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Gelber Sack

Gelblicher Kunststoffsack zur Entsorgung leichten Verpackungsmülls
Gelbe Säcke vor Gebrauch
Gelbe Tonne in Deutschland (Heidelberg)
Verpackungsabfall (gelber Deckel) in Österreich (Graz)
Befüllte gelbe Säcke vor der Entsorgung
Gelbe Säcke mit gewerblichem Abfall

Als Gelben Sack bezeichnet man in Deutschland und Österreich einen dünnen,[1] gelblich transparenten Kunststoffsack, in dem im Rahmen der lokalen Abfallentsorgung leichter Verpackungsmüll abgegeben werden kann. Je nach Abstimmung mit den Städten und Gemeinden kann auch die Nutzung einer Gelben Tonne möglich sein. Gelber Sack bzw. Gelbe Tonne sind Teil des Dualen Systems in der deutschen Abfallwirtschaft.

In den meisten übrigen europäischen Ländern gibt es für die Entsorgung von Leichtverpackungen gelbe Müllcontainer, wobei es nicht erforderlich ist, den getrennten Müll vor der Entsorgung in einem speziellen Müllsack zu verpacken.[2] Die Maße eines (gefalteten) Gelben Sacks betragen 90 cm × 62 cm.

HerkunftBearbeiten

Die Säcke werden milliardenfach „in Fernost“ hergestellt und über Großhändler und Entsorgungsunternehmen an die Kommunen geliefert, die sie wiederum kostenlos an die Haushalte verteilen und ergänzend in den Rathäusern und Wertstoffhöfen zur Mitnahme bereithalten.[3]

Abholung und AbtransportBearbeiten

Die Abholung der mit Abfall gefüllten Säcke wird durch vom Dualen System beauftragte Unternehmen besorgt, entweder durch die Müllabfuhr oder private Entsorger, dabei werden bestimmte Straßen einer Stadt zu bestimmten Wochentagen angefahren. Wann die Abholung erfolgt, ist meist bei der zuständigen Stadtverwaltung erfragbar, sofern keine Abfall-Information existiert. In einigen Landkreisen (z. B. Landkreis Pfaffenhofen, Landkreis Ravensburg) müssen die Gelben Säcke hingegen von den Bürgern selbst auf eigene Kosten zu zentralen Sammelstellen transportiert werden, die nur an bestimmten Tagen geöffnet sind;[4] im Landkreis Pfaffenhofen fand darüber 2014 eine Bürgerbefragung statt.[5] Über die Entsorgungslogistik gelangen die Gelben Säcke zur Müllsortieranlage, welche die Sortierung vornimmt. Rechtsgrundlage bietet § 6 Verpackungsverordnung (VerpackV). Der leere Gelbe Sack wird nicht recycelt, sondern kann als Ersatzbrennstoff z. B. in Zementwerken genutzt werden. Ist er zu stark verschmutzt, kommt er als Rest in die Müllverbrennungsanlage.

InhaltBearbeiten

Zum Inhalt des Gelben Sackes bzw. der Gelben Tonne müssen folgende Regeln beachtet werden:[6]

  • In den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gehören ausschließlich Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterialien,
  • andere Gegenstände auch aus den gleichen Materialien, z. B. Kunststoffzahnbürsten, Videokassetten, CDs, DVDs oder Einwegrasierer gehören nicht in den gelben Sack.
  • Glas gehört in den Altglascontainer – die Altglassammlung existierte schon vor der Einführung der Verpackungsverordnung.
  • Verpackungen aus Pappe (wie Cornflakes-Packungen) oder Papier gehören zum Altpapier.

Verpackungen, die über den Gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne entsorgt werden (Beispiele):

  • Verpackungen aus Kunststoff
  • Spülmittelflaschen, Joghurtbecher, Plastiktuben, Verpackungen für Körperpflegemittel
  • Milch-, Saft- und Weinkartons (z. B. Tetra Pak)
  • Plastiktüten, Eisverpackungen, Zahncremetuben etc.
  • Verpackungen aus Verbundstoffen
  • Vakuumverpackungen für Kaffee, Styroporverpackungen etc.
  • Verpackungen aus Metall, Alufolie, Getränke- und Konservendosen, Kronkorken, Metallverschlüsse, Deckel etc. (in Österreich werden diese metallischen Stoffe in einigen Gemeinden getrennt gesammelt)

In einigen Gemeinden in Baden-Württemberg und Bayern werden Konservendosen und anderer Metallabfall weiterhin separat über Depotcontainer gesammelt.

Kartons aus Verbundstoffen (wie Getränkekartons von Milch, Saft oder Wein) gehören in den Gelben Sack, da aus dem Papieranteil dieses Verbundmaterials beispielsweise Hygienepapiere und Taschentücher hergestellt werden. Die im Gelben Sack gesammelten Abfälle werden in speziellen Sortieranlagen überwiegend maschinell sortiert. In den ersten Jahren nach Einführung des Gelben Sacks 1991 musste zum großen Teil per Hand sortiert werden, da die dafür nötigen Techniken und Maschinen nicht zur Verfügung standen. In den 1990er Jahren wurden die entsprechenden Technologien entwickelt und gehören heute zum Standard.

RecyclingquoteBearbeiten

Laut einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Bärbel Höhn lagen in Deutschland im Jahr 2009 die Recyclingquoten von Weißblech bei 92, von Aluminium bei 60 sowie von Kunststoffen bei 43 Prozent.[7] 2012 lag die stoffliche Verwertungsquote laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) bei 93,1 Prozent für Weißblech, 71 Prozent für Getränkeverpackungen und 48,2 Prozent für Kunststoffe.[8] Im Auftrag des deutschen Umweltbundesamtes ermittelte die GVM in einer 2015 veröffentlichten Studie, dass das Verpackungsmüllvorkommen 2013 in Privathaushalten 8,06 Millionen Tonnen betragen hat.[9]

In Deutschland wird weniger als die Hälfte der Verpackungen aus dem gelben Sack (und der gelben Tonne) wiederverwertet. Im Jahr 2014 wurden hingegen 44,1 Prozent in Müllverbrennungsanlagen entsorgt.[10] Nach einer Berechnung des Öko-Instituts wurden 51,1 Prozent als Ersatzbrennstoff in Zementwerke, 40 Prozent als Input in die stoffliche Verwertung, 6 Prozent als Input in Müllverbrennungsanlagen und 2,8 Prozent als Input in die rohstoffliche Verwertung in Hochöfen verbracht.[11]

ZukunftBearbeiten

Der Gelbe Sack könnte langfristig verschwinden, meinen Wissenschaftler für Abfallwirtschaft wie Klaus Wiemer (Kassel) und Horst Fehrenbach im Institut für Energie- und Umweltforschung (Heidelberg): Da die Bereitschaft der Deutschen sinkt, ihren Müll zu trennen, könnten teure Sortiermaschinen bald sinnvoll sein. Dies gilt insbesondere, falls steigende Energiepreise einen Wettbewerb um die Abfallverwertung entstehen lassen. Bislang sind neue, aufwändige Sortiermaschinen aber nicht wirtschaftlich.

In Baden-Württemberg soll in Zukunft (Stand 2011) anstelle des Gelben Sackes oder der Gelben Tonne eine gelbe Wertstofftonne für Plastikmüll eingeführt werden.[12] Im Rhein-Sieg-Kreis wurde 2011/12 die Wertstofftonne eingeführt.[13] Im Jahr 2011 startete in Herne ein Pilotprojekt für eine Wertstofftonne.[14] In Berlin startete 2013 die Berliner Wertstofftonne, die Gelben Sack und Orange Box vereint.[15] In Hamburg wurde 2011 die Hamburger Wertstofftonne eingeführt, in Köln gibt es seit 2014 eine Wertstofftonne.[16] Derzeit haben etwa 14 Millionen Bundesbürger eine Wertstofftonne.[17]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sabine Ehrentreich: Man zupft – es reißt. In: Badische Zeitung, 14. Januar 2015.
  2. www.meingruenerpunktblog.de
  3. Philipp Peters: Mangelware gelber Sack. In: Badische Zeitung, 3. Januar 2015.
  4. Landratsamt Ravensburg – RaWEG-Sack. In: landkreis-ravensburg.de. Abgerufen am 17. August 2016.
  5. Buergerbefragung – Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Pfaffenhofen. In: awp-paf.de. Abgerufen am 5. September 2016.
  6. Trennregeln des Dualen Systems Deutschland.
  7. Ökologische Effektivität und ökonomische Effizienz der dualen Systeme in der deutschen Abfallwirtschaft. Deutscher Bundestag, 4. April 2013 (PDF; 169,47 kB).
  8. Höhere Recyclingquote für 2012. In: 320°, 20. Februar 2014.
  9. www.umweltbundesamt.de (PDF; 4,57 MB).
  10. DPA: Verbrannt statt wiederverwertet. In: Zeit Online, 18. Oktober 2016.
  11. Öko-Institut: Umweltpotenziale der getrennten Erfassung und des Recyclings von Wertstoffen im Dualen System@1@2Vorlage:Toter Link/www.gruener-punkt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 2016, S. 19 (PDF).
  12. Gelber Sack am Ende – Wertstofftonne soll kommen. In: Badische Zeitung, 16. Juni 2011.
  13. www.general-anzeiger-bonn.de
  14. Entsorgung Herne stellt am Montag die ersten Wertstofftonnen auf. In: radioherne.de.
  15. www.wertstofftonne-berlin.de
  16. Wertstofftonne der Stadt Köln.
  17. Bundesumweltministerium zur Wertstofftonne (Memento des Originals vom 20. Oktober 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmub.bund.de.