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Falk Richter

deutscher Regisseur, Autor und Übersetzer

Falk Richter (* 23. Oktober 1969 in Hamburg) ist ein deutscher Regisseur und Autor. Er ist Professor für Performing Arts in Kopenhagen.

LebenBearbeiten

Falk Richter wurde in Hamburg geboren. Ab 1993 studierte er Linguistik, Philosophie und Schauspieltheaterregie u. a. bei Jürgen Flimm, Christof Nel und Jutta Hoffmann an der Universität Hamburg. 1996 präsentierte er auf Kampnagel in Hamburg seine Abschlussinszenierung Silkon.

Er arbeitet als freier Autor für Theaterstücke und Hörspiele, Übersetzer und Regisseur für zahlreiche Theater, u. a. für das Deutsche Schauspielhaus, Nationaltheater Oslo, Königliche Dramaten Stockholm, Theatre de L'Europe Odeon, Paris, das Theatre National Bruxelles, für die Hamburgische Staatsoper, die Oper Frankfurt, die Wiener Staatsoper, und die Bayerische Staatsoper. Von 2000 bis 2004 war er Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich, von 2006 bis 2010 an der Berliner Schaubühne, 2011–2012 am Düsseldorfer Schauspielhaus. Seit 2015 ist Falk Richter Artist associé am Théâtre National Strasbourg. Seit 2017 arbeitet er als Hausregisseur am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

Im August 2018 wurde Falk Richter bei der Kritikerumfrage des Fachblattes Theater heute von der Mehrheit der deutschen Kritiker zum „Regisseur des Jahres“ gewählt. Seine Inszenierung von Elfriede Jelineks Theaterstück Am Königsweg (Deutsches Schauspielhaus Hamburg) wurde zur „Inszenierung des Jahres 2018“ gewählt.[1] Im Februar erhielt Falk Richter den Special Teddy Award der Berlinale. Zur Preisverleihung sagte Wieland Speck: „Für das emanzipatorische Wirken der darstellenden Künste hat das Theater von Falk Richter kontemporär die überzeugendsten Werke erbracht. Die Kombination ästhetischer und analytischer Kommunikation, auch unter prominenter Einbeziehung von Arbeiten von Videokünstlern wie Chris Kondek, Michel Auder und Björn Melhus, tragen zur Inspiration des derzeitigen Filmschaffens bei. Die Teddy Foundation zeichnet Falk Richter als Beweger, von dem wir uns nachhaltige Impulse für das zukünfige queere und weltoffene Kino wünschen, mit dem Special Teddy Award aus.“[2]

Anfang März 2019 wurde bekannt, dass Richter zum Professor for Performing Arts an der Danish National School of Performing Arts in Kopenhagen ernannt wurde und dort eine eigene internationale Meisterklasse leiten wird. Das Projekt ist vertraglich zunächst auf fünf Jahre ausgelegt.[3]

WerkbeschreibungBearbeiten

Richters Stücke, darunter Gott ist ein DJ, Electronic City, Unter Eis und Trust liegen in mehr als 35 Sprachen vor und werden weltweit gespielt. Richter arbeitet meist mit internationalen Ensembles aus Schauspielern und Tänzern an genreübergreifenden Produktionen. 1996 legte Richter mit seiner Inszenierung SILIKON laut dem Magazin Der Spiegel ein „furioses Regiedebüt“[4] in der Hamburger Kampnagel Fabrik vor. Es folgten Einladungen u. a. zu den Salzburger Festspielen, zum Festival von Avignon, der Ruhrtriennale, dem Festival Transamerique in Kanada, dem Springfestival in Utrecht und dem Berliner Theatertreffen. Aufsehen erregte 2015 seine kontroverse Inszenierung von FEAR an der Berliner Schaubühne (2015), in der er sich kritisch mit dem Erstarken rechtsnationaler Strömungen befasste und für die er mit dem Stonewall Award 2016[5][6] und dem Kultür Auf Award 2016[7] ausgezeichnet wurde. 2018 war er „Regisseur des Jahres“; seine Inszenierung von Elfriede Jelineks Theaterstück Am Königsweg (Deutsches Schauspielhaus) wurde „Inszenierung des Jahres 2018“.

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Dieser Teil ist völlig unbelegt. Die für den Gesamtartikel angegebene Literatur sind mehr oder weniger nur Ausgaben von Richters Texten – das wirkt alles arg selbstreferentiell und beschönigend. --Schelm (Diskussion) 16:38, 14. Jan. 2018 (CET)

Falk Richters Themenspektrum reicht von verlorenen Identitäten, der Kommunikationsunfähigkeit von Menschen und deren Vereinsamung und Isolation über die verwirrte Medienwelt bis hin zu Krieg und Politik. Zentrale Themen sind immer wieder die Unmöglichkeit, Nähe und Bindungen zuzulassen, da auf diese Weise andere Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Die ruhelose Suche nach diesem undefinierten „Mehr“ lässt die Charaktere Richters an sich selbst und an der Welt verzweifeln. In einer globalen, neoliberalen Gesellschaft, in der grenzenlose Freiheit versprochen und tradierte Denk- und Handlungsmuster ihre Gültigkeit verloren haben, stehen die Figuren in Richters Stücken vor der Aufgabe, Zugehörigkeit und Identität neu auszuhandeln, festgeschriebene Grenzen zu unterminieren und die Utopie einer zukünftigen Gesellschaft selbst zu konstruieren. Dabei schwanken sie zwischen Verlustängsten und der Sehnsucht nach Selbstverwirklichung und sehnen sich alle nach einem: Liebe, Nähe, Zugehörigkeit. Richters Stücke stehen im direkten Bezug zur Gegenwart und greifen gesellschaftliche Tendenzen und Strömungen auf und verhandeln oft aktuelle gesellschaftspolitische Themen. In seinen Inszenierungen spielt der Einsatz neuer Medien und neuer elektronischer sowie zeitgenössischer Musik eine große Rolle. Richter arbeitete u. a. zusammen mit den Komponisten Ben Frost, Malte Beckenbach, Helgi Jonsson, Paul Lemp, Jörn Arnecke, Jörg Mainka, sowie mit den Videokünstlern Chris Kondek und Björn Melhus, und den Bühnenbildnern Katrin Hoffmann, Jan Pappelbaum und Robert Cousins. In den letzten Jahren entwickelte Richter gemeinsam mit der niederländischen Choreografin Anouk van Dijk und dem israelischen Choreografen Nir de Volff eine eigene Inszenierungssprache, die basierend auf Richters eigenen Texten Tanz und Schauspiel gleichberechtigt zusammen bringt mit einem Ensemble aus Schauspielern, Musikern und Tänzern. Falk Richter unterrichtet als Gastprofessor Regie an der renommierten Ernst Busch Schule, Berlin.

Debatte um FEARBearbeiten

In seinem Theaterstück FEAR, das Richter im Oktober 2015 an der Berliner Schaubühne herausbrachte, setzte er sich kritisch mit dem Erstarken neuer rechtsnationaler und fundamentalchristlicher Bewegungen in Deutschland und deren Protagonisten, u. a. Beatrix von Storch, Frauke Petry und Hedwig von Beverfoerde, auseinander und erhielt daraufhin Morddrohungen. Es kam zu Schmierereien am Theater und Störungen durch den AfD-Pressesprecher während einer Vorstellung. Anonyme Anrufer drohten, das Theater in Flammen aufgehen zu lassen. In Online-Petitionen wurde gefordert, das Stück abzusetzen. Der Deutsche Kulturrat sowie die Fraktionen der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen stellten sich hinter den Regisseur und sein Stück, sprachen sich gegen eine Absetzung aus und forderten die AfD auf, sich von den Morddrohungen zu distanzieren.[8][9] Beatrix von Storch und Hedwig von Bevervoerde unterstellten einen Zusammenhang zwischen dem Stück und Anschlägen auf von Bevervordes Firma und versuchten erfolglos, gerichtlich gegen das Stück vorzugehen.[10]

Nach insgesamt eineinhalb Jahren Rechtsstreit konnte sich die in FEAR gleichfalls kritisierte und geschmähte Publizistin und Soziologin Gabriele Kuby am 18. Juli 2018 in einer Berufungsverhandlung vor dem Berliner Kammergericht in den meisten Punkten gegen die Schaubühne und Falk Richter nicht durchsetzen. Das Kammergericht untersagte dem Theater allerdings, „ihr Sätze wie ‚Ich hetze gegen Juden‘ oder ‚Was wir brauchen, sind Faschisten und Faschistinnen‘ in den Mund zu legen. Kuby darf auch nicht als ‚verknitterte, ausgetrocknete, düstere Seele‘ beschrieben werden. Das verletze ihre Menschenwürde.“[11]

Die Inszenierung von FEAR beschreibt Katharina Röben in der Zeitung Die Welt als „überraschend konkret“, sie setze „reale Akteure in den Fokus“ und ergründe „die Angst hinter Hass und Fremdenfeindlichkeit“. Allerdings verharre sie „in einer exakten Bestandsaufnahme – aktuell, rhythmisch, bekannt“, sie liefere „zwar keine Antworten“, sei „aber herrlich komisch, albern und performativ“.[12] Daniel Müller empfand das Stück als „hart“ und „eindrücklich“. Rechtswidrig sei es nicht. Es gehe „in Richters Stück um die Frage, wie diese gefährlichen Gedanken wieder aus der Welt zu schaffen sind. Die Gedanken, wohlgemerkt, nicht die Menschen, die sie in die Welt tragen“.[13] Dagegen bezeichnete der Theaterkritiker Jan Küveler das Stück als „traurige“ und „feige“ Veranstaltung, die nicht an Tabus rühre und lediglich Vorurteile und Klischees bediene.[14] Alexander Kissler diagnostizierte im Onlineangebot der Zeitschrift Cicero, der Abend propagiere „Vernichtung, nicht Diskurs“. Er sei „eine Kampfansage, kein Diskussionsangebot“ sowie eine „intellektuelle Bankrotterklärung“.[15] Peter Laudenbach bilanzierte in der Süddeutschen Zeitung, das Stück unterliege der „gleichen Logik wie die rechten Foren und Blogs, deren Teilnehmer einander zu immer schrilleren Ausfällen gegen Demokratie, Presse, Kanzlerin und sonstige Andersdenkende anstacheln: Diskursunfähigkeit als Programm“.[16]

WerkeBearbeiten

SchriftenBearbeiten

  • Das System. Materialien – Gespräche – Textfassungen zu „Unter Eis”, Hrsg. v. Anja Dürrschmidt, Theater der Zeit, Berlin, 2004
  • Unter Eis. Theaterstücke 1993-2004. Frankfurt am Main: Fischer Verlag 2005
  • Trust. Hrsg. v. Nicole Gronemeyer, (enthält: Materialien, Textfassung, CD Mitschnitt), Theater der Zeit, Berlin, 2010
  • Small Town Boy” und andere Stücke. Mit einem Essay von Daniel Richter,Theater der ZeitBerlin, 2015, ISBN 978-3-95749-062-9.
  • Ich bin Europa. „Fear” und andere Theaterstücke. Berlin: Theater der Zeit 2017. ISBN 978-3-95749-122-0
  • Disconnected. Theater Tanz Politik. Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik. Hg. v. Johannes Birgfeld, Alexander Verlag, Berlin, 2018. ISBN 978-3-89581-460-0
  • Falk Richter: Theatre. Dance. Politics. Two Lectures and Three Plays: Under Ice, Small Town Boy, and Fear English translation by David Tushingham, Alexander Verlag, Berlin, 2019, ISBN 978-3-89581-514-0

DramenBearbeiten

  • Alles in einer Nacht, UA 1996 Hamburger Kammerspiele, Fischer-Verlag
  • Kult – Geschichten für eine virtuelle Generation, (Trilogie)/UA 1996 Düsseldorfer Schauspielhaus: Portrait Image Konzept (Teil 1), Section (Teil 2), KULT (Teil 3), Fischer-Verlag
  • Gott ist ein DJ, UA 1998 Staatstheater Mainz, Fischer-Verlag
  • Nothing Hurts, UA 1999 Utrecht, Fischer-Verlag
  • Peace, UA 2000 Schaubühne am Lehniner Platz, Fischer-Verlag
  • Electronic City, (Sieben Sekunden), Fischer-Verlag
  • Das System, UA 2004 Schaubühne am Lehniner Platz, Fischer-Verlag
  • Unter Eis, UA 2004 Schaubühne am Lehniner Platz, Fischer-Verlag
  • Hotel Palestine, UA 2004 Schaubühne am Lehniner Platz, Fischer-Verlag
  • Die Verstörung, UA 2005 Schaubühne am Lehniner Platz, Fischer-Verlag
  • Verletzte Jugend, UA 2009 Festival Liége / Theatre National Bruxelles Fischer-Verlag
  • Trust, UA 2009 Schaubühne am Lehniner Platz Fischer-Verlag
  • My Secret Garden, UA Festival d'Avignon, 2010, L'Arche Éditeur, Paris, 2010, Fischer-Verlag

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Birgfeld, Johannes/Garde, Ulrike: Falk Richter and Anouk van Dijk’s „Complexity of Belonging“. Exploring internationalisation in contemporary theatre. In: German Life and Letters 71:3 (July 2018), p. 353–373.
  • Birgfeld, Johannes: „Die einzige Frage, die bleibt, lautet: Wie konnten wir so leben? Warum haben wir nichts dagegen unternommen?“ Falk Richters Konzept eines politischen Theaters des zugerichteten Subjekts. In: Falk Richter: Disconnected. Tanz Theater Politik. Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik. Mit einem Nachwort hg. v. Johannes Birgfeld. Alexander Verlag, Berlin, 2018, S. 169–179
  • Richter, Daniel: Identitäten im globalen Village. In: Falk Richter: „Small Town Boy“ und andere Stücke. Mit einem Essay von Daniel Richter, Theater der Zeit, Berlin, 2015, S. 7–23
  • Schreiber, Daniel: Warum wir ins Theater gehen. In: Falk Richter: Ich bin Europa. „Fear“ und andere Theaterstücke. Theater der Zeit, Berlin, 2017, S. 7–10

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Merschmeier, Der Theaterverlag: free. Abgerufen am 12. März 2019.
  2. chr: Special Teddy Award der Berlinale für Falk Richter. Abgerufen am 13. März 2019.
  3. Falk Richter Professor in Kopenhagen, nachtkritik.de vom 2. März 2019, abgerufen 4. März 2019
  4. Wolfgang Höbel: Theater: Kopfüber in die Nacht. In: Spiegel Online. Band 44, 28. Oktober 1996 (spiegel.de [abgerufen am 6. Juli 2019]).
  5. Falk Richter erhält Stonewall Award. Abgerufen am 6. Juli 2019.
  6. Johannes Kram: Falk Richter: „In Film, Theater und Fernsehen muss die Diskriminierung von LGBT Schauspieler*innen endlich aufhören!“ In: Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber. Abgerufen am 6. Juli 2019 (deutsch).
  7. KulTür auf! Abgerufen am 6. Juli 2019 (englisch).
  8. Morgenpost: Der Hass von AfD und Pegida kann sich gegen alles richten.
  9. „FEAR“: Angst vor Kunst über Angst. In: zeit.de. 17. Dezember 2015, abgerufen am 8. April 2016.
  10. Rechtsstreit – Recht auf Angst. In: sueddeutsche.de. 15. Dezember 2015, abgerufen am 8. April 2016.
  11. Christine Dössel: Fear und die Kunstfreiheit. In: Süddeutsche Zeitung. 23. Juli 2018, abgerufen am 26. April 2019.
  12. Zschäpe und die anderen Zombies: Falk Richters „Fear“. Die Welt, 27. Oktober 2015, abgerufen am 22. März 2019.
  13. Daniel Müller: Im Namen des Volkes. In: Zeit online. 17. Dezember 2015, abgerufen am 22. März 2019.
  14. Jan Küveler: Theater hassen. Eine dramatische Beziehung. Klett-Cotta, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-50160-5, S. 134.
  15. Alexander Kissler: Theater als Schauprozess. In: Cicero. 11. November 2015, abgerufen am 14. Januar 2018.
  16. Peter Laudenbach: AfD-Populisten wollen keine Zombies sein. In: Süddeutsche Zeitung. 12. November 2015, abgerufen am 15. Januar 2018.
  17. Berliner Morgenpost- Berlin: „For the disconnected Child“ erhält Friedrich-Luft-Preis. 19. September 2014, abgerufen am 16. April 2019 (deutsch).
  18. 5. Poetikdozentur 2016: Falk Richter. Universität des Saarlandes mit Stadt Saarbrücken / Saarländisches Staatstheater / VHS Regionalverband Saarbrücken, abgerufen am 18. März 2019.
  19. Französischer Orden für Falk Richter für Beitrag zur Ausstrahlung der Künste, nachtkritik.de vom 18. Oktober 2018, abgerufen 24. Januar 2019
  20. Teddy-Preis für Regisseur Falk Richter, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 23. Januar 2019