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Das Erbamt Grimma war eine im Leipziger Kreis gelegene territoriale Verwaltungseinheit des Kurfürstentums Sachsen. Bis zum Ende der sächsischen Ämterverfassung im Jahr 1856 bildete es den räumlichen Bezugspunkt für die Einforderung landesherrlicher Abgaben und Frondienste, für Polizei, Rechtsprechung und Heeresfolge.

Geographische LageBearbeiten

Das Amt Grimma mit dem Amt Naunhof lagen östlich und südöstlich der Stadt Leipzig. Während das Amt Naunhof westlich der Mulde lag, befand sich das Amt Grimma bis auf die Stadt Grimma und ihr Vorwerk Rappendorf östlich der Mulde. Das Amt wurde im Westen von der Parthe durchflossen.

Eine kleine Exklave lag nordöstlich des Amts im Amt Wurzen südlich der Stadt Wurzen, eine weitere Exklave mit drei Orten lag im Süden am Eulabach zwischen den Ämtern Borna und Colditz. Die Ämter Mutzschen und Oschatz trennten im Osten zwei Exklaven mit einem bzw. elfeinhalb Orten vom Amtsgebiet.

Angrenzende VerwaltungseinheitenBearbeiten

Die Angabe angrenzender Verwaltungseinheiten erfolgt unter Vernachlässigung der Exklaven der Ämter. Das im Jahr 1487 mit dem Amt Grimma vereinigte Amt Naunhof wird als Bestandteil des Amts Grimma nicht gesondert erwähnt.

Kreisamt Leipzig Stiftsamt Wurzen (Amt Wurzen)
Kreisamt Leipzig   Amt Mutzschen Stiftsamt Wurzen (Ämter Mügeln und Sornzig)
Amt Borna Schulamt Grimma und Amt Colditz Amt Colditz

GeschichteBearbeiten

Das „Amt Grimma“ war seit dem 13. Jahrhundert im Besitz des Markgrafen von Meißen und war kirchlich wie die im Westen angrenzenden Ämter Naunhof und Leipzig vom Hochstift Merseburg abhängig. Nach der Leipziger Teilung 1485 gehörte das Amt zur ernestinischen Linie der Wettiner.

Im Jahr 1487 wurde das Amt Naunhof mit dem Erbamt Grimma vereinigt. Seit der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 war das Amt Grimma mit Naunhof in Besitz der Albertiner. Nach der Säkularisation des Klosters Nimbschen wurde das Amt Grimma in zwei selbstständige Verwaltungsgebiete geteilt: in das „Erbamt Grimma“ und das „Schulamt Grimma“. Letzteres wurde für die wirtschaftliche Unterhaltung der neu errichteten Fürstenschule Grimma eingerichtet, wofür es acht Dörfer aus dem Besitz des ehemaligen Klosters Nimbschen erhielt.

Ab 1829 war das Erbrentamt Grimma auch für die Finanzangelegenheiten des Schulamts verantwortlich. 1835 wurden das Justiz- und Schuljustizamt Grimma miteinander verbunden. 1856 erfolgte die Auflösung des gemeinsamen Justizamts und die Übernahme der Aufgaben durch das Gerichtsamt Grimma.

Das Amt NaunhofBearbeiten

Das „Amt Naunhof“ war seit dem 13. Jahrhundert im Besitz des Markgrafen von Meißen und kirchlich vom Hochstift Merseburg abhängig. Nach der Leipziger Teilung 1485 gehörte das Amt zur ernestinischen Linie der Wettiner. Im Jahr 1487 wurde das Amt Naunhof mit dem Erbamt Grimma vereinigt. Seit der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 war das Amt Grimma mit Naunhof in Besitz der Albertiner. Ein Teil des Amts Naunhof gehörte seit 1550 zum Kreisamt Leipzig.

BestandteileBearbeiten

1827 lebten im Erbamt Grimma 18.400 Einwohner in fünf Städten und 93 Dörfern.

Städte
Dörfer

u. a.

Dörfer des Erbamts Grimma, die vor 1487 zum Amt Naunhof gehörten
Dörfer (Exklaven)
Rittergüter und Vorwerke

LiteraturBearbeiten

  • Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Gumnior, Chemnitz 2009. ISBN 3937386149
  • Leo Bönhoff: Die ältesten Ämter der Mark Meißen. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte. Band 38, 1917, S. 17–45 (Digitalisat).
  • Johann Christian Crell: Die in Chursachsen jeztlebende Amtleute und Amtsverweser. Leipzig, 1722.
  • Gottfried Ehregott Dippold: Statistisch-topische Beschreibung des Erbamts Grimma. in: Journal für Sachsen, Bd. 1/1792, S. 22–36 (Digitalisat)
  • Uwe Schirmer: Das Amt Grimma 1485–1548. Demographische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse in einem kursächsischen Amt am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit. Beucha 1996. ISBN 3-930076-22-5
  • Erbamt Grimma. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 3. Band. Schumann, Zwickau 1816, S. 430–436.
  • Erbamt Grimma. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 16. Band. Schumann, Zwickau 1828, S. 355–362.

WeblinksBearbeiten