François Ozon

französischer Filmregisseur und Drehbuchautor

François Ozon (* 15. November 1967 in Paris) ist ein französischer Filmregisseur und Drehbuchautor.

François Ozon auf der Berlinale 2022

Leben und WerkBearbeiten

François Ozon ist der Sohn einer Französischlehrerin und eines Biologen. In seiner Kindheit arbeitete er als Fotomodell. Er studierte Regie an der französischen Filmhochschule La Fémis. Nach mehreren Kurzfilmen verhalf ihm sein knapp einstündiger Film Blicke aufs Meer 1997 zu größerer Bekanntheit. Ein Jahr später drehte er die Farce Sitcom, seinen ersten Langfilm.

Seine Filme fallen vor allem in zwei Kategorien: schrille Farcen, die an den frühen Pedro Almodóvar erinnern, und, gegensätzlich hierzu, sorgfältige Charakterstudien, denen Ozons Vorliebe für das Werk Rainer Werner Fassbinders anzusehen ist und in denen es ihm gelingt, eine dichte Atmosphäre und hohe Anspannung zu vermitteln.

In die erste Kategorie fällt neben Sitcom vor allem Ozons bekanntester Film, 8 Frauen, eine schrille Krimikomödie, in der acht Darstellerinnen (darunter Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Danielle Darrieux und Fanny Ardant) in die Handlung eingebettet, doch für den Zuschauer unvermittelt je ein bekanntes Chanson singen und dazu tanzen.

Der zweiten Sorte zugehörig sind neben Blicke aufs Meer (ein abgründiges Zweipersonenstück mit schockierendem Schluss) vor allem Tropfen auf heiße Steine, eine Adaption des gleichnamigen Theaterstücks Fassbinders, Unter dem Sand mit Charlotte Rampling als Frau, die den Tod ihres Mannes nicht überwinden kann und in ihrer Einbildung weiterhin mit ihm zusammenlebt, und Swimming Pool, ebenfalls mit Rampling, hier als alternde Schriftstellerin, die sich zur Überwindung einer Schreibblockade in der Villa ihres Verlegers in Südfrankreich aufhält und dort unerwartet mit dessen junger Tochter (Ludivine Sagnier) konfrontiert ist.

Vielen Filmen Ozons sind ein offener Umgang mit der Sexualität der Figuren (insbesondere in Ein kriminelles Paar, Tropfen auf heiße Steine, Swimming Pool), die kammerspielhafte Beschränkung auf eine kleine Anzahl von Figuren (Blicke aufs Meer mit zwei, Tropfen auf heiße Steine mit vier, 8 Frauen mit neun Figuren, aber auch Swimming Pool, in dem neben den beiden Hauptfiguren alle anderen Charaktere nur am Rande interessieren) und die Spezialisierung auf weibliche Figuren (Blicke aufs Meer, Unter dem Sand, 8 Frauen, Swimming Pool) gemeinsam. Seit 2010 ist Laure Gardette für den Schnitt seiner Filme verantwortlich.

 
François Ozon (2012)

2012 wurde Ozon in die Wettbewerbsjury der 62. Internationalen Filmfestspiele von Berlin (Berlinale) berufen. Im selben Jahr stellte er seinen Spielfilm In ihrem Haus auf dem Toronto International Film Festival vor. Dieser Thriller über die Beziehungen zwischen einem Lehrer (dargestellt von Fabrice Luchini) und seinem literarisch begabten Schüler (Ernst Umhauer) gewann 2012 den Hauptpreis des Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián, die Goldene Muschel.[1]

Im Jahr 2013 erhielt Ozon für Jung & Schön seine zweite Einladung zum Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Der Film stellt eine junge Schülerin (Marine Vacth) in den Mittelpunkt, die auf dem Wege ihrer Selbstfindung Erfahrungen mit der Prostitution sammelt. Mit Vacth inszenierte er auch 2017 den Erotikthriller Der andere Liebhaber, für den er im selben Jahr eine Einladung zum Wettbewerb um die Goldene Palme der 70. Filmfestspiele von Cannes erhielt.

2018 wurde Ozon vom deutschen Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier, mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (1. Klasse) ausgezeichnet. 2019 erhielt sein Film Gelobt sei Gott den Großen Preis der Jury auf der Berlinale.[2] Im Jahr 2021 folgte für Alles ist gut gegangen seine vierte Einladung in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.

In Peter von Kant (2022) schuf Ozon mit den Darstellern Denis Ménochet, Isabelle Adjani und Hanna Schygulla eine freie Bearbeitung von Fassbinders Theaterstück Die bitteren Tränen der Petra von Kant, das bereits 1972 von Fassbinder selbst verfilmt worden war. Sie diente als Eröffnungsfilm der 72. Berlinale.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

 
François Ozon mit Paula Beer bei der Premiere von Frantz 2016

Kurzfilme:

LiteraturBearbeiten

  • Michaela Krützen, Fabienne Liptay, Johannes Wende (Hrsg.): Film-Konzepte 43. François Ozon, edition text + kritik, München 2016, ISBN 978-3-86916-511-0.
  • François Ozon, in: Internationales Biographisches Archiv 23/2008 vom 3. Juni 2008, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Timo Storck, Andreas Hamburger, Karin Nitzschmann, Gerhard Schneider, & Peter Bär (Hgg.) Francois Ozon. Täuschung und subjektive Wahrheit. Psychosozial, Gießen 2019. ISBN 978-3-8379-2839-6 (= Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie, ISSN 2367-2412, Band 15)

WeblinksBearbeiten

Commons: François Ozon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. François Ozon gewinnt Hauptpreis in San Sebastián bei welt.de, 30. September 2012 (abgerufen am 1. Oktober 2012).
  2. https://www.kameramann.de/branche/berlinale-2019-die-preise-der-internationalen-jury//