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Deutsches Fußballmuseum

Fußballmuseum in Dortmund
Museumsgebäude am Königswall

Das Deutsche Fußballmuseum wurde am 23. Oktober 2015[1] als nationales Fußballmuseum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Dortmund eröffnet. Die Planungen wurden von der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH mit Sitz in Dortmund ausgeführt.

Inhaltsverzeichnis

EntstehungsgeschichteBearbeiten

 
Deutsches Fußballmuseum in der Bauphase (gegenüber dem Hauptbahnhof)

Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland entschloss sich der DFB, aus den Gewinnen der Weltmeisterschaft die Errichtung eines nationalen deutschen Fußballmuseums zu finanzieren. Aus 14 Städten, die sich als Standort für das Fußballmuseum beworben hatten, wählte das DFB-Präsidium im Mai 2007 die Städte Köln, Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund aus und entschied sich damit für einen Standort im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf einem außerordentlichen Bundestag des DFB am 24. April 2009 entschieden sich die Delegierten für das innenstadtnahe Areal südlich des Dortmunder Hauptbahnhofs, das bis zum Baubeginn des Museums als Busbahnhof genutzt worden war.[2]

Die Bauarbeiten für das Museum begannen im September 2012; am 20. September erfolgte in Anwesenheit von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der symbolische Spatenstich.[3]

Die Grundsteinlegung fand am 29. April 2013 statt. Anwesend waren unter anderem Wolfgang Niersbach, Reinhard Rauball und Ute Schäfer.[4] Ein Jahr später, 2014, konnte das Richtfest gefeiert werden.[5]

Grundstück und GebäudeBearbeiten

 
Architektur-Detail DFB-Museum

Das Deutsche Fußballmuseum befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und ist Bestandteil einer Kunst- und Kulturmeile zwischen dem Kreativzentrum Dortmunder U und dem Konzerthaus Dortmund.

Für das Gebäude wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben.[6]

Architekturwettbewerb

Nach einem internationalen Architekturwettbewerb, ausgeschrieben von der Stadt Dortmund, wurden am 4. Mai 2011 durch das Preisgericht des Architekturwettbewerbs aus 24 Arbeiten drei Entwürfe prämiert. Einen uneingeschränkten Siegerentwurf gab es nicht. Die Preisrichter vergaben stattdessen eine Preisgruppe mit drei gleichberechtigten Auszeichnungen an die Architektenbüros HPP Hentrich-Petschnigg + Partner (Düsseldorf), ARGE Petersen BWM Architekten und Partner (Dortmund) sowie pmp Architekten (München). Darüber hinaus sprach die Jury Anerkennungen für ihre Arbeiten an die Büros Bolles + Wilson (Münster), LOOC/M (Frankfurt/Main) und Schulte-Frohlinde (Berlin) aus.

Weiterer Verlauf des Architekturwettbewerbs

Am 29. Juni 2011 wurde bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Stadt Dortmund und des DFB-Fußballmuseums bekanntgegeben, dass die Büros HPP Hentrich-Petschnigg + Partner, Düsseldorf sowie pmp Architekten, München, gleichberechtigt den ersten Platz des internationalen Architekturwettbewerbs belegen. Die ARGE Petersen BWM Architekten und Partner, Dortmund, erreichte Rang drei. Aufgrund der Empfehlung der Jury wurde in Gesprächen der finale Siegerentwurf ermittelt[7][8] und am 26. September 2011 in der Tagespresse veröffentlicht.[9]

Inhaltliche AusrichtungBearbeiten

Das Deutsche Fußballmuseum soll lebendiger Erinnerungs- und Erfahrungsort deutscher Fußballgeschichte sein. Dabei steht die Information über fußballhistorische Ereignisse und die Entwicklung des Sports in all seinen Facetten ebenso im Mittelpunkt wie soziale und gesellschaftliche Themen rund um den Fußballsport. „Das Museum soll ausdrücklich besucherorientiert gestaltet sein und strebt eine hohe Erlebnisqualität und Attraktivität an. Es soll informieren, zum Nachdenken anregen, überraschen, berühren, begeistern – mit einem Wort: unterhalten. Dazu bedient es sich modernster Ausstellungskonzepte und -medien. Gleichzeitig wird das Museum zu einem lebendigen Forum der Begegnung und Diskussion für alle Mitglieder der Fußballfamilie, für Fans und Vereine, Freunde und Förderer, Partner und Sponsoren. Dazu tragen Veranstaltungen wie Galas und Empfänge, Preisverleihungen und Pressekonferenzen, Lesungen und TV-Produktionen in einem separaten Eventbereich bei“, heißt es im Leitbild der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum.[10]

Mario Götze stiftete seinen Schuh, mit dem er im WM-Finale gegen Argentinien das entscheidende Tor geschossen hatte, für die größte Spende an die Hilfsorganisation Ein Herz für Kinder. Ein unbekannter Spender übermittelte am Abend des 6. Dezember 2014 die Höchstsumme von zwei Millionen Euro. Bundestrainer Joachim Löw verkündete daraufhin, dass das sporthistorische Schuhwerk im neuen Deutschen Fußballmuseum ausgestellt werde.

AufbauBearbeiten

Der Rundgang durch das Museum beginnt im 2. Obergeschoss. Dieses ist dem nationalen Fußball gewidmet. Über ein 3D-Kino erreicht der Besucher das 1. Obergeschoss, welches den Vereinsfußball behandelt. Im Untergeschoss gibt es eine Multifunktionsarena, die sich für verschiedene Veranstaltungsformate nutzen lässt. Das gesamte Gebäude ist als barrierearm konzipiert.

Kultur- und VeranstaltungsprogrammBearbeiten

Das Kultur- und Veranstaltungsprogramm des Deutschen Fußballmuseums "ANSTOSS" vertieft Themen aus der musealen Dauerausstellung aber auch aus der tagesaktuellen Debatte. Mit unterschiedlichen Formaten von Film- und Liederabenden über Gesprächsrunden bis hin zu Lesungen bietet es auf dem Feld der Fußballkultur ein deutschlandweit einzigartiges Programm.[11] Im Februar 2017 philosophierten beispielsweise der Fußballtrainer Thomas Tuchel mit dem Geisteswissenschaftler Prof. Hans Ulrich Gumbrecht über die Schönheit des Spiels.[12]

Walk of FameBearbeiten

Organisation und DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbHBearbeiten

Die DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH mit Sitz in Dortmund wird von den Geschäftsführern Manuel Neukirchner (DFB) und Michael Keßeler (Stadt Dortmund) geleitet. Die Gesellschafterversammlung der gemeinnützigen GmbH besteht zu gleichen Teilen aus Vertretern des DFB-Präsidiums und der Stadt Dortmund.

AuszeichnungenBearbeiten

  • 2017: European Museum of the Year Award (EMYA) – Nominierung[13]
  • 2017: Luigi Micheletti Award und DASA Award der European Museum Academy (EMA) – Nominierung[14]
  • 2017: Location Award, Kategorie Kultur-Location für Events – Nominierung[15]

KritikBearbeiten

Kritik am Deutschen Fußballmuseum übte der Bund der Steuerzahler. Die Verwendung öffentlicher Mittel für ein Museum mit Bezug auf Fußballgeschichte und Fußballkultur sei die Ausgabe von „zu viel Steuergeld für eine Nebensache“.[16]

Der Autor Moritz Rinke vertritt in seiner Reportage die Meinung, dass ein Besuch im Deutschen Fußballmuseum den Besucher „Berührungen zurück in das eigene Leben, in die Kindheit, in die Erinnerung“ erleben lasse und die Ausstellung „szenografisch und multimedial gestaltet“ sei.[17]

Die Chefkorrespondentin der New York Times Alison Smale schreibt in ihrem Essay Ein Heiligtum für den deutschen Fußball – und mehr davon, dass das Museum den Vergleich mit der deutschen Vergangenheit nicht scheue: „Die Nationalmannschaft von 1941 wird vor dem Spiel gegen Schweden mit Nazi-Gruß gezeigt. Ein berüchtigter Propagandafilm aus dem Jahr 1944 zeigt die jüdischen Insassen im Nazi-Ghetto Theresienstadt [...] beim Fußballspielen und einem angeblich entspannten Leben. In Wirklichkeit sind die meisten von ihnen nach Auschwitz deportiert worden“.[18]

Christian Wacker schrieb, dass „die meisten Objekte Kopien, Faksimile oder Zweitobjekte“ seien. Weiterhin kritisierte er die unzureichende Einbindung der Besucher mit den Worten „Wie ein Provinzmuseum aus den Achtzigern“.[19]

AusstellungenBearbeiten

  • 2016: 50 Jahre Wembley – Der Mythos in Momentaufnahmen. Katalog.[20]
  • 2017: Herbergers Welt der Bücher – Die unbekannten Seiten der Trainer-Legende[21]

LiteraturBearbeiten

  • Manuel Neukirchner (Hrsg.): Mehr als ein Spiel. Das Buch zum Deutschen Fußballmuseum. Klartext Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-0973-1
  • Manuel Neukirchner: Wembley 1966: Der Mythos in Momentaufnahmen. Klartext Verlag, Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1622-7
  • Manuel Neukirchner: Herbergers Welt der Bücher – Die unbekannten Seiten der Trainer-Legende. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2017, ISBN 978-3-7307-0340-3
  • Jochen Hieber, Manuel Neukirchner (Hrsg.): Fundstücke aus dem Deutschen Fußballmuseum. Auftaktband der Reihe Kleine Fußball-Bibliothek in der Edition Deutsches Fußballmuseum, Dortmund 2017, ISBN 978-3-00-057313

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsches Fußball-Museum mit Gala feierlich eröffnet. In: focus.de. 23. Oktober 2015, abgerufen am 24. April 2016.
  2. Gregor Boldt: Fußball-Museum: Ein Volltreffer für die Stadt. In: derwesten.de. 25. April 2009, abgerufen am 24. April 2016.
  3. Alexandra Neuhaus: Bauarbeiten für das DFB-Museum starten. In: ruhrnachrichten.de. 20. September 2012, abgerufen am 24. April 2016.
  4. Dortmund: Grundstein für DFB-Museum gelegt. In: reviersport.de. Abgerufen am 24. April 2016.
  5. Deutsches Fussballmuseum in Dortmund-Startseite. In: dfb-fussballmuseum.de. www.dfb-fussballmuseum.de, abgerufen am 24. April 2016.
  6. Oliver Müller: Streit um deutsches Fußball-Museum ist entbrannt. In: Welt Online. 23. November 2009, abgerufen am 24. April 2016.
  7. Deutsches Fussballmuseum in Dortmund. In: dfb-fussballmuseum.de. Abgerufen am 24. April 2016.
  8. Fußballmuseum remis. In: faz.net. Abgerufen am 24. April 2016.
  9. Gregor Beushausen: So soll das DFB-Fußballmuseum in Dortmund aussehen. In: derwesten.de. Abgerufen am 24. April 2016.
  10. Leitbild. In: dfb-fussballmuseum.de. Abgerufen am 24. April 2016.
  11. Das SchönDas ist das Kulturprogramm des Deutschen Fußballmuseumse suchen. In: ruhrnachrichten.de. 7. März 2016, abgerufen am 2. August 2017.
  12. Das Schöne suchen. In: taz.de. 3. Februar 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  13. Deutsches Fußballmuseum für EMYA-Preis nominiert. In: Welt.de. 17. Februar 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  14. Deutsches Fußballmuseum für Museumspreise nominiert. In: Welt.de. 17. April 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  15. Top-Locations nominiert. In: ahgz.de. 7. Juli 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  16. Deutsches Fußball-Museum: Finanzierung in der Kritik. In: derwesten.de. 29. Mai 2009, abgerufen am 24. April 2016.
  17. Moritz Rinke: Als wir noch jubelten. In: DIE ZEIT, Ausgabe 45/2015 vom 5. November 2015. Abgerufen am 2. September 2016.
  18. Alison Smale: [A shrine to German soccer, and more]. In: The New York Times, Ausgabe vom 4. April 2017.
  19. Christian Wacker: Deutsches Fußballmuseum: Wie ein Provinzmuseum aus den Achtzigern. In: Zeit Online. 16. Dezember 2015, abgerufen am 24. April 2016.
  20. Zwei, die sich nichts zu sagen haben in FAZ vom 30. Juli 2016, Seite 11
  21. Mao als Fußball-Stratege in FAZ vom 18. März 2017, Seite 6

Koordinaten: 51° 30′ 59″ N, 7° 27′ 31″ O