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Frontal exterior de la cámara santa.JPG Cámara Santa, exterior.jpg
Romanische Apostelfiguren Thomas und Bartholomäus in der Michaelskapelle

Die Cámara Santa (Heilige Kammer) ist ein Bauwerk, das heute Bestandteil des Gebäudekomplexes ist, der die Kathedrale von Oviedo umgibt. Sie ist Teil des Weltkulturerbes Monumentos de Oviedo y del Reino de Asturias (Monumente von Oviedo und des Königreiches Asturien).

BegriffBearbeiten

„Cámara Santa“ bezeichnet im weiteren Sinne das gesamte zweigeschossige Gebäude, in dessen oberem Stockwerk sich die Michaelskapelle befindet, die wegen der zahlreichen und im römisch-katholischen Kontext bedeutenden, dort bewahrten Reliquien auch als „Cámara Santa“ im engeren Sinn bezeichnet wird.

Geografische LageBearbeiten

Das Gebäude befindet sich südlich der gotischen Kathedrale von Oviedo, wo es zwischen deren südlichem Seitenschiff und dem Kreuzgang liegt. Das Untergeschoss ist vom Kreuzgang her zugänglich, das Obergeschoss erreichen Besucher durch die Kirche. Die Kapelle befindet sich auf dem Gelände, auf dem ursprünglich der Palast der Könige von Asturien stand.

GeschichteBearbeiten

UrsprungBearbeiten

Die Cámara Santa wurde an den bereits bestehenden, aber nicht viel älteren Michaelsturm des Königspalastes angebaut[1], wann ist allerdings umstritten[2], denn es gibt keine zeitgenössischen Nachrichten darüber. Als ursprüngliche Funktion wird ihr die einer Palastkapelle zugeschrieben.[3]

  • Mehrheitlich wird davon ausgegangen, dass sie während der Regierungszeit von König Alfons II. (783 und 791–842) von Asturien errichtet wurde.[4] Allerdings erwähnt König Alfons II. weder die Cámara Santa noch eine Michaelskapelle in seinem Testament – im Gegensatz zu anderen Kirchen und auch der Kapelle Santa Leocadia. Die Datierung in seine Regierungszeit beruht auf der Angabe aus einer Chronik des 12. Jahrhunderts und der stilistischen Einordnung des Gebäudes.
  • Es wird für möglich gehalten, dass sie sogar älter ist und schon unter König Fruela I. gebaut wurde.[5]
  • Eine andere Theorie besagt, dass das Gebäude jünger sei, aus der Zeit von König Alfons III. stamme[6] und anlässlich der Ankunft der Überreste der Märtyrer Eulogio und Leocricia aus Córdoba gebaut wurde, die 884 Dulcidio, Botschafter des Königs beim Emir von Córdoba, Muhammad I., von dort mitgebracht hat.[7][8]

Beide Gebäude, sowohl die Kapelle als auch der Michaelsturm, sind aber definitiv Architektur der Vorromanik und spätestens im 9. Jahrhundert errichtet. Der Palast des Königs stand neben der 812 geweihten Kirche San Salvador, einem Vorgängerbau der Kathedrale von Oviedo. Das Gebäude könnte die Palastkapelle gewesen sein. Als Steingebäude mit massiver Struktur war sie geeignet, kostbare Gegenstände, auch Reliquien, sicher unterzubringen. Die meisten heute hier aufbewahrten Reliquien gelangten aber erst in späterer Zeit nach Oviedo. Nachdem der Königspalast von den Bischöfen von Oviedo übernommen worden war, diente die Kapelle als Privatkapelle des Bischofs.[9]

VeränderungenBearbeiten

Der Westteil des Obergeschosses wurde im 12. Jahrhundert spätromanisch umgebaut. 1931 wurde die Cámara Santa zum Kulturdenkmal erklärt.[10] Während des asturischen Bergarbeiterstreiks 1934 zündeten Revolutionäre unter der Cámara Santa eine Bombe und beschädigten das Gebäude und die darin aufbewahrten Kunstschätze schwer. 1938 bis 1942 wurde das Bauwerk unter Wiederverwendung des originalen Steinmaterials durch den Architekten Luis Menéndez Pidal restauriert.[11] Anlässlich der Restaurierung fanden hier auch archäologische Grabungen statt, wofür mehrere Gebäude im Umfeld abgebrochen wurden. Auch wurde der Boden um 70 cm abgesenkt, so dass diese Fundamente sichtbar blieben. Die Kapelle wurde am 6. September 1942 neu geweiht. 1977 wurde in die Cámara Santa eingebrochen und mobiles Kunstgut in großem Umfang zerstört. Die wandfeste Einrichtung kam dabei nicht zu Schaden.

Zuletzt wurde das Gebäude 2012 bis 2014 außen und innen restauriert.[12]

BedeutungBearbeiten

Der Reliquienschatz der Cámara Santa war das Ziel eigenständiger Pilgerreisen. Gleichzeitig waren Oviedo und die Cámara Santa Ausgangspunkt des ersten Jakobswegs, des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela, des „Camino Primitivo“.[13]

ArchitekturBearbeiten

Das Gebäude ist aus Hausteinen errichtet, die in regelmäßigen Lagen zusammengefügt sind. Für die Gebäudeecken und Strebepfeiler wurden Quader verwendet. Das Gebäude war ursprünglich verputzt. Der Bau besteht aus zwei übereinanderliegenden, einschiffigen Stockwerken, die nur über getrennte Zugänge zu erreichen sind. Das untere Stockwerk wird heute als „Krypta Santa Leocadia“ bezeichnet, das obere als „Michaelskapelle“ (Capilla de San Miguel) oder Cámara Santa (im engeren Sinn).

Krypta Santa LeocadiaBearbeiten

   
Krypta Santa Leocadia
Grabplatte in der Krypta Santa Leocadia

Die Krypta der heiligen Leocadia ist ein im Grundriss rechteckiger Raum Er besitzt ein sehr tief liegendes, aus Ziegeln errichtetes Tonnengewölbe[14], das auf einem Sockel am Boden aufliegt und eine Scheitelhöhe von nur 2,30 m hat. Er ist in das Schiff und den Altarraum unterteilt. Letzterer hat noch den originalen Fußboden aus opus signinum bewahrt. Vor dem Altarraum liegen drei Grabplatten aus Kalkstein, die aus der Entstehungszeit des Gebäudes stammen und von denen zwei mit einem Relief aus Pflanzenmotiven verziert sind. An der Nord- und an der Südseite gibt es eine Tür. An der Ostwand öffnet sich ein Fenster, in dessen Steingitter ein griechisches Kreuz zu erkennen ist. Es ist eine Replik.[15] Zwei gedrungene Säulen umgeben die Fensteröffnung, unter der sich eine steinerne Ädikula mit einer rechteckigen Nische befindet, ein Ort an dem vielleicht Reliquien aufbewahrt wurden.[16]

Leocadia erlitt im 4. Jahrhundert in Toledo den Märtyrertod. Ob überhaupt und wenn ja, wann ihre sterblichen Überreste nach Oviedo gebracht wurden, ist nicht belegt. Unter dem König Alfons III. (866–910) wurden aber 885 die Gebeine der beiden Märtyrer von Córdoba, Leocritia und Eulogius, die 859 in Córdoba den Märtyrertod erlitten, nach Oviedo überführt und hier bestattet.[17] Die älteste erhaltene Erwähnung der Krypta stammt von 908.[18]

MichaelskapelleBearbeiten

   
Die Apostel Peter und Paul
Kapitell über den Aposteln Thomas und Bartholomäus

Der Raum im Obergeschoss war eine dem Erzengel Michael geweihte Kapelle. Während der Altarraum noch das ursprüngliche Gewölbe aufweist[19], wurde das Schiff unter Bischof Pelayo II. (1101–1129)[20] grundlegend umgebaut, die ursprüngliche Holzdecke durch ein mit Gurtbögen verstärktes Tonnengewölbe ersetzt. Von 1165/1175 stammen die 12 romanischen Apostelskulpturen[21], die paarweise an den Säulen des Tonnengewölbes angeordnet sind und jeweils miteinander zu sprechen scheinen.[22] Der Künstler ist unbekannt und wird mit dem Pseudonym „Meister von Oviedo“ bezeichnet.[23]

Bei der Restaurierung 2013/2014 wurde die originale Farbigkeit festgestellt und die Figuren entsprechend wieder hergestellt. Das creme-farbige Weiß sollte gigantische Elfenbeinarbeiten vortäuschen. Die Iriden und Pupillen der Apostelfiguren waren Einlegearbeiten aus Saphiren. Auch das wurde bei der Restaurierung wieder hergestellt.[24] Die Apostelfiguren werden aufgrund von Körperhaltung und Gewandfalten in der Tradition des Pórtico de la Gloria der Kathedrale von Santiago de Compostela und der Arbeit von Meister Mateo gesehen.[25] Die zeitweise vertretene Theorie, Mateo habe sie selbst geschaffen, wird heute nicht mehr vertreten. Die Apostelfiguren gehören zu den herausragenden Zeugnissen spanischer und westeuropäischer Bauplastik der Romanik.[26] Bei dem Bombenanschlag 1934 wurden sie kaum beschädigt.[27] An der Westwand befinden sich die Reste einer Kreuzigungsgruppe. Die als Skulpturen gefertigten Köpfe der Hauptpersonen sind erhalten. Das übrige Werk war ein Fresko, das den Bombenanschlag von 1934 nicht überstand. So wirken die über die leere Wand verteilten Köpfe heute zusammenhanglos.[28]

Schon zu asturischer Zeit könnte in der Cámara Santa der der Kirchenschatz verwahrt worden sein[29] Sicher ist das aber erst ab dem 13. Jahrhundert. Die Reliquien befinden sich im Chorraum, der vom Schiff, das Besucher betreten können, durch ein Gitter getrennt wird. Zu den dort präsentierten Gegenständen gehören:

Heiliger Schrein (Arca Santa)Bearbeiten

   
Präsentation des Kirchenschatzes in der Cámara Santa hinter einem Gitter
Oben: Kreuz der Engel, unten links: Kreuz des Sieges, unten rechts Achatkasten von Oviedo

Die Arca Santa (Heiliger Schrein) ist ein Reliquienschrein, der nach der Legende aus Jerusalem stammen und über Alexandria nach Toledo und von dort nach Oviedo gelangt sein soll. Er enthält zahlreiche Reliquien wie das Schweißtuch von Oviedo (Santo Sudario de Oviedo), Dornen aus der Dornenkrone Christi und Splitter des Kreuzes. Seit der Neuweihe von 1942 dient die Arca Santa als Altar der Kapelle.

Kreuz der Engel (Cruz de los Ángeles)Bearbeiten

Das Kreuz der Engel ist ein Altarkreuz, dass laut Inschrift 808 von König Alfons II. von Asturien der Kirche in Oviedo geschenkt und in einem Vorgängerbau der heutigen Kathedrale erstmals aufgestellt wurde. Es ist kunsthistorisch ein hoch bedeutendes Zeugnis Vorromanischer Kunst.

Kreuz des Sieges (Cruz de la Victoria)Bearbeiten

Das Kreuz des Sieges (Cruz de la Victoria) ist ein mit der Geschichte Asturiens eng verbundenes Altarkreuz, das von König Alfons III. der Kathedrale von Oviedo 908 geschenkt hat. Es erscheint sowohl auf der asturischen Flagge als auch auf dem asturischen Wappen.

Achatkasten von Oviedo (Caja de la Ágatas)Bearbeiten

Der Achatkasten von Oviedo ist eine Goldschmiedearbeit aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts, die 910 von dem Prinzen Fruela von Asturien, dem späteren König Fruela II., und seiner ersten Frau, Nunilo („Jimena“), der Kathedrale von Oviedo geschenkt wurde.

SchutzstatusBearbeiten

1998 wurde die Cámara Santa zusammen mit der Kirche San Julián de los Prados und dem Brunnenhaus La Foncalada in Oviedo nachträglich von der UNESCO dem bereits 1985 anerkannten Welterbe Monumentos de Oviedo y del Reino de Asturias (Monumente von Oviedo und des Königreiches Asturien) zugefügt, zu dem auch die Kirchen Santa María del Naranco, San Miguel de Lillo und Santa Cristina de Lena gehören.[30]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Achim Arbeiter, Sabine Noack-Haley: Christliche Denkmäler des frühen Mittelalters vom 8. bis ins 11. Jahrhundert. Mainz 1999, ISBN 3-8053-2312-3, S. 110–114, 132–135, 180–183, 185–187.
  • Hevia Blanco: The Apostolate oft he Holy Chamber. Ediciones Trea, o. O. 2017.
  • Dietrich Höllhuber und Werner Schäfke: Der spanische Jakobsweg. Geschichte und Kunst auf dem Weg nach Santiago de Compostela. DuMont, [Köln] 1999. ISBN 3-7701-4862-2
  • Eduardo Carrero Santamaría: El conjunto catedralicio de Oviedo durante la Edad Media. Real Instituto de Estudios Asturianos, 2003. ISBN 84-89645-68-X
  • Javier González Santos: Oviedo Cathedral. Brief Guide. edilesa, León 2005. ISBN 84-8012-509-8
  • Werner Schäfke: Nordwestspanien. Landschaft, Geschichte und Kunst auf dem Weg nach Santiago de Compostela. DuMont, Köln 1987. ISBN 3-7701-1589-9
  • César García de Castro Valdés: Cripta de San Leocadia. Arte Prerrománico de Asturias. Ediciones Nobel, Oviedo 2004. ISBN 84-8459-181-6

WeblinksBearbeiten

  Commons: Cámara Santa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Untermann: Architektur im frühen Mittelalter, S. 124.
  2. Vgl. etwa: Carrero Santamaría: El conjunto catedralicio.
  3. Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 247; Schäfke: Nordwestspanien, S. 200.
  4. Schäfke: Nordwestspanien, S. 199.
  5. Schäfke: Nordwestspanien, S. 199.
  6. Santos: Oviedo Cathedral, S. 43, nennt sogar ganz präzise die Jahre 884/885.
  7. Carrero Santamaría: El conjunto catedralicio.
  8. Santos: Oviedo Cathedral, S. 53.
  9. Santos: Oviedo Cathedral, S. 43.
  10. Eintrag in der Denkmalliste unter Nr. R.I. - 53 - 0000644 - 00000.
  11. Santos: Oviedo Cathedral, S. 43.
  12. Blanco: The Apostolate, S. 7.
  13. Santos: Oviedo Cathedral, S. 46; Blanco: The Apostolate, S. 8.
  14. Schäfke: Nordwestspanien, S. 200.
  15. Santos: Oviedo Cathedral, S. 53.
  16. Untermann: Architektur im frühen Mittelalter, S. 124.
  17. Untermann: Architektur im frühen Mittelalter, S. 124.
  18. Santos: Oviedo Cathedral, S. 53.
  19. Santos: Oviedo Cathedral, S. 46.
  20. Palol: Spanien, S. 119.
  21. Palol: Spanien, S. 119.
  22. Zuletzt grundlegend dazu: Blanco: The Apostolate.
  23. Santos: Oviedo Cathedral, S. 46.
  24. Blanco: The Apostolate, S. 8.
  25. Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 248; Schäfke: Nordwestspanien, S. 200.
  26. Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 248; Schäfke: Nordwestspanien, S. 200.
  27. Blanco: The Apostolate, S. 7.
  28. Schäfke: Nordwestspanien, S. 200.
  29. Untermann: Architektur im frühen Mittelalter, S. 124.
  30. Monuments of Oviedo and the Kingdom of the Asturias Unesco World Heritage

Koordinaten: 43° 21′ 44″ N, 5° 50′ 34,4″ W