Drag Bikes oder auch Drag Racing Bikes sind Motorräder, die speziell für das Drag Racing (Beschleunigungsrennen) konstruiert oder modifiziert wurden. Drag Bikes zeichnen sich insbesondere durch großvolumige, meist aufgeladene Motoren mit sehr hoher Leistung sowie durch (in den meisten Klassen) breite Antriebsräder und sogenannte "Wheeliebars" aus.

Harley-Davidson V-Rod DestroyerBearbeiten

 
Harley-Davidson
Factory Dragster V-Rod Destroyer

Eine Rennserie im Amateurbereich ist der im Jahre 2006 vom US-amerikanischen Motorradhersteller Harley-Davidson auch in Europa ins Leben gerufene Destroyer Cup. Die Fahrer treten auf Drag Bikes des Typs Harley-Davidson VRXSE V-Rod gegeneinander an, die bis auf geringfügige Modifikationen, etwa an der Zündung, technisch identisch sind. Die auf 1.300 cm³ aufgebohrten Zweizylinder leisten 165 PS bei einem Gewicht von etwa 250 kg und legen die Renndistanz von einer Viertelmeile in weniger als zehn Sekunden zurück. Die Zukunft dieser Rennserie ist jedoch fraglich. Zum jetzigen Zeitpunkt (2019) wird die Serie in Europa nicht mehr ausgeschrieben, vereinzelte V-Rods treten in diversen Sportsmann-Klassen an.

E.T. BikeBearbeiten

 
E.T. Bike.
Stefan Graf (GER)

Die Klasse "E.T.Bike" (von englisch "Elapsed Time" = verstrichene Zeit), wird in Europa seit einigen Jahren ausgeschrieben. Ein ebenfalls benutztes Klassenkürzel ist "SOE" (Street Only Eliminator). Angesiedelt zwischen Street Bikes und den wesentlich kostenintensiveren Super Street Bikes gelten die ETB als Einstiegsklasse. In dieser Klasse findet sich eine sehr große Marken- und Typenvielfalt mit unterschiedlichen Motorenkonzepten. Es gibt KEIN festes Zeitfenster in dem sich die Teilnehmer bewegen. Es werden Zeiten zwischen 9:00 und 11:999 Sekunden gefahren. Trainierte/erfahrene Fahrer sind auf gut präparierten Strecken in der Lage, "Hohe 8er-Zeiten" zu erreichen[1]. In 9 Sekunden erreichen die E.T. Bikes ca. 250 km/h.

Funny BikeBearbeiten

 
Funny Bike.
Markus Laur (GER)

In der Klasse der „FB“ findet man eine große Bandbreite verschiedenster Bike-Konzepte. Sowohl Zwei- als auch Vierzylinder sind zugelassen. Häufig werden „nicht mehr State of the Art“-Bikes aus höheren Klassen (z. B. Top Fuel, Pro Stock, Competition) durch Umbauten dem Reglement angepasst und eingesetzt. Zur Leistungssteigerung verwenden die Teams Kompressoren, Turbolader und/oder Lachgas (N2O). Es darf Benzin oder Methanol getankt werden. Die Rahmen sind Spezialkonstruktionen. Es werden Slicks verwendet, Wheeliebars sind vorgeschrieben. Die Viertelmeilenzeiten liegen bei den Besten zwischen „hohen 6 und niedrigen 7“ Sekunden, wobei auch schon die 300-km/h-Schallmauer geknackt wurde. Hin und wieder treten (hauptsächlich in Europa) Funny Bikes auch in der Klasse Top Fuel an, wo Sie wegen ihrer leichter zu beherrschenden Technik und der höheren Zuverlässigkeit durchaus Aussenseiter-Chancen haben.

Super Twin Top Gas BikeBearbeiten

 
Top Gas Bike.
Andreas Herr (GER)

In der Klasse "STTG" (oder auch TG) dominieren Aggregate auf Harley-Davidson-Zweizylinder-Basis die Technik. Aber auch Ducatis, Hondas oder Eigenbauten kommen vereinzelt zum Einsatz. Der Hubraum ist nicht reglementiert, bewegt sich aber in der Regel zwischen 2.000 und 2.850 ccm. Die Fahrwerke sind entweder stark modifiziert, oder komplette Spezialkonstruktionen. Mechanische Aufladung wie Kompressor oder Turbolader sind erlaubt, Slicks und Wheeliebars sind ebenfalls regelkonform. Lachgas-Einspritzung ist verboten. Die mit Rennbenzin angetriebenen Motoren leisten etwa 400 PS. Die Zeiten liegen auf gut präparierten Strecken bei 7,4 Sekunden, Die Topspeeds bei +/- 280 Stundenkilometern. Die Klasse Top Gas fährt seit vielen Jahren eine eigene (nicht FIM reglementierte) Meisterschaft aus.

Junior Drag Bike (FIM/E)Bearbeiten

 
FIM/E Junior Drag Bike.
Geeuwke Siersema (NED)

Die Klasse Junior Drag Bike (JDB) wurde zur Nachwuchsförderung und einem ersten Heranführen an die Thematik des Sports eingeführt. Zur Saison 2018 erhielt sie das FIM Europe-Prädikat, das die Austragung einer offiziell anerkannten Europameisterschaft beinhaltet. Die Klasse ist in 3 Unterkategorien (Stock/Modified/Pro) unterteilt, die das Alter der Piloten (zwischen 8 und 17 Jahren) und die Leistung der Motoren in Relation bringen. Die Maschinen haben max. 250 ccm Hubraum und erreichen teilweise über 140 km/h. Als Renndistanz ist die Achtelmeile (201,17 Meter) festgelegt.

Pro Stock Bike (FIM/E)Bearbeiten

 
FIM/E Pro Stock Bike.
Kenneth Holmberg (SWE)

Die "PSB" fahren ein sehr enges Reglement: Nur klassisches Tuning. Lediglich mechanisches Tuning und Bearbeiten der Motorräder ist gestattet. Die Bikes haben fast immer einen Gitterrohrrahmen und eine einteilige Karosserienachbildung, die an die Optik eines serienmäßigen Straßen-Bikes angelehnt ist. Jegliche Leistungssteigerung durch Lachgas, Kompressor, Turbolader und Ähnliches ist verboten. Die Tuner der Top-Teams holen trotzdem bis zu 600 PS aus den Aggregaten. Die Motoren sind meist Vierzylinder mit einem Hubraum zwischen 1.500 und 1.755 cm³. Es werden auch Zweizylinder in V-Twin-Version gefahren, die einen maximalen Hubraum von 2.608 cc erlauben. Beide Konfigurationen ermöglichen Zeiten von 7:000 Sekunden und Geschwindigkeiten von knapp über 310 km/h.

Super Street Bike (FIM/E)Bearbeiten

 
FIM/E Super Street Bike.
Xristos Agapidis (GRE)
 
SSB: technische Entwicklung

Die "SSB" begannen in den 1990ern als Einsteigerklasse für japanische 4-Zylinder, die aber in den 2000er Jahren eine rasante technische und professionelle Entwicklung durchmachte, die dann zur Aufnahme der Klasse in den UEM-FIM/E-Kalender führte. Zur Leistungssteigerung dürfen Turbolader, Kompressoren oder Lachgas (N2O) zum Einsatz kommen. Als Kraftstoff darf nur Benzin verwendet werden. Es ist ausschließlich der Einsatz handelsüblicher Straßenreifen gestattet. Wheeliebars sind verboten. Die Viertelmeilenzeiten liegen im Spitzenfeld an der 7:000-Sekunden-Grenze, wobei auch schon diese Marke öfters unterboten wurde. Auch die wichtige „200-Meilen-Schallmauer“ (321,869 km/h) wurde schon deutlich (341,33 km/h) durchbrochen.

  • Technische Entwicklung

Zur Mitte der 1990er Jahre waren die Super Street Bikes Starrahmen-Eigenkonstruktionen ohne jede Federung, die mit einteiligen Karosserieabgüssen aus Kunststoff verkleidet waren. Die häufigste Maßnahme zur Leistungssteigerung der mehrheitlich eingesetzten Suzuki GSX- und GSX/R Motoren war die Verwendung von Lachgas, welches über so genannte Fogger Düsen direkt in die Ansaugtrichter der Vergaser eingespritzt wurde. Um den plötzlich auftretenden massiven Leistungszuwachs besser dosieren zu können, wurden getaktete Lachgassteuerungen "Controller" entwickelt. Gleichzeitig wurden erste Versuche mit Data-Recording (mit 3 Sensoren) vorgenommen, um die Abstimmung der Bikes zu erleichtern. Um mit den vorgeschriebenen Straßenreifen eine maximale Auflagefläche (Traktion) zu erreichen, wurden teilweise Reifendrücke von 0,1 bar gefahren. In so einer Konfiguration waren Zeiten zwischen 8.4 und 8.0 Sekunden über die Viertelmeile möglich[2].
Ab 2005 kam es zu einem Paradigmenwechsel: Durch das vermehrte Auftreten von SSB-Bikes des Modells Suzuki Hayabusa und der inzwischen professionalisierten Datenerfassung (12 Sensoren) verschwanden die Starrrahmen zu Gunsten einer traktionsfördernden Hinterradfederung, und die Lachgaseinspritzung wurde durch den Einsatz von leichter kontrollierbaren Turboladern ersetzt. Die Zeiten verbesserten sich innerhalb kurzer Zeit um gut 1 Sekunde über die Viertelmeile. Diese, nach dem europäischen FIM-Reglement aufgebauten Bikes erzielen gegenwärtig (Stand: Jan. 2020) Resultate von 6.804 Sekunden mit 349.21 Stundenkilometer über die Viertelmeile[3].

Super Twin Bike (FIM/E)Bearbeiten

 
FIM/E Super Twin Top Fuel Bike.
Neil Midgley (GBR)

Die Zweizylinder der "STTF" stammen im Allgemeinen von US-amerikanischen Spezialfirmen und ähneln optisch den Motoren der Traditionsmarke Harley-Davidson. Der Hubraum ist beschränkt auf 3.000 cm³ für Saugmotoren. Aufladung mittels Kompressoren oder Turboladern ist erlaubt, der maximal zulässige Hubraum beträgt dann 2.000 cm³ bei der Verwendung von 90 % Nitromethan und 1.700 cm³ bei der Verwendung von bis zu 100 % Nitromethan. Die Motoren leisten etwa 800 PS und erlauben Viertelmeilen-Zeiten von weniger als sieben Sekunden.

Top Fuel Bike (FIM/E)Bearbeiten

 
FIM/E Top Fuel Bike.
Rikard Gustafsson (SWE)

Die Klasse "TFB" unterliegt kaum Beschränkungen hinsichtlich möglicher Modifikationen. Ähnlich wie bei den Super Twin Bikes sind die Motoren Einzelanfertigungen, die meist aus dem Vollen gefräst werden. Als Kraftstoff ist Nitromethan vorgeschrieben. Die Verwendung von Kompressoren oder Turboladern ist erlaubt. Bei der Verwendung von Saugmotoren sind ein oder auch zwei Motoren mit einem maximalen Hubraum von 3.200 cm³ als Antrieb erlaubt. Der maximal zulässige Hubraum für aufgeladene 4-Zylinder-Motoren beträgt 1.700 cm³, für aufgeladene 2-Zylinder-Motoren 2.000 cm³. Top Fuel Bikes leisten über 1.000 PS und passieren die Ziellinie nach weniger als 6 s mit etwa 380 km/h.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Dragster motorcycles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.zat-suedbaden.de/ZAT-SUEDBADEN.DE/PDF/BW-Timing/
  2. Nitrolympx / Hockenheimring: Drag Racing im Wandel der Zeit. In: Hockenheimring BW (Hrsg.): Nitrolympx Programmheft. Band 2017, 2017, S. 07.
  3. eurodragster.com: European Bests. eurodragster.com, 2019, abgerufen am 15. Januar 2020 (englisch).