Klassifikation nach ICD-10
D22.9 Dysplastischer Nävus
ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Mikrofoto von einem dysplastischen Nävus. HE-Färbung.

Ein Dysplastischer Nävus (auch Clarkscher melanozytärer Nävus) gehört zu den pigmentierten und umschriebenen Fehlbildungen der Haut (Pigmentnävi), die umgangssprachlich „Muttermale“ oder „Leberflecken“ genannt werden. Im Gegensatz zu den anderen derartigen Hautveränderungen, die aus normalen Melanozyten oder Nävuszellen aufgebaut sind, kommt es hier zu einer Vermehrung von atypischen Zellen mit unregelmäßigem Aussehen. Die Auffassung, Dysplastische Nävi seien Vorläufer des superfiziell spreitenden Melanoms, ist kontrovers. Allerdings enthalten 20–30 % der Melanome auch Nävuszellen, was für eine Transformation oder Progression vom Nävus zum Melanom spricht.[1] Einige kleinere prospektive Studien bestätigen ein erhöhtes Malignomrisiko zumindest für große Nävi.[2][3][4] Andererseits entstehen 70 % der Melanome de novo auf normaler Haut und nicht aus einem präexistenten Nävus.[5] Die Anzahl der Clark-Nävi kann auch ohne direkte Transformation mit dem Melanomrisiko korrelieren, bedingt durch die Gemeinsamkeiten in ihrer Ätiologie.

EpidemiologieBearbeiten

Bei Weißen kommen dysplastische Nävi mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von ca. 5 % vor. Es gibt jedoch keine Präferenz bezüglich Alter oder Geschlecht. Gehäuftes Auftreten findet man außerdem bei Vorliegen eines Melanoms, beim familiären Melanom und beim Syndrom der dysplastischen Nävi (DNS). Man geht davon aus, dass über 20 % der Melanome auf dem Boden eines solchen Syndroms entstehen.

KlinikBearbeiten

Dysplastische Nävi zeigen auf der Haut ein „unruhigeres Bild“ als gewöhnliche Nävuszellnävi. Sie haben mehr Farbtöne (von dunkelbraun bis hellrot oder depigmentiert) und sind unregelmäßig oder scheckig eingefärbt. Die Begrenzung solcher dysplastischer Hautveränderungen kann scharf sein, meist sind es jedoch unscharfe, ausgefranste Ränder. Dysplastische Nävi sind üblicherweise größer als 5 mm im Durchmesser und können in geringem Ausmaß erhabene Anteile aufweisen, insbesondere im Zentrum.

Verlauf und PrognoseBearbeiten

Das Risiko zur Entartung ist nur unbedeutend höher als das normaler Haut anzusetzen. Die Tatsache, dass jeder Mitteleuropäer im Schnitt zwischen 5 und 10 Clark-nävi aufweist, die Inzidenz des Melanoms aber nur 10 – 15 / 100.000 beträgt, unterstützt diese These.

TherapieBearbeiten

Dysplastische Nävi, die sich in irgendeiner Weise verändern oder die sich an Stellen befinden, die der Patient nicht regelmäßig kontrollieren kann, sollten chirurgisch exzidiert werden, um eine mögliche Weiterentwicklung in ein malignes Melanom auf jeden Fall abfangen zu können. Alle anderen dysplastischen Nävi müssen je nach individuellem Risiko regelmäßig kontrolliert und vom Hautarzt in Abständen begutachtet werden. Weiterhin sollte exzessive Sonnenexposition vermieden werden.

LiteraturBearbeiten

  • Thomas B. Fitzpatrick, Klaus Wolff (Hrsg.): Atlas und Synopsis der klinischen Dermatologie: häufige und bedrohliche Krankheiten. 3. Auflage. McGraw-Hill, New York; Frankfurt a. M., 1998, ISBN 0-07-709988-5.
  • Ernst G. Jung, Ingrid Moll (Hrsg.): Dermatologie. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart, 2003, ISBN 3-13-126685-6

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. R. M. Cymerman, Y. Shao u. a.: De Novo vs Nevus-Associated Melanomas: Differences in Associations With Prognostic Indicators and Survival. In: Journal of the National Cancer Institute. Band 108, Nummer 10, Oktober 2016, S. , doi:10.1093/jnci/djw121, PMID 27235387, PMC 5939856 (freier Volltext).
  2. E. K. Hale, J. Stein u. a.: Association of melanoma and neurocutaneous melanocytosis with large congenital melanocytic naevi–results from the NYU-LCMN registry. In: The British journal of dermatology. Band 152, Nummer 3, März 2005, S. 512–517, doi:10.1111/j.1365-2133.2005.06316.x, PMID 15787820.
  3. C. L. Egan, S. A. Oliveria u. a.: Cutaneous melanoma risk and phenotypic changes in large congenital nevi: a follow-up study of 46 patients. In: Journal of the American Academy of Dermatology. Band 39, Nummer 6, Dezember 1998, S. 923–932, PMID 9843003.
  4. A. C. Viana, E. M. Goulart u. a.: A prospective study of patients with large congenital melanocytic nevi and the risk of melanoma. In: Anais brasileiros de dermatologia. Band 92, Nummer 2, 2017 Mar-Apr, S. 200–205, doi:10.1590/abd1806-4841.20175176, PMID 28538879, PMC 5429105 (freier Volltext).
  5. R. Pampena, A. Kyrgidis u. a.: A meta-analysis of nevus-associated melanoma: Prevalence and practical implications. In: Journal of the American Academy of Dermatology. Band 77, Nummer 5, November 2017, S. 938–945.e4, doi:10.1016/j.jaad.2017.06.149, PMID 28864306 (Review).
  Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!