Knoblauch

Art der Gattung Lauch (Allium), Heilpflanze, Gewürzpflanze

Knoblauch (Allium sativum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch (Allium). Ursprünglich von Zentralasien bis zum nordöstlichen Iran beheimatet, ist er als Kulturform heute weltweit verbreitet. Er wird als Gewürz- und Heilpflanze genutzt.

Knoblauch
Geschlossene und angebrochene Knoblauchzwiebel (Allium sativum)

Geschlossene und angebrochene Knoblauchzwiebel (Allium sativum)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Lauchgewächse (Allioideae)
Tribus: Allieae
Gattung: Lauch (Allium)
Art: Knoblauch
Wissenschaftlicher Name
Allium sativum
L.

BeschreibungBearbeiten

 
Knoblauchpflanze

Der Knoblauch ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 90 Zentimetern. Die flachen, bläulich grünen, spitzen und linealischen, kahlen Laubblätter mit Blattscheide sind bis zu 15–30 Millimeter breit und bis 50–80 Zentimeter lang. Als Überdauerungsorgan wird eine 5–7 Zentimeter große Zwiebel gebildet, die von einer dünnen, weißen oder rötlichen, papierigen, trockenen Hülle (Tunika) umgeben ist. Sie besteht aus den etwa fünf bis zwanzig Beiknospen der Blätter (Zehen, Klauen). Eine solche Zehe setzt sich aus dem von einem fleischigen, verdickten Niederblatt umgebenen Vegetationskegel und dem schützenden, zähen Hüllblatt zusammen. Jeweils drei bis fünf dieser Zehen sind dann von einem trockenen Zwiebelblatt (Niederblatt) umgeben, welche alle zusammen die Tunika bilden.

Die Pflanze besitzt ausdauernde Zwiebeln, die sich ausschließlich vegetativ vermehren; zum einen bilden sich um die Zwiebel Tochterzwiebeln, die sogenannten Zehen, zum anderen bildet sich bei einem Teil der Population im Sommer ein Stängel, der ein Paket der deutlich kleineren Brutkörper (auch Bulbillen genannt) ausbildet.

Der Geschmack der Zehen ist sehr scharf-aromatisch, der Saft der Zehen von klebriger Konsistenz. Aus der Mitte der Zwiebel treibt ein stielrunder Stängel aus. Die Blattscheiden der Blätter formen einen langen Pseudostängel, der kurze, echte Stängel ist nur an der Zwiebelbasis.

Der stielrunde, sehr lange (50–100 Zentimeter) und aufrechte Blütenstandsschaft trägt einen fast kugeligen scheindoldigen Blütenstand mit einigen Blüten. Neben den meist unfruchtbaren Blüten entwickeln sich in einem spitzen, papierigen Blatthütchen (Spatha) etwa zehn bis zwanzig runde Brutzwiebeln (Bulbillen). Die lang gestielten, grünlich, weißen oder rosa, rötlichen, zwittrigen Blüten sind dreizählig mit einfacher Blütenhülle. Die sechs Tepalen und die Staubblätter, mit länglichen Anhängseln am Grund, stehen in zwei Kreisen. Der Fruchtknoten ist oberständig.

Es werden selten dreiklappige Kapselfrüchte mit schwärzlichen, skulptierten Samen gebildet.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[1]

VorkommenBearbeiten

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Knoblauchs reicht von Zentralasien bis zum nordöstlichen Iran. Darüber hinaus kommt er aber in vielen Ländern angepflanzt oder verwildert vor.[2]

InhaltsstoffeBearbeiten

Durchschnittliche ZusammensetzungBearbeiten

Die Zusammensetzung von Knoblauch schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von der Sorte, den Umweltbedingungen wie Boden und Klima, als auch von der Anbautechnik je nach Düngung und Pflanzenschutz.

Angaben je 100 Gramm essbarem Anteil:[3]

Bestandteile
Wasser 64,0 g
Eiweiß 6,1 g
Fett 0,1 g
Kohlenhydrate1 28,4 g
Mineralstoffe 1,4 g
Mineralstoffe
Natrium 17 mg
Kalium 400 mg
Magnesium 25 mg
Calcium 40 mg
Mangan 460 µg
Eisen 1400 µg
Kupfer 150 µg
Zink 575 µg
Phosphor 135 mg
Selen 6 µg
Vitamine
Thiamin (Vit. B1) 200 µg
Riboflavin (Vit. B2) 80 µg
Nicotinamid (Vit. B3) 600 µg
Vitamin E 11 µg
Vitamin C 14 mg
essentielle und semi-essentielle
Aminosäuren
Arginin2 610 mg
Histidin2 110 mg
Isoleucin 210 mg
Leucin 295 mg
Lysin 260 mg
Methionin 75 mg
Phenylalanin 175 mg
Threonin 150 mg
Tryptophan 65 mg
Tyrosin 80 mg
Valin 280 mg
1 Differenzberechnung
2 semi-essentiell

Der physiologische Brennwert beträgt 590 kJ (139 kcal) je 100 Gramm essbarem Anteil.

BesonderheitenBearbeiten

 
Chemische Strukturformel von Alliin, einem Inhaltsstoff von Knoblauch

Die Knoblauchzwiebel enthält neben Speicherkohlenhydraten (insbesondere Fructane) auch schwefelhaltige Verbindungen wie das geruchlose Alliin sowie deren Vorstufen, Gammaglutamylalkylcysteine, ein Addukt mit Thiamin (Allithiamin), Adenosin und Alliin-Lyasen. Diese Enzyme gelangen erst durch Verletzung der Zellen (beispielsweise beim Quetschen oder Pressen der Zehen) in Kontakt mit Alliin, wobei die Verbindung abgebaut und die eigentlichen Wirkstoffe Allicin und weitere Folgeprodukte erst gebildet und durch den roten Blutfarbstoff zu Schwefelwasserstoff umgewandelt werden.[4] Allicin ist Ausgangsstoff für mehrere andere schwefelhaltige Verbindungen, die insbesondere beim Erhitzen von Knoblauch entstehen. Dazu gehören Diallyldisulfid, Diallylthiosulfonat und vor allem auch Ajoen, das die Eigenschaft hat, die Aggregation von Thrombozyten zu verhindern, und somit antithrombotisch wirkt.[5]

Ähnlich wie bei Zwiebeln[6] kann es auch nach dem Schneiden von Knoblauch zu einer Verfärbung kommen.[7][8][9] Diese ist grün. Der Farbstoff entsteht durch Reaktionen der Aminosäuren mit den Schwefelverbindungen. Gesundheitlich sind die Farbstoffe völlig unbedenklich.

Der Geruch der körperlichen Ausdünstungen von Menschen, die ihn gegessen haben, rührt von den Abbauprodukten schwefelhaltiger Inhaltsstoffe wie dem Alliin, das zu Allicin umgewandelt wird, her. In frischem Knoblauch liegt der Alliingehalt bei 0,5 bis 1 % (bzw. 5 bis 14 mg/g).[10] Die schwefelhaltigen Abbauprodukte werden über die Lungenbläschen an die Atemluft abgegeben.

SystematikBearbeiten

Die Erstveröffentlichung von Allium sativum erfolgte 1753 in Species Plantarum, 1, S. 296–297. Synonyme für Allium sativum L. sind beispielsweise Allium pekinense Prokh., Allium controversum Schrad. ex Willd., Allium longicuspis Regel.

Allium sativum gehört zur Sektion Allium in der Untergattung Allium innerhalb der Gattung Allium.[11]

Beim Knoblauch (Allium sativum) werden zwei Varietäten angegeben:[11]

  • Allium sativum var. sativum, der eigentliche Kulturknoblauch
  • Allium sativum var. ophioscorodon (Link) Döll (Syn.: Allium ophioscorodon Link), manchmal auch Schlangen-Knoblauch oder Rockenbolle (Rocambole) genannt
 
Frische Zwiebel mit Teilzwiebeln („Zehen“)
 
Die aufgeplatzte Spatha gibt die Sicht auf die Bulbillen frei
 
Brutzwiebeln
 
Inneres, unten verbreitertes Staubblatt mit fädlichen Anhängseln

Schmeil-Fitschen[12] stufte 2003 die beiden Varietäten noch als Unterarten (subsp.) ein und bezeichnet Allium sativum var. ophioscorodon als „Perlzwiebel“.

Die beiden Varietäten von Allium sativum unterscheiden sich in folgenden Merkmalen:

  • Allium sativum var. sativum: meist niedrige Blütenstandsschäfte, gerade oder anfangs peitschenförmig gebogen; Blätter mit rauem Rand, längliche Nebenzwiebeln.
  • Allium sativum var. ophioscorodon: höhere Blütenstandsschäfte, am Anfang schlangenförmig gebogen, Blätter mit glattem Rand, rundlich-eiförmige Nebenzwiebeln.

Beide Varietäten sind mit zahlreichen Sorten für Herbst- und Frühjahrspflanzung im Anbau. Sie sind bei günstigem Klima (Weinbaugebiete) in Mitteleuropa gelegentlich auch verwildert anzutreffen.

NutzungBearbeiten

Verwendung in der KücheBearbeiten

 
geschälte Knoblauchzehen

Knoblauch ist in weiten Teilen der Welt als Gewürz und Gemüse bekannt und verbreitet. Knoblauchzehen sind in vielen Ländern frisch oder eingelegt in eine Salzlake oder in Öl erhältlich. Einen besonderen Stellenwert genießt er in der Küche des gesamten Mittelmeerraums und weiten Teilen Asiens. Er kommt in Gerichten mit ausgeprägtem Knoblauchgeschmack, wie etwa dem italienischen Spaghetti aglio e olio, den spanischen Gambas al ajillo, Knoblauchbrot, verschiedenen Würzsaucen oder Dips wie Aioli und Tsatsiki vor, wirkt jedoch auch allgemein geschmacksverstärkend und wird deshalb zu verschiedensten Braten-, Schmor-, Fisch- oder Eintopfgerichten hinzugefügt.[13]

In manchen Gegenden Österreichs wird Knoblauch auch als „Vanille des armen Mannes“ bezeichnet. Der dort bekannte Vanillerostbraten wird daher nicht mit Vanille, sondern mit Knoblauch gewürzt.

Zur Aufbewahrung kleinerer Mengen werden Knoblauchtöpfe angeboten.

Schwarzer KnoblauchBearbeiten

 
schwarzer Knoblauch
 
Knoblauchsprossen aus dem Glas

Schwarzer Knoblauch ist fermentierter Knoblauch.[14] Er wird unter Verschluss bei definierter Hitze und Luftfeuchtigkeit gegart. Zucker und Aminosäuren werden dabei in dunkle, stickstoffhaltige organische Verbindungen umgewandelt, die den Knoblauch schwarz färben. Durch die Gärung bekommt der Knoblauch eine weiche, etwas klebrige Konsistenz, der Geschmack wird süßlich und erinnert an Pflaumenkompott, Lakritz und Aceto balsamico, gemischt mit Knoblauchgeschmack.[14]

KnoblauchsprossenBearbeiten

In Spanien werden in einigen Gerichten statt der Knoblauchzehen auch Knoblauchsprossen bzw. Knoblauchkeime verwendet, beispielsweise im Tortilla Española. Grüne Knoblauchsprossen besitzen einen milden, charakteristischen Geschmack und ähneln optisch feinen Grünen Bohnen. In Spanien sind Knoblauchsprossen im Glas eingelegt im Handel erhältlich.

Grüner Knoblauch/KnoblauchgrünBearbeiten

Als Knoblauchgrün bezeichnet man die oberirdischen Pflanzenteile von jungem, ausgetriebenem Knoblauch, bei dem die Zwiebel noch nicht ganz ausgebildet ist.[15]

Verwendung als HeilpflanzeBearbeiten

Knoblauch wirkt antibakteriell und soll der Bildung von Thromben vorbeugen. Eine Vielzahl von Untersuchungen ergab, dass die Inhaltsstoffe die Blutfettwerte senken und daher vorbeugend gegen atherosklerotische Veränderungen der Blutgefäße wirken könnten.[16]

Eine Senkung des LDL-Cholesterins konnte nicht nachgewiesen werden,[17] jedoch zeigten Metaanalysen, dass Knoblauch die Cholesterinwerte insgesamt signifikant senkt.[18][19]

Metaanalysen von statistischen Erhebungen der vorbeugenden Ernährung sowie von Tierversuchen legen eine vorbeugende bzw. lindernde Wirkung gegen Darmkrebs nahe.[20]

Knoblauch wurde in Deutschland zur Arzneipflanze des Jahres 1989 gewählt.

KultivierungBearbeiten

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, Knoblauch im Herbst oder im Frühling in die Erde zu stecken, da er ausdauernd und winterhart ist. Eine frühere Ernte ist beim Stecken im Herbst möglich, auch der Ertrag ist dann höher.[21][22]

Knoblauch sollte im Abstand von 20 cm gesteckt werden. Die Ernte kann erfolgen, wenn ein Drittel des Laubs welk ist.[22]

Die Raupen der Lauchmotte (Acrolepiopsis assectella) fressen bis zu 25 mm starke Gänge in die Knoblauchblätter, was zum Absterben der Pflanze führt. Die Weißfäule wird durch einen Schimmelpilz hervorgerufen. Die meisten anderen Schädlinge werden durch den Knoblauchgeruch vertrieben; dies kann man auch gezielt ausnutzen, indem man Knoblauch als natürliches Abwehrmittel neben andere Nutzpflanzen setzt.

KnoblauchsaatBearbeiten

Knoblauch kommt heute nur noch als Kulturpflanze vor und hat dabei in der menschlichen Obhut die Fähigkeit zur sexuellen Fortpflanzung verloren. Die Kultivierung erfolgt stattdessen, wie oben beschrieben, asexuell über das Stecken von Zehen. Dies schränkt jedoch die genetische Variabilität und Zuchtmöglichkeiten stark ein. Lange ging man davon aus, dass Knoblauch nicht mehr zur Samenbildung in der Lage ist. Hobbygärtner haben jedoch zeigen können, dass es mit aufwändiger Pflege bei bestimmten Linien durchaus möglich ist, Samen zu gewinnen und die Fähigkeit zur sexuellen Fortpflanzung sich im Laufe der Folgegenerationen wiederherstellen lässt. Zur Arterhaltung des Knoblauchs rufen Biodiversitätsschützer Hobbygärtner inzwischen dazu auf, ebenfalls Knoblauchsaat zu gewinnen.[23]

Wirtschaftliche BedeutungBearbeiten

2019 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO weltweit 30.708.243 t Knoblauch geerntet. Die Volksrepublik China erzeugte allein 75,7 % der weltweiten Produktion.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die 10 größten Produzenten von Knoblauch weltweit, die insgesamt 92,8 % der Erntemenge produzierten.

Größte Knoblauchproduzenten (2019)[24]
Rang Land Menge
(in t)
1 China Volksrepublik  Volksrepublik China 23.258.424
2 Indien  Indien 2.910.000
3 Bangladesch  Bangladesch 466.389
4 Korea Sud  Südkorea 387.671
5 Agypten  Ägypten 318.800
6 Spanien  Spanien 271.350
7 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 237.340
8 Algerien  Algerien 223.311
9 Usbekistan  Usbekistan 216.272
10 Ukraine  Ukraine 215.070
Top Ten 28.504.627
restliche Länder 2.203.616

ÖsterreichBearbeiten

2019 lag die Knoblauchanbaufläche bei 210 Hektar. Die Erntemenge betrug in diesem Jahr 1210 Tonnen.[24]

SchweizBearbeiten

Der Knoblauchanbau in der Schweiz hat nur einen marginalen Anteil am Verbrauch, in den 2010er-Jahren aber zugenommen. Wurden 2010 noch 2 Hektar angebaut, lag die bebaute Fläche 2019 bei 60 Hektar und einer Erntemenge von 58 Tonnen.[24] Obwohl selbst beim Knoblauch inzwischen auf Regionalität geachtet wird, werden deutlich über 95 % – 3224 Tonnen – nach wie vor importiert.[25] Der Wachstumstrend in der Schweiz hält aber weiter an (Stand 2019).[26]

KulturgeschichteBearbeiten

 
Knoblauchstand im Baskenland, 2008

AltertumBearbeiten

Knoblauch war schon im Altertum als Nahrungs- und Heilmittel bekannt. Herodot behauptet, dass die Arbeiter an den Pyramiden eine tägliche Ration von Zwiebeln, Knoblauch und Rettich erhalten hatten. Dies gehe aus einer Hieroglypheninschrift hervor, die ihm sein Reiseführer „übersetzt“ hatte.[27] Im 4. Buch Mose erinnern sich auswandernde Israeliten in der Wüste wehmütig an Fische, Gurken, Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch, die sie in Ägypten gegessen hatten.[28] Eine Paste aus Knoblauch, Öl und Salz wurde gegen Aussatz eingesetzt.[29] Knoblauch am Vorabend des Sabbat zu essen machte unrein (taḳḳanot),[30] entweder weil der Knoblauch als Aphrodisiakum galt oder weil er bei der Ernte mit potentiell unreinem Wasser begossen sein konnte.[31]

Aus den Fragmenten des Eupolis[32] ist bekannt, dass Knoblauch in Griechenland auf dem Markt verkauft wurde.[33] Plinius beschreibt den Anbau.[34] Römer und Griechen wussten auch um die Heilkraft der Pflanze. Die Schrift De materia medica des antiken Arztes Pedanios Dioskurides aus dem ersten Jahrhundert empfiehlt den Knoblauch ausführlich für vielfältige Einsätze in der Medikation.[35]

MittelalterBearbeiten

Knoblauch wurde seit dem Mittelalter durch den Anbau in Klöstern verbreitet. In dem vermutlich Ende des achten Jahrhunderts von Karl dem Großen erlassenen Capitulare de villis wird der Knoblauch (in Kapitel 70) unter den zu kultivierenden Nutzpflanzen genannt. Die Empfehlungen von Dioskurides blieben für das gesamte Mittelalter maßgeblich, wo etwa Bisswunden durch Hunde oder Schlangen, Haarausfall, Zahnschmerzen, Hautausschläge, Lungenleiden oder Menstruationsstörungen damit behandelt wurden. Ein eher magisch anmutendes Verfahren zur Zahnschmerzlinderung wird im Circa instans Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt, das auf die Pulsader gelegte gestampfte Knoblauchknollen empfiehlt.[36] Auch in der angelsächsischen Medizin fand Knoblauch (garleac) Verwendung.[37]

AberglaubeBearbeiten

Knoblauch wurde in der Türkei, in Jerusalem, bei den Arabern, in Griechenland und in Ägypten als Abwehrmittel gegen den „bösen Blick“ verwendet, genaue zeitliche Angaben darüber fehlen.[38] Im persischen Volksglauben wird Knoblauch in zahlreichen Formen verwendet. Zudem wird Knoblauch in verschiedenen Erzählungen als Kette um den Hals getragen um abwehrend gegen Vampire zu wirken.[39]

TrivialnamenBearbeiten

Die deutsche Bezeichnung „Knoblauch“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „klioban“ (= „spalten“) ab; im Mittelalter nannte man den Knoblauch nach diesem Wort chlobilou oder chlofalauh und klobelouch, bezogen auf das „gespaltene“ Aussehen seiner Zehen (siehe heute noch die Bezeichnung „Klauen“ bei Tieren).

Weitere zum Teil auch nur regional gebräuchliche Bezeichnungen für den Knoblauch sind oder waren: Chlobaloch (althochdeutsch), Chlobeloch (althochdeutsch), Chlobelouch (althochdeutsch), Chlofolouch (althochdeutsch), Chloviloich (althochdeutsch), Chlovolouch (althochdeutsch), Chnobeloch (althochdeutsch), Chnobleich (althochdeutsch), Clovalouch, Clovelouch, Gruserich (Nordfranken), Klobelouch (mittelhochdeutsch), Kloblauch (mittelhochdeutsch), Kloblouch (mittelhochdeutsch), Kloflok (mittelniederdeutsch), Kluflock (mittelniederdeutsch), Knabelach (mittelhochdeutsch), Kniuwleng (Siebenbürgen), Knobel (Schwaben), Knobelouch (mittelhochdeutsch), Knoblech (Kanton Aargau, Kanton Graubünden), Knoblecht (St. Gallen), Knobleig (Siebenbürgen), Knoflak (Göttingen), Knuewelek (Luxemburgisch)[40], Knuflak (Göttingen), Knufflóek (mittelniederdeutsch), Knuflock (Pommern, Mecklenburg, Bremen), Knuftlók (mittelniederdeutsch), Kruftlók (mittelniederdeutsch) und Look (Altmark).[41]

Wilder Knoblauch hingegen ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Bärlauch.

LiteraturBearbeiten

  • Eric Block: Garlic and Other Alliums: The Lore and the Science. Royal Society of Chemistry, Cambridge 2010, ISBN 978-0-85404-190-9.
  • Kurt Heyser: Die Alliumarten als Arzneimittel im Gebrauch der abendländischen Medizin. In: Kyklos, 1, 1928, S. 64–102.
  • Heinrich P. Koch, Larry D. Lawson: Garlic. The Science and Therapeutic Application of Allium sativum L. and Related Species. Second Edition. Williams & Wilkens, Baltimore 1996, ISBN 0-683-18147-5.
  • Ted J. Meredith: The complete book of garlic – a guide for gardeners, growers, and serious cooks. Timber Press, Portland 2008, ISBN 978-0-88192-883-9.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Tessloff, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Johanna Schaal: Knoblauch – eine ganz besondere Knolle. Seehamer, Weyarn 1998, ISBN 3-932131-49-5.
  • Lutz Nover, Elmar W. Weiler: Allgemeine und molekulare Botanik. Thieme, 2008, ISBN 978-3-13-147661-6, S. 194.
  • R. Lieberei, Ch. Reisdorff: Nutzpflanzen. 8. Auflage. Thieme, 2012, ISBN 978-3-13-530408-3, S. 22, 341 f.
  • Theod. Frid. Lud. Nees ab Esenbeck: Genera plantarum florae germanicae. Vol. II, 1843, S. 201–207, online bei Bayerische Staatsbibliothek (BSB).

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Knoblauch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Knoblauch (Allium sativum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. tropicos.org
  2. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Allium sativum – Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 23. September 2016.
  3. Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, Garching (Hrsg.): Lebensmitteltabelle für die Praxis. 4. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8047-2541-6, S. 287.
  4. Netzeitung: Forscher lüften Geheimnis um Knoblauch. (Memento vom 21. Mai 2007 im Internet Archive)
  5. M. K. Jain, C. Scanzello, R. Apitz-Castro: Wirkung des Knoblauchs – Wahrheit und Dichtung. In: Chemie in unserer Zeit. 22. Jahrg. 1988, Nr. 6, S. 193–200.
  6. Eun Jin Lee, Yohannes H. Rezenom, David H. Russell, Bhimanagouda S. Patil, Kil Sun Yoo: Elucidation of chemical structures of pink-red pigments responsible for ‘pinking’ in macerated onion (Allium cepa L.) using HPLC–DAD and tandem mass spectrometry. In: Food Chemistry. Band 131, Nr. 3, 1. April 2012, S. 852–861, doi:10.1016/j.foodchem.2011.09.059.
  7. Jungeun Cho, Eun Jin Lee, Kil Sun Yoo, Seung Koo Lee, Bhimanagouda S. Patil: Identification of Candidate Amino Acids Involved in the Formation of Blue Pigments in Crushed Garlic Cloves (Allium sativum L.). In: Journal of Food Science. Band 74, Nr. 1, 1. Januar 2009, S. C11–C16, doi:10.1111/j.1750-3841.2008.00986.x.
  8. T. M. Lukes: Factors Governing the Greening of Garlic Puree. In: Journal of Food Science. Band 51, Nr. 6, 1. November 1986, S. 1577–1577, doi:10.1111/j.1365-2621.1986.tb13869.x.
  9. Sano, T.: Green pigment formation in ground garlic. In: Univ. of California, Berkeley (Hrsg.): M.S. thesis.
  10. Theodor Dingermann, Rudolf Hänsel, Ilse Zündorf (Hrsg.): Pharmazeutische Biologie: Molekulare Grundlagen und klinische Anwendungen. Springer Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-540-42844-5, S. 61.
  11. a b Allium sativum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 9. Mai 2021.
  12. Karlheinz Senghas, Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. Begründet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 92. durchgesehene Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2003, ISBN 3-494-01328-4.
  13. Pablo F. Cavagnaro, Alejandra Camargo, Claudio R. Galmarini, Philipp W. Simon: Effect of Cooking on Garlic (Allium sativum L.) Antiplatelet Activity and Thiosulfinates Content. In: Journal of Agricultural and Food Chemistry. Band 55, Nr. 4, Februar 2007, S. 1280–1288, doi:10.1021/jf062587s.
  14. a b Schwarzer Knoblauch (PDF) uniklinik-freiburg.de
  15. Hedda Thielking: Warenverkaufskunde: Knoblauch. Abgerufen am 24. August 2020 (deutsch).
  16. K. Ried, O. R. Frank, N. P. Stocks, P. Fakler, T. Sullivan: Effect of garlic on blood pressure: a systematic review and meta-analysis. BMC Cardiovasc Disord 2008; 8: 13. PMID 18554422.
  17. Christoph D. Gardener, Larry D. Lawson, Eric Block, Lorraine M. Chatterjee, Alexandre Kiazand, Raymond R. Balise, Helena C. Kraemer: Effect of Raw Garlic vs Commercial Garlic Supplements on Plasma Lipid Concentrations in Adults With Moderate Hypercholesterolemia: A Randomized Clinical Trial. In: JAMA Internal Medicine. 167/4/2007, S. 346–353. PMID 17325296.
  18. K. M. Reinhart, R. Talati u. a.: The impact of garlic on lipid parameters: a systematic review and meta-analysis. In: Nutrition research reviews. Band 22, Nummer 1, Juni 2009, S. 39–48, doi:10.1017/S0954422409350003, PMID 19555517 (Review).
  19. K. Ried, O. R. Frank u. a.: Effect of garlic on blood pressure: a systematic review and meta-analysis. In: BMC cardiovascular disorders. Band 8, 2008, S. 13, doi:10.1186/1471-2261-8-13, PMID 18554422, PMC 2442048 (freier Volltext) (Review).
  20. S. N. Ngo, D. B. Williams u. a.: Does garlic reduce risk of colorectal cancer? A systematic review. In: The Journal of nutrition. Band 137, Nummer 10, Oktober 2007, S. 2264–2269, PMID 17885009 (Review).
  21. Gemüse Online: Knoblauch aus Brutzwiebeln.
  22. a b Frühjahrsanbau von Knoblauch nicht mit allen Sorten bzw. Herkünften möglich. ‘Gardos’ und ‘Ljubasha’ mit gutem Ertrag und großen Zehen. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
  23. Garlic Analecta: Growing Garlic From True Seed. In: garlicseed.blogspot.com. 26. Februar 2004, abgerufen am 11. Mai 2021.
  24. a b c Crops > Garlic. In: Produktionsstatistik der FAO für 2019. fao.org, abgerufen am 8. Februar 2021 (englisch).
  25. Knoblauch: Würze aus der Schweiz. In: bauernzeitung.ch. 3. Februar 2019, abgerufen am 2. Juni 2019.
  26. Silvia Schaub: Die stinkenden Zehen werden heimisch. In: tagblatt.ch. 2. Juni 2019, abgerufen am 2. Juni 2019.
  27. Herodot, Historien, 2.125.
  28. Numeri 11.5
  29. Gittin 69a, 329, nach K. Codell Carter: Causes of Disease and Death in the Babylonian Talmud. In: Medizinhistorisches Journal, Band 26, Nr. 1/2, 1991, S. 103, JSTOR 25804034.
  30. Solomon Zeitlin: Taḳḳanot 'Ezra. In: Jewish Quarterly Review, Neue Folge 8/1, 1917, S. 62, JSTOR 1451402.
  31. Solomon Zeitlin: Taḳḳanot 'Ezra. In: Jewish Quarterly Review, Neue Folge 8/1, 1917, S. 66 f., JSTOR 1451402.
  32. Eupolis Fr. 304
  33. Stewart Flory: Who read Herodotus’ Histories? In: American Journal of Philology. Band 101, Nr. 1, 1980, S. 19, JSTOR 294167
  34. Christopher Hobbs: Garlic – The Pungent Panacea. In: Pharmacy in History 34/3, 1992, S. 159, JSTOR 41111461.
  35. Dioskurides, De materia medica, Buch II, Kapitel 152.
  36. Konrad Goehl: Beobachtungen und Ergänzungen zum ‘Circa instans’. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 69–77, hier: S. 74.
  37. Barbara Brennessel, Michael D. C. Drout, Robyn Gravel: Reassessment of the Efficacy of Anglo-Saxon Medicine. In: Anglo-Saxon England, 34, 2005, S. 183–195, JSTOR 44512361.
  38. Siegfried Seligmann: Der böse Blick und Verwandtes. Band 2. Georg Olms Verlag, 1985, ISBN 978-3-487-41422-5, S. 73 (books.google.com).
  39. Peyman Matin: Apotropaic Plants in the Persian Folk Culture. In: Iran and the Caucasus, Band 16, Nr. 2, 2012, S. 189–200, JSTOR 41723237.
  40. M. Huss (Hrsg.): Wörterbuch der luxemburgischen Mundart. 1906.
  41. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, S. 19; Textarchiv – Internet Archive.