Hauptmenü öffnen

Frank Seiboth

deutscher Politiker (GB/BHE, GDP, SPD), MdL, MdB

Ausbildung und BerufBearbeiten

Nach einem Maschinenbaustudium an der höheren Staatsgewerbeschule in Reichenberg diente Seiboth bis 1934 in der Armee der Tschechoslowakei. Im Anschluss war er Parteisekretär der Sudetendeutschen Partei in Gablonz, ab 1938 Gauschulungsleiter und Leiter des NS-Schulungslagers im Sudetengebiet sowie HJ-Gebietsführer für das Sudetenland. Von 1939 bis 1942 war er als Unteroffizier Wehrmachtsangehöriger, anschließend zunächst beim Prager Bodenamt, dann Bevollmächtigter für die Lagerbetreuung der tschechischen Arbeiter im Protektorat Böhmen und Mähren sowie Angehöriger des Einsatzstabs Rosenberg.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war er zunächst bis 1948 in der CSR interniert. Nach seiner Entlassung und der Flucht als Heimatvertriebener nach Westdeutschland arbeitete er zunächst als Textilhandelsvertreter, ab 1950 dann als Chefredakteur der Zeitschrift Wegweiser für Heimatvertriebene sowie ab 1953 als Geschäftsführer und Teilhaber des Wegweiserverlags in Frankfurt am Main. 1962 wurde Seiboth Direktor der Hessischen Lotto-Treuhandgesellschaft.

Politiker und VertriebenenfunktionärBearbeiten

Seiboth trat 1934 der Sudetendeutschen Partei bei und verstand er sich als „Volkstumspolitiker“. Am 1. November 1938 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 6.600.850), innerhalb der SS bekleidete Seiboth den Rang eines Hauptsturmführers.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Seiboth in den Organisationen der Heimatvertriebenen aktiv. Ab 1950 war er stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes vertriebener Deutscher in Hessen und gehörte zu den treibenden Kräften bei dem Zusammenschluss der „Vereinigung der Landsmannschaften (VdL)“ und des „Bundes vertriebener Deutscher (BvD)“ zum „Bund der Vertriebenen“, den er in Hessen bereits 1953 (auf Bundesebene erst 1957) durchsetzen konnte. 1953 wurde er zudem Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft und war auch zeitweise (1953–1955) Vorsitzender des Witikobundes.

1952 trat Seiboth dem GB/BHE bei, für den er bereits ein Jahr später in den Deutschen Bundestag einzog. Dort war er vom 15. März 1955 an stellvertretender Vorsitzender der GB/BHE-Bundestagsfraktion. 1958 wählte ihn die Partei zum Bundesvorsitzenden, nachdem er schon seit 1954 dem Bundesvorstand angehörte hatte. Von 1958 bis 1966 war Seiboth Mitglied des Hessischen Landtags. Nach der Fusion des GB/BHE mit der DP wurde er 1961 für ein Jahr mit Herbert Schneider gleichberechtigter Vorsitzender der neuen Gesamtdeutschen Partei, danach Vorsitzender des GDP-Bundesausschusses. 1967 trat Seiboth zur SPD über und war dann von 1967 bis 1974 Staatssekretär im hessischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten.

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Selbstbestimmung auch für alle Deutschen. Grundgedanken zur deutschen Wiedervereinigung. Heimreiter-Verlag, Frankfurt am Main 1961.

LiteraturBearbeiten

  • Jochen Lengemann: Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Hrsg.: Präsident des Hessischen Landtags. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-458-14330-0 (hessen.de [PDF; 12,4 MB]).
  • Hans-Peter Klausch: Braunes Erbe. NS-Vergangenheit hessischer Landtagsabgeordneter der 1.–11. Wahlperiode (1946–1987). Die-Linke-Fraktion im Hessischen Landtag, Wiesbaden 2011 (Download [PDF; 4,2 MB]).
  • Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949–2002. Bd. 2: N–Z. Anhang. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 812
  • Sabine Schneider: Belastete Demokraten. Hessische Landtagsabgeordnete der Nachkriegszeit zwischen Nationalsozialismus und Liberalisierung. Hg. Historische Kommission für Hessen ISBN 9783942225458 (darin Einträge zu Seiboth sowie zu 10 weiteren Personen), Vertrieb Hessisches Staatsarchiv Marburg 2019 (Reihen: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 48, 15; & Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, 47) (endgültiger Bericht zu einem Vorbericht von 2013)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hans-Peter Klausch: Braunes Erbe. NS-Vergangenheit hessischer Landtagsabgeordneter der 1.–11. Wahlperiode (1946–1987). Die-Linke-Fraktion im Hessischen Landtag, Wiesbaden 2011 (Download [PDF; 4,2 MB]).