Bürgermeisterei Adendorf

Bürgermeisterei

Die Bürgermeisterei Adendorf war ein preußischer Verwaltungsbezirk im 19. und 20. Jahrhundert. Sie wurde 1816 aus der Mairie Adendorf gebildet und war zunächst eine von fünf Bürgermeistereien im Kreis Rheinbach im Regierungsbezirk Köln. 1927 wurde die Bürgermeisterei in Amt Adendorf umbenannt[1] und 1932 dem Landkreis Bonn zugeordnet. Das Amt Adendorf wurde 1935 in Amt Meckenheim umbenannt und bestand bis zum 31. Juli 1969. Es ging auf in der Stadt Meckenheim und in der Gemeinde Wachtberg.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Mairie Adendorf (1798–1815)Bearbeiten

 
Burg Adendorf

Im Oktober 1794 eroberten die französischen Revolutionstruppen die linksrheinischen Gebiete und führten dort 1798 die französischen Verwaltungsstrukturen ein.[2] Die Ortschaften Adendorf, Groß-Altendorf, Arzdorf, Ersdorf, Fritzdorf, Lüftelberg, Meckenheim und Merl wurden zur Mairie Adendorf zusammengefasst.[3][2] Die Mairie gehörte zum Kanton Rheinbach im Arrondissement de Bonn im Rhein-Mosel-Département. Die acht Ortschaften waren bis dato „wirtschaftlich noch historisch jemals miteinander verbunden“.[3]:277

Adendorf war zuvor eine reichsunmittelbare Herrschaft des Hauses von der Leyen, die zuletzt von Philipp von der Leyen (1766–1829) geführt wurde. Zur Herrschaft gehörten der Ort Adendorf mit der Burg Adendorf, dem Grimmersdorferhof, Klein-Villip und der Burg Münchhausen sowie Arzdorf und Eckendorf. Altendorf, Ersdorf und Fritzdorf waren Teile der Grafschaft Neuenahr im Herzogtum Jülich. Meckenheim besaß bis zur Bildung der Mairie Adendorf Stadtrechte und gehörte zum Kurfürstentum Köln.[4]

Im Jahr 1805 wurde der Besitzer des Schlosses Lüftelberg, Max Friedrich Lombeck, Maire. Er war ein Vetter des späteren Maire von Villip, Maximilian Friedrich von Vorst–Lombeck, genannt Gudenau nach der Burg Gudenau. Auf Max Friedrich Lombeck folgte von 1809 bis 1814 Franz Kaufmann als Maire von Adendorf. Kaufmann arbeitete auch für den von Joseph Görres von 1814 bis 1816 in Koblenz herausgegebenen Rheinischen Merkur.[3]

Bürgermeisterei Adendorf (1816–1927)Bearbeiten

Um nach dem Zurückdrängen der französischen Truppen aus den linksrheinischen Gebieten eine geordnete Verwaltungstätigkeit aufrechtzuerhalten, beschloss der preußische Generalgouverneur Justus Gruner am 25. Februar 1814, die französische Verwaltungsstruktur vorläufig bestehen zu lassen. Lediglich die französischen Amtsbezeichnungen wurden verbindlich in das Deutsche übersetzt. So hieß der Maire jetzt Bürgermeister.[5] Auf der Grundlage der Beschlüsse des Wiener Kongresses (1815) wurde das Rhein-Mosel-Département und mit ihm die Bürgermeisterei Adendorf dem Königreich Preußen zugeschlagen. Das Verwaltungsgebiet war mit dem der Mairie Adendorf identisch und gehörte zum Kreis Rheinbach,[6] der aus dem französischen Kanton Rheinbach hervorgegangen war. Die Kantone im Rhein-Mosel-Département waren vorübergehend Teil der preußischen Provinz Großherzogtum Niederrhein,[7] aus der 1815 die Provinz Kleve Berg bzw. Provinz Jülich-Kleve-Berg und 1822 die Rheinprovinz entstanden.[8] Mittelinstanz war der Regierungsbezirk Köln, der am 22. April 1816 die Arbeit aufnahm.

Die Verwaltungsgeschäfte der Bürgermeisterei wurden mit Ausnahme einer kurzen Anfangszeit von Meckenheim aus geführt. Bürgermeister des Amtes waren u. a. Andreas Wachendorf (um 1815), der Gutsbesitzer Johann Josef Wülfing aus Meckenheim (1815–1833), Christian Thiesen (bis 1883) und Christian Hartstein (1883–1917). Während der langjährigen Amtszeit von Christian Hartstein wurde im Jahr 1892 das Rathaus in Meckenheim errichtet.[3]

Amt Adendorf (1927–1934)Bearbeiten

Ende 1927 wurden gemäß dem Gesetz über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechts alle Landbürgermeistereien in der Rheinprovinz in Ämter umbenannt.[1] Aus der Bürgermeisterei Adendorf wurde das Amt Adendorf. Die Landgemeinde Meckenheim wurde 1929 Landgemeinde Stadt Meckenheim.[9] Am 1. Oktober 1932 wurde der Kreis Rheinbach aufgelöst und die Gemeinden des Amtes Adendorf kamen zum Landkreis Bonn.[10]

Amt Meckenheim (1935–1969)Bearbeiten

Im Jahr 1935 wurde das Amt Adendorf umbenannt in Amt Meckenheim. Bürgermeister waren u. a. Dr. Max Müller (1933–1936), kommissarisch Willy Linden (1936/37), Matthias Mayer (1937–1945), Heinrich Wilky (1945–1946)[3][9] und Hörnig (um 1958).[11]

Die acht selbstständigen Gemeinden des Amtes Meckenheim wurden zum 1. August 1969 aufgrund des Gesetzes zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn („Bonn-Gesetz“) aufgeteilt. Die Stadtgemeinde Meckenheim und die Gemeinden Altendorf, Ersdorf, Lüftelberg und Merl wurden zusammengeschlossen zur Stadt Meckenheim.[12] Die Gemeinden Adendorf mit Klein–Villip, Arzdorf und Fritzdorf bildeten zusammen mit den zehn Gemeinden des Amtes Villip die Gemeinde Wachtberg im Rhein-Sieg-Kreis.

StatistischesBearbeiten

Die Bürgermeisterei Adendorf war rund 50 km² groß, davon wurden im Jahr 1885 66 % als Ackerland genutzt, 7 % als Weideland und 22 % waren Waldfläche.[13]

Im Verwaltungsbezirk befanden sich im Jahr 1830 neben der Stadt Meckenheim acht Dörfer, vier Höfe, neun Kirchen und Kapellen sowie 674 Wohnhäuser, sieben Mühlen und 1.323 Scheunen und Ställe.[14] 1885 gab es 1.021 Wohnhäuser.

Jahr Einwohner Wohnhäuser
1808[15] 3.202 573
1816[14] 3.479
1825[14] 3.665
1828[14] 3.786 674
1885[13] 5.159 1.021
1925[16] 5.247
1933[16] 5.273
1939[16] 5.243

Die Bevölkerung war sehr katholisch geprägt. Der Anteil der katholischen Bevölkerung betrug im Jahr 1885 96,7 %.[13]

LiteraturBearbeiten

  • Franz Müller: Leben rund um den Wachtberg. Eine Zeitreise durch 30.000 Jahre Geschichte einer rheinischen Landschaft. Wachtberg 1993, ISBN 3-925551-60-3.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Landesamt für Archivpflege: Archivpflege in Westfalen und Lippe (PDF), Seite 4.
  2. a b Handbuch für die Landleute vom Rhein-Mosel-Departement für das Jahr 1808, S. 16, 135 ff delibri Rheinland-Pfalz
  3. a b c d e Franz Müller: Leben rund um den Wachtberg. Eine Zeitreise durch 30.000 Jahre Geschichte einer rheinischen Landschaft. Wachtberg 1993, ISBN 3-925551-60-3, S. 227,277,319,320,326,439.
  4. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 61, 541.
  5. F.A. Lottner: Sammlung der für die königl. preuss: Rheinprovinz seit dem Jahre 1813 hinsichtlich der Rechts- und Gerichtsverfassung ergangenen Gesetze und Verordnungen, Ministrial-Rescripte, Band 1, Berlin, 1834, S. 92 f. (https://books.google.de)
  6. Landkreis Bonn auf www.territorial.de
  7. Patent wegen Besitznahme des Großherzogtums Nieder-Rhein vom 5. April 1815 auf www.documentarchiv.de
  8. GenWiki: Rheinprovinz
  9. a b Stadt Meckenheim:Chronik der Stadt Meckenheim auf www.meckenheim.de.
  10. Landschaftsverband Rheinland: Portal Rheinische Geschichte, Regierungsbezirk Köln (Memento des Originals vom 18. Dezember 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rheinische-geschichte.lvr.de
  11. Stadt Meckenheim: Kleine Beiträge zur Meckenheimer Geschichte 3 auf www.meckenheim.de.
  12. Stadt Meckenheim: Meckenheim feiert 40. Geburtstag (Memento des Originals vom 1. Februar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www1.meckenheim.de.
  13. a b c Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII Provinz Rheinland, Verlag des Königlich statistischen Bureaus (Hrsg.), 1888, Seite 132
  14. a b c d Friedrich von Restorff: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz, Nicolai, Berlin und Stettin 1830, Seite 282–283
  15. Handbuch für die Landleute vom Rhein-Mosel-Departement, 1808, S. 135 ff (www.dilibri.de)
  16. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Bonn. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).

Koordinaten: 50° 36′ 41,3″ N, 7° 3′ 57,6″ O