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Exsikkose

Austrocknung durch Abnahme des Körperwassers
Klassifikation nach ICD-10
E86 Volumenmangel

Dehydratation

ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Exsikkose (lat. ex „aus“ und siccus „trocken“) wird in der Medizin die Austrocknung durch Abnahme des Körperwassers bezeichnet. Sie ist die Folge einer Dehydratation.

Inhaltsverzeichnis

UrsachenBearbeiten

Alle Formen von Durchfallerkrankungen können in jedem Lebensalter zur Exsikkose führen, besonders jedoch, aufgrund eines hohen Flüssigkeitsumsatzes und mangelnder Reserven, im Säuglings- und Kleinkindalter. Mangelndes Durstempfinden oder eine ungenügende Flüssigkeitsaufnahme ist eine Hauptursache bei unterstützungsbedürftigen bewusstseins- bzw. wahrnehmungsbeeinträchtigten oder dementiell erkrankten Menschen. Schluckstörungen Dysphagie können ebenfalls Ursache einer Exsikkose sein. Sie kann auch als Folge der Polyurie bei einem Diabetes mellitus bzw. Diabetes insipidus auftreten, oder bei Behandlung mit Diuretika, bei Nierenerkrankungen sowie bei ausgedehnten Verbrennungen und bei beatmeten Patienten.[1]

Todesfälle im Sommer des Jahres 2003 sind als so genannte Hitzetote ins öffentliche Bewusstsein eingegangen, da die Anzahl in Frankreich, Italien und Deutschland in die Tausende ging. Der Zusammenhang zwischen Sommerhitze und Exsikkose lässt sich meist aber nicht bis in die Todesbescheinigungen (Epidemiologie) hinein verfolgen.

SymptomeBearbeiten

Als Anzeichen von Austrocknung gelten unter anderen:[2]

  • Durst
  • trockene Schleimhäute
  • fehlender Speichelsee unter der Zunge
  • zunehmende Lethargie oder Verwirrtheit
  • Gewichtsverlust
  • verminderte Ausscheidung von stark konzentriertem Urin (Oligurie, Anurie)
  • Verstopfung

Nur beim Säugling sind stehenbleibende Hautfalten ein Anzeichen für Dehydratation.

Bei schwerer Exsikkose besteht Schocksymptomatik.

DiagnostikBearbeiten

  • Natriumspiegel im Blut erhöht
  • Hämatokrit erhöht
  • Halsvenen eingefallen
  • ZVD niedrig: < 5 cm Wassersäule
  • Untere Hohlvene im Ultraschall schmal
  • Erhöhte Körpertemperatur (Durstfieber)
  • Erhöhter Aldosteron- und ADH-Spiegel im Blut

FolgenBearbeiten

Die Folge der Exsikkose ist stets eine kombinierte Störung des Wasser-Elektrolyt-Haushalts. Dies kann zu veränderten Fließeigenschaften des Blutes führen.

Bei alten Patienten bestehen die hauptsächlichen klinischen Folgen einer Exsikkose in einer

  • Reduktion des Allgemeinzustands und daraus folgender Bettlägerigkeit,
  • Somnolenz (Benommenheit mit abnormer Schläfrigkeit als leichtere Form der Bewusstseinstrübung),
  • möglichen Agitiertheit, solange Wassermangel anhält: Verwirrtheit,
  • Oligurie mit der daraus folgenden Ansammlung ausscheidungspflichtiger Substanzen,
  • Trockenheit der Haut und Schleimhäute sowie
  • orthostatischer Hypotonie und damit verbundener Sturzgefahr.

Die Exsikkose kann zu dem Durchgangssyndrom ähnlichen Symptomen führen (siehe dort); eine solche Exsikkose wird (teils umstrittenerweise) gelegentlich auch als Durchgangssyndrom bezeichnet.

Dabei wird die Abnahme des Allgemeinzustandes fälschlicherweise oft mit dem Alter des Patienten selbst oder bestehenden Begleiterkrankungen erklärt. An heißen Sommertagen kann bei alten Patienten die Exsikkose sehr schnell auftreten. Als pflegender Angehöriger sollte man also durch Notizen (Trinkplan) oder Markierungen unbedingt einen Überblick behalten, was tatsächlich getrunken wurde. Gegebenenfalls muss darauf gedrängt werden, dass gebrachte Getränke tatsächlich getrunken werden. Eine gute Kontrollmöglichkeit ist die Urinproduktion, eine Abnahme der Ausscheidungsmenge sollte schon eine Warnung sein.

TherapieBearbeiten

Die Behandlung von Exsikkose ist zwar prinzipiell einfach: Nach Wiederherstellung (und bei nachfolgendem Aufrechterhalten) einer physiologischen Flüssigkeitsbilanz bilden sich die Symptome in der Regel innerhalb von Stunden oder Tagen zurück. Jedoch ist es in der Praxis ausgesprochen schwierig und/oder personalintensiv, diese Behandlung auch durchzuführen, da solcherart dehydrierte Patienten oft nicht zurechnungsfähig, unkooperativ und teilweise auch aggressiv sind und sich teils auch körperlich gegen die Flüssigkeitszufuhr wehren. Je nach Kooperationsfähigkeit und Personalausstattung wird:

  • Wiederholt oral Flüssigkeit zugeführt (auch in Nahrung und/oder in kleinen Mengen, also löffel- oder schluckweise). Da nicht zurechnungsfähige Patienten meist nicht nach Instruktion weitertrinken, bedarf dies häufig der konstanten Anwesenheit einer Pflegeperson, die diese Patienten fortlaufend zum Trinken anleitet.
  • Unter anderem auch weil Obiges äußerst zeit- bzw. personalintensiv ist, werden oftmals Infusionen zur Flüssigkeitszufuhr gelegt, wobei Elektrolytkontrollen vorgenommen werden sollten. Problematisch hierbei ist, dass sich Patienten oft, sobald sie kurzzeitig unbeaufsichtigt sind, die Infusionen herausreißen. Um dies zu verhindern, wurden insbesondere in der Vergangenheit diese Patienten häufig fixiert; dies ist aber inzwischen sehr umstritten.
  • In manchen Fällen bietet sich auch künstliche Ernährung, evtl. durch Magensonde oder perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG-Sonde), an; die Probleme sind jedoch dieselben wie bei Infusionen.

Auffallend ist, dass, sobald sich die Flüssigkeitsbilanz wieder in Homöostase befindet, die Patienten oft plötzlich wieder bei völlig klarem Bewusstsein sind und sich an das Vorangegangene oft nicht erinnern können (und sich unter Umständen wundern, warum sie denn mit einer Infusionsnadel im Arm im Krankenbett liegen). Auch aus bis dato hochaggressiven Patienten können plötzlich völlig normale, friedfertige und höfliche Mitmenschen werden. Gut ausgebildetes Pflegepersonal wird eventuell vorangegangene Konfrontationen nicht nachtragen und wissen, dass Patienten, die sich teilweise an ihren vorigen Zustand doch erinnern, Hilfe im Umgang mit eventuellen Schamgefühlen benötigen könnten.

PräventionBearbeiten

Eine relativ einfache Schutzmaßnahme besteht darin, viel Obst und andere ballaststoffhaltige bzw. pektinhaltige Lebensmittel zu verzehren, da diese Wasser binden und allmählich über den Darm abgeben, so dass die Wahrscheinlichkeit einer Exsikkose deutlich geringer wird.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Pflege Heute. 5. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, 2011, ISBN 978-3-437-26773-4, S. 1071.
  2. Pflege Heute. 5. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, 2011, ISBN 978-3-437-26773-4, S. 419.
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