Ifrit

Geistwesen der arabischen Mythologie

Ifrit (arabisch عفريت, DMG ʿIfrīt Plural: عفاريت / ʿAfārīt; abgeleitet von ʿafar / عفر / ‚Staub‘), auch Afrit oder Efreet (alte Schreibweise), ist ein Geistwesen der islamischen Mythologie, das aus Feuer geschaffen wurde und das Leben der Menschen sowohl auf gute als auch auf böse Art und Weise beeinflussen soll. Die Afarit gehören zu den Dschinn und sind Dämonen, die überwiegend in der (analog zum Himmel) siebenstufigen Unterwelt leben. Sie sind ausgestattet unter anderem mit Hörnern, Löwenklauen oder Eselshufen.

Die Vorstellungen über die Erscheinungsformen der Afarit sind unterschiedlich, allgemein gelten sie als sehr stark, sie können sieben Köpfe besitzen oder als muskelbepackte junge Männer auftreten. Selten haben Dschinn und Afarit hinreichend ausformulierte Eigenschaften, um über eine Individualität und einen eigenen Namen zu verfügen. Zu den Ausnahmen zählt der in Marokko gefürchtete und verehrte weibliche Besessenheitsgeist Aisha Qandisha. Der Begriff Ifrit wird nach älteren Darstellungen auf Rachegeister angewendet, die Mörder und Verbrecher heimsuchen und sie bestrafen. Sie seien Geister von Ermordeten, die aus dem Totenreich zurückkehren, um sich an dem Mörder zu rächen. Sie würden als Rauchsäule am Ort des Mordes erscheinen und aus dem Blut der Opfer entstehen.[1] Die zu den Dschinn gehörenden Afarit werden dagegen nicht mit Totengeistern in Verbindung gebracht, bedrohliche Totengeister haben keinen altarabischen Ursprung.[2]

Machan von einem Ifrit umarmt. Buchara, 1648.

Islamische ErwähnungenBearbeiten

Im Koran wird in (Sure 27:39-40) ein kraftvoller Dschinn als Ifrit eingeführt, der den Thron der Königin von Saba bringen sollte:

"Einer von den Dschinn, ein `Ifrit, sagte: ""Ich werde ihn dir bringen, noch ehe du dich von deinem Platz erhebst. Ich habe die Macht dazu und bin zuverlässig. Derjenige, der Wissen aus der Schrift besaß, sagte: Ich werde ihn dir in einem Augenblick bringen. Als er ihn nun (auf wunderbare Weise plötzlich) bei sich stehen sah, sagte er: Das ist (etwas) von der Huld meines Herrn, damit er mich auf die Probe stellt (und sieht) ob ich dankbar oder undankbar bin. Wenn einer (Gott) dankbar ist, ist er es zu seinem eigenen Vorteil. Und wenn einer (ihm) undankbar ist (tut das Gott keinen Abbruch). Mein Herr ist reich (oder: auf niemand angewiesen) und (in sich) vortrefflich (und hat weder Anerkennung noch Dank nötig)."[3]

Nach einer Hadith von Buchari wollte ein Ifrit das Gebet des islamischen Propheten Mohammed unterbrechen, doch konnte er ihn mit Hilfe von Gott überwinden und wollte ihn an eine Säule fesseln und am nächsten Morgen zeigen, beschloss, ihn dann aber doch wieder freizulassen und durch das Gebet Salomons zu vertreiben.[4]

Des Weiteren wird ein Ifrit in der Geschichte von Mohammeds Himmelfahrt erwähnt. Demnach taucht ein Ifrit auf, der Mohammed mit Feuer bedroht. Um ihn zu besiegen, bittet er den Erzengel Gabriel um Hilfe, der ihm daraufhin ein Gebet lehrt, welches den Ifrit verschwinden lässt.[5]

In nah-östlichem Volksglauben und LiteraturBearbeiten

In der Erzählungssammlung Tausendundeine Nacht wird berichtet, dass Sulaimān, diejenigen Ifrit bestrafte, die sich dem Dienst an Gott nicht unterwerfen wollten. Sie wurden deshalb in Krüge eingesperrt, die mit einem bleiernen Siegel verschlossen waren, auf denen der Name Gottes aufgedruckt war.[6]

Der blinde Dichter Al-Maʿarri erwähnt die Afarit in einem seiner Werke. Er beschreibt darin ein eigenes Paradies für die Afarit, mit "dunklen und schmalen Tälern".[7]

Al Buni setzt vier Afarit namentlich mit Erzdämonen in Verbindung, die den vier Erzengeln des Islams diametral gegenüberstehen.[8]

Ähnliche Überlieferungen erscheinen in der Ars Goetia. Ferner gibt es Parallelen zu den Gefallenen Engeln im christlichen Glauben. So werden die Afarit als Arbeiter Salomos erwähnt, sollen bei einer Totenbeschwörung anstelle des Toten sprechen, um die Menschen zu verwirren, mit Menschen einen Pakt schließen, indem sie ihnen Wünsche gewähren, welche aber deren Seele kosten werden und können nicht den Aufdruck des Namens Gottes berühren. Zudem verfügen die Ifrit meistens über keinen freien Willen, wie es bei herkömmlichen Dschinn der Fall ist, sondern sind einem Meister verpflichtet.

In VideospielenBearbeiten

In modernen Videospielen erscheinen Ifrit vor allem in den verschiedenen Versionen der japanischen Serie Final Fantasy, oder auch bei Hexen (Computerspiel). Dort sind sie als Beschwörungswesen (engl. Summons) dem Element Feuer zugeordnet, neben anderen mythologischen Figuren wie Shiva dem Eis. Außerdem gibt es in einigen älteren Editionen des Sammelkartenspiels Magic: The Gathering den Kreaturentyp Ifrit.

Ebenfalls kann man im 3. Teil der Reihe Heroes of Might and Magic die Ifrit (Efreet) und auch Efreet Sultans wiederfinden, die als rote Feuerdämonen mit Hörnern, bzw. Turban auf dem Kopf (Efreet Sultans), menschlichem Oberkörper und einem Feuerwirbel statt Beinen dargestellt werden, im Gegensatz zu ihren Erzfeinden, den Dschinns, die analog statt Beinen eine Art Eiswirbel haben.

Ebenfalls kommt das Wort Ifrit im Videospiel ArmA 3 vor, dort gibt es ein gepanzertes Militärfahrzeug mit dem Namen Ifrit.

In dem Full 3D Mobile RPG "Summoners War: Sky Arena" kommt "Ifrit" als muskulöser junger Mann mit leicht dämonischer Erscheinung als beschwör- und spielbares Tier/Monster vor.

In der BelletristikBearbeiten

In der Bartimäus-Trilogie von Jonathan Stroud sind Afriten (Ifriten) Teil einer Kategorisierung von „Wesenheiten“ des „anderen Ortes“. Diese Wesen unterteilen sich in einer Rangfolge von vergleichsweise niederen Wesen wie Kobolden über Foliots und Dschinn bis zu den Afriten (Ifriten) und Mariden. Strouds Afriten (Ifriten) leben in einer Welt, die sich „der Andere Ort“ nennt.

In Ralf Königs Comic Der Zauber des Schabbar (2005, Teil 1 von Dschinn Dschinn) ist der Ifrit Schabbar der Liebhaber des indischen Damenschuh-Designers Salmonella.

In der Trilogie Die Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare sind Ifriten Hexenmeister, die keine Magie beherrschen.

In der Buchreihe Die Kinder des Dschinn von Philip Kerr sind die Ifrit der schlimmste Dschinnstamm.

In der Trilogie Die Sturmkönige beschreibt Kai Meyer die Ifrit als friedfertige Wunschdschinn, denen es großes Vergnügen bereitet, den Menschen alberne Streiche zu spielen. Je nach Laune sind die Ifrit in der Lage, den Menschen drei Wünsche zu gewähren.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tobias Nünlist: Dämonenglaube im Islam. Walter de Gruyter, 2015, ISBN 978-3-11-033154-7, S. 267.
  2. Edward Westermarck: Ritual and Belief in Morocco. Band 1, Macmillan and Co., London 1926, S. 263f, 371, 387.
  3. Sure: 27 - an-naml - Vers: 40. (corpuscoranicum.de (Memento vom 3. Januar 2017 im Webarchiv archive.today))
  4. Jinn in Hadith Sahih Bukhari. (jinndemons.com, englisch)
  5. Brooke Olson Vuckovic: Heavenly Journeys, Earthly Concerns: The Legacy of the Mi'raj in the Formation of Islam. Routledge, 2004, ISBN 1-135-88524-9, S. 36.
  6. Gustav Weil (Übers.): Tausend und eine Nacht. Arabische Erzählungen. Erster Band. 1865: Geschichte des Fischers mit dem Geiste. (bei Projekt Gutenberg)
  7. Amira El-Zein: Islam, Arabs, and Intelligent World of the Jinn. Syracuse University Press, 2009, ISBN 978-0-8156-5070-6, S. 20.
  8. Robert Lebling: Robert Lebling I.B.Tauris, 2010, ISBN 978-0-85773-063-3, S. 86–87.