Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Breiapfelbaum (Manilkara zapota)
Rinde eines Breiapfelbaums mit teils vernarbten Schnitten zur Gewinnung des Milchsaftes

Der Chicle oder Chiclegummi ist ein gummiartiger Stoff aus dem weißen Milchsaft von verschiedenen Manilkara-Arten, eine Pflanzengattung in der Familie der Sapotengewächse(Sapotaceae).[1]

Der Name Chicle leitet sich vom Nahuatl-Wort tzictli oder tzicte auch chictli für klebrigen Stoff ab.[2][3]

Er wird aufgrund der Qualität hauptsächlich vom Breiapfelbaum (Manilkara zapote) gewonnen, aber auch vom Balatabaum (Manilkara bidentata) und von Manilkara chicle und Manilkara stamonidella.[4] Es werden aber auch noch andere Arten genutzt; Pouteria reticulata und der Panamakautschukbaum Castilla elastica, allerdings ist auch hier die Qualität schlechter.[5] Oft wird der qualitativ hochwertigere „Echte Chicle“ des Breiapfelbaums mit dem von anderen Arten gestreckt um die Menge zu erhöhen.

Der Milchsaft enthält zu etwa 20–40 % den gummiartigen Chicle.[6][7] Der dunkelbraune Chicle besteht aus etwa 60 % Harz (Lupeol, Amyrine), 15–20 % gummiger Anteil und Zuckern.[8]

Der gummige Anteil des Chicles ist ein Gemisch von etwa 1:1 bis 1:4[9] der cis- und trans-Polyisoprene (Polyterpene) mit niedrigem Polymerisationsgrad. Er wird zusammen mit anderen Stoffen zur Kaugummiherstellung verwendet.[10] Bei gewöhnlicher Temperatur ist er fest, brüchig und geruchlos; in heißem Wasser von 50 °C wird er plastisch wie die Guttapercha.

Ähnliche Produkte sind die/das Guttapercha und die Balata die vom Milchsaft anderer Pflanzenarten stammen, bei diesen sind die Polyisoprene des gummigen Anteils trans-konfiguriert. Auch die Guayule (Parthenium argentatum) wird noch in größerem Umfang genutzt, hier sind die Polyisoprene wie beim Naturkautschuk cis-konfiguriert.

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Der Stoff wurde schon 2000 Jahre v. Chr. von den Maya genutzt. Man wusste von der beruhigenden Wirkung des stetigen Kauens und kaute auf Stücken aus verfestigtem Chicle.

Der US-Amerikaner Thomas Adams entdeckte im Jahr 1857 den Chicle zuerst durch den Sekretär des im Exil weilenden mexikanischen Politikers und Generals Antonio López de Santa Anna. Er versuchte ihn zuerst als Substitut für Naturkautschuk zu verwenden. Nachdem diese Versuche erfolglos blieben, kam er mit seinen Söhnen 1859, nachdem er gehört hatte, dass der Chicle auch gekaut wurde, auf die Idee die Masse in Form von kleinen Kugeln als „Kaugummi“ zu verkaufen. Später erst wurden dann Zucker und andere Stoffe beigemischt.[4][11]

Gewinnung und VerarbeitungBearbeiten

Zur Gewinnung von Chiclesaft wird der Baum angezapft, indem in die Rinde ein zickzackförmiger Kanal eingeschnitten und der herauslaufende Milchsaft aufgefangen wird. Traditionell nannte man die damit befassten Arbeiter „Chicleros“. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Pflanze sind die Regionen Yucatán, Veracruz und Campeche. Als mexikanischer Hauptumschlagplatz gilt die Hafenstadt Ciudad del Carmen. Früher ging die Hauptausfuhr des in Blöcken zusammengeführten Chicles vorrangig in die Vereinigten Staaten. Neben Mexiko gab es weitere Gewinnungsregionen in Guatemala, Kolumbien, Belize und Venezuela.[12][13]

BegrifflichkeitBearbeiten

Im Spanischen wird Kaugummi auch heute noch als chicle[1], im Griechischen als τσίκλα (tsíkla) und im Portugiesischen als chiclete bezeichnet. Auf türkisch heißt Kaugummi eigentlich sakız, wird aber umgangssprachlich ciklet genannt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Eintrag zu „Chicle“ im Lexikon der Biologie abgerufen am 6. Februar 2012.
  2. Umberto Quattrocchi: CRC World Dictionary of Plant Names. Vol. III: M–Q, CRC Press, 2000, ISBN 0-8493-2677-X, S. 1610.
  3. Daniel F. Austin: Florida Ethnobotany. CRC Press, 2004, ISBN 978-0-203-49188-1, S. 432.
  4. a b Jennifer P. Mathews, Gillia P. Schultz: Chicle: The Chewing Gum of the Americas... Univ. of Arizona Press, 2009, ISBN 978-0-8165-2624-6, S. 21 f, 40–43.
  5. Samuel Bridgewater: A Natural History of Belize. Univ. of Texas Press, 2012, ISBN 978-0-292-72671-0, S. 182.
  6. Eintrag zu Sapodilla. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 25. Mai 2014.
  7. Elsa Franke, Reinhard Lieberei, Christoph Reisdorff: Nutzpflanzen. 8. Auflage, Thieme, 2012, ISBN 978-3-13-530408-3, S. 394.
  8. Ikhlas A. Khan, Ehab A. Abourashed: Leung's Encyclopedia of Common Natural Ingredients. Third Edition, Wiley, 2011, ISBN 978-1-118-21306-3.
  9. A. Steinbüchel, T. Koyama: Biopolymers. Band 2: Polyisoprenoids, Wiley, 2001, ISBN 978-3-527-30221-5, S. 11.
  10. R. Hänsel, O. Sticher, E. Steinegger: Pharmakognosie - Phytopharmazie. Band 1, 6. Auflage, Springer, 1999, ISBN 978-3-662-09270-5, S. 49.
  11. Eintrag zu Kaugummi. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 25. Mai 2014.
  12. Victor Grafe (Hrsg.) et al.: Grafes Handbuch der organischen Warenkunde. Band I, 1. Halbband Kaufmännische Grundlagen der Warenkunde und Warenkenntnis. Stuttgart 1930, S. 316.
  13. Alexander Tschirch: Die Harze und die Harzbehälter mit Einschluss der Milchsäfte. 1. Band, Leipzig 1906, S. 975.