Bodo Hechelhammer

deutscher Historiker

Bodo V. Hechelhammer (* 25. Januar 1968 in Darmstadt) ist ein deutscher Historiker mit den Schwerpunkten Kreuzzugsgeschichte und Geschichte der Nachrichtendienste. Er ist langjähriger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), leitete von 2010 bis 2021 als Chefhistoriker das dortige Historische Büro. Als Autor schreibt er vor allem zu verschiedenen Geheimdienstaspekten in der Geschichte, im Film und in der Literatur.

LebenBearbeiten

Hechelhammer besuchte das Gymnasium Georg-Büchner-Schule in Darmstadt und machte 1987 sein Abitur. Er studierte zunächst Bauingenieurwesen und danach Geographie, Mittelalterliche und Neue Geschichte sowie Kunstgeschichte an der TU Darmstadt, wo er 1997 seinen Magisterabschluss machte. Im Anschluss daran war er Stipendiat des DFG-Graduiertenkollegs "Mittelalterliche und neuzeitliche Staatlichkeit" an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Zwischenzeitlich war er ebenso Stipendiat des Italienisch-deutschen historischen Instituts in Trient. 2000 promovierte er über den Kreuzzug Friedrichs II. an der Justus-Liebig-Universität Gießen bzw. Darmstadt und war dort bis 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte über das Königtum Adolfs von Nassau. Er nahm verschiedene Lehraufträge in Darmstadt wahr ebenso wie an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck.

Seit 2002 ist Hechelhammer Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes und arbeitete in verschiedenen nachrichtendienstlichen Verwendungen.[1] Kurzzeitig war er ins Bundeskanzleramt abgeordnet. Ab 2010 leitete er die interne Forschungsgruppe zur Geschichte des BND, von 2016 bis 2021 das Historische Büro der Behörde und übte hierbei die Position des Chefhistorikers aus.[2][3][4] Er war verantwortlich als Herausgeber für die Mitteilungen der Forschungs- und Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“.[5][6]

Als BND-Chefhistoriker nahm er wiederholt in der Öffentlichkeit Stellung zur BND-Geschichte. 2011 bestätigte Hechelhammer im Auftrag des BND erstmals, dass der NS-Kriegsverbrecher Walther Rauff von 1958 bis 1962 eine Quelle des BND war und veröffentlichte dazu die gesamten BND-Dokumente.[7][8][9]

2011 bedauerte er öffentlich, dass der BND Akten zum SS-Verbrecher Alois Brunner hatte vernichten lassen.[10]

Ende 2011 deckte die vom BND eingesetzte „Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968“ die Vernichtung von Personalakten von ehemaligen SS-Mitgliedern wenige Jahre zuvor im BND auf.[11] Dazu nahm Hechelhammer in einer Veröffentlichung Stellung und relativierte die Behauptung der vorsätzlich politisch motivierten Vernichtung.[12][13][14]

Im Herbst 2012 erregte die von ihm herausgegebene Zeitschrift zur Kuba-Krise von 1962 international Aufsehen, als bekannt wurde, dass auch Fidel Castro versucht hatte, ehemalige SS-Angehörige für den Kampf gegen die USA anzuwerben: „Offenkundig zeigte die kubanische Revolutionsarmee wenig Berührungsängste vor Personal mit NS-Vergangenheit, wenn es der eigenen Sache diente“.[15][16][17]

Auf einer wissenschaftlichen Tagung der Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968 im Dezember 2013 präsentierte er erstmals der Öffentlichkeit Informationen über die sogenannte „Sonderkartei“ des ersten BND-Präsidenten Reinhard Gehlen.[18][19]

Ende 2013 bestätigte Hechelhammer für den BND erstmals gegenüber dem deutschen Fernsehen (Frontal21), dass der BND für die Bundesrepublik Aufgaben der sog. Stay-behind-Organisation bis Anfang der 1990er Jahre organisierte. „In Absprache mit den assoziierten Partner geschah das bis zum dritten Quartal 1991. Die Kontakte zu den nachrichtendienstlichen Verbindungen wurden eingestellt.“[20]

Im Frühjahr 2014 publizierte er Dokumente, die zeigten, dass der BND 1966 versuchte, auf die Produktion des internationalen Spionagefilms „Mister Dynamit – Morgen küßt Euch der Tod“, mit Lex Barker als BND-Agent, Einfluss zu nehmen. In Folge dieser Forschungsergebnisse erschien der Film Weihnachten 2014 als DVD.

Ende 2014 erschien im Links-Verlag die von Hechelhammer verfasste umfassende Geschichte der BND-Liegenschaft in Pullach, der ehemaligen NSDAP-Siedlung (sog. Bormann-Siedlung). Darin wurden erstmals die Unterlagen aus dem BND-Archiv verwendet.

Als Autor arbeitet er vor allem über verschiedene Geheimdienstaspekte in der Geschichte, im Film und in der Literatur.[21] Regelmäßig schreibt Hechelhammer für das online Kulturmagazin "CulturMag" im Bereich CrimeMag[22] und für SigiGötz-Entertainment.[23][24]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Günther Wessel: Geschichte statt Mythen. Bodo Hechelhammer ist der Chefhistoriker des Bundesnachrichtendienstes. In: deutschlandradiokultur. 2. Dezember 2013, abgerufen am 14. November 2020.
  2. Bodo Hechelhammer soll das schlampige geführte lückenhafte BND-Archiv nutzbar machen - In Pullach unterm Sofa. In: Berliner Zeitung. 12. März 2011, archiviert vom Original; abgerufen am 11. Oktober 2013.
  3. Historiker beim BND: Geheimdienst lässt sich in die Akten gucken In: Spiegel online vom 13. Januar 2011, abgerufen am 17. Juni 2014
  4. Norbert F. Pötzl: Comic-Pionier Rolf Kauka: Fix und Foxi beim Geheimdienst. In: Der Spiegel. 3. Mai 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. Mai 2022]).
  5. Der Bundesnachrichtendienst und seine Sankt-Georgs-Medaille. Abgerufen am 7. Mai 2022.
  6. 25 Jahre Mauerfall - Dokumente aus den Akten des BND. Abgerufen am 7. Mai 2022.
  7. https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-09/bnd-ns-verbrecher-rauff
  8. Bodo Hechelhammer, Walther Rauff und der Bundesnachrichtendienste, Berlin 2011, S. 6
  9. Treuer Freund In: Der Spiegel 39 (2011), S. 34
  10. Braune Vergangenheit: BND vernichtete Akten zu SS-Verbrecher Brunner. In: Der Spiegel. 20. Juli 2011, abgerufen am 14. November 2020.
  11. Vernichtung historisch wertvoller Akten im BND, Pressemitteilung der Unabhängigen Historikerkommission vom 29. November 2011
  12. Bodo Hechelhammer, Kassationen von Personalakten im Bestand des BND-Archivs. Berlin 2011, S. 22.
  13. Erich Schmidt-Eenboom: »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«. In: Neues Deutschland. 31. Januar 2012, abgerufen am 14. November 2020.
  14. Klaus-Dietmar Henke: Harsch ins Gericht gegangen. In: Neues Deutschland. 6. Februar 2012, abgerufen am 14. November 2020.
  15. Bodo Hechelhammer, Der Bundesnachrichtendienst und die Kuba-Krise, Band 1. Berlin 2012, S. 18.
  16. Rachel Hirshfeld: Castro Hired Nazi SS to Train Military, Intel Documents Reveal. 16. Oktober 2012, abgerufen am 14. November 2020 (englisch).
  17. Sven Felix Kellerhoff: Als Castro sich für die Waffen-SS interessierte. In: Welt. 12. Oktober 2012, abgerufen am 14. November 2020.
  18. Bodo Hechelhammer, Die "Dossiers". Reinhard Gehlens geheime Sonderkartei, in: Die Geschichte der Organisation Gehlen und des BND 1945-1968: Umrisse und Einblicke, Berlin 2014, S. 81–90.
  19. Die Wiederentdeckung der „Kartei Gehlen“. In: Cicero. 3. Dezember 2013, abgerufen am 14. November 2020.
  20. Geheimnisse im kalten Krieg - Die Schattenkrieger des BND. (pdf) In: Frontal 21. Archiviert vom Original am 24. Juni 2021; abgerufen am 15. August 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pdfhost.net
  21. Andreas Platthaus: Biographie von Rolf Kauka: Böser Onkel. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 7. Mai 2022]).
  22. Bodo V. Hechelhammer. In: CulturMag. Abgerufen am 9. Oktober 2019.
  23. Hechelhammer, Bodo: Am Sprungbrett. Rolf Kauka, Filmproduzent. In: SigiGötz-Entertainment. Nr. 36. München 2021, S. 9–13.
  24. Hechelhammer, Bodo V.: Die Fünfte Kolonne. In: SigiGötz-Entertainment. Nr. 37. München 2022, S. 13–16.