Feuerwehr in Niedersachsen

Die Feuerwehr in Niedersachsen umfasst die öffentlichen und privaten Feuerwehren in Niedersachsen, ihre Aufgaben, Organisation, Ressourcen und Tätigkeiten. Gesetzliche Grundlage des Feuerwehrwesens ist das Niedersächsische Gesetz über den Brandschutz und die Hilfeleistung der Feuerwehr (NBrandSchG),[1] die für die gemeindlichen Feuerwehren durch eine Feuerwehrverordnung ergänzt wird.[2]

Feuerwehr
Niedersachsen
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Notruf: 112
Personal
Aktive
(ohne Jugend):
127.822
Freiwilligenquote: 97,7 %
Frauenquote: 11,6 %
Jugendfeuerwehr: 42.021
Kinderfeuerwehr: 9.383
Stützpunkte
Gesamtanzahl: 3.307
Aufteilung
Freiwillige Wehren 3.284
Betriebsfeuerwehren 12
Berufsfeuerwehren 11
Einsätze
Gesamtanzahl: 105.232
Aufteilung nach Einsatzart
Brandeinsätze 22.965
Technische Einsätze 56.888
Stand der Daten 2016

Aufgaben und OrganisationBearbeiten

Art und Zahl der FeuerwehrenBearbeiten

Das NBrandSchG unterscheidet zwischen gemeindlichen Feuerwehren (in der Form einer Berufsfeuerwehr, Freiwilligen Feuerwehr oder Pflichtfeuerwehr) und Werkfeuerwehren. Die gemeindlichen Feuerwehren eines Kreises bilden gemeinsam mit der Feuerwehrtechnischen Zentrale die Kreisfeuerwehr.

Die gemeindlichen Feuerwehren werden nach Ihrer Leistungsfähigkeit unterschieden in [2]

  • Grundausstattungsfeuerwehren (Mindeststärke: eine Gruppe, Mindestausstattung: Löschfahrzeug mit Staffelbesatzung),
  • Stützpunktfeuerwehren (Mindeststärke: eine Gruppe und ein selbstständiger Trupp oder zwei Staffeln, Mindestausstattung: Löschgruppenfahrzeug und ein Fahrzeug mit Truppbesatzung oder zwei Löschfahrzeuge mit Staffelbesatzung) und
  • Schwerpunktfeuerwehren (Mindeststärke: ein Zug, Mindestausstattung: ein Einsatzleitfahrzeug und zwei Löschgruppenfahrzeuge oder ein Löschgruppenfahrzeug und mehrere kleinere Fahrzeuge).

Im Jahr 2016 bestanden in allen 429 niedersächsischen Kommunen (Städte und Gemeinden) Freiwillige Feuerwehren, von denen fast alle (Ausnahmen auf den Ostfriesischen Inseln) in Ortsfeuerwehren unterteilt waren. Im Jahr 2016 gab es insgesamt 3.284 Ortsfeuerwehren (2015: 3.299).[3]

Die sechs Großstädte Niedersachsens mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen eine Berufsfeuerwehr unterhalten. Kleinere Gemeinden können eine Berufsfeuerwehr unterhalten.

Großstädte, die eine Berufsfeuerwehr unterhalten müssen:

  1. Hannover (Feuerwehr Hannover)
  2. Braunschweig (Feuerwehr Braunschweig)
  3. Oldenburg (Feuerwehr Oldenburg)
  4. Osnabrück (Feuerwehr Osnabrück)
  5. Wolfsburg (Feuerwehr Wolfsburg)
  6. Göttingen (Feuerwehr Göttingen)

Weitere Gemeinden, die eine Berufsfeuerwehr unterhalten:

Zudem gibt es in zwei Städten (Emden und Hameln) hauptamtliche Wachbereitschaften.

Arten und Zahl der FeuerwehreinsätzeBearbeiten

2016 rückten die niedersächsischen Feuerwehren zu 22.965 Bränden (2009: 20.101), 56.888 Technischen Hilfeleistungen (2009: 50.960) und 11.604 Fehlalarmen (2009: 11.333) aus.[3][4]

ZuständigkeitenBearbeiten

Nach dem Brandschutzgesetz sind die Gemeinden für den abwehrenden Brandschutz und die Hilfeleistung in ihrem Gebiet verantwortlich.

Die Kreise sind für übergemeindliche Aufgaben verantwortlich, z. B. für Einsatz und Übungen der Kreisfeuerwehr oder für das Vorhalten von Feuerwehrbereitschaften, einer Leitstelle und einer Feuerwehrtechnischen Zentrale. Außerdem obliegt den Kreisen ein Teil der Ausbildung und die Leistungsüberprüfung der Freiwilligen Feuerwehren und der Pflichtfeuerwehren.

Das Land Niedersachsen ist für die zentralen Aufgaben des Brandschutzes und der Hilfeleistung verantwortlich, insbesondere die Ausbildung (an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz) und das Erarbeiten von landesweiten Vorgaben im Feuerwehrwesen. Außerdem obliegt dem Land die Bekämpfung von Schiffsbränden und die Hilfeleistung auf Schiffen.

VerbändeBearbeiten

In den 46 Kreisen und kreisfreien Städten Niedersachsens gibt es 55 Kreisfeuerwehrverbände.[5] Spitzenverband der niedersächsischen Feuerwehren ist der Landesfeuerwehrverband Niedersachsen e.V. mit Sitz in Hannover, der neben den Vertretungen der Freiwilligen Feuerwehren auch Landesgruppen der Berufsfeuerwehren, Werkfeuerwehren und weiterer korporativer Mitglieder umfasst.

Weitere OrganisationenBearbeiten

UnfallversicherungBearbeiten

Zuständige Feuerwehr-Unfallkasse ist die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen mit Sitz in Hannover. Nach eigenen Angaben ist sie mit mehr als 210.000 Versicherten Deutschlands größte Feuerwehr-Unfallkasse.[6]

FeuerwehrmuseenBearbeiten

In Niedersachsen gibt es mehrere örtliche Feuerwehrmuseen (siehe auch Liste von Feuerwehrmuseen), unter anderem an folgenden Orten:

PersonalBearbeiten

2016 waren in den mehr als dreitausend Feuerwehren 127.822 Mitglieder registriert (2009: 127.160), der Frauenanteil betrug 11,6 % (2009: 9,5 %). Hinzu kamen 2.189 Berufsfeuerwehrleute und hauptberufliche Kräfte in den Wachbereitschaften der Freiwilligen Feuerwehren.[7]

AusbildungBearbeiten

Die Ausbildung richtet sich im Grundsatz nach den gleichen Vorgaben wie in anderen Bundesländern.

Grundausbildung und Ausbildung auf KreisebeneBearbeiten

Die Grundausbildung (Truppmannausbildung) und einige technische Lehrgänge (z. B. Maschinist, Sprechfunk, Atemschutzgeräteträger) können von den Landkreisen/kreisfreien Städten und den Städten mit Berufsfeuerwehr durchgeführt werden.

LandesfeuerwehrschuleBearbeiten

Die Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK) ist die Landesfeuerwehrschule für das Land Niedersachsen. Sie hält am Standort Loy (Rastede) rund 60 und am Standort Celle rund 160 Lehrgangsplätze vor. Die NABK ist zudem die bundesweite technische Prüfstelle für die Zulassung von Feuerwehrschläuchen.

„Feuerwehrführerschein“Bearbeiten

Auch in Niedersachsen gibt es den sog. "Feuerwehrführerschein", der Inhabern der Fahrerlaubnis der Klasse B die Möglichkeit eröffnet, Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 4,75 Tonnen oder 7,5 Tonnen zu führen.[8]

DienstgradeBearbeiten

Die Dienstgrade werden nach einer Kombination von Ausbildung (erfolgreich besuchte Lehrgänge) und Erfahrung (absolvierte Dienstzeit) vergeben. Die genauen Bestimmungen für die Freiwilligen Feuerwehren sind in §8 der Feuerwehrverordnung[2] geregelt. Dienstgrade, die an eine bestimmte Funktion gebunden sind, bleiben erhalten, auch wenn die Funktion nicht mehr ausgeübt wird. Die Dienstgradabzeichen sind identisch mit den Dienstgradabzeichen der Feuerwehr in Schleswig-Holstein.

Jugend- und KinderfeuerwehrBearbeiten

Wesentliches Instrument der Nachwuchsgewinnung sind die Jugendfeuerwehren und die Kinderfeuerwehren (für Kinder ab 6 Jahre). In den 1.968 Jugendfeuerwehren sind 29.348 Jungen und Mädchen in der eigentlichen Jugendfeuerwehr (2009: 31.957) und 12.674 in der Kinderfeuerwehr aktiv (2009: 4.595).[3][7] Interessenvertretung der Jugendfeuerwehren ist der Verein "Niedersächsische Jugendfeuerwehr e.V." im Landesfeuerwehrverband.

Technische RessourcenBearbeiten

FahrzeugeBearbeiten

2009 gab es in den niedersächsischen Feuerwehren 5.063 Löschfahrzeuge, 206 Hubrettungsfahrzeuge, 526 Rüst- und Gerätewagen sowie 108 Schlauchwagen.[4]

Leitstellen, Alarmierung und FunkBearbeiten

Die Feuerwehreinsätze werden von 34 Rettungs-Leitstellen koordiniert, von denen die einige kreisübergreifend (Leitstellen Braunschweig, Friesland-Wilhelmshaven, Göttingen, Hameln, Hildesheim, Oldenburg, Osnabrück, Ostfriesland, Schaumburg, Emden) arbeiten. Die Leitstellen Oldenburg und Hameln koordinieren neben Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz auch die Polizei.

Seit August 2014 steht der digitale BOS-Funk in ganz Niedersachsen für den Alltagsbetrieb zur Verfügung.[9] „Autorisierte Stelle“ für den BOS-Digitalfunk in Niedersachsen ist die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen.[10]

Kleidung und KennzeichnungBearbeiten

Aussehen und Beschaffenheit der Einsatzkleidung (Schutzkleidung) und Dienstkleidung sind in Anlage 3 und 4 der Feuerwehrverordnung geregelt.[2]

Einsatzkleidung und KennzeichnungBearbeiten

Die Beschaffenheit der Einsatzkleidung richtet sich im Wesentlichen nach den einschlägigen europäischen Normen. Die Farbe der Einsatzjacken ist nicht vorgeschrieben, getragen wird sowohl orange-rote als auch blau-schwarze oder sandfarbene Einsatzkleidung.

Die Einsatzkleidung trägt keine Kennzeichnung des Dienstgrades, wohl aber der Funktion (Helmkennzeichnung und Funktionswesten nach Anlage 8 der Feuerwehrverordnung).

DienstkleidungBearbeiten

Für die Dienstkleidung sind eine dunkelblaue Uniformjacke und Schildmütze vorgeschrieben. Diese werden gemeinsam mit hellblauem Hemd oder Bluse, dunkelblauer Krawatte, schwarzer Tuchhose oder Rock und schwarzen Schuhen getragen. An der Dienstkleidung werden sowohl Dienstgradabzeichen (nach Anlage 6 der Feuerwehrverordnung) als auch Funktionsabzeichen (nach Anlage 7 der Feuerwehrverordnung) und Ehrenzeichen getragen. Alternativ sind auch Pullover, Strickjacke, Weste und Cargohose erlaubt.

Siehe auchBearbeiten

Portal: Feuerwehr – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Feuerwehr
Commons: Firefighting – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Feuerwehr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Niedersächsisches Gesetz über den Brandschutz und die Hilfeleistung der Feuerwehr (Niedersächsisches Brandschutzgesetz - NBrandSchG) vom 18. Juli 2012
  2. a b c d Verordnung über die kommunalen Feuerwehren (Feuerwehrverordnung - FwVO) vom 30. April 2010
  3. a b c Jahresbericht 2016. LFV Niedersachsen, abgerufen am 19. Januar 2018.
  4. a b Information 2009 des Nieders. Ministerium für Inneres und Sport
  5. Übersichtskarte des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen, abgerufen am 30. September 2015
  6. Website der FUK Niedersachsen, abgerufen am 22. September 2015
  7. a b Jahresbericht 2013 des Nieders. Ministeriums für Inneres und Sport, abgerufen am 10. Dezember 2015
  8. Verordnung über die Erteilung von Fahrberechtigungen an ehrenamtlich tätige Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren, der anerkannten Rettungsdienste, des Technischen Hilfswerks sowie sonstiger Einheiten und Einrichtungen des Katastrophenschutzes (Fahrberechtigungsverordnung - FahrBVO) vom 5. Juli 2011
  9. Information des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport, abgerufen am 30. September 2015
  10. Website der autorisierten Stelle, abgerufen am 30. September 2015