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Edingtonit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Ba[Al2Si3O10] · 4H2O[1], ist also chemisch gesehen ein wasserhaltiges Barium-Aluminium-Gerüstsilikat und Mitglied der Zeolithgruppe.

Edingtonit
Edingtonite-120476.jpg
Edingtonit-Stufe aus dem Ice River Alkali-Komplex, Golden Mining Division, British Columbia, Kanada (Sichtfeld: 9 mm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Antiëdrit
  • Tetraedingtonit
Chemische Formel Ba[Al2Si3O10] · 4H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Schichtsilikate (Tektosilikate)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
09.GA.15 (8. Auflage: VIII/J.22)
77.01.05.06
Kristallographische Daten
Kristallsystem Edingtonit-1O: orthorhombisch
Edingtonit-1Q: tetragonal
Kristallklasse; Symbol Edingtonit-1O: orthorhombisch-disphenoidisch; 222[2]
Edingtonit-1Q: tetragonal-skalenoedrisch; 42m[3]
Raumgruppe siehe Kristallstruktur
Gitterparameter siehe Kristallstruktur
Formeleinheiten Z = 2[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5[4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,73 bis 2,78; berechnet: 2,75 bis 2,80[4]
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}[4]
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig[5]
Farbe weiß, grau, rosa bis rötlich; farblos in dünnen Schichten
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,538[6]
nβ = 1,549[6]
nγ = 1,554[6]
Doppelbrechung δ = 0,016[6]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 66° (berechnet)[6]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale pyroelekrtisch, piezoelektrisch[4]

Edingtonit entwickelt meist pseudotetragonale Kristalle mit prismatischem, pyramidalem oder disphenoidem Habitus, aber auch körnige bis massige Aggregate von durchscheinend weißer, grauer oder rosa bis rötlicher Farbe bei weißer Strichfarbe. In dünnen Schichten kann er aber auch farblos und vollkommen durchsichtig sein.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und GeschichteBearbeiten

Benannt wurde das Mineral nach dem schottischen Mineraliensammler James Edington (1787–1844).

Erstmals beschrieben wurde Edingtonit von Wilhelm Ritter von Haidinger, der das Mineral in den Höhlungen des Minerals Thomsonit aus der Sammlung von James Edington entdeckte. Der Thomsonit selbst stammte von den Kilpatrick Hills (Kilpatrickhügel) nahe Glasgow in der ehemals eigenständigen, schottischen Grafschaft Dunbartonshire.[7]

Die Bezeichnung Antiëdrit wurde 1832 von Johann Friedrich August Breithaupt für einen tetragonal kristallisierenden, antihemiëdrisch pyramidalen Edingtonit gewählt.[8]

KlassifikationBearbeiten

Bereits in der mittlerweile veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Edingtonit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Boggsit, Dachiardit-(Ca), Dachiardit-(Na), Ferrierit-(K), Ferrierit-(Mg), Ferrierit-(Na), Gottardiit, Laumontit, Mordenit, Mutinait und Terranovait die zweite Untergruppe der „Faserzeolithe“ innerhalb der Zeolithgruppe mit der System-Nr. VIII/J.22 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Edingtonit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach der Art der Gerüststruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung der „Zeolithe mit Vierer-Ring-Ketten über ein fünftes Si verbunden“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Kalborsit die unbenannte Gruppe 9.GA.15 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Edingtonit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er zusammen mit Natrolith, Tetranatrolith, Paranatrolith, Mesolith, Skolezit, Gonnardit, Cowlesit, Thomsonit-Ca, Thomsonit-Sr und Nabesit in der Gruppe „Natrolith und verwandte Arten“ 77.01.05 innerhalb der Unterabteilung der „Echten Zeolithe“ zu finden.

KristallstrukturBearbeiten

Edingtonit kommt in zwei Modifikationen unterschiedlicher Kristallstruktur vor, die als Edingtonit-1O und Edingtonit-1Q bezeichnet werden.

EigenschaftenBearbeiten

Edingtonit ist pyroelektrisch und piezoelektrisch, baut also bei intervallartiger Temperaturänderung oder Verformung eine elektrische Spannung auf.

Vor dem Lötrohr lässt sich das Mineral nur schwer zu einem farblosen Glas schmelzen.[9]

Bildung und FundorteBearbeiten

 
Seltener, wasserklarer Edingtonit aus Bölet (Bölets Ängar) bei Undenäs, Schweden (Größe: 1,8 × 1 × 0,4 cm)

Edingtonit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in Hohlräumen und Klüften mafischer Vulkangesteine, Nephelin-Syenite oder Karbonatite, wo er unter anderem in Paragenese mit Analcim, Brewsterit, Calcit, Harmotom, Natrolith, Prehnit und Thomsonit anzutreffen ist.[4][5]

Als seltene Mineralbildung konnte Edingtonit bisher (Stand: 2011) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei rund 20 als bekannt gelten.[10] Neben seiner Typlokalität Kilpatrick Hills trat das Mineral in Schottland noch in den Steinbrüchen von Loanhead (Ayrshire) und Guisachan (Highlands) auf. Weitere Fundorte im Vereinigten Königreich sind Disgwylfa Hill im englischen Shropshire und Wethel im walisischen Radnorshire.

Bekannt für seine reichhaltigen Funde gut ausgebildeter Kristalle in Aggregaten von mehreren Zentimetern Größe ist vor allem der Ice River Alkali-Komplex der Golden Mining Abteilung in der kanadischen Provinz British Columbia.[11] Daneben fand sich das Mineral in Kanada aber auch in der „Brunswick No. 12 Mine“ in New Brunswick und im Poudrett Steinbruch am Mont Saint-Hilaire in Québec.

Des Weiteren wurde Edingtonit unter anderem noch in der „Jacupiranga Mine“ bei Cajati im brasilianischen Bundesstaat São Paulo, bei Staré Ransko nahe Havlíčkův Brod in der tschechischen Region Mähren, in der „Shiromaru Mine“ im Landkreis Nishitama-gun auf der japanischen Insel Honshū, an mehreren Orten in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola, bei Bölet (Bölets Ängar) nahe Undenäs in Schweden sowie bei Big Creek und am Ash Creek im US-Bundesstaat Kalifornien.[6]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Edingtonite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 702.
  2. Webmineral – Edingtonite
  3. Walter Borchardt-Ott: Kristallographie. 6. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-540-43964-1, S. 207.
  4. a b c d e John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Edingtonite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 80,1 kB)
  5. a b Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 274 (Dörfler Natur).
  6. a b c d e f Mindat – Edingtonite
  7. Edingtonit, in: [[Johann Joseph Prechtl]] (Hrsg.): Jahrbücher des Kaiserlichen Königlichen Polytechnischen Institutes in Wien, Band 9, Verlag von Carl Gerold, Wien 1826 in der Google-Buchsuche
  8. August Breithaupt: XVII. Geschlecht. Antiëdrit-G. In: Vollständige Charakteristik des Mineral-System's, 3. Auflage, Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig 1832 in der Google-Buchsuche
  9. Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 791 (Erstausgabe: 1891).
  10. Mindat – Anzahl der Fundorte für Edingtonite
  11. Mindat – Edingtonite Gallery from Ice River Alkaline Complex, Golden Mining Division, British Columbia, Canada