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C/1471 Y1[ i ]
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 10. März 1472 (JD 2.258.765,939)
Orbittyp parabolisch
Numerische Exzentrizität 1,0
Perihel 0,486 AE
Neigung der Bahnebene 171°
Periheldurchgang 1. März 1472
Bahngeschwindigkeit im Perihel 60 km/s
Geschichte
Entdecker
Datum der Entdeckung 21. Dezember 1471
Ältere Bezeichnung 1472
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/1471 Y1 war ein Komet, der in den Jahren 1471 und 1472 mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er wird aufgrund seiner außergewöhnlichen Helligkeit zu den „Großen Kometen“ gezählt.

Inhaltsverzeichnis

Entdeckung und SichtbarkeitBearbeiten

Von diesem Komet wird in den Aufzeichnungen vieler Kulturen berichtet, es ist der bestdokumentierte Komet seit C/1337 M1, allein fünf historische Texte aus Asien und über zwei Dutzend europäische und muslimische Texte berichten Details. Die meisten Berichte stimmen darin überein, dass er zuerst in der zweiten Hälfte des Dezember 1471 gesichtet wurde. Die englischen Chronicles of the White Rose of York (1483) berichten, dass er „zwei oder drei Stunden vor Sonnenaufgang… vier Tage vor Weihnachten“ zuerst gesehen wurde. Er muss zur Zeit seiner Entdeckung am südsüdöstlichen Himmel bereits ein beeindruckendes Objekt gewesen sein, wie eine polnische Chronik bestätigt. Auch in Russland wurde ein „großer Stern“ mit einem „sehr langen und breiten Strahl“ beobachtet, der „ausgebreitet wie der Schwanz eines großen Vogels“ war. Dieser wie auch ein ägyptischer Text berichten auch, dass der Komet dann ab Januar sowohl am Abendhimmel im Westen als auch am Morgenhimmel im Osten zu sehen war.

In Japan wurde der Komet zuerst am 2. Januar gesehen mit einem 4–5° langen Schweif. Er wurde dort mindestens bis zum 10. Februar beobachtet. In China und Korea wurde der Komet ebenfalls von Anfang Januar bis zum Februar gesehen. Bis zum 20. Januar soll der Schweif eine Länge von 30° erreicht haben.

In Italien wurde bereits Mitte Januar ein Schweif von 36° Länge und 4° Breite beobachtet, der Kopf des Kometen sei „fast so groß wie der Mond“ gewesen. Zu dieser Zeit wurde der Komet auch vom deutschen Mathematiker Regiomontanus beobachtet, der die Winkelausdehnung von Schweiflänge und Coma schätzte.

Die Chinesen, die die Erscheinung am 15. Januar als Komet erkannten, berichten, dass er sich „über den Himmel erstreckte“ und um den 22. Januar „sogar am Mittag“ erschien. Um diese Zeit muss der Komet sehr nahe an der Erde vorbeigegangen sein und zog sehr rasch nur etwa 15° am Himmelsnordpol vorüber. Mit dieser Helligkeit muss der Komet in der Nacht ein wahrlich grandioses Spektakel gewesen sein.

Nach seinem Vorbeigang an der Erde verblasste der Komet wieder und im Laufe des Februars enden dann die weltweiten Beobachtungen, bevor der Komet durch seinen sonnennächsten Punkt ging. Er entfernte sich danach von der Erde aus gesehen etwa in Richtung zur Sonne und konnte daher nicht wieder beobachtet werden.[1][2]

Der Komet erreichte am 23. Januar eine Helligkeit von −3 mag.[3]

Wissenschaftliche AuswertungBearbeiten

Regiomontanus versuchte, die Distanz und Ausdehnung des Kometen aus seinen geschätzten Parallaxen zu bestimmen. Da er noch der vorherrschenden aristotelischen Meinung anhing, dass Kometen Erscheinungen der Erdatmosphäre seien, waren seine errechneten Werte um Größenordnungen zu klein.[1] Dennoch ist seine Abhandlung De cometae magnitudine, longitudineque, ac de loco eius vero problemata XVI (1531) die erste wissenschaftliche Beschreibung eines Kometen in Europa.

UmlaufbahnBearbeiten

Für den Kometen konnte wegen der wenigen Beobachtungsangaben nur eine eingeschränkt präzise parabolische Umlaufbahn bestimmt werden, die um rund 171° gegen die Ekliptik geneigt ist.[4] Er läuft damit fast in der gleichen Ebene, allerdings im gegenläufigen Sinn (retrograd) wie die Planeten durch seine Bahn. Bei einer solchen Bahn sind mehrere nahe Begegnungen mit den Planeten zu erwarten, die die Bahn des Kometen beeinflussen können.

Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet um den 1. März 1472 durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 73 Mio. km Sonnenabstand zwischen den Umlaufbahnen des Merkur und der Venus. Bereits etwa ein Jahr zuvor hatte er um den 15. März 1471 mit nur 0,87 AE Abstand den Jupiter passiert. Um den 22. Januar 1472 war er der Erde bis auf etwa 0,069 AE/10,3 Mio. km nahegekommen, womit er zu den der Erde am nächsten gekommenen Kometen gehört. Diese große Erdnähe war auch der Grund für seine beobachtete Helligkeit. Um den 24. Januar hatte er sich noch der Venus bis auf etwa 42 Mio. km und um den 25. Februar dem Merkur bis auf 31 Mio. km genähert.

Vor dem Verlassen des inneren Sonnensystems gab es noch weitere relativ nahe Vorbeigänge an Venus (0,57 AE/23. April), Jupiter (1,4 AE/Mitte Juni 1473) und Uranus (2,2 AE/August/September 1478). Die Bahnexzentrizität des Kometen wurde insbesondere durch die Vorbeigänge am Jupiter um etwa 0,001 reduziert, aufgrund der unsicheren Ausgangsdaten kann aber daraus leider keine Aussage getroffen werden, ob die Bahn jetzt definitiv elliptisch ist und wie groß ggf. die Umlaufzeit ist. Der Komet wird wahrscheinlich nicht mehr oder erst nach vielen zehn- oder hunderttausend Jahren in das innere Sonnensystem zurückkehren.[5]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b D. A. J. Seargent: The Greatest Comets in History: Broom Stars and Celestial Scimitars. Springer, New York, 2009, ISBN 978-0-387-09512-7, S. 102–104.
  2. G. W. Kronk: Cometography - A Catalog of Comets, Volume 1. Ancient–1799. Cambridge University Press, 1999, ISBN 978-0-521-58504-0, S. 285–289.
  3. Donald K. Yeomans: NASA JPL Solar System Dynamics: Great Comets in History. Abgerufen am 6. Juni 2014 (englisch).
  4. C/1471 Y1 in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).Vorlage:JPL Small-Body Database Browser/Wartung/Alt
  5. SOLEX 11.0 von A. Vitagliano. Archiviert vom Original am 18. September 2015; abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).