berlin: Öffentliche Toiletten bekommen Urinale auch für Frauen In: bento.de, 7. August 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017.
  16. Revolution im Stehen: Berlin führt Pissoirs für Frauen ein – Energy
  17. Im Stehen auf Matteo Thuns Designerstück pinkeln (Memento vom 24. Dezember 2017 im Internet Archive) – Tegernseer Stimme
  18. Vertrag mit Wall läuft aus: Neues Toilettenkonzept für Berlin – W&V
  19. In Berlin dürfen Frauen künftig im Stehen pinkeln – Wienerin
  20. Pollee by UiWE. In: dezeen.com
  21. Pollee – the female urinal at Roskilde Festival. In: vimeo.com
  22. Toiletten und Urinale für Frauen und Männer (PDF-Datei)
  23. Markus Werner: Berlins Pissoire für Frauen: ein gutes „Geschäfts-Modell“? Die Stadt Berlin will mit ihrem neuen sogenannten „Toiletten-Konzept“ Frauen zu gleichberechtigten Stehpinklern machen. Mit speziellen Urinalen. Unser Kolumnist ist ein Mann – und hat dazu eine Meinung In: Wirtschaftswoche, abgerufen am 16. Dezember 2017.
  24. Urinal für Frauen – Deutschlandfunk
  25. Kongresshaus: Damen-Urinale werden entfernt. In: orf.at, 12. August 2015, abgerufen 23. August 2015.
  26. Alamo Drafthouse founder proposes gender-neutral bathroom design – Fox News