Emmi Bonhoeffer

deutsche Ehefrau des Widerstandskämpfers Klaus Bonhoeffer

Emilie „Emmi“ Bonhoeffer, geborene Emilie Delbrück (* 13. Mai 1905 in Berlin; † 12. März 1991[1] in Düsseldorf) war die Tochter von Hans Delbrück, verheiratet mit Klaus Bonhoeffer.

Leben und WirkenBearbeiten

FamilieBearbeiten

Emilie Delbrück wurde am 13. Mai 1905 als das sechste von sieben Kindern des Historikers Hans Delbrück geboren. Sie wurde stets Emmi genannt und entstammte der Familie Delbrück. Sie war eine Schwester des Juristen Justus Delbrück und des Biophysikers Max Delbrück. Schon in ihrer Jugend entstanden enge Kontakte zu den Familien Harnack und Bonhoeffer, die später im Widerstand gegen Hitler eine große Rolle spielten. Am 3. September 1930 heiratete sie den drittältesten der acht Bonhoeffergeschwister Klaus. Ihr jüngster Bruder Max emigrierte 1936 in die USA, während einer ihrer älteren Brüder Justus sich dem Widerstand anschloss. Neben diesen beiden gab es einen weiteren Bruder, der jedoch 1917 gefallen ist, sowie drei ältere Schwestern. Sie war wie ihre Geschwister eine Urenkelin von Justus Liebig aus dem hessischen Geschlecht Liebig.

Politisches WirkenBearbeiten

Emmi Bonhoeffer begleitete ihren Mann, den Bruder und die Schwäger Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher in der Zeit des Widerstands, wiewohl sie – schon zu ihrer eigenen Sicherheit – nur begrenzt in die Einzelheiten der Verschwörung gegen Hitler eingeweiht war.[2] Andererseits übernahm sie – wie andere Frauen im Widerstand auch – immer wieder die Weitergabe von Nachrichten und andere Aufgaben.[3]

Nach der Ermordung ihres Mannes am 23. April 1945 floh sie nach Gronenberg (Scharbeutz) in Schleswig-Holstein, wo sie schon ihre drei Kinder in Sicherheit gebracht hatte.[4] Dort sorgte sie für die Unterstützung derer, die Unterstützung brauchten.[5] Sie baute eine Nähstube auf und wurde Mitglied im Gemeinderat.[5]

In den Jahrzehnten nach dem Krieg engagierte sie sich stets gegen das Vergessen der deutschen Untaten während der Zeit des Nationalsozialismus sowie für Frieden und Gerechtigkeit. In den ersten Jahren der deutschen Teilung baute sie ein Hilfsnetz mit auf, um Päckchen mit Spenden nach Ostdeutschland zu schicken. 1964 übernahm sie es, die Zeugen im Auschwitz-Prozess zu betreuen. Ihre Briefe über diese Zeit sind veröffentlicht worden. Später arbeitete sie bei amnesty international[6] mit und engagierte sich gegen die Raketenstationierungen.

SonstigesBearbeiten

Nach ihrer Zeit in Gronenberg lebte sie zunächst in Frankfurt, die letzten 20 Lebensjahre verbrachte sie in Düsseldorf.[6] Sie starb am 12. März 1991 in Düsseldorf.[7]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

1954 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

WerkeBearbeiten

  • Zeugen im Auschwitz-Prozess: Begegnungen und Gedanken. Wuppertal-Barmen: Kiefel 1965 (Die Brücke) (auch in niederländischer und englischer Übersetzung erschienen)
  • Zahlreiche Texte sind veröffentlicht in: Emmi Bonhoeffer: Essay, Gespräch, Erinnerung, hrsg. von Sigrid Grabner und Hendrik Röder, Lukas Verlag Berlin, 2004. ISBN 3-936872-31-7

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  • Ein Licht aus altem Graun Gedenkrede von Emmi Bonhoeffer am 20. Juli 1981 im Ehrenhof der Gedenk- und Bildungsstätte Stauffenbergstrasse, Berlin

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kurzbesprechung des Buches: GRABNER, Sigrid / RÖDER, Hendrik (Hrsg.): Emmi Bonhoeffer. Essay, Gespräch, Erinnerung (Memento vom 15. Dezember 2007 im Internet Archive)
  2. Frauenwerk der Nordkirche (Hrsg.): Frau der Woche: Emmi Bonhoeffer 1905-1991. Hamburg. (PDF)
  3. Ein Licht aus altem Graun - Stiftung 20. Juli 1944. Abgerufen am 9. August 2020.
  4. Regina Goldlücke: Vaters Brief war ihre Bürde. In: DIE WELT. 7. Mai 2005 (welt.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  5. a b TATCHRISTENTUM : Gronenberg in Holstein - DER SPIEGEL 23/1950. Abgerufen am 9. August 2020.
  6. a b Emmi Bonhoeffer - Stiftung 20. Juli 1944. Abgerufen am 9. August 2020.
  7. Emmi Bonhoeffer. Abgerufen am 9. August 2020.