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Diplomatie (Film)

Historienfilm von Volker Schlöndorff (2014)

Diplomatie ist ein Filmdrama von Volker Schlöndorff aus dem Jahr 2014 über die nicht erfolgte Zerstörung von Paris 1944. In den Hauptrollen treten Niels Arestrup als Stadtkommandant Choltitz und André Dussollier als Konsul Nordling auf. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Cyril Gély, erstmals 2011 im Théâtre de la Madeleine mit denselben Hauptdarstellern aufgeführt. Er verdichtet das historische Geschehen um die Libération, die Befreiung von Paris, auf die letzten 24 Stunden der realen Ereignisse.

Filmdaten
Deutscher TitelDiplomatie
OriginaltitelDiplomatie
ProduktionslandFrankreich,
Deutschland
OriginalspracheFranzösisch,
Deutsch
Erscheinungsjahr2014
Länge84 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
JMK 10[2]
Stab
RegieVolker Schlöndorff
DrehbuchCyril Gely
Volker Schlöndorff
ProduktionFrank Le Wita
Marc de Bayser
MusikJörg Lemberg
KameraMichel Amathieu
SchnittVirginie Bruant
Besetzung

Der französische Filmtitel ist identisch. In Frankreich hatte Diplomatie im März 2014 Premiere. Der Film wurde erstmals am 12. Februar 2014 auf der Berlinale gezeigt. Die offizielle deutsche Premiere fand erst am 25. August 2014 in Berlin statt.[3] Die englische Version des Films hat den Titel Diplomacy. Der Film ist dem US-Diplomaten Richard Holbrooke (1941–2010) gewidmet.

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Der Film schildert weitgehend in Form eines Kammerspiels ein fiktives Wortduell zwischen dem damals auch in Wirklichkeit ähnlich handelnden deutschen General Dietrich von Choltitz und dem schwedischen Generalkonsul in Frankreich Raoul Nordling. Das nächtliche Gespräch findet im Gebäude der deutschen Stadtkommandantur statt, dem Luxushotel Meurice, und zieht sich bis in den Morgen.

Der General hatte drei Wochen vorher von Hitler direkt den Befehl erhalten: „Die Seinebrücken sind zur Sprengung vorzubereiten. Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen.“ Der schwedische Konsul Nordling versucht, die Zerstörung Paris’ durch Diplomatie, d. h. durch die Abwägung verschiedener Lösungswege, zu verhindern. Durch das Hotelfenster sieht man das Morgengrauen über Paris. Es werden historische Filmaufnahmen der besetzten Stadt eingeblendet. Choltitz fürchtet wegen der damals neu erlassenen Sippenhaft um seine Familienangehörigen in Baden-Baden. Nordling verspricht ihm die Rettung der Familie in die neutrale Schweiz und erhält dafür den Ehering von Choltitz als Botschaft und Erkennungszeichen an seine Frau.

Im Auftrag Himmlers erscheinen SS-Offiziere im Hotel, um im letzten Moment Kunstschätze wie den Teppich von Bayeux aus dem Louvre zu stehlen. Als Befehlshaber will Choltitz für seine Soldaten ein Vorbild sein. Er lässt Widerstandskämpfer in der Metro sofort erschießen. Choltitz zögert zunächst unbewusst und schließlich bewusst die Ausführung der vorbereiteten Zerstörung über den Zeitpunkt der Kapitulation hinaus und führt das Gespräch mit Nordling fort. Dieser kann ihm dann bei einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall helfen. Nordling kann nach der Gefangennahme Generals Choltitz’ durch US-Truppen mit einem Vertreter der Résistance zu De Gaulle ans Rathaus gehen, der ihn erwartet.

HintergrundBearbeiten

Diplomatie wurde vom 19. August bis zum 21. September 2013 in Paris gedreht. Die beiden Hauptdarsteller wirkten auch schon im gleichnamigen Theaterstück mit,[4] welches in Paris im Théâtre de la Madeleine (im gleichnamigen Viertel) ab Anfang 2011 aufgeführt wurde.

Historisch kann zum Vergleich der dramatischen Bearbeitung des Zerstörungsbefehls im Kino der Kriegsfilm Brennt Paris? von Lapierre und Collins von 1964/66 mit einer großen Starbesetzung genannt werden. Das erfolgreiche Theaterstück war insoweit eine Reprise.

Im Abspann heißt es, dass sich Nordling und Choltitz 1955 noch einmal in Deutschland getroffen haben. Nordling habe ihm seine Dankesmedaille der Stadt Paris weiter geschenkt.

EinspielergebnisBearbeiten

In Frankreich lief der Film am 5. März 2014 an und spielte zunächst $3.186.936 an den Kinokassen ein.[5] Am 28. August 2014 ist Diplomatie in den deutschen Kinos angelaufen.

KritikBearbeiten

„‘Diplomatie’ ist ein Gedankenspiel, das ins Innerste von zwei Menschen vordringt, die dieses Innerste immer hinter ihren politischen Aufgaben zu verbergen versuchten. Ein Film, der verstehen will, ohne zu behaupten, alles verstanden zu haben.“

„Für die Standards des Kammerspiels ist das Thema eigentlich zu groß. Gerne würden wir an die Macht des Gesprächs glauben, gerne an die Sternstunden der Geschichte in Form der Begegnung zweier älterer Männer, aber die Rettung von Paris war in Wahrheit von viel mehr Faktoren bedingt und letztlich viel spannender, als es dieses durchaus gut gemachte Rededuell glauben lassen will. Der kühne Griff der dramaturgischen Reduktion ist schneidig, ein Triumph aber ist er nicht.“

– Frankfurter Rundschau[7]

„Ein kluges Kammerspiel darüber, was die Beharrlichkeit eines Einzelnen vermag.“

– Das Erste[8]

„Mit ‘Diplomatie’ ist dem Paris-Enthusiasten Schlöndorff ein grandioses Spätwerk gelungen.“

– NDR[9]

„Das Theaterstück war in Frankreich schon ein Erfolg. Regisseur Volker Schlöndorff hat daraus ein spannendes Kammerspiel fürs Kino gemacht.“

– Deutsche Welle[10]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Diplomatie. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Juli 2014 (PDF; Prüf­nummer: 145 254 K).
  2. Alterskennzeichnung für Diplomatie. Jugendmedien­kommission.
  3. Premiere von Schlöndorffs „Diplomatie“, Deutsche Welle, 25. August 2014
  4. André Dussollier et Niels Arestrup refont l’Histoire Le Figaro
  5. Diplomatie bei boxofficemojo.com
  6. Daniel Sander: Rezension. Spiegel Online; abgerufen am 28. August 2014.
  7. Rezension von Harald Jähner Abgerufen am 28. August 2014.
  8. Klaus Lesche: Rezension. (Memento vom 3. September 2014 im Internet Archive) Abgerufen am 28. August 2014.
  9. Lars Friedrich: Rezension. Abgerufen am 28. August 2014.
  10. Heike Mund: Rezension. Abgerufen am 28. August 2014.