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Carl-Hans Graf von Hardenberg

deutscher Landwirt und Politiker

Carl-Hans Graf von Hardenberg (* 22. Oktober 1891 in Glogau, Provinz Schlesien; † 24. Oktober 1958 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Offizier, Gutsverwalter und Kommunalpolitiker sowie Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

LebenBearbeiten

Carl-Hans Graf von Hardenberg entstammt dem niedersächsischen Adelsgeschlecht derer von Hardenberg, sein Vater, ein Nachkomme von Karl August von Hardenberg, war Offizier. Er legte 1910 das Abitur in Potsdam ab und trat danach als Fahnenjunker in das 1. Garde-Regiment zu Fuß ein. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, wurde mehrmals verwundet und schied 1919 als Hauptmann aus.

Am 29. Oktober 1914 heiratete er Renate Gräfin von der Schulenburg (1888–1959).[1] Mit ihr übernahm er 1921, nach seiner Zeit als Offizier, die Verwaltung des seiner Familie gehörenden Gutes Neuhardenberg in der Provinz Brandenburg. Neben seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit engagierte er sich als Kommunalpolitiker im Kreis Lebus. 1933 weigerte er sich nach der Machtübernahme des NS-Regimes, der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen beizutreten, und schied aus allen Ämtern aus. Ab 1936 leistete er Wehrübungen beim Infanterie-Regiment 9 in Potsdam. 1939, bereits Major d.R., wurde er Kommandeur des Infanterie-Ersatzbataillons 9. 1940 wurde er Adjutant von Generalfeldmarschall Fedor von Bock bei der Heeresgruppe Mitte und Heeresgruppe Süd.[2] 1941 war er Zeuge einer Massenexekution an Juden durch lettische SS-Einheiten bei Borissow.

Von Hardenberg wurde wegen seiner Beteiligung am Unternehmen Walküre verfolgt, er sollte als Polizeipräsident von Berlin fungieren. Am 20. Juli war er die Kontaktperson zum Generalkommando Wehrkreis III. Seine Tochter Reinhild wurde nach dem 20. Juli ebenfalls verhaftet, da sie als Sekretärin ihres Vaters in die Umsturzpläne eingeweiht war.

Am 21. Juli versucht er sich selbst zu töten, um der Folter und dem möglichen Verrat an Mitverschwörern durch die Gestapo zu entgehen.[3] Nach dem missglückten Suizid wurde er im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Dort wurde er von einem Mitgefangenen operiert und gesund gepflegt. Gegen ihn wurde ein Prozess vorbereitet und die Todesstrafe beantragt. Die Befreiung des KZs durch die Rote Armee kam dem zuvor.

Nach Kriegsende ging er noch einmal nach Neuhardenberg; er wurde enteignet. Danach zog die Familie nach Göttingen. 1946 wurde er Vermögensverwalter des Hauses Hohenzollern.

Er war Mitbegründer des Hilfswerks 20. Juli 1944. Bis zu seinem Tod lebte Hardenberg in Kronberg im Taunus. Er war Vater von sechs Kindern und Rechtsritter des Johanniterordens. Nach Carl-Hans Graf von Hardenberg ist eine Stiftung mit Sitz in der Komturei Lietzen benannt.

Am 24. Oktober 1958 starb Carl-Hans Graf von Hardenberg. Eine Urnenbeisetzung in seinem Heimatort wurde von den Verantwortlichen der DDR abgelehnt. Erst nach der Wiedervereinigung durfte seine Asche und die seiner Frau in Neuhardenberg beigesetzt werden.

Ilona Ziok thematisierte in ihrem 2009 erschienenen Film „Der Junker und der Kommunist“ sein Schicksal.[4]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mühleisen: Patrioten im Widerstand. (PDF) S. 421
  2. Fabian von Schlabrendorff: Begegnungen in fünf Jahrzehnten. Wunderlich, Tübingen 1979, ISBN 3-8052-0323-3, S. 239 f.
  3. Mühleisen: Patrioten im Widerstand. (PDF) S. 468 und 470
  4. Der Junker und der Kommunist auf Spielfilm.de; abgerufen am 28. Mai 2010.