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Dürre in Mitteleuropa 1540

Klimatologisches Extremereignis

Die Dürre in Mitteleuropa 1540 war ein klimatologisches Extremereignis. In verschiedenen paläoklimatologischen Untersuchungen wurden die Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse rekonstruiert und in Bezug zu den gegenwärtigen Bedingungen gesetzt.

Auf Basis von historischen Aufzeichnungen leiten Wetter et al. (2014)[1] ab, dass es sich um eine elfmonatige Periode gehandelt hat, während der es in Europa kaum regnete und es sich somit um eine Megadürre[2] gehandelt haben könnte. Diese Schlussfolgerungen werden allerdings durch Büntgen et al. (2015)[3] unter Verweis auf zusätzliche Datenquellen (Baumringe) in Frage gestellt.

Orth et al. (2016)[4] kommen zu dem Ergebnis, dass die mittlere Temperatur im Sommer 1540 über dem Mittel von 1966 bis 2015 lag und geben eine Wahrscheinlichkeit von 20 % an, dass sie über der des Sommers 2003 lag.

BeschreibungBearbeiten

 
Das Schwedenfass im Staatlichen Hofkeller Würzburg wurde zur Lagerung des „Jahrtausendweins“ von 1540 geschaffen

Der Schweizer Historiker Christian Pfister beschreibt die Ereignisse des Jahres 1540 in Mitteleuropa in einem Zeitungsinterview[5] folgendermaßen:

Elf Monate fiel damals praktisch kein Regen, „die Temperatur lag fünf bis sieben Grad über den Normalwerten des 20. Jahrhunderts, verbreitet muss die Temperatur im Hochsommer über vierzig Grad geklettert sein. Unzählige Waldgebiete in Europa gingen in Flammen auf, beißender Rauch trübte das Sonnenlicht, im ganzen Sommer 1540 wurde kein einziges Gewitter registriert. Schon im Mai wurde das Wasser knapp, Brunnen und Quellen fielen trocken, die Mühlen standen still, die Leute hungerten, das Vieh wurde notgeschlachtet.“[5] In Europa starben im Jahr 1540 schätzungsweise eine halbe Million Menschen, die meisten von ihnen an Durchfallerkrankungen.
Alles begann in Norditalien, mit einem Winter, der sich wie ein Juli anfühlte. Kein Tropfen fiel von Oktober 1539 bis Anfang April 1540. Dann griff die Dürre auf den Norden über.“[5] Der Juli brachte eine solche „Gluthitze, dass die Kirchen Bittgebete aussandten, während Rhein, Elbe und Seine trockenen Fußes durchwatet werden konnten. Dort, wo noch Wasser floss, färbte sich die warme Brühe grün,“[5] Fische trieben tot mit dem Bauch nach oben. „Der Bodenseepegel sank auf Rekordniveau, Lindau war sogar mit dem Festland verbunden. Bald verdunstete das Oberflächenwasser vollständig, die Böden platzten auf, manche Trockenrisse waren so groß, dass ein Fuß darin Platz fand.“[5]
Im Elsass blühten die Obstbäume erneut, in Lindau reichte es sogar für eine zweite Kirschernte. Am Bodensee ... war Wein irgendwann billiger als Wasser, und in Limoges ernteten die Winzer geröstete Trauben, aus denen sie Sherry-ähnlichen Wein gewannen, der ... schnell betrunken machte.[5]

Aus der Stadt Münden liegt eine Beschreibung vor, in der der 1540er Jahrgang des herzoglichen Weinbergs am Questenberg als „so vortrefflich“ bezeichnet wird, dass man ihn ausländischen Weinen vorzog.[6]

Im Schweizer „Dorf Goldiwil stiegen die verzweifelten Menschen sogar 500 Höhenmeter täglich auf und ab, nur um ein paar Bottiche Wasser aus dem Thunersee zu schöpfen.[7]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas – 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, Darmstadt 2001, (3. Auflage 2008) S. 108

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wetter, O. et al.: The year-long unprecedented European heat and drought of 1540 – a worst case. In: Climatic Change, Juni 2014, doi:10.1007/s10584-014-1184-2.
  2. Matthews, J. A.: Megadrought. Encyclopedia of Environmental Change. doi:10.4135/9781446247501.n2421.
  3. Büngten et al., (2015): Commentary to Wetter et al. (2014): Limited tree-ring evidence for a 1540 European ‘Megadrought’; Climatic Change, July 2015, Volume 131, Issue 2, pp 183–190, doi:10.1007/s10584-015-1423-1.
  4. Orth et al. (2016): Did European temperatures in 1540 exceed present-day records?, 15 November 2016, Environmental Research Letters, Volume 11, Number 11, doi:10.1088/1748-9326/11/11/114021
  5. a b c d e f Andreas Frey: Europas vernichtende Jahrtausenddürre. In: Spektrum.de. 11. August 2018, abgerufen am 12. August 2018.
  6. Wilhelm Lotze: Geschichte der Stadt Münden nebst Umgebung mit besonderer Hervorhebung der Begebenheiten des dreißigjährigen und siebenjährigen Krieges, 1878, S. 46.
  7. Andreas Frey: Elf Monate ohne Regen: Die Angst vor der Megadürre des Jahres 1540 geht um. In: NZZ. 4. August 2018, abgerufen am 12. August 2018.