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BSA A65 café racer vor dem Ace Café
Die legendäre A.J.S. 7R Boy Racer mit 350 cm³

Ein Cafe Racer ([ˈkæf reɪsər] oder [ˈkæfi ˌreɪsər], auch Café Racer) in Reinform war ursprünglich ein sportlich umgebautes englisches Serienmotorrad der 1960er Jahre. Diese Maschinen standen seinerzeit teils im Mittelpunkt einer Subkultur.

Heute wird der Begriff allgemein für Custombikes verwendet, die auf wesentliche Elemente reduziert und meist auf flache Lenker und verkürzte, abfallende Sitzbank umgebaut, oder auch ab Werk so ausgestattet wurden.[1][2]

Historie und SzeneBearbeiten

Namensgebend war das Treffen der Rocker der 1960er Jahre in den Cafés der Vororte der Großstädte wie dem legendären Ace Cafe in London. Von hier aus machten die Rocker die Straßen der Umgebung unsicher, was für die damalige Jugend auch Rebellion gegen vorhandene Gesellschaftsnormen symbolisierte.

Das Motorrad war wichtigstes Szeneelement und wurde nach allen Regeln der Kunst individuell verändert und umgebaut. Was am Ende der Umbaumaßnahmen herauskam, wurde als Cafe Racer bezeichnet. Niedrige Maschinen mit Stummellenkern und offenen Schalldämpfern wurden „frisiert“ damit Geschwindigkeiten von über 100 mph (the ton), entsprechend 160 km/h, erreicht werden konnten und mit denen man sich in Straßenrennen untereinander gemessen hat. Die klassische Strecke für das Rennen führte vom Ace Cafe zum nächsten Kreisverkehr und wieder zurück. Diese Distanz war nach Möglichkeit zurückzulegen, ehe eine zuvor in der Jukebox angewählte Single zu Ende abgespielt war (Record Race).[3]

Vorbilder für die Umbauten der Serienmotorräder waren die damals aktuellen Rennmaschinen der Tourist Trophy auf der Isle of Man wie beispielsweise die Norton Manx. Genretypisch waren englische Motorräder, z. B. von BSA, Norton oder Triumph mit ein- bis dreizylindrigen Motoren, aber auch japanische Maschinen wie die Yamaha SR 400, die oftmals aus Kostengründen als Basis dienten. Schnörkellose Tanks aus ggf. poliertem Leichtmetall, Stummellenker, große Scheinwerfer, Einzelsitzbänke und demontierte Rückspiegel bildeten die typischen Stilmerkmale.

Bemerkenswert waren auch Konstruktionen aus Triumph-Motoren und Norton-Rahmen, die sogenannten Tritons oder die Norvins, bei denen Vincent-Motoren in Norton-Fahrwerke eingebaut wurden. Ab Mitte der 1970er Jahre, nach dem Niedergang der britischen Motorradindustrie, wurde der Cafe-Racer-Stil auch von internationalen Motorradherstellern aufgegriffen.

Zahlreiche Print- und Onlinemagazine befassen sich weltweit, ebenso wie viele Fahrzeugveredler (Customizer), mit dem Thema Cafe Racer.

Seit der Wiedereröffnung des Ace Cafe 2001 in London, das mittlerweile Ableger in Peking, Barcelona, Orlando, Lahti und Luzern hat, trifft sich die Szene einmal jährlich dort zum „Ace Day“[4].

Aktuelle SerienmodelleBearbeiten

Moderne Interpretationen von Cafe Racern finden sich auch heute zahlreich. So ließ BMW 2013 vom amerikanischen Designer Roland Sands einen Cafe Racer namens Concept 90 entwickeln, der zum Serienmodell BMW R nineT weiterentwickelt wurde und seit 2014 ausgeliefert wird. Der deutsche Customizer Thunderbike wurde 2012 mit seinem Bike PainTTless[5], welches einige Cafe Racer-Bestandteile aufgreift, Weltmeister im Custombikebau. Von 2005 bis 2016 bot der italienische Motorradhersteller Benelli verschiedene TnT Modelle mit „Cafe Racer“ Bezeichnung und 899 oder 1130 Kubikzentimeter an.

Retro Cafe Racer werden von einigen namhaften Herstellern produziert.

Die heutigen Streetfighter können als moderne Nachfahren der Cafe Racer gesehen werden, jedoch werden auch heute noch moderne Motorräder im Stile eines Cafe Racers individuell umgebaut. Wesentliche Unterschiede sind, dass hier meist hubraumstarke Tourenmotorräder der letzten 20 Jahre als Basis dienen, moderne Komponenten wie Einarmschwinge, Zentralfederbein oder Upsidedown Gabel zum Einsatz kommen und die Linienführung eher breit ausfällt.

Der britische Automobilhersteller David Brown Automotive bietet seit 2017 den Mini Remastered als auf 25 Exemplare limitiertes Sondermodell „Inspired by Café Racers“ an.[8]

LiteraturBearbeiten

  • Sabine Welte: Cafe Racer: Speed and Bikes and Rock’n’Roll. Verlag GeraMond, München 2008, ISBN 978-3-7654-7694-5
  • Stephan H. Schneider, Katharina Klimpke, Carsten Heil, Dirk Mangartz: Café Racer: Von den Anfängen zum Superbike. Huber Verlag, Mannheim 2008, ISBN 978-3-927896-21-5

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Café Racer Motorcycles, abgerufen am 23. Juli 2018.
  2. caferacer-forum.de:, Sportlich orientierter Umbau im Stil klassischer Racer. Optimierung der Fahreigenschaften und Reduzierung aufs Wesentliche. Stilelemente sind u. a. sportliche Sitzposition, Stummellenker, zurückverlegte Fußrasten, Einzelsitze mit Höcker, Alutanks in Rennsportoptik, abgerufen 23. Juli 2018
  3. Geschichte des Ace Cafes auf: ace-cafe-london.com
  4. Ace Cafe Locations. Ace Cafe website. Abgerufen am 27. Juli 2017.
  5. BikeExif: Thunderbike PainTTless
  6. Motorrad Online: Royal Enfield Continental GT
  7. Motorrad Online: Moto Guzzi V7 Racer
  8. Café Racers. Abgerufen am 7. Februar 2018 (englisch).