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BYD
BYD electric bus in London, Nicht-Doppelstock-Version

BYD electric bus in London, Nicht-Doppelstock-Version

ebus
Hersteller BYD
Bauart Linienbus, Gelenkbus, Doppeldeckerbus
Produktionszeitraum seit 2010
Achsen 2, 3 oder 4
Motor Wechselstrom-Synchronmotor, Radnabenantrieb
Leistung bis 600 Kilowatt
Länge 8,00 m bis 27,00 m
Sitzplätze 22 bis
Stehplätze 35 bis

Der BYD ebus (auch: BYD electric bus) ist ein Linienbus/Stadtbus in verschiedenen Ausbauversionen des chinesischen Herstellers BYD Auto. Er ist ein reiner Batteriebus und der weltweit erste mit Lithium-Eisenphosphat-Akku. Seit dem Beginn der Fertigung im Jahre 2010 bis April 2019 wurden über 50.000 Elektrobusse hergestellt; damit ist er der meistverkaufte Elektrobus. Seit 2016 wird er in London auch als Doppeldeckerbus eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Ein Doppeldecker BYD electric bus in London

Am 30. September 2010 verließ der erste BYD ebus (unter der Bezeichnung K9)[Anm. 1] die Produktionsstätte.[1] Der erste medienwirksame Einsatz des Modells erfolgte 2011 anlässlich der internationalen Sommer-Universiade 2011 in Shenzhen. Die eingesetzten 200 Busse werden seither im regulären Liniendienst der Stadt verwendet. Heute werden Elektrobusse dieses Typs in einer Vielzahl weiterer Städte Chinas eingesetzt.

Im Januar 2013 erteilte die EU für den BYD ebus ein Whole Vehicle Type-Approval, das neben der Konformitätserklärung den Verkauf in allen EU-Mitgliedsländern ermöglicht, ohne weitere Zulassungen von jedem Mitgliedsland einzuholen.[2] Der erste ausschließlich mit Batteriebussen betriebene Liniendienst in Europa wurde in den Niederlanden eingerichtet: Seit Anfang 2013 verkehren sechs BYD-Busse auf der ansonsten weitgehend autofreien Insel Schiermonnikoog.[3] Eine größere Elektrobusflotte in Europa ist auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol unterwegs: 35 BYD-Batteriebusse verkehren als Vorfeldbus zwischen Terminal und Flugzeug. Da der Einsatz keine hohe Reichweite benötigt, konnten kleinere Akkumulatoren eingebaut und so die Passagierzahl erhöht werden. Für jeden Bus steht eine Ladestation bereit, die über nahegelegene Sonnenkollektoren gespeist wird. Bei der öffentlichen Ausschreibung im Jahre 2013 konnte sich BYD gegen renommierte europäische Hersteller durchsetzen.[4]

Im Mai 2014 meldete BYD eine Bestellung von 2000 eBussen und 1000 eTaxis für die chinesische Stadt Hangzhou. Im Oktober 2014 wurde auf einer Ausstellung in der texanischen Stadt Houston der BYD ebus als 18 Meter langer Gelenkbus vorgestellt.[5] Das Fahrzeug bietet Platz für 125 Fahrgäste[6] und gilt als erster Batteriegelenkbus. Im Jahr 2015 konnte BYD etwa 6000 ebus weltweit verkaufen.[7]

Die ersten Doppeldecker-Batteriebusse auf Basis des BYD ebus verkehren seit dem 16. März 2016 im Liniendienst der Londoner Verkehrsbetriebe Transport for London.[8] Bis zur Vorstellung des Modells hielten Experten Doppeldeckerbusse unter anderem aufgrund ihres hohen Gewichts als ungeeignet für den Elektroantrieb. Die Stadt plant, bis 2020 rund 300 dieser Fahrzeuge, die in ihrer typischen roten Farbe als ein Wahrzeichen Londons gelten, zu beschaffen.

Ebenfalls in London wurde im September 2016 die bisher größte Flotte elektrischer Busse eingeweiht. Seither verkehren auf zwei Linien 51 Batteriebusse. Die Fahrzeuge werden in Schottland montiert. Dabei liefert BYD das Fahrgestell sowie den Antrieb (vom Typ BYD ebus) und der schottische Omnibusbauer Alexander Dennis Ltd. den Aufbau. Auf den beiden Linien werden jährlich rund sieben Millionen Passagiere befördert. Wie andere Großstädte plant London, Dieselbusse wegen ihrer gesundheitsschädlicher Belastung durch Stickoxide und Lärm aus dem Innenstadtbereich zu verbannen.[9]

Mitte des Jahres 2016 erhielt BYD Auto einen Großauftrag zur Lieferung von 2000 ebus für den ÖPNV der Stadt Shenzhen. Der Auftrag hat einen Wert von rund ¼ Mrd. US-Dollar. Die 12-Millionen-Stadt plant, den gesamten Linienverkehr, der überwiegend noch mit umweltbelastenden Dieselbussen durchgeführt wird, auf Elektrobusse umzustellen.[10]

BYD lieferte im Mai 2017 in die USA einen Batteriebus mit 18 Metern Länge und einer 547-kWh-Batterie, mit welcher der Bus 440 km Reichweite hat. Der Bus kann bis zu 60 Personen transportieren. Der Akku des Busses kann innerhalb von zwei bis drei Stunden wieder aufgeladen werden.[11]

Im April 2019 stellte BYD den bis dato längsten, rein elektrisch angetriebenen Bus vor, den BYD K12A.[12][13] Der Doppelgelenkbus mit insgesamt 4 Achsen, wovon eine zweite als Antriebsachse zugeschaltet werden kann, hat eine Gesamtlänge von 27 Metern und fasst maximal 250 Passagiere. Bei einer durchschnittlichen Reichweite von 300 Kilometern entspricht das 75.000 Personenkilometer. Die Motorleistung beträgt 600 kW, womit der Bus eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erreichen kann. In Deutschland kann der Bus aufgrund seiner Länge nur mit einer Sondergenehmigung betrieben werden, da die Gesamtlänge von Bussen in EG-Richtlinien aktuell auf 18,75 Meter beschränkt ist. Der K12A ist der erste rein elektrisch angetriebene Bus mit 4-Rad-Antrieb.

TechnikBearbeiten

 
BYD ebus, Innenansicht

Kernstück des Fahrzeuges ist der von BYD selbst entwickelte Lithium-Eisenphosphat-Akkumulator. Laut Herstellerangaben reicht die gespeicherte Energie, um mit dem Bus 250 Kilometer ohne Aufladen zurückzulegen. Die Energie wird auf zwei Radnabenmotoren übertragen, bürstenlose Wechselstrom-Synchronmotoren an den Hinterrädern.

Da elektrisches Heizen die Reichweite erheblich reduziert, werden auch ebus' angeboten, die speziell für die klimatischen Bedingungen nordischer Länder ausgelegt sind, mit Mehrscheiben-Isolierglas und einer Zusatzheizung; entsprechende Modelle versehen in Dänemark und Finnland ihren Dienst.[14]

KostenBearbeiten

Laut BYD spart ein ebus bei einer Laufzeit von acht Jahren bei den Energiekosten, also Stromverbrauch statt Dieselverbrauch, etwa 190.000 US-Dollar ein.[15] Im Jahr 2012 lag der Preis für einen BYD ebus bei 380.000 Euro, etwa 100.000 Euro mehr als ein vergleichbarer Dieselbus.[16]

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Das Fahrzeug wurde zunächst unter der Bezeichnung BYD K9 vermarktet, seit 2013 verwendet der Hersteller auch die Bezeichnung BYD ebus.

Im Januar 2015 stellte BYD Auto mit dem BYD C9 einen elektrischen Reisebus vor.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Company profile – History. Internetauftritt des Herstellers vom 7. September 2013, abgerufen am 10. November 2013.
  2. BYD Receives Whole Vehicle Type Approval to Sell Electric Buses in EU. Electriccarsreport vom 7. Januar 2013, abgerufen am 26. Oktober 2013.
  3. BYD Wins European Electric Bus Orders for Netherlands Schiermonnikoog. Business Wire vom 6. Juni 2012, abgerufen am 7. September 2013.
  4. BYD Wins European Electric Bus Orders for Netherlands Schiermonnikoog. Business Wire vom 6. Juni 2012, abgerufen am 7. September 2013.
  5. BYD unveils articulated battery-electric bus. GreenCarCongress vom 15. Oktober 2014, abgerufen am 16. Oktober 2014.
  6. specification. Internetseite des Herstellers, abgerufen am 22. November 2014.
  7. BYD anticipated sales of 6,000 electric buses worldwide in 2015. vom 6. Januar 2016, abgerufen am 6. Januar 2016.
  8. BYD puts electric double deckers on to the streets of London. Renewable Energy Magazine vom 23. März 2016, abgerufen am 17. März 2016.
  9. Verbot für dreckige Diesel in Städten. Deutsche Welle vom 13. April 2016, abgerufen am 16. Oktober 2016.
  10. 2000 Elektrobusse. Omnibus-news vom 8. September 2016, abgerufen am 12. November 2016.
  11. BYD liefert Mega-Elektrobus mit 547-kWh-Batterie und 440 Kilometern Reichweite aus. ecomento.tv vom 19. Mai 2017, abgerufen am 17. Mai 2017.
  12. Das ist der längste E-Bus der Welt auto motor sport vom 7. April 2019, abgerufen am 9. April 2019.
  13. BYD Launches the World's Longest Pure Electric Bus BYD europe vom 2. April 2019, abgerufen am 9. April 2019.
  14. Stadtwerke Bonn Chinesischer Autobauer BYD plant Buswerk in Europa. Automagazin vom 22. Oktober 2013, abgerufen am 26. Oktober 2013.
  15. byd-auto.net. (Memento vom 19. März 2016 im Internet Archive) Highlights of BYD eBUS in Public Transportation: Energy saving& Low cost, abgerufen am 17. Februar 2016.
  16. spiegel.de Busse aus China: Elektroschock für Daimler und Co., abgerufen am 17. Februar 2016.