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Eukairit, veraltet auch als Selenkupfersilber[1] bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung CuAgSe[2], besteht also zu gleichen Teilen aus Kupfer, Silber und Selen. Das Mineral gehört damit zu den mit den Sulfiden verwandten Seleniden.

Eukairit
Eucairite-561857.jpg
Eukairit (cremeweiß) in Matrix mit grünlicher Kruste aus unbekanntem Material aus der Cougar Mine, Slick Rock, San Miguel County (Colorado), USA (Gesamtgröße der Probe: 3,8 cm × 2 cm × 1,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Selenkupfersilber[1]

Chemische Formel CuAgSe[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.BA.25d (8. Auflage: II/B.06)
02.04.06.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m[3]
Raumgruppe Pmmn (Nr. 59)Vorlage:Raumgruppe/59
Gitterparameter a = 4,10 Å; b = 20,35 Å; c = 6,31 Å[2]
Formeleinheiten Z = 10[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5[4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 7,6 bis 7,8; berechnet: 7,91[4]
Spaltbarkeit fehlt[5]
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig;[4] spröde, mäßig schneidbar[6]
Farbe frisch zinnweiß bis cremeweiß, orange bis braun anlaufend
Strichfarbe grauweiß metallisch[5]
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Eukairit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, entwickelt aber keine mit bloßem Auge sichtbaren Kristalle. Meist findet er sich in Form von körnigen Massen oder in einer Grundmasse (Matrix) eingesprengten Bläschen. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und hat in frischen Proben eine zinnweiße bis cremeweiße, metallisch glänzende Farbe. Nach einiger Zeit laufen Eukairitproben orange bis braun an.

Etymologie und GeschichteBearbeiten

 
Jöns Jakob Berzelius, der Erstbeschreiber des Eukairits

Erstmals entdeckt wurde Eukairit in der Grube „Skrikerum“ bei Valdemarsvik in der schwedischen Provinz Östergötlands län (ehemals Östergötland). Beschrieben wurde das Mineral erstmals 1818 durch Jöns Jakob Berzelius. Er benannte es nach dem griechischen Wort εὔκαιρος eukairos für „zur rechten Zeit“,[7] da dieser Mineralfund für seine Forschungen zur Entdeckung des Elements Selen denkbar günstig kam.[8]

KlassifikationBearbeiten

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Eukairit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide, Selenide und Telluride mit Verhältnis Metall : S,Se,Te > 1:1“, wo er zusammen mit Stromeyerit die „Stromeyerit-Eukairit-Gruppe“ mit der System-Nr. II/B.06 und den weiteren Mitgliedern Brodtkorbit, Henryit, Imiterit, Jalpait, Mckinstryit und Selenojalpait bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Eukairit ebenfalls in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S > 1 : 1 (hauptsächlich 2 : 1)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Kupfer (Cu), Silber (Ag), Gold (Au)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.BA.25d bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Eukairit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Stromeyerit in der „Stromeyeritgruppe“ mit der System-Nr. 02.04.06 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=2:1“ zu finden.

KristallstrukturBearbeiten

Eukairit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pmmn (Raumgruppen-Nr. 59)Vorlage:Raumgruppe/59 mit den Gitterparametern a = 4,10 Å; b = 20,35 Å und c = 6,31 Å sowie 10 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

EigenschaftenBearbeiten

Vor dem Lötrohr schmilzt Eukairit unter starker Geruchsbildung nach Selen (ähnlich Knoblauch oder verrottendem Rettich[9][10]) zu einem grauen und weichen, jedoch nicht geschmeidigen Metallkorn.[1]

Bildung und FundorteBearbeiten

Eukairit bildet sich überwiegend in hydrothermalen Selen-Lagerstätten. Als Begleitminerale können neben anderen Selen-Mineralen wie Berzelianit, Chalkomenit, Clausthalit, Crookesit, Klockmannit, Tiemannit und Umangit unter anderem noch Calcit, Malachit und Weissit.[4]

Als seltene Mineralbildung konnte Eukairit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2016) rund 60 Fundorte[11] als bekannt gelten. Seine Typlokalität-Grube Skrikerum in Östergötland ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Schweden.

In Deutschland fand man das Mineral unter anderem in der Grube Weintraube bei Lerbach, den Trogtal Steinbrüchen bei Lautenthal und in der Grube Roter Bär bei Sankt Andreasberg in Niedersachsen; bei Tilkerode (Abberode) in Niedersachsen und im Schacht 371 des Bezirks Schlema-Hartenstein in Sachsen.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Grönland, Kanada, Norwegen, Polen, Rumänien, Tschechien, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Colorado, Nevada, Utah).[12]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jöns Jakob Berzelius: III. Undersökning af några föreningar, som bero af svagare frändskaper 12. Undersökning om fórekommandet af selenium i mineralriket. In: Afhandlingar i Fysik, Kemi och Mineralogi. Band 6, 1818, S. 134–144 (rruff.info [PDF; 2,1 MB; abgerufen am 9. April 2018]).
  • Friedrich Klockmann: Mineralogische Mittheilungen aus den Sammlungen der Bergakademie zu Clausthal. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band 19, 1891, S. 265–275 (rruff.info [PDF; 561 kB; abgerufen am 9. April 2018]).
  • Lewis S. Ramsdell: The crystal structure of some metallic sulfides. In: American Mineralogist. Band 10, 1925, S. 281–304 (rruff.info [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 9. April 2018]).
  • A. J. Frueh (Jr.), G. K. Czamanske, C. Knight: The crystallography of eucairite, CuAgSe. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 108, 1957, S. 389–396 (rruff.info [PDF; 389 kB; abgerufen am 9. April 2018]).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Jöns Jakob Berzelius: Die Anwendung des Löthrohrs in der Chemie und Mineralogie. Verhalten der Mineralien vor dem Löthrohre. Selenium und Selenmetalle. Selenkupfersilber, Cu2Se + AgSe, Eukairit. 4., verbesserte Auflage. Johann Leonhard Schrag, Nürnberg 1844, S. 124 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 65.
  3. Dave Barthelmy: Eucairite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 9. April 2018.
  4. a b c d Eucairite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 58 kB; abgerufen am 9. April 2018]).
  5. a b Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  6. Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 302.
  7. Wilhelm Pape (bearbeitet von Max Sengebusch): Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914, S. 1073 (zeno.org [abgerufen am 9. April 2018]).
  8. Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 317 (Selen-Mineralien, Nr. 2).
  9. Selen: Spurenelement mit Rettichduft schützt den Körper vor Infektionen und chronischen Krankheiten. In: g-netz.de. Abgerufen am 9. April 2018.
  10. Wolfgang Legrum: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft: Vorkommen, Eigenschaften und Anwendung von Riechstoffen und deren Gemischen. Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2011, S. 73 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Anzahl der Fundorte für Eukairit. In: mindat.org. Abgerufen am 9. April 2018.
  12. Fundortliste für Eukairit beim Mineralienatlas. In: mineralienatlas.de. Abgerufen am 21. Februar 2016. und bei Mindat. In: mindat.org. Abgerufen am 9. April 2018.