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Ernstweiler (im örtlichen Dialekt Ernschdwiller) bezeichnet einen Stadtteil von Zweibrücken in Rheinland-Pfalz, der westlich der Innenstadt liegt.

Ernstweiler
Koordinaten: 49° 15′ 9″ N, 7° 20′ 56″ O
Einwohner: 2257 (31. Dez. 1980)
Eingemeindung: 1926
Postleitzahl: 66482
Vorwahl: 06332
Karte
Lage in Zweibrücken

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Ernstweiler liegt nördlich des Schwarzbachs und ist im 19. und 20. Jahrhundert mit der Kernstadt Zweibrücken zusammengewachsen.

GeschichteBearbeiten

Der Ortsname auf „-weiler“ gehört zu einem Ortsnamentypus, der im Frühmittelalter häufig gewählt wurde. Die schriftliche Überlieferung setzt im 10. Jahrhundert ein.

Kaiser Otto II. bestätigte 982 eine Schenkung des im Kampf gefallenen Grafensohns Conrad an die Abtei Gorze, darunter dessen Hofgut in Ernustesvuilere.[1] 1009 lagerte König Heinrich II. auf seinem Zug gegen Metz mit seinem Heer im Vicus Ernestvilláre.[2] Die erstmals 1263 genannte Pfarrei war 1310 dem Kloster Wörschweiler inkorporiert.

1385 erstreckte sich der Burgfrieden um Zweibrücken bis „gen Bubenhusen an daz dorff und von Bubenhusen gen Ernswilr“.[3] 1547 entschied Pfalzgraf Wolfgang, dass die Bänne der Stadt Zweibrücken und der beiden Dörfer Bubenhausen und Ernstweiler für alle Zeiten eine gemeinschaftliche Gemarkung mit gemeinschaftlicher Nutzung bilden sollten. Die Untertanen der beiden Dörfer unterstanden weiterhin der Schultheißerei Ixheim, während die Bürger der Stadt weiter Stadtbürger blieben.[4] Bubenhausen war nach Ernstweiler gepfarrt, die beiden Orte hatten stets die gleiche Landeszugehörigkeit wie Zweibrücken.

Herzog Christian IV. ließ zwischen 1749 und 1754 in Ernstweiler eine große Kellerei erbauen, deren Bau 46.000 Gulden kostete und die Goethe in seinen Lebenserinnerungen beschreibt. In dem zweischiffigen unterirdischen Gewölbe waren von April 1812 bis April 1813 während der Napoleonischen Kriege kriegsgefangene Spanier untergebracht.[5] 1945 durch Kriegseinwirkung stark beschädigt, wurden die Überreste in den 1970er Jahren von der Fa. Demag erworben und abgerissen. Arbeitsplätze in der Industrie entstanden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Abtrennung des Saargebiets 1920 und der Errichtung der Zollgrenze 1925 am Kaplaneihof gerieten Bubenhausen und Ernstweiler in eine Grenzlage.

1926 wurden Bubenhausen und Ernstweiler nach Zweibrücken eingemeindet und sind seitdem Stadtteile von Zweibrücken.

LiteraturBearbeiten

  • Festschrift 1000 Jahre Ernstweiler. 982 – 1982, Hrsg. Komitee 1000 Jahre Ernstweiler, Zweibrücken 1982.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ernstweiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Theodor Sickel (Hrsg.): Diplomata 13: Die Urkunden Otto des II. und Otto des III. (Ottonis II. et Ottonis III. Diplomata). Hannover 1893, S. 325–326 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat), Urkunde Nr. 280.
    Vgl. Martin Dolch; Albrecht Greule: Historisches Siedlungsnamenbuch der Pfalz, Speyer 1991, S. 130
  2. Georg Waitz, Wilhelm Wattenbach u. a. (Hrsg.): Scriptores (in Folio) 15,1: Supplementa tomorum I-XII, pars III. Supplementum tomi XIII pars I. Hannover 1887, S. 34 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  3. Carl Pöhlmann: Regesten der Grafen von Zweibrücken aus der Linie Zweibrücken, bearbeitet durch Anton Doll, Speyer 1962, S. 309, Nr. 940.
  4. Ludwig Molitor: Vollständige Geschichte der ehemals pfalz-bayerischen Residenzstadt Zweibrücken, Zweibrücken 1885, Faksimile-Neudruck Zweibrücken 1989, S. 194. ISBN 3-924171-04-1
  5. Ludwig Molitor: Vollständige Geschichte der ehemals pfalz-bayerischen Residenzstadt Zweibrücken, Zweibrücken 1885, Faksimile-Neudruck Zweibrücken 1989, S. 575. ISBN 3-924171-04-1