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Lage der Chakren im Körper nach John Woodroffe (Pseudonym Arthur Avalon)
Darstellung mit sieben Hauptchakren aus einem Yogamanuskript von 1899. Im unteren, dem vierblättrigen Muladharachakra ist Ganesha als Gottheit angegeben, im Svadhisthana Brahma, im Manipura Vishnu und im Herzchakra Shiva mit seiner Gattin Parvati
Chakrensystem mit Energiekanälen (Nadis) und Farbzuordnungen nach Sahaja Yoga[1]

Mit Chakra (Sanskrit, m., चक्र, cakra, [ʧʌkɽʌ], wörtlich: ‚Rad‘, ‚Diskus‘, ‚Kreis‘), Plural Chakren, werden im tantrischen Hinduismus, im tantrisch-buddhistischen Vajrayana, im Yoga sowie in einigen esoterischen Lehren die angenommenen subtilen Energiezentren zwischen dem physischen Körper und dem feinstofflichen Körper (vgl. Astralleib) des Menschen bezeichnet. Diese seien durch Energiekanäle verbunden.

Sieben der Chakren, die angenommenen Hauptenergiezentren des Menschen, werden entlang der Wirbelsäule bzw. in der senkrechten Mittelachse des Körpers lokalisiert. Sie seien durch den angenommenen mittleren Energiekanal verbunden, den Sushumna-Nadi, durch den auch die Kundalini-Kraft aufsteige. Diese Kundalini, die zugrunde gelegte potentielle Kraft jedes Menschen, ruhe vor diesem Prozess „wie eine Schlange zusammengerollt“ im untersten Zentrum, dem Muladhara-Chakra. Verschiedene Lehren und Schulen variieren in ihren Auffassungen bezüglich Details wie Anzahl und genauer Lokalisation der Chakren, meist geht man heute, besonders im Yoga, von einem System mit sieben Hauptchakren aus. Auch die Aussagen über die vielen Nebenchakren sind widersprüchlich.

Inhaltsverzeichnis

Die HauptchakrenBearbeiten

Den sieben Hauptchakren ordnet man eine Anzahl von Blütenblättern einer „Lotusblume“ zu sowie, in modernen Schulen, bestimmte Farben, die aber in den Lehren variieren. Mit jedem Zentrum ist eine Gottheit verbunden, auch diese sind unterschiedlich angegeben. Die Lotusblume wird in Indien als Symbol für Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung verwendet; sie steht auch dafür, dass sie ähnlich dem Chakra sich öffnet und wunderschön wird.

Als Hauptchakren gelten (in Entsprechung zur anatomischen Lage von oben nach unten):

  • Sahasrara, das Kronen- oder Scheitelchakra, als tausendblättriger Lotos symbolisiert.
  • Ajna, Stirnchakra (zwei Blätter) und schließlich auf dem Kopf das
  • Vishuddha, Hals- oder Kehlchakra (sechzehn Blätter),
  • Anahata, Herzchakra (zwölf Blätter),
  • Manipura, Nabel- oder Solarplexuschakra (zehn Blätter),
  • Svadhisthana, das Sakral- oder Sexualchakra (sechs Blätter),
  • Muladhara, als Wurzelchakra bezeichnet (vier Blätter),

Die Nennung erfolgt im Hinblick auf die in der Chakralehre angenommenen Funktionen meist von unten nach oben.

Zu jedem der unteren fünf Zentren gehört ein unterstützendes Element wie Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther.

Physischer und psychischer EinflussBearbeiten

Der Zustand der Chakren soll auf die zugehörigen Organe ebenso wie auf Emotionen, Psyche und Charakter wirken. Störungen und Blockaden können sich daher sowohl auf der physischen als auch auf psychischer Ebene zeigen. Verschiedene Yogasysteme bieten Möglichkeiten, Chakren zu harmonisieren und Blockaden aufzulösen. Das postulierte Ziel des Yoga ist die Heilung von Körper, Seele und Geist, um so zu einer Ganzheit zurückzufinden und in der spirituellen Entwicklung voranzuschreiten. Sind alle sieben Hauptchakren einschließlich des Kronenchakras vollständig geöffnet und kann die Lebensenergie (Prana) ohne Blockaden und Störungen fließen, dann hat das Individuum nach hinduistischer sowie nach buddhistischer Lehre Erleuchtung erlangt.

Chakren in den SchriftenBearbeiten

Das hinduistische Chakrensystem kommt in verschiedenen Schriften vor, besonders in einigen Upanishaden und anderen Schriften des Veda. Weitere wichtige Erwähnungen finden sich auch in den Schriften des Tantrismus – so dem Sat-Chakra-Nirupana, Padaka-Pancaka und Gorakshashatakam.[2]

Der Hinduphilosoph Shankara (8. Jh.) geht in seiner populären Hymne 'Sundarya Lahiri' mehrmals auf die Chakren ein.

O meine Göttin, du lebst verborgen mit deinem Gemahl im tausendblättrigen Lotus,
der durch die feinen Bahnen brechend erreicht wird,
durch die Kraft der Erde im Muladhara,
durch die Kraft des Wassers im Manipura, durch die Kraft des Feuers im Svadhisthana,
durch das Feuer der Luft im Herzen und durch die Kraft des Äthers zwischen den Augenlidern.

Chakren in der NeuzeitBearbeiten

Die Chakrenlehre wurde durch die Veröffentlichungen des Briten Sir John Woodroffe (alias Arthur Avalon) dem Westen zugänglich gemacht und fand Eingang in die Theosophie und andere esoterisch-spirituelle Richtungen. Heute nimmt die Chakrenlehre eine nicht unwichtige Stelle in bestimmten Yogarichtungen zur Erweckung der Kundalini-Energie ein, im Neotantra und auch in alternativen Heilmethoden wie Reiki.

Von der Forschung wurde diese Lehre nur am Rande behandelt, zum Beispiel vom Psychologen Carl Gustav Jung.[3] Wissenschaftlich nicht anerkannt sind Versuche von esoterisch-spirituellen Kreisen, die Chakren mit dem Nervensystem gleichzusetzen, wie sie unter anderem von Charles Webster Leadbeater vorgeschlagen wurden.[4]

Margo Naslednikov ordnet sechs der sieben Chakren funktionell bestimmten Plexi zu und teilweise davon ausgehend innervierten endokrinen Drüsen.[5]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Arthur Avalon (alias Sir John Woodroffe): Die Schlangenkraft. Die Entfaltung schöpferischer Kräfte im Menschen. Verlag Barth, Weilheim 1961. Dritte Auflage: O. W. Barth bei Scherz, München 2003, ISBN 978-3-502-61044-1.
  • Kurt Leland: Das Chakra System. Aquamarin Verlag, Grafing 2016. ISBN 978-3-89427-770-3.
  • Alberto Villoldo: Das geheime Wissen der Schamanen. Wie wir uns selbst und andere mit Energiemedizin heilen können. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2001, ISBN 978-3-442-14216-3. (Kapitel 4)
  • Roswitha Wiwi Raupach: Das Chakra Aura System Praxisbuch Chakra-Diagnostik Color Tuning. 3. Aufl., ML Verlag, Kulmbach 2016, ISBN 978-3-946321-98-9; Textauszug [1]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Chakras – Sammlung von Bildern
  Wiktionary: Chakra – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Chakrensystem in Sahaja Yoga
  2. Chakren-Systeme auf Chakren.net
  3. Carl Gustav Jung: Die Psychologie des Kundalini-Yoga. Walter Verlag, 1998, ISBN 3-530-40684-8
  4. Charles Webster Leadbeater: The Chakras. Theosophical Publishing House, 1927
  5. Margo Nasledinkov: Tantra Weg der Extase. Herzschlag im Verlag Simon und Leutner, 3. Auflage 1988, Seite 90–93, ISBN 3-922-389-18-X
  6. The Free Dictionary: cavernosus sinus
  7. DocCheck Flexikon: Plexus pharyngeus
  8. O. Renner: Die Innervation der Schilddrüse