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Christian Worch (2003)

Christian Worch (* 14. März 1956) gilt als einer der führenden Kader der deutschen Neonazi-Szene.[1] Der mehrmals einschlägig verurteilte Aktivist war Funktionär verschiedener rechtsextremer Gruppierungen sowie Organisator und Redner bei einer Vielzahl von Neonazi-Demonstrationen. Von 2012 bis 2017 war er Vorsitzender der rechtsextremen Splitterpartei Die Rechte.[2][3]

Inhaltsverzeichnis

Rechtsextremistische AktivitätenBearbeiten

Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale AktivistenBearbeiten

Seit seinem 21. Lebensjahr ist Worch politisch im rechtsextremen Spektrum aktiv. 1977 wurde er insbesondere mit einer provokanten Aktion der in Hamburg von Michael Kühnen geführten „Hansabande“ unter dem Motto „Ich Esel glaube, dass in Deutschland Juden vergast worden sind“ als Holocaustleugner bekannt.[4] Aus der Organisation ging im selben Jahr die Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS) hervor. Zu dieser Zeit pflegten sie auch Kontakte zur später verbotenen Wiking-Jugend.

Nachdem Kühnen 1979 verhaftet worden war, übernahm Worch die Leitung der ANS und wurde kurz darauf nach einer Propagandaaktion und einem Überfall ebenfalls vor Gericht gestellt.[5]

Freiheitliche Deutsche ArbeiterparteiBearbeiten

Nachdem die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten ANS/NA 1983 verboten worden war, trat Worch der (später ebenfalls verbotenen) Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) bei und wurde deren stellvertretender Vorsitzender. Seit 1984 engagierte er sich außerdem in der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e. V.“, die 2011 verboten wurde, und nahm an Führungstreffen der NSDAP-Aufbauorganisation teil.

Nationale ListeBearbeiten

1989 gründete Worch dann zusammen mit Thomas Wulff die Partei Nationale Liste (NL)[5] und war ab 1993 auch in deren Vorstand aktiv.

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In der Nacht vom 19. auf den 20. Mai 1989 haben, laut Spiegel Version mit Berufung auf den Hamburger Verfassungsschutz, vier als Polizei-Sondereinheit getarnte Antifaschisten „eines speziellen ‚Ermittlungskommandos‘ der Hamburger ‚Antifaschistischen Aktion‘, zu der Verfassungsschützer etwa 50 Entschlossene rechnen,“ das Ehepaar Worch überwältigt, gefesselt und 50 Aktenordner, Mitgliederlisten und Adresskarteien der Nationalen Liste und Neonaziszene mitgenommen. Die Selbstbezeichnung – in Anlehnung an das MEK-Mobiles Einsatzkommando – war „MAK – Mobiles Antifa Kommando“.[6][7][8][9][10][11]

Innerhalb der Nationalen Liste gab er bis September 1991 die Zeitschrift Index heraus,[12] mit der er sich insbesondere im Bereich der sogenannten Anti-Antifa-Arbeit betätigte. Nach dem Tod Kühnens 1991 übernahm er zusammen mit Arnulf Priem und Gottfried Küssel die Leitung der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front (GdNF). Bekannt wurde Worch als maßgeblicher Organisator von GdNF-Aufmärschen sowie der Rudolf-Heß-Gedenkmärsche.

Im Umfeld von NPD und Freien KameradschaftenBearbeiten

Nach dem Verbot der NL im Februar 1995 stand Worch in den 1990er Jahren zeitweise der NPD nahe und war einer der entscheidenden Verbindungsmänner der Freien Kameradschaften, einer neonazistischen Organisationsform, die Thorsten Heise, Thomas Wulff und er zuvor maßgeblich entwickelt hatten,[13] zu Aktionen der NPD.

Seit die NPD-Spitze im August 2000 verkündet hatte, vorerst den „Kampf auf der Straße“ auszusetzen, um mit Blick auf den Verbotsantrag dem Staat weniger Angriffsflächen zu liefern, distanzierte sich Worch zunehmend von der Partei. Auch der NPD-seitig propagierten sogenannten Volksfront von rechts stand er kritisch gegenüber, was u. a. zu Auseinandersetzungen mit seinem langjährigen Weggefährten Wulff führte und für Worch, dem zuvor schon angeboten worden war, den Landesvorsitz der Hamburger NPD zu übernehmen, auch ein zeitweiliges „Auftritts- und Redeverbot“ auf Veranstaltungen der Partei zur Folge hatte.[14] Worch betätigte sich bis zuletzt als Gegner der 2011 letztlich vollzogenen Fusion von NPD und DVU.[5]

Die RechteBearbeiten

Aus seinem früheren Hamburger Umfeld[15] zog Worch nach Parchim in Mecklenburg-Vorpommern[16] und gründete im Mai 2012[17][18][19] unter seinem Vorsitz die Partei „Die Rechte“. Er übernahm dafür die Programmatik der DVU, um in Konkurrenz zur NPD rechtsextremes Wählerpotential zu mobilisieren.[20] Am 28. Oktober 2017 wurde Worch auf dem Bundesparteitag der Kleinpartei mit 78,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt. Anschließend gab es jedoch einen Antrag des Thüringer Landesverbandes, in dem gefordert wurde, dass der Bundesparteitag beschließen solle, „daß die Partei Die Rechte sich voll und ganz zur deutschen Volksgemeinschaft bekennt.“ Worch hielt „eine Gegenrede und erklärte, daß er den Antrag vor allem aus juristischen, aber auch aus politischen Gründen ablehne“. Es kam zum Eklat, da die Mehrheit der Mitglieder nicht Worch, sondern dem Thüringer Landesverband folgte. Worch legte daraufhin das Tagungspräsidium nieder und verließ den Parteitag. Anschließend erklärte er, „daß er zum 31. Oktober sein Amt als Bundesvorsitzender niederlegen und dies in einem internen Rundschreiben begründen würde“.[21][22][23][24][25] Im Kontext dieses Bruchs wurde auch der Web-Auftritt von "die-rechte.com" zu "die-rechte.net" geändert.[26]

StrafverfahrenBearbeiten

In zahlreichen Strafverfahren wurde Worch in der Regel von seinem Gesinnungsgenossen Jürgen Rieger anwaltlich vertreten. 1977 wurde er zusammen mit Kühnen für die Ehrung der in den Nürnberger Prozesse zum Tode verurteilten Kriegsverbrecher zu einer Arbeitsauflage verurteilt. 1980 wurde er der Volksverhetzung und Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda für schuldig befunden und zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Haft verurteilt.[5] Ende 1994 wurde Worch zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er die ANS/NA nach dem Verbot dieser Organisation illegal weitergeführt hatte.[15] Ende Februar 1996 trat Worch diese Strafe an, wurde jedoch 1997 vorzeitig aus der Haft entlassen.

 
Otto Riehs und Axel Reitz mit Christian Worch als Spitze einer Kundgebung im Oktober 2004 in Köln

Privates und BerufBearbeiten

Worch wuchs in Hamburg-Hamm auf und absolvierte eine Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Er ist geschieden und lebt seit Jahren mit seiner Partnerin Lorena Riewa zusammen[27][28][29][30]

In jungen Jahren wurde Worch durch Erbschaft von Immobilien und Kapital Millionär,[31][15] heute arbeitet er als Taxifahrer in Parchim.[32]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Patrick Gensing: NPD verliert wichtigsten Finanzier. tagesschau.de, 29. Oktober 2009, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  2. „Die Rechte“ verliert Vorsitzenden, Störungsmelder 2. November 2017
  3. Worch: Seit Jahrzehnten in der Szene aktiv. ndr.de, 5. Oktober 2012, archiviert vom Original am 12. April 2013; abgerufen am 30. Oktober 2016.
  4. Felix M. Steiner: Kaum Erfolgschancen für neue Neonazi-Partei. Zeit Online, 14. August 2012
  5. a b c d Andreas Speit: Auf den Trümmern der DVU. In: taz.de. 17. Juni 2012, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  6. Karl Hoffmann: Skadi über K2 an Ohmanwasfüreinname. Jungle world, 12. Oktober 2005
  7. Oliver Tolmein: Radikale Antifa, militanter Staat. In: Konkret, 3/90
  8. Gespräch mit Hamburger Antifas
  9. Extremisten: Humanes Geschwätz. In: Der Spiegel. Nr. 23, 1989 (online).
  10. Zeitleiste: Militante Aktionen gegen Neonazis: Ergänzung zum Buch „Antifa heißt Angriff: Militanter Antifaschismus in den 80er Jahren“ von Horst Schöppner (2015). (PDF) S. 9
  11. Bernd Langer: Kunst als Widerstand: Plakate, Ölbilder, Aktionen, Texte der Initiative Kunst und Kampf. Pahl-Rugenstein, 1997, S. 109, google.de
  12. Die Geschichte der "Anti-Antifa" Belltower.News 24. April 2008
  13. Michael Klarmann: Kameradschaften als Strategieelement. bpb.de, 23. April 2007, abgerufen am 31. Oktober 2016.
  14. Andreas Speit: Brauner Block leidet. taz.de, 8. Januar 2005, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  15. a b c Wolf Annaun: Die Braune-Armee-Fraktion. In: Die Zeit, Nr. 3/1995
  16. Florian Diekmann, Christina Hebel: „Die Rechte“-Gründer Christian Worch: Streithansel der Neonazi-Szene. spiegel.de, 27. Juli 2012, abgerufen am 30. Oktober 2016.
    Thilo Schmidt: Ein Mäntelchen auf Zeit. deutschlandradiokultur.de, 24. April 2013, abgerufen am 31. Oktober 2016.
  17. Patrick Gensing: Ein guter Tag für Christian Worch. publikative.org, 27. Juli 2012
  18. Friederike Hunke: Neonazi Worch gründet „Die Rechte“ Braune Kopie. Süddeutsche Zeitung, 31. Juli 2012
  19. Felix M. Steiner: Die Rechte: Kaum Erfolgschancen für neue Neonazi-Partei. Zeit Online, 14. August 2012
  20. Philipp Wittrock, Florian Diekmann, Christina Hebel: Neue Rechtspartei will NPD ersetzen. In: Spiegel Online. 27. Juli 2012, abgerufen am 30. Oktober 2016.
    Marc Brandstetter: Ein Jahr Die Rechte: Der private Feldzug des Christian W. endstation-rechts.de, 27. Mai 2013, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  21. „Die Rechte“ verliert Vorsitzenden, von Sebastian Weiermann, Störungsmelder, 2. November 2017
  22. Abtrünnige Parteichefs, von Theo Schneider, Blick nach Rechts, 3. November 2017
  23. Die Rechte: Bundeschef Christian Worch tritt zurück 2. November 2017
  24. Die Rechte: Christian Worch hat hingeworfen -Der kleine, braune Minion vom Schwulenparkplatz ist sein Nachfolger, von Stefan Laurin, Ruhrbarone, 2. November 2017
  25. Erklärung des Bundesvorstandes von DIE RECHTE zum Rücktritt des Parteivorsitzenden Christian Worch (Memento des Originals vom 13. November 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/die-rechte.com, Die Rechte 2. November 2017
  26. web-Auftritt Die Rechte
  27. Foto Peter Jülich Dortmund 4. September 2010 versammelten sich etwa 400 Neonazis zum sog. "6. Nationalen Antikriegstag".
  28. Lorena Riewa Artikel beim Blick nach Rechts
  29. Andreas Speit: DER RECHTE RAND Wahlkampf modern. taz Nord, 10. Januar 2008
  30. TV-News, B.Z., 18. Juli 2013
  31. Patricia Schlesinger: Gewalt, Chaos, Umsturz – Die Strategie der Hintermänner des Nazi-Terrors. daserste.ndr.de, 24. August 2000, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  32. Die Rechte: Bundeschef Christian Worch tritt zurück 2. November 2017