Dschinn

Fabelwesen aus der arabischen Mythologie

Ein Dschinn (Audio-Datei / Hörbeispiel Hörbeispiel?/i; arabisch جن, DMG ǧinn, Singular männlich Dschinnī / جني / ǧinnī, Singular weiblich Dschinnīya / جنية / ǧinnīya, Plural Dschinn oder Dschinnen) ist in der islamischen Vorstellung ein übersinnliches Wesen, das aus rauchlosem Feuer erschaffen ist, über Verstand verfügt und neben den Menschen, Satanen und den Engeln mit anderen Dschinn die Welt als Geistwesen bevölkert. Nur in Ausnahmesituationen werden Dschinn den Menschen sichtbar. Wenn auch nicht im Koran erwähnt, so ist die Vorstellung weitverbreitet, die Dschinn könnten in die Körper von Menschen fahren und sie verrückt machen.[1] Die Dschinn gelangten aus altarabisch-vorislamischen in islamische Glaubensvorstellungen und werden mehrfach im Koran erwähnt. Mit dem Islam verbreitete sich der Glaube an Dschinn über den arabisch-orientalischen Kulturraum hinaus.

Dschinn-Illustration aus dem 16. Jahrhundert. In: Ahsan-ol-Kobar. Golestanpalast, Teheran

EtymologieBearbeiten

Das Wort Dschinn stammt aus der semitischen Wortwurzel GNN (جَنّ / جُنّ / ǧann) für „unsichtbar“, „verstecken“ oder „verrückt“ und bezeichnet eine Art Geist, Dämon oder Schutzgottheit. Manche Sprachwissenschaftler sehen den Ursprung in dem lateinischen Wort genius (‚Genius‘), andere im aramäischen Wort ginnaya, was so viel wie Gottheit bedeutet.[2] Im islamischen Sprachgebrauch hat das Wort eine mehrfache Bedeutung, und kann auch allgemein körperlose Wesen bezeichnen, die den Sinnesorganen der Menschen verborgen sind; darunter auch Engel oder Satane.[3]

Der Dschinn-Glaube im vorislamischen ArabienBearbeiten

 
Geflügelter Genius vom Palast des Königs Sargon II 713–716 v. Chr., stellt eine zwischengöttliche Gestalt dar, bei der es sich wohl um einen Vorläufer der vor-islamischen Schutzgötter handelt.[4]

Im vorislamischen Arabien glaubten Menschen an Naturgeister und Dämonen, die neben den Menschen lebten. So seien sie für Naturphänomene und Krankheiten, aber auch für den Schutz von Menschen, wenn diese zu ihnen beteten, verantwortlich. Zum Beispiel sollten sie eine Karawane beschützen können.[5] Als Aufenthaltsorte bevorzugen Dschinn Wüsten, Wälder, Busch- und Strauchlandschaften, Ruinen, Grabstätten und Schlangengruben. Auch lieben sie Orte, die dunkel oder feucht sind, wie etwa Erdlöcher oder einen Hamam, besonders in der Nacht. Tagsüber bewegen sie sich im Allgemeinen in der Luft oberhalb der Menschensphäre. Sie haben Familien (der Volksmund kennt vielerlei Geschichten von Menschen, die mit Dschinn verheiratet waren – Rafik Schami hat einer solchen Verbindung sogar eine Erzählung gewidmet), Religionszugehörigkeiten, Vorlieben und Abneigungen.

Der Dschinn-Glaube im IslamBearbeiten

Aussagen im Koran und AuslegungBearbeiten

 
Die 72. Sure des Korans Al-Dschinn (Die Dschinnen) genannt.

Im Koran werden Dschinn häufig erwähnt. Ihnen ist eine eigene Sure gewidmet (Sure 72). Ausdrücklich gilt die Verkündung des Propheten Mohammed nicht nur für die Menschen, sondern genauso auch für die Dschinn. Dschinn sind in der koranischen Schöpfungsgeschichte aus „rauchlosem Feuer“ (Sure 55:14f) erschaffen worden. Wie die Menschen sollen die Dschinn „dazu geschaffen sein, Gott zu dienen“ (Sure 51:56). Darüber hinaus gibt es gläubige und ungläubige Dschinn, wobei die ungläubigen Dschinn in die Hölle kommen sollen (Sure 6:128; Sure 11:119; Sure 32:13; Sure 41:25). Zu Zeiten des Propheten stellten einige Dschinn bei einer Versammlung fest, dass sie die Engel nicht mehr sprechen hörten. Sie zogen los, um den Grund dafür herauszufinden. Sie fanden Mohammed, als dieser den Koran las. Dies geschah eben, weil der Prophet für Dschinn ebenso wie für die Menschen den Koran offenbarte. Diese Dschinn konvertierten zum Islam, da sie nun alles erfahren hatten, was sie wissen mussten (Sure 72:1-19; Sure 46:29-32). Anders als im Volksglauben, handelt es sich bei denen im Koran genannten Dschinn, nicht um unheimliche dämonische Wesen, sondern sind moralisch indifferent.[6]

Al-Baidāwī, ein islamischer Gelehrter aus dem dreizehnten Jahrhundert, hält in seinem Tafsir, die seiner Zeit geläufigen Vorstellungen der Identität der Dschinn, verschiedene Aussagen fest. Zum einen könne es sich bei den Dschinn um unsichtbare Körper handeln, in denen die Feuer- und Luftnatur vorherrscht. Zum anderen könnte es sich bei den Dschinn um rein geistige Wesen handeln oder aber um die körperlosen Seelen der Verstorbenen, die bis zum Tage der Auferstehung im Barzakh weilen.[7] Der koranischen Interpretation nach lebten die Dschinn einst vor dem Menschen auf Erden, und als Gott in Sure 2:30 den Engeln mitteilte, er wolle einen Nachfolger erschaffen, seien die Menschen die Nachfolger jener Dschinn. Die ursprünglichen Dschinn seien demnach von einer Armee von Engeln, unter dem Kommando Iblis, vertrieben worden.[8] Aufgrund jener Anciennität der Dschinn, wäre ihr Verhältnis zu den Menschen meist angespannt.

Dschinn-Vorstellungen im VolksglaubenBearbeiten

Nach dem islamischen Volksglauben sind Dschinn in verschiedene Klassen unterteilt, die je nach Tun und Motivation unterschieden werden. Man unterteilt sie gemeinhin in drei Dschinn-Arten und verschiedene Untergruppierungen:

  • Dämonen, die den Menschen Schaden und Schrecken zufügen. Dabei sind die mächtigen die Ghul, die sehr mächtigen die Sila (meistens ein weiblicher Dämon, der Männer verführt), die noch mächtigeren mit dezidiertem Zerstörungstrieb die Ifrit und die allerstärksten die Marid
  • Mittelwesen, die wie die Menschen die Schöpfung bevölkern und nicht besonders in Erscheinung treten und
  • Qarin (Doppelgänger) der Menschen.

Ein grundsätzliches Charakteristikum der Dschinn ist ihre fehlende Individualität. Daneben gibt es einige besondere Dschinn, die einen eigenen Namen tragen und als Dschinn-Heilige oder als krankmachende Geister wirken. Zu letzteren zählt die im Norden Marokkos verehrte und gefürchtete Aisha Qandisha. Dschinn gelten als Lebewesen, die wie Menschen, Tiere und Pflanzen die Schöpfung bevölkern. Sie haben aber einen eigenen Willen und können sich auch bewusst gegen göttliche Gesetze wenden und können sich ebenso wie diese um ihr Seelenheil bemühen (durch Almosen, Beten, Fasten etc.). Und so wie unter den Menschen gibt es unter den Dschinn auch solche mit gutem und andere mit bösem Charakter – meist jedoch mit einem bisschen von beidem. Zudem gelten die Dschinn als Prä-Adamiten, da angenommen wird, dass sie bereits vor Adam erschaffen wurden. Bezüglich ihrer Zeit vor den Menschen gibt es unterschiedliche Traditionen.[9]

Ganze Dschinn-Völker leben unter anderem unter der Wasseroberfläche der Ozeane, organisiert in feudalen Hierarchien. Auf Gebieten des Meeresbodens soll es gemäß dem arabischen Volksglauben Königreiche und Fürstentümer der Dschinn geben. Diese können, wenn sie es wollen oder sie durch Bannsprüche gezwungen werden, was jedoch eher selten ist, an den Meeresufern aus dem Wasser steigen, an Land gehen und dort unter anderem arme Fischer, die sie dort antreffen, mit reichen Funden von Edelkorallen, Juwelen, Perlen und vielerlei anderen Kleinodien, die der Meeresboden hergibt, beschenken.

Die Wohnorte der Dschinn auf Erden befinden sich vorwiegend an besonderen Landschaftsformen außerhalb der Zivilisation. Dazu gehören bestimmte Bergkuppen, Felsen, Höhlen oder Quellen in Tälern. Auch Wälder gehören zu ihren bevorzugten Wohnorten. Solche Orte in der Wildnis werden im Nahen Osten oft einfach als maskun („bewohnt“) bezeichnet und werden gemieden.

Weit verbreitet ist der Glaube, dass ein Mensch, der im Traum oder in der Wirklichkeit von einem Dschinn eingeladen wird und ihm folgt, in seiner Welt verschwindet und nie wieder gesehen wird. Ähnliches berichtet auch der nordische Seelen- und Marenglaube über Feen. Viele kehren aber auch nach merkwürdig langen Zeiten wieder zurück in die Welt und erregen, wenn sie sich ungeschickt verhalten, allerhand Aufsehen – meist negativer Art. Andere Geschichten erzählen, dass man schweigen muss, wenn man einem Dschinn begegnet oder man würde seine Zunge verlieren (im übertragenen Sinne: die Sprache).

Dschinn sollen sich in Tiere oder Gegenstände verwandeln können, oder auch in der Lage sein, von anderen Lebewesen Besitz zu ergreifen. Es gibt auch recht unterschiedliche Meinungen, wie alt ein Dschinn werden kann. So wird zum Beispiel überliefert, dass die Lebenskraft erst versiegt, wenn die Zauberkraft oder die Macht, wie z. B. sich verwandeln zu können, aufgebraucht sind. Meist wird allerdings von einer Lebensdauer von mehreren hundert Jahren (nach der salomonischen Tradition auch von mehreren tausend Jahren) berichtet. Andere Überlieferungen sprechen von relativer Unsterblichkeit, das heißt, sie sterben keines natürlichen Todes, könnten aber sehr wohl getötet werden.

Die Dschinn spielen auch eine wichtige Rolle im Glauben der Muslime Südostasiens. In der malaiischen Chronik von Bima (Sumbawa) wird beschrieben, dass die Sultane dieser Stadt selbst in direkter Linie vom Urvater der Dschinn abstammen. Ihnen wird also keine menschliche Abstammung zugeschrieben, sondern eine Abstammung von Geistwesen. Damit heben sie sich klar von ihren Untertanen ab, die als Nachfahren Adams beschrieben werden. Die Chronik beschreibt nicht nur die Abkunft des Herrscherhauses, sondern auch diejenige sämtlicher anderer Wesen, die die sichtbare und unsichtbare Welt bevölkern. Daher rührt auch ihr Titel „Die Erzählung über den Ursprung des Volks der Dschinn und der gesamten Dewas“ (Ceritera asal bangsa jin dan segala dewa-dewa).[10]

Vorkehrungen gegen DschinnBearbeiten

 
Ein Ta'wiz, mit einem islamischen Gebet auf einem Papier innerhalb des Klotzes eingeschrieben, der Zauber, das böse Auge und beschworene Dschinnen abwehren soll.

Den Legenden zufolge haben die Dschinn eine große Abneigung gegen Metalle aller Art. Das macht sich der Furchtsame zunutze. Silber ist hierbei das am häufigsten genannte Metall, das ihm gegen Dschinn helfen soll; es soll ihre Haut verbrennen. Gegen die Einflüsse der Dschinn rät der türkische Volksglaube zum Tragen von Cevşen, einem meistens ledernen Amulett, in das Koranverse und Gebete eingebunden sind. Dabei schreckt je nach Auslegung der Dschinn (wenn er denn böse war) vor den heiligen Worten zurück oder die Worte Gottes stellen die Ordnung her, indem sie den Dschinn wieder in seine Welt zurückbringen. Schutz vor den Dschinn bieten Amulette, die Hand der Fatima und die Segenskraft Baraka, die von Pilgerstätten ausgeht, an denen islamische Heilige verehrt werden. Mitunter sagt man Destur, um den Dschinn zu warnen, man könnte ihn mit der darauffolgenden Tätigkeit verletzen oder beleidigen, zum Beispiel beim Betreten der Toilette oder vor dem Vergießen von heißem Wasser, da der Mensch nicht sieht, ob sich am Zielort der Tätigkeit ein Dschinn befindet.[11]

Dschinn-BeschwörungenBearbeiten

Die Beschwörung ist im islamischen Glauben verboten, dennoch ist die Ausübung der Geisterbeschwörung und Magie, besonders in Afrika, weit verbreitet. Dschinn zu beschwören, soll ihnen schreckliche Qualen bereiten, was sie dazu bringt, sich gegen den Beschwörer aufzulehnen und nicht seine Wünsche, sondern seine Ängste zu erfüllen. Dies erreichen sie manchmal durch eine etwas spitzfindige Auslegung dieser – meist sehr egoistischen und materiellen – Wünsche.

Durch Beschwörung (z. B. durch das Zitieren oder Falsch-Zitieren von Versen aus dem Koran über einem Medium wie Wasser, Feuer, Erde, Luft, Holz, Papier usw.) können auch Zusammenkünfte mit Dschinn erzwungen werden. Diese Beschwörung bereitet den Dschinn jedoch ungeheure Schmerzen, weswegen sie nur ungern mit dem Menschen kooperieren, sondern eher dessen Wünsche vereiteln, zu dessen Ungunsten auslegen oder sich im schlimmsten Fall sogar am Beschwörer rächen.

Bei den Swahili in Ostafrika gibt es die Vorstellung, dass bestimmte Menschen die Fähigkeit besitzen, selbst „Zauber-Dschinn“ (majini ya uchawi) zu erschaffen, um auf Wunsch von Klienten andere Menschen zu verzaubern. Diese rituellen Spezialisten (magische Heiler) werden waganga (Singular mganga) genannt.[12]

Auf den Komoren veranstaltet man an den Abenden des Monats Schaʿbān für die Dschinn spezielle magisch-religiöse Zeremonien, die von Musik, Gesang und Tanz begleitet sind und Ngoma za madjini („Tanz der Dschinn“) genannt werden. Indem man die Dschinn auf diese Weise befriedigt, versucht man sie dazu zu bringen, sich im nachfolgenden Monat Ramadan von den Menschen fernzuhalten, damit diese nicht beim Fasten gestört werden.[13]

Innerislamische Kritik am DschinnglaubenBearbeiten

Inwiefern der Glaube an die Dschinn mit dem Islam vereinbar ist, wird selbst in traditionalistischen Kreisen regelmäßig diskutiert. So formulierte bereits Dschahiz Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Existenz der Dschinn. Befürworter des Glaubens an die Dschinn argumentierten damit, dass die Häufigkeit ihrer Erwähnung im Koran und in den Hadith den Glauben an deren Existenz belege, und verweisen mitunter auf die Existenz von Dämonen in anderen Religionen. Für den hanbalitischen Theologen Ibn Taimiya galt der Glaube an die Dschinn als verbindlich und er stellte ihn mit anderen Dogmen wie die Existenz der Engel und der Gesandtschaft Mohammeds gleich, was Gegner des Dschinnglaubens dazu bewog, zu behaupten, die Gleichstellung anderer Wesen mit der göttlichen Offenbarung käme der „Beigesellung“ (Schirk) gleich.[14] Die Erwähnungen von ‘Dschinn’ im koranischen Kontext werden von Gegnern des Geisterglaubens mitunter als Umschreibung von „ungestümen Menschen“,[15] aber auch allgemein als „dem Menschen verborgene Kräfte“ gedeutet.

Ein weiterer Aspekt ist die Meinung, dass Dschinn lediglich Halluzinationen und Projektionen der eigenen Wünsche und Gefühle seien. Der Philosoph Al-Masʿūdī betonte, dass die Existenz unsichtbarer Wesen nicht unbedingt abzulehnen sei, aber eine psychologische Erklärung zutreffender wäre. So verwies er darauf, dass Dschinn den Menschen meistens in Einsamkeit und Abgeschiedenheit begegnen, und wenn ein Mensch alleine eine abgeschiedene Landschaft durchstreifen müsse, fürchte er sich. Die Erscheinungen von dämonischen Wesen könnten also durch Gefühle hervorgerufen werden. Ebenso begünstige der Mangel an Gesprächspartnern, Stimmen zu hören, die von keiner wirklichen Person ausgehen. Das Wunschdenken veranlasse den Menschen, sich Fantasien hinzugeben. Dadurch, dass derartige Erzählungen von Generation zu Generation unreflektiert weitergegeben werden, würden Kinder bereits mit dem Geisterglauben aufwachsen, und wenn sie dann selbst in einer derartigen Situation sind, so erinnerten sie sich an die Geschichten von Geistern und Dämonen und bildeten sich ebenfalls falsche Dinge ein. Ist der Mensch lügnerisch veranlagt, so würde er sogar erfundene Geschichten erzählen, wie dass er berichtete, er hätte die Si´lah geheiratet oder einen Ghul getötet. Ähnliche Darstellung des Dschinnglaubens ließen sich auch bei Gahiz und Ibn Qutaiba belegen.[16]

Muhammad Abduh interpretierte die unter dem Mikroskop gefundenen Bakterien als Dschinn. Begründet wird die Interpretation mitunter dadurch, dass der Mensch sie mit bloßem Auge nicht sehen könne, sie sich bei Hitze vermehren, was als aus Feuer geschaffen interpretiert wird, und Krankheiten hervorrufen können.

Dschinnglaube in der ModerneBearbeiten

Viele modernistische islamische Denker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lehnten den Glauben an Dschinn als eine Form des Aberglaubens ab. Stattdessen bezogen sie die Vorkommnisse des Ausdrucks Dschinn in der mehrdeutigen arabischen Bedeutung generell auf etwas Unsichtbares, wie Engel oder nicht näher definierte unsichtbare Kräfte. Salafistische Gelehrte dahingegen lehnen solche metaphorische Interpretationen ab und argumentieren, dass die Existenz der Dschinnen als konkrete und reale Wesen aus dem Koran und der Sunnah hervorgehe. Die salafistische Lehre von Dschinnen unterscheidet sich aber wiederum von den herkömmlichen Vorstellungen von Muslimen. So werden viele Charakteristika, die in der Vergangenheit im Islam akzeptiert worden sind, verworfen, beschränken stattdessen Fragen um die Dschinn auf einzelne sich wiederholende Zitate, die über diverse Websites wiederholt, veröffentlicht werden.[17] Die ursprüngliche Vorstellung der Dschinn existiert dennoch weiterhin unter Muslimen im nahen Osten. Nach einer Umfrage des Pew Research Centers, aus dem Jahr 2012, glauben mindestens 86 % der Muslime in Marokko, 63 % in Bangladesch, 55 % in Irak, 53 % in Indonesien, 47 % in Thailand und 15 % in Zentralasien an die Existenz von Dschinnen. Die niedrige Zahl in Zentralasien mag auf Einfluss der Sowjetunion zurückzuführen sein.[18]

Dschinn in der LiteraturBearbeiten

In den „Briefen der Lauteren Brüder“ (Rasa’il ichwan as-safa’ wa chillan al-wafa) spielen die Dschinn ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine hier beschriebene Gerichtsverhandlung um das Problem, ob sich die Menschen als Machthaber über die Tiere aufführen dürfen, enthält viel Aufschlussreiches über die Dschinn.[19]

Zahlreich erscheinen Dschinn auch in den Erzählungen aus Tausendundeine Nacht. Die Geschichte Aladin und die Wunderlampe ist eines der bekanntesten Märchen, die in Europa als „Märchen aus 1001 Nacht“ überliefert werden. Mit Hilfe eines Dschinnis, eines guten Geistes aus der Öllampe, besteht Aladin seine Abenteuer.

Siehe auchBearbeiten

RezeptionBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Die Dschinn gaben unter anderem

FilmeBearbeiten

KunstBearbeiten

  • Der Keramiker und Fliesenmaler Abdullah (19. Jahrhundert), der mehrere zum UNESCO-Welterbe zählende Bauwerke in Chiwa (Usbekistan) dekorierte, trug aufgrund seiner besonderen Fertigkeiten den Beinamen Dschinn.

LiteraturBearbeiten

  • Djinn. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Bd. II, 1965, S. 546b–550a. (Verschiedene Autoren)
  • Gebhard Fartacek: Unheil durch Dämonen? Geschichten und Diskurse über das Wirken der Ǧinn. Eine sozialanthropologische Spurensuche in Syrien. Böhlau, Wien 2010, ISBN 978-3-205-78485-2. (books.google.de)
  • Aly Abd-el-Gaphar Fatoum: Der Ǧinn-Glaube als islamische Rechtsfrage nach Lehren der orthodoxen Rechtsschulen. Lang, Frankfurt am Main 1999.
  • Caleb Chul-Soo Kim: Islam among the Swahili in East Africa. Acton Publishers, Nairobi 2004, S. 78–199.
  • Marco Schöller: „His Master’s Voice: Gespräche mit Dschinnen im heutigen Ägypten.“. In: Die Welt des Islams. New Series, Vol. 41, Nr. 1, März 2001, S. 32–71.
  • Ernst Zbinden: Die Djinn des Islam und der altorientalische Geisterglaube. Paul Haupt, Bern 1953.
  • Samuel Marinus Zwemer: The Influence of Animism on Islam. An Account of Popular Superstitions. Kap. 7: Jinn. The Macmillan Company, New York 1920. (Bei Answering Islam. Alternativ bei Sufi Texts (Memento vom 19. März 2009 im Internet Archive))

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Dschinn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Dschinn. In: Hans-Michael Haußig: Religionen und Weltanschauungen. Band 3: Islam. BWV Verlag, 2009, ISBN 978-3-8305-1596-8, S. 103.
  2. Tobias Nünlist: Dämonenglaube im Islam. Walter de Gruyter, Berlin 2015, ISBN 978-3-11-033154-7, S. 23 ff.
  3. Robert Lebling: Legends of the Fire Spirits: Jinn and Genies from Arabia to Zanzibar. 2010, ISBN 978-0-85773-063-3, Appendix.
  4. Christopher R. Fee, Jeffrey B. Webb: American Myths, Legends, and Tall Tales: An Encyclopedia of American Folklore. 3 Bände. ABC-CLIO, 2016, ISBN 978-1-61069-568-8, S. 527.
  5. Javier Teixidor: The Pantheon of Palmyra. Brill, Leiden 1979, ISBN 90-04-05987-3, S. 77.
  6. Hans-Michael Haußig: Religionen und Weltanschauungen. Band 3: Islam. BWV Verlag, 2009, ISBN 978-3-8305-1596-8, S. 103.
  7. Hans-Michael Haußig: Religionen und Weltanschauungen. Band 3: Islam. BWV Verlag, 2009, ISBN 978-3-8305-1596-8, S. 103.
  8. D. B. MacDonald, W. Madelung: Malāʾika. In: P. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel, W. P. Heinrichs (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam. 2. Auflage. 2012. doi:10.1163/1573-3912_islam_COM_0642.2
  9. Patrick Hughes: Thomas Patrick Hughes Dictionary of Islam. Asian Educational Services, 1995, ISBN 81-206-0672-8, S. 134.
  10. Fritz Schulze: Abstammung und Islamisierung als Motive der Herrschaftslegitimation in der traditionellen malaiischen Geschichtsschreibung. Wiesbaden 2004, S. 53.
  11. Robert Lebling: Legends of the Fire Spirits: Jinn and Genies from Arabia to Zanzibar. I.B. Tauris, 2010, ISBN 978-0-85773-063-3, S. 149–150.
  12. Caleb Chul-Soo Kim: Islam among the Swahili in East Africa. Acton Publishers, Nairobi 2004, S. 110.
  13. Abdallah Chanfi Ahmed: Ngoma et mission islamique (Daʿwa) aux Comores et en Afrique orientale. Une approche anthropologique. Paris 2002, S. 62f., 166f.
  14. Tobias Nünlist: Dämonenglaube im Islam. Walter de Gruyter, Berlin 2015, S. 28.
  15. Genii. In: Thomas Patrick Hughes: Dictionary of Islam. 1885, S. 134.
  16. Tobias Nünlist: Dämonenglaube im Islam. Walter de Gruyter, Berlin 2015, S. 34 ff.
  17. Celia E. Rothenberg: Islam on the Internet: the Jinn and the objectification of Islam. In: Journal of Religion and Popular Culture. vol. 23, no. 3,. Gale Academic, 2011, S. 355–358.
  18. G. Hussein Rassool: Evil Eye, Jinn Possession, and Mental Health Issues: An Islamic Perspective. Routledge, 2018, ISBN 978-1-317-22698-7.
  19. Alma Giese (Hrsg.): Mensch und Tier vor dem König der Dschinnen. Aus den Schriften der Lauteren Brüder von Basra. (um 10. Jahrhundert). Felix Meiner, Hamburg 1990, ISBN 3-7873-0981-0.