Complexity Science Hub Vienna

Forschungsverein für rechnergestützte Fragestellungen

Der Complexity Science Hub Vienna (abgekürzt CSH) ist ein Verein zur wissenschaftlichen Erforschung komplexer Systeme mit Sitz in Wien. Der Hub wurde 2015 von der Technischen Universität Wien, der Technischen Universität Graz, der Medizinischen Universität Wien und dem Austrian Institute of Technology gegründet.[1] 2016 wurden die Wirtschaftsuniversität Wien und das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg als weitere Mitglieder aufgenommen[2], im Oktober 2018 wurde die Universität für Weiterbildung Krems das siebente Mitglied.[3]

Complexity Science Hub Vienna
(CSH)
Zweck Komplexitätsforschung
Vorsitz: Stefan Thurner (Präsident),
Sabine Seidler (Vizepräsidentin)
Gründungsdatum: 2015
Mitgliederzahl: 7 Institutionen
Sitz: Palais Strozzi Josefstadt, Wien
Website: www.csh.ac.at
Palais Strozzi

Der CSH ist in ein internationales Netzwerk von Komplexitätsforschungszentren eingebettet, darunter das Santa Fe Institute in New Mexico, die Nanyang Technological University in Singapur, die Arizona State University und das Institute for Advanced Study (IAS) in Amsterdam. Seit April 2017 besteht auch eine Partnerschaft mit der Central European University in Budapest.[4] Sitz ist seit Mai 2016 das Palais Strozzi.[5]

ZieleBearbeiten

Ziel des Complexity Science Hub Vienna ist es, die Erforschung komplexer Systeme, Systemanalyse und Big Data Science in österreichischen Institutionen zu bündeln, zu koordinieren und voranzutreiben, um die internationale Sichtbarkeit der österreichischen Komplexitätsforschung zu erhöhen. Die Erkenntnisse aus der Analyse von Big Data sollen dem Nutzen der Allgemeinheit dienen.[6]

Inhaltliche Schwerpunkte der Forschung am CSH sind unter anderem[6]

  • Städte („Science of Cities“) (Wie können Daten zum Vorteil von Städten, Bevölkerung, Verwaltung eingesetzt werden ("Smart City")? Wie werden Städte nachhaltiger? Wie wird die Bürgerbeteiligung erhöht? Gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Stadtgröße und Stadtleben?)
  • das „Internet der Dinge“ (Führt mehr Effizient in der Produktion automatisch zu mehr Verwundbarkeit? Wie sicher ist eine voll digitalisierte Produktion etwa in Hinblick auf Attacken? Wie können Sensordaten genutzt werden, um systemische Fragen zu beantworten?)
  • „Computational Social Science“ (Meinungsbildung in Sozialen Netzwerken / heterogenen Gesellschaften / von Frauen und Männern. Wie entsteht Konflikt, wie kann er gelöst werden? Netzwerken Männer und Frauen unterschiedlich?)[10]
  • „Big Data Analytics“ ([Wie sehr] verlieren wir unsere Privatsphäre? Sind soziale Medien eine Gefahr für die Demokratie? Wie können Fake News identifiziert werden? Was sagen soziale Medien über Geschlechter aus? Big-Data-Modelle der Gesellschaft[11])

Finanzierung und ZusammensetzungBearbeiten

Von den vier Gründungshochschulen wurde eine Beteiligung in Höhe von jeweils 200.000 Euro pro Jahr vereinbart, davon je 40.000 Euro in bar und je 160.000 Euro in Form von zwei Laufbahnstellen für einen Senior- und einen Junior-Wissenschafter. Die Wissenschafter werden vom jeweiligen Partner angestellt und dem CSH zugeordnet.[12] Weitere Förderungen steuert das BMVIT und die Nationalstiftung für Forschung und Technologieentwicklung bei.[5] Geplant war von Beginn an der Ausbau auf 30 Stellen.[12] Dieser Ansatz wurde 2016 auf maximal 50 Wissenschaftler erhöht.[13] Per Ende 2018 arbeiten rund 20 Forscherinnen und Forscher direkt am Complexity Science Hub Vienna.

Getragen wird der CSH vom Verein zur wissenschaftlichen Erforschung komplexer Systeme.

Präsident und wissenschaftlicher Leiter des CSH ist seit seiner Gründung der Komplexitätsforscher und Wissenschafter des Jahres Stefan Thurner. Vorsitzende des internationalen wissenschaftlichen Beirats ist Helga Nowotny.[1]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b "Complexity Science Hub Vienna" nimmt Arbeit auf., derStandard.at, 28. Juli 2015.
  2. Complexity Science Hub Vienna IIASA.
  3. Donau-Universität Krems ist neues Mitglied im Complexity Science Hub Vienna. wirtschaftszeit.at, 25. Oktober 2018.
  4. Complexity Science Hub Vienna Supports CEU. CEU, 25. April 2017.
  5. a b Vernetzte Welt: Complexity-Science-Hub wird im Mai eröffnet. BMVIT Infothek, 19. März 2016.
  6. a b HOME - CSH. Abgerufen am 13. November 2018 (amerikanisches Englisch).
  7. Stefan Thurner, Bernat Corominas-Murtra, Rudolf Hanel: Three faces of entropy for complex systems: Information, thermodynamics, and the maximum entropy principle. In: Physical Review E. Band 96, Nr. 3, 15. September 2017, S. 032124, doi:10.1103/PhysRevE.96.032124.
  8. Thurner, Stefan; Hanel, Rudolf; Klimek, Peter: Introduction to the theory of complex systems. 1st ed. Oxford University Press, New York 2018, ISBN 978-0-19-186106-2.
  9. Sebastian Poledna, Stefan Thurner: Elimination of systemic risk in financial networks by means of a systemic risk transaction tax. In: Quantitative Finance. Band 16, Nr. 10, 11. April 2016, ISSN 1469-7688, S. 1599–1613, doi:10.1080/14697688.2016.1156146.
  10. David Garcia: Leaking privacy and shadow profiles in online social networks. In: Science Advances. Band 3, Nr. 8, 1. August 2017, ISSN 2375-2548, S. e1701172, doi:10.1126/sciadv.1701172, PMID 28798961, PMC 5544396 (freier Volltext).
  11. Sebastian Poledna, Abraham Hinteregger, Stefan Thurner: Identifying Systemically Important Companies by Using the Credit Network of an Entire Nation. In: Entropy. Band 20, Nr. 10, 16. Oktober 2018, ISSN 1099-4300, S. 792, doi:10.3390/e20100792.
  12. a b Neues Forschungszentrum für Big-Data-Analyse eröffnet. Futurezone, 28. Juli 2015.
  13. Ulrike Keller: Das Zentrum für Komplexitätsforschung “Complexity Science Hub Vienna” (CSH) wurde am 23. Mai in Wien offiziell eröffnet. Pressemitteilung, CHS, 31. Mai 2015.