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Franziskanerkloster Halle

Franziskanerkloster im Süden von Halle (Saale)
Dreieinigkeitskirche Halle (Saale)

Ein Franziskanerkloster in Halle bestand vom 13. bis zum 16. Jahrhundert und dann wieder ab 1920.

12. bis 16. JahrhundertBearbeiten

Ein erstes Kloster des 1210 gegründeten Franziskanerordens am Schulberg muss bereits vor 1247, vielleicht schon vor 1240, in Halle entstanden sein, da 1247 ein Provinzkapitel der expandierenden Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) in Halle stattfand; 1295 wird ein Provinzialminister der Saxonia „Burkhard von Halle“ erwähnt, der möglicherweise aus der Stadt stammte. 1350 starben bis auf drei alle Angehörigen des Hallenser Konvents bei einer Pestepidemie. In Könnern verfügte das Kloster über eine Terminei zur Sammlung von Almosen.[1]

1456 nahm der Konvent, der zu den bedeutenderen der Saxonia gehörte, auf Anweisung von Provinzialminister Matthias Döring zunächst die Martinianischen Konstitutionen an, eine gemäßigte Position im Armutsstreit innerhalb des Ordens; der Besitz wurde externen Prokuratoren übergeben, die es für die Brüder verwalteten. Nach Auseinandersetzungen im Konvent um den Umgang mit Geld und Besitz kamen 1461 20 Brüder nach Halle, die zur strengen Observanz gehörten. Die Orgel und eine große Zahl von Büchern wurden entfernt. Die Brüder, die sich einer Reform des Klosters widersetzten, mussten den Konvent verlassen. Der Erzbischof von Magdeburg, Friedrich III. von Beichlingen, setzte die Reform durch, die auch von der Hallenser Bürgerschaft begrüßt wurde. Klagen und Beschwerden der unterlegenen Brüder blieben ergebnislos; im Oktober 1461 billigte Papst Pius II. die Übernahme des Konventes durch die Observanten in Halle und auch in Magdeburg.[2]

Die Reformation erreichte das Hallenser Franziskanerkloster später als an anderen Orten. Im Januar 1547 rückte Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen in der Stadt ein, und Landsknechte zerstörten zusammen mit Bürgern das Kloster. Die Franziskaner konnten jedoch 1548 zurückkehren, nachdem das Kloster durch kaiserliches Mandat restituiert worden war. Es war das letzte noch bewohnte Kloster in der Stadt. 1561 lebten dort noch acht Brüder, bis der Konvent 1564 vom lutherisch gewordenen Magdeburger Erzbischof Sigismund von Brandenburg aufgehoben wurde. Die Brüder gingen in den Konvent in Halberstadt, der als einziges Kloster der Saxonia bestehen blieb. Die Klosterkirche diente später der 1694 eröffneten Universität Halle als Gottesdienstort und wurde im Zuge von Neubauten für die Universität 1828 abgerissen. In den umgebauten Konventsgebäuden wurde 1811 ein Theater eröffnet.[3]

NeugründungenBearbeiten

Ein Versuch, sich wieder in Halle niederzulassen, scheiterte 1631, als der Franziskaner Juniperus Germen bereits auf dem Weg von Halberstadt nach Halle von braunschweigischen Soldaten ermordet wurde. 1723 eröffnete die Saxonia in Halle einen Außenposten („Missionsstation“), dee 1723 einen großen Aufschwung nahm, als 500 katholische Soldaten in der Stadt stationiert wurden. Die Station erlosch in den 1830er-Jahren als Folge der Säkularisation.[4]

Am 3. September 1920 kam es im Süden von Halle (Saale) auf Wunsch der örtlichen Geistlichen zur Gründung einer neuen Niederlassung durch die Sächsische Franziskanerprovinz vom Heiligen Kreuz, um die Seelsorge in den wachsenden Wohn- und Industriegebieten in diesem Stadtteil zu unterstützen. Das Kloster war von 1946 bis 1992 Teil der Schlesischen Franziskanerprovinz (Silesia), heute gehört es zur 2010 durch Fusion entstandenen Deutschen Franziskanerprovinz.[5]

Zum Franziskanerkloster gehören heute vier Brüder, die neben der Gemeindearbeit auch Krankenhaus- und Schulseelsorge betreiben. Die Pfarrgemeinde nutzt die an die Klausur des Klosters angebaute Dreieinigkeitskirche. Die heute vom Kloster betreute Pfarrgemeinde zur Heiligsten Dreieinigkeit mit zurzeit 2.100 Gemeindemitgliedern gehört zur Pfarrgemeinde Zur Heiligsten Dreieinigkeit.

LiteraturBearbeiten

  • Markus Hunecke OFM: Die Minderbrüder in Halle. In: Dieter Berg (Hrsg.): Franziskanisches Leben im Mittelalter. Studien zur Geschichte der rheinischen und sächsischen Ordensprovinzen. Werl 1994, S. 63–70.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Arnd Mindermann: Das franziskanische Termineisystem. In: Volker Honemann (Hrsg.): Von den Anfängen bis zur Reformation. Paderborn 2015, S. 195–263, hier S. 250.
  2. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 45.83.115.177.181.183.
    Gründung vor 1240: Bernd Schmies, Volker Honemann: Die Franziskanerprovinz Saxonia von den Anfängen bis 1517: Grundzüge und Entwicklungslinien. In: Volker Honemann (Hrsg.): Von den Anfängen bis zur Reformation. Paderborn 2015, S. 21–44, hier S. 33.
    Durchsetzung der Observanz: Volker Honemann: Die Reformbewegungen des 15. und frühen 16. Jahrhunderts in der Saxonia. In: Volker Honemann (Hrsg.): Von den Anfängen bis zur Reformation. Paderborn 2015, S. 45–163, hier S. 94ff.
  3. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 295.305.309.393.453.463.
  4. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 351.401.407.
  5. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 545.577.631.
    franziskaner.net: Häuser/Halle

Koordinaten: 51° 27′ 56,6″ N, 11° 58′ 37,8″ O