Als Lethargie (altgriechisch ληθαργία lethargía) wird in der medizinischen Fachsprache eine Form der Bewusstseinsstörung bezeichnet, die mit Schläfrigkeit und einer Erhöhung der Reizschwelle einhergeht.

Die Lethargie ist das Kernsymptom einer Encephalitis lethargica, kommt aber auch bei anderen Ursachen eines gesteigerten Hirndrucks (ICP) vor.

Medizinisch behandelt werden kann sie durch Psychostimulanzien wie zum Beispiel Pyrovaleron.

Die Symptombeschreibungen der mit Fieber und starkem Schlafbedürfnis verbundenen Lethargie, erwähnt etwa bei Rufus von Ephesos, waren in antiken Quellen unterschiedlich.[1] Im Mittelalter wurde die Lethargia auch als apostema frigidum posterioris partis cerebri beschrieben.[2]

MetonymieBearbeiten

Der Begriff wird oft auch im übertragenen Sinne verwendet, um eine durch unangenehme oder tragische Ereignisse erzeugte Teilnahmslosigkeit und Unwilligkeit bzw. Unfähigkeit zu Veränderungen auszudrücken.

Auch Situationen können von einer Lethargie beherrscht sein, wenn Untätigkeit und extreme Zurückhaltung vorherrschen. Sozial induzierte Lethargie in unterdrückerischen Verhältnissen versuchte u. a. der brasilianische Pädagoge Paulo Freire aufzubrechen.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Lethargie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 115 und 193.
  2. Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 234.