Duales System (Abfallwirtschaft)

Sammlung und Entsorgung von Verkaufsverpackungen in Deutschland entsprechend dem Verpackungsgesetz

Das Duale System bezeichnet die haushaltsnahe Sammlung und Entsorgung von gebrauchten Verkaufsverpackungen in Deutschland. Es folgt den Vorgaben des deutschen Verpackungsgesetzes. Die Bezeichnung „Dual“ liegt darin begründet, dass die privatwirtschaftlich organisierte Gesellschaft als zweites System neben der bereits bestehenden öffentlichen Entsorgung eingeführt wurde.[1]

EntstehungBearbeiten

Hintergrund war die 1991 in Kraft getretene Verpackungsverordnung, die die Wirtschaft erstmals verpflichtete, in Umlauf gebrachte Verpackungen nach Gebrauch zurückzunehmen und einer Verwertung zuzuführen. Bis dahin waren ausschließlich die Gemeinden für die Abfallentsorgung zuständig.

Die neue Gesetzgebung veranlasste in Deutschland tätige Unternehmen der Lebensmittel- und Verpackungsbranche, einen Verbund zu gründen, der die Erfüllung der Verwertungspflichten bündeln konnte. Daraus entstand die gemeinsame Entsorgung im dualen System. Die Dienstleistung bestand zunächst darin, die verpflichteten Unternehmen durch die Gewährleistung einer kollektiven Sammlung von ihrer individuellen Rücknahmepflicht zu befreien. Nach der Novelle der Verpackungsverordnung 2009 sind Hersteller und Vertreiber verpflichtet, ihre an den privaten Endverbraucher gerichteten Verpackungen an einem dualen System zu beteiligen.

Erster privatwirtschaftlicher Anbieter dieser Dienstleistung war die Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH. Im Jahr 2003 wurde erstmals im Bundesland Hessen mit der Landbell AG für Rückhol-Systeme ein zweiter Systembetreiber zugelassen, der seit 2006 bundesweit tätig ist. Inzwischen sind weitere Anbieter zugelassen:

  1. Recycling Kontor Dual GmbH & Co. KG (2019 ausgeschieden)
  2. BellandVision GmbH
  3. Interseroh Dienstleistungs GmbH
  4. Noventiz Dual GmbH
  5. Reclay Holding GmbH zusammen mit Redual GmbH und VfW GmbH
  6. Veolia Umweltservice Dual GmbH
  7. Zentek GmbH & Co. KG
  8. PreZero Dual GmbH[2]
  9. EKO-Punkt GmbH & Co. KG

Ursprünglich mussten Verpackungen, die am dualen System teilnahmen, gekennzeichnet sein. Bis zum Ende der Monopol-Stellung 2003 wurde dazu ausschließlich Der Grüne Punkt genutzt. Seit 2009 besteht diese Kennzeichnungspflicht nicht mehr, da alle an den privaten Endverbraucher gerichteten Verkaufsverpackungen am dualen System teilnehmen müssen.

In der PraxisBearbeiten

 
„Gelbe Säcke“ liegen an einer Hauswand zur Abholung bereit

Der überwiegende Anteil der verbrauchten Verkaufsverpackungen (ca. 7 Mio. Tonnen jährlich) wird im dualen System gesammelt und der Verwertung zugeführt (ca. 5,3 Mio. Tonnen jährlich).[3] Die Verpackungen werden von den Verbrauchern nach Abfallart getrennt gesammelt: Altglas in öffentlichen Containern, Altpapier überwiegend über Altpapiertonnen, Leichtverpackungen aus Kunststoffen, Metallen sowie Getränkekartons in den Privathaushalten in der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack. In einigen Kommunen vor allem in Süddeutschland werden gebrauchte Verkaufsverpackungen auch über Wertstoffhöfe erfasst.

Im jährlichen Mengenstromnachweis (siehe § 6 Abs. 7 VerpackV) dokumentieren die dualen Systeme gegenüber der zuständigen Landesbehörde oder einer von ihr bestimmten Behörde die Erfüllung ihrer Pflichten. Er enthält alle Daten über die ordnungsgemäße Sammlung, Sortierung und Verwertung der in Deutschland gesammelten und verwerteten Verkaufsverpackungen.

Die Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn stellte 2013 eine parlamentarische Anfrage zur Effektivität des dualen Systems. In der Antwort nannte die Bundesregierung folgende geschätzten Recyclingquoten für das Jahr 2009: Weißblech 92, Aluminium 60, sowie Kunststoffe 43 Prozent.[4] Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen wurden im Jahr 2014 44,1 Prozent des gesamten Inhalts eines gelben Sacks oder einer gelben Tonne in Müllverbrennungsanlagen verbrannt.[5] Nach einer Berechnung des Öko-Instituts wurden 51,1 Prozent als Ersatzbrennstoff in Zementwerke, 40 Prozent als Input in die stoffliche Verwertung, 6 Prozent als Input in Müllverbrennungsanlagen und 2,8 Prozent als Input in die rohstoffliche Verwertung in Hochöfen verbracht.[6] Allerdings soll nach Berechnungen von Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie die tatsächliche Recyclingquote von Plastikprodukten bei gerade mal 5,6 Prozent liegen (Stand 2019).[7]

MarktumfeldBearbeiten

Als duale Systeme gemäß Verpackungsgesetz (VerpackG) sind anerkannt (Stand Februar 2021):[8]

Eine Koordinierung erfolgt über die Gemeinsame Stelle dualer Systeme Deutschlands GmbH.[11]

Gemeinsame Initiative „Mülltrennung wirkt“Bearbeiten

Im März 2020 starteten die dualen Systeme gemeinsam die bundesweite Initiative „Mülltrennung wirkt“.[12] Sie hat zum Ziel, Verbraucherinnen und Verbraucher über die richtige Mülltrennung aufzuklären, um den Restmüllanteil im Gelben Sack und in der Gelben Tonne zu reduzieren.[13]

Denn nach wie vor ist der Anteil an Restmüll im Gelben Sack und in der Gelben Tonne zu hoch. Von den in Deutschland jährlich rund 2,6 Millionen Tonnen über die Gelben Säcke und Tonnen gesammelten Materialien[14] sind etwa 70 Prozent Verpackungen und durchschnittlich 30 Prozent nicht richtig entsorgter Restmüll[15]. Das erschwert oder verhindert das Recycling wertvoller Rohstoffe.

Die Initiative „Mülltrennung wirkt“ soll Bürgerinnen und Bürger motivieren und sensibilisieren, ihre Abfälle besser zu trennen. Denn mit dem am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Verpackungsgesetz (VerpackG) gelten bundesweit nicht nur neue Recyclingquoten, die von den dualen Systemen erfüllt werden müssen.[16] Das Gesetz nimmt auch erstmals die Bürgerinnen und Bürger in die Pflicht, ihre Abfälle besser zu trennen.[17]

Bereits 2019 war die Initiative „Mülltrennung wirkt“ in einem Pilotversuch in Stadt und Landkreis Euskirchen/NRW erfolgreich getestet worden.[18]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Das Duale System - Germantech. Abgerufen am 16. Dezember 2021.
  2. Prezero Dual ab Anfang 2021 bundesweit tätig | EUWID Recycling und Entsorgung. Abgerufen am 1. Februar 2021.
  3. Umweltpotenziale der getrennten Erfassung und des Recyclings von Wertstoffen im Dualen System. 21. September 2016, abgerufen am 17. Dezember 2021.
  4. Ökologische Effektivität und ökonomische Effizienz der dualen Systeme in der deutschen Abfallwirtschaft. Deutscher Bundestag, 4. April 2013
  5. Verbrannt statt wiederverwertet. In: DIE ZEIT. 18. Oktober 2016, abgerufen am 17. Dezember 1019.
  6. Umweltpotenziale der getrennten Erfassung und des Recyclings von Wertstoffen im Dualen System. (PDF) Öko-Institut, September 2016, S. 20, abgerufen am 17. Dezember 2019.
  7. Abfallquoten: Deutsches Recyclingsystem versagt beim Plastikmüll. In: Spiegel Online. 18. Januar 2019 (spiegel.de [abgerufen am 4. April 2019]).
  8. verpackungsregister.org: Service. Abgerufen am 11. März 2021.
  9. Prezero Dual ab Anfang 2021 bundesweit tätig | EUWID Recycling und Entsorgung. Abgerufen am 1. Februar 2021.
  10. tagesschau.de: Entsorgungsgeschäft: Lidl macht jetzt Geld mit Müll. Abgerufen am 17. Dezember 2021.
  11. Gemeinsame Stelle - myALBA.de. Abgerufen am 13. Februar 2017.
  12. Duale Systeme starten bundesweite Kampagne „Mülltrennung wirkt“. In: recyclingnews – Das Magazin der Recycling-Branche. 11. März 2020, abgerufen am 11. März 2021 (deutsch).
  13. MÜLLTRENNUNG WIRKT – GEMEINSAM FÜR MEHR RECYCLING. Noventiz GmbH, 12. März 2020, abgerufen am 11. März 2021.
  14. Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2020. 2020, abgerufen am 11. März 2021.
  15. Duale Systeme starten bundesweite Informationskampagne „Mülltrennung wirkt“. In: Mülltrennung wirkt! 10. März 2020, abgerufen am 11. März 2021 (deutsch).
  16. § 16 VerpackG - Einzelnorm. Abgerufen am 11. März 2021.
  17. § 13 VerpackG - Einzelnorm. Abgerufen am 11. März 2021.
  18. Informations-Kampagne „Mülltrennung wirkt“ startet bundesweit - packaging journal. Abgerufen am 11. März 2021 (deutsch).