Carl Schmutz

österreichischer Regimentskommandeur, Landwirt und Autor des Historischen Lexikons der Steiermark

Carl (Karl) Schmutz (* 1. Januar 1787 auf Schloss Frondsberg an der Feistritz bei Graz; † 20. April 1873 in Linz) war ein österreichischer Regimentskommandeur, Landwirt und Heimatkundler.

LebenBearbeiten

Als Sohn des Herrschaftsverwalters Schmutz besuchte er das Gymnasium und die Universität in Graz. Seine Interessengebiete Jurisprudenz, Mineralogie und Botanik.

Als Österreich 1808 die Landwehr errichtete um Napoleon entgegenzutreten, trat Schmutz ein und avancierte bald zum Oberleutnant im 3. Grazer Landwehrbataillon und zum Kompaniekommandanten. Erzherzog Johann ernannte ihn „wegen der trefflichen Abrichtung seiner Leute“ zum Hauptmann.

Im April 1809 stand die steirische Landwehr in Oberitalien unter dem Befehl des Erzherzogs Johann. Hauptmann Schmutz wurde verwundet und geriet in Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung setzte er seine Studien in den Naturwissenschaften fort. Im Kriegsjahr 1813 wurde sein Regiment der Böhmischen Armee zugeteilt und nahm an den Schlachten von Dresden und Leipzig sowie am Gefecht bei Hochheim am Rhein teil. 1814 marschierte er mit seiner Armee aus der Schweiz kommend in Frankreich ein.

Nach Beendigung des Krieges quittierte er den Militärdienst, kaufte den Steyrerhof bei Graz, vermählte sich 1815 mit Marie Morassi. Er betrieb praktische Landwirtschaft und bildete sich weiter in Ackerbau, Viehzucht, Geographie, Statistik, Terrainlehre, Kartographie und Geschichte. Die Ergebnisse seiner Studien liegen in einer Anzahl von Aufsätzen vor.

Sein Hauptwerk ist das Historisch-topographische Lexikon von Steiermark, auf Kosten des Verfassers in Graz gedruckt bei Johann Andreas Kienreich 1822—23. Sieben Jahre beschäftigte er sich mit dem Sammeln der meist aus handschriftlichen Quellen stammenden Materialien für die 10.000 Artikel des Lexikons. Zu der Zeit entstand auch die Orographische Karte des Herzogtums Steiermark, von der er später weitere Ausgaben erarbeitete.

Schmutz stand auch in Kontakt mit Erzherzog Johann, und half ihm und Josef Wartinger beim Aufbau des Archivs des Landesmuseum Joanneum (heute Steiermärkisches Landesarchiv).[1]

Das Sammeln des Materials für die umfangreiche Arbeit, die Reisekosten sowie die Druckkosten des Lexikons konnte mit den Erträgen seiner Landwirtschaft nicht finanziert werden. Er bewarb sich deshalb um eine staatliche Anstellung und wurde 1827 zum Schätzungscommissär bei der Katastralschätzung in Steiermark ernannt. Als die k. & k. Landwirtschafts-Gesellschaft für das Land ob der Enns gegründet wurde, übernahm er deren Leitung sowie die Dienste eines Sekretärs des Industrie- und Gewerbevereins in Linz.

Er schrieb 1851 und 1852 Broschüren über den Flachsbau, um die armen Bewohner des oberösterreichischen Mühlviertels dieser Kulturpflanze zuzuführen und ihnen eine bessere Existenz zu verschaffen. 1850 wurde er vom Ministerium zu dem landwirtschaftlichen Kongress und 1851 zum Zoll-Kongress nach Wien einberufen und vom Handelsminister als Berichterstatter für Landwirtschaft zur Weltausstellung nach London entsandt. 1855 legte Schmutz die Stelle als Sekretär des oberösterreichischen Gewerbe- und Industrievereins und 1861 die des Sekretärs der k. k. Landwirthschaftsgesellschaft in Linz nieder.

Von 1845 bis 1861 redigierte er die Landwirthschaftliche Zeitung für Oberösterreich und war Mitarbeiter des in Wien erscheinenden staats- und volkswirtschaftlichen Tageblattes Austria. 1857 nahm er als Delegierter der Linzer Landwirtschaftlichen Gesellschaft am internationalen statistischen Kongress in Wien teil.

Schmutz starb im Alter von 87 Jahren in Linz am 20. April 1873.

EhrungenBearbeiten

PublikationenBearbeiten

  • Freiherr von Moscon zu Graz. Cultur und Beförderung der Botanik in Steiermark. In: Zeitschrift Hesperus, April 1814.
  • Steyermärkische Mineralquellen und Gesundbrunnen. In: Zeitschrift Der Aufmerksame, Beilage der Grazer Zeitung, 1815, Nr. 144, 147.
  • Die Gebirge der Steyermark. In: Der Aufmerksame, Grazer Zeitung, 1816, Nr. 48.
  • Die Graselhöhle bei Weiz. In: Der Aufmerksame, Grazer Zeitung, 1816, Nr. 114 – über die Grasslhöhle.
  • Die Koruzen wüthen in den Umgebungen von Straden 1706. In: Der Aufmerksame, Grazer Zeitung, 1816, Nr. 115 – zum Kuruzzensturm.
  • Römische Alterthümer in Steiermark. In: Der Aufmerksame, Grazer Zeitung, 1816, Nr. 119.
  • Die Land-, Stadt-, Sonntags- und Industrieschulen im Grazer Kreise und die Bürgerbildungsanstalt in Graz. In: Der Aufmerksame, Grazer Zeitung, 1816, Nr. 143.
  • Die Mur als Hauptfluß der Steyermark. In: Steiermärkische Zeitschrift 1821, 1. Heft. S. 96–105, 2. Heft, S. 155–156 – Monographie der Mur.
  • Historisch-topographisches Lexikon von Steiermark. (Nebentitel: Steiermärkisches Lexikon). 4 Teile. Eigenverlag (Druck Andr. Kienreich), Graz 1822—23:
  • mit Mikitsch: Die erste Besteigung des Dachsteins oder Thorsteins am 5. August 1823. In: Der Aufmerksame, Grazer Zeitung, 1825, Nr. 21, 22 – zur zeitgenössischen Diskussion um die besteigung des Hohen Dachsteins.
  • Die Graselhöhle in den Gößer Wänden. In: Der Aufmerksame, Grazer Zeitung, 1840, Nr. 14.

Kartenwerk:

  • Orographische Karte des Herzogtums Steiermark (1823)
  • Neueste Specialkarten des Cillier, des Grazer, des Brucker, des Marburger und des Judenburger Kreises (1831)
  • Neueste Specialkarte des Herzogthums Steiermark. Von Josef Freiherrn Gall von Gallenstein und Karl Schmutz (5 Bl., Graz 1832).

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fritz Posch: Erzherzog Johann und das steirische Archivwesen. Zum 100. Todestag des Erzherzogs am 11. Mai 1859. IX. Heft (1959), S. 16–28 (pdf, historischerverein-stmk.at).