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Chrystia Freeland

kanadische Publizistin und Politikerin
Chrystia Freeland (2017)

Christina Alexandra „Chrystia“ Freeland[1] (* 2. August 1968 in Peace River, Alberta) ist eine kanadische Publizistin und Politikerin. Nach ihrer journalistischen Tätigkeit gewann sie am 25. November 2013 für die Liberale Partei in Toronto (Mitte) in einer Nachwahl den Sitz des zurückgetretenen Bob Rae im kanadischen Parlament. Seit Januar 2017 amtiert sie als Außenministerin.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Chrystia Freeland wurde als Tochter des Rechtsanwalts Donald Freeland geboren, der ebenfalls schon Mitglied der Liberalen Partei Kanadas war.[2][3]

Ihre Großeltern mütterlicherseits stammten aus der Ukraine und flohen gegen Kriegsende zunächst nach Deutschland, wo ihre Mutter in einem Flüchtlingslager zur Welt kam.[4]

Nach ihrem Studium erwarb sie in Harvard den Bachelorgrad in russischer Geschichte und in Oxford den Mastergrad für Slawistik. Sie ist mit dem britischen Reporter und Autor Graham Bowley verheiratet und hat drei Kinder. Seit dem Sommer 2013 lebt sie in Toronto.

Freeland, die sich wiederholt positiv auf ihre Großeltern mütterlicherseits bezogen hatte, war an der Herausgabe eines wissenschaftlichen Artikels über die Nazi-Vergangenheit dieses Großvaters, Michael Chomiak (Mykhailo Khomiak), beteiligt, welchen ihr Onkel, der Historiker John-Paul Himka verfasst hat.[5] Chomiak arbeitete als nationalsozialistischer Propagandist für das Blatt Krakivski Visti (Krakow News) in Krakau. Auch wenn er ein Kollaborateur gewesen ist, so waren es doch die deutschen Besatzer, welche die letzte redaktionelle Entscheidung über die wüsten antisemitischen Artikel des Blattes und andere pro-nazistische Texte getroffen haben. Sein Aufpasser war der Deutsche Emil Gassert gewesen.[6]

TätigkeitBearbeiten

 
Freeland während der 54. MSC 2018

Zunächst war Freeland als freie Journalistin für Financial Times, The Washington Post und The Economist in der Ukraine tätig.[7]

Später war sie stellvertretende Herausgeberin der Financial Times in London und 1999 bis 2001 von The Globe and Mail, zuletzt Redakteurin bei Thomson Reuters Digital.[8]

Am 26. Juni 2013 wandte sich Freeland vom Journalismus ab und der Politik zu, indem sie sich um die Kandidatur der Liberalen Partei für den durch Bob Raes Rücktritt freiwerdenden Sitz im kanadischen Parlament bewarb. Am 15. September wurde sie dafür nominiert[9] und gewann am 25. November 2013 die Wahl ins kanadische Unterhaus mit 49 % der Stimmen.[10]

Freelands Name steht auf der vom russischen Außenministerium am 21. März 2014 veröffentlichten Liste von Personen, denen im Zusammenhang mit der Krimkrise die Einreise nach Russland verwehrt ist.[11] Im Kabinett von Justin Trudeau amtierte sie seit dem 4. November 2015 als Ministerin für internationalen Handel und engagierte sich für den Abschluss des Freihandelsabkommens CETA zwischen Kanada und der EU.[12]

Am 10. Januar 2017 wurde sie als neue Außenministerin eingesetzt.[13]

Konflikt mit Saudi-Arabien ab 2018Bearbeiten

Freeland hat sich am 2. August 2018 zu Menschenrechten am Beispiel der saudischen Frauenrechtsaktivistin Samar Badawi geäußert und ihre Freilassung verlangt. Auch die kanadische Botschaft in Riad hatte sich „ernsthaft besorgt“ über eine neue Welle von Festnahmen von Menschenrechtsaktivisten gezeigt und die sofortige Freilassung Badawis gefordert.

„Wir bitten die saudi-arabischen Behörden dringend, Samar Badawi und alle anderen friedlichen Menschenrechtsaktivisten freizulassen.“

Chrystia Freeland, 2018

Das saudische Außenministerium betrachtet das als eine „eklatante und unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten“, die man nicht akzeptiert, es sei ein Affront. Als Reaktion hat Saudi-Arabien am 6. August 2018 den kanadischen Botschafter des Landes verwiesen. Gleichzeitig rief die Regierung in Riad ihren Botschafter in Kanada zurück. Zudem setzte Saudi-Arabien ein erst vor Kurzem geschlossenes Handelsabkommen mit Kanada aus.

Badawi war nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, HRW, Anfang August 2018 zusammen mit einer Mitstreiterin festgenommen worden, Nassima al-Sadah. Die beiden Frauen hatten jahrelang für das Recht gekämpft, in dem Königreich Auto fahren zu dürfen. Die Festnahmen sind für HRW ein Signal, dass das saudische Königshaus jeden friedlichen Widerspruch gegen die Autokratie als Bedrohung verstehe. Samar Badawi ist die Schwester des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi. Er wurde 2012 verhaftet und später zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Saudi-Arabien wirft ihm unter anderem vor, religiöse Werte angegriffen zu haben. Badawis Ehefrau Ensaf Haidar lebt mit ihren und Raifs drei Kindern in Quebec, sie sind alle vier seit einigen Monaten Staatsbürger Kanadas.[14]

Am 6. August 2018 teilte Saudi-Arabien mit, dass Studierende des Landes in Kanada (die Saudis sprechen von 7000 Personen) umgehend außer Landes geschafft und in andere Länder verteilt würden. Die saudische staatliche Fluglinie werde ab 13. August alle Flüge nach Toronto beenden.[15]

Kanada bedauerte die saudischen Maßnahmen und erklärte, es würde weiterhin friedliche Menschenrechtsaktivisten in aller Welt unterstützen.[16]

Freeland sprach auch in Berlin über Menschenrechte, in Anwesenheit des BRD-Außenministers. Kanada will sich gemeinsam mit anderen Ländern dafür einsetzen:

„Wir zählen und hoffen dabei auf Deutschlands Unterstützung. Wir werden uns weiterhin für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, selbst wenn man uns sagt, wir sollten uns um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern, und wenn mit Folgen gedroht wird.“

Freeland in Berlin, 27. August 2018: [17]

Kanadisch-deutsche BeziehungenBearbeiten

In einem Kurz-Interview mit dem Spiegel im Sommer 2018 akzentuierte Freeland ihr gutes Verhältnis mit einem deutschen Außenminister:

„Der Minister ist eine der führenden Stimmen weltweit, wenn er die Rückkehr zur regelbasierten Ordnung (sc. in der Weltpolitik) einfordert. Die Menschen in Deutschland unterschätzen vielleicht den Einfluss der deutschen Außenpolitik. Die Wahrheit ist, dass die Welt Deutschland sehr ernst nimmt. … Wir arbeiten nun enger mit den Europäern zusammen.“

Freeland über Deutschland: [18]

SchriftenBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Chrystia Freeland – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. thestar.com/how-chrystia-freeland-became-justin-trudeaus-first-star
  2. Archivlink (Memento vom 23. Januar 2013)
  3. http://www.ukrweekly.com/old/archive/2000/170011.shtml
  4. Rebecca Wetherbee: Chrystia Freeland – U.S. Managing Editor, Financial Times, Little Pink Book. 20. Mai 2013. 
  5. "Kravivski Visti" and the Jews, 1943: A contribution of Ukrainian Jewish Relations during the Second World War. Journal of Ukrainian Studies, 1996
  6. Quelle, The Globe and Mail, 7. März 2017
  7. Chrystia Freeland. Foreign Affairs, International Trade and Development Canada (DFAIT). 25. April 2013. Abgerufen am 29. Juli 2013.
  8. lt. Klappentext in: Chrystia Freeland: Die Superreichen. Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite. Frankfurt/Main 2013.
  9. Mok, Tanya: Liberals choose Chrystia Freeland to face NDP candidate Linda McQuaig in upcoming byelection in Toronto Centre. National Post. 15. September 2013. Abgerufen am 15. September 2013.
  10. Live Results from Toronto Centre and trhee other federal Byelections The Globa and Mail, online, (englisch)
  11. CBC-News: Russian sanctions against Canadians a 'badge of honour'
  12. Hendrik Kafsack: Handelsabkommen mit Kanada: Das Ceta-Drama. In: FAZ. 24. Oktober 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 24. Oktober 2016]).
  13. CBC-News: Chrystia Freeland takes over Foreign Affairs as Trudeau shuffles cabinet
  14. Quelle, Der Spiegel, 6. August 2018
  15. Der Spiegel, 7. August 2018
  16. Statement des kanadischen Außenministeriums zum Landesverweis des Konsuls Dennis Horak, 6. August 2018 (engl., wahlweise auch in franz.)
  17. Berliner Morgenpost, 27. August 2018, nach dpa
  18. Der Spiegel, 1. September 2018, S. 73
  19. Chrystia Freeland." The Financial Times biography. 3 Feb 2004; 26 May 2007.
  20. ‘Romney is Wall Street’s worst bet since the bet on subprime’ Ezra Klein, Washington Post, November 28, 2012. Interview with Chrystia Freeland.
  21. Lionel Gelber Prize 2013. Abgerufen am 15. März 2019 (englisch).
  22. Kanadische Außenministerin mit Warburg-Preis der Atlantik-Brücke geehrt. Abgerufen am 9. Dezember 2018.