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Augustinuskirche (Schwäbisch Gmünd)

Kirchengebäude in Schwäbisch Gmünd
Augustinuskirche vom Münsterplatz aus. Links an die Kirche angebaut sind im Vordergrund der Sakristeibau, im Hintergrund die Klostergebäude

Die Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd ist die ehemalige barockisierte Klosterkirche des Gmünder Augustinerkloster, die heute evangelische Gemeindekirche in der Kernstadt ist, in der Nachbarschaft des Heilig-Kreuz-Münsters.

GeschichteBearbeiten

Seit 1284 war es dem Augustiner-Eremitenorden durch den Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd erlaubt, sich in der Stadt aufzuhalten, Grundstücke zu erwerben und diese zu bebauen. Zu dieser Zeit wurden wohl die ersten Klosterbauten begonnen, die ab 1308 gesichert bestanden. Wann der Kirchenbau begonnen wurde, ist heute nicht mehr genau festzustellen. Es wird davon ausgegangen, dass aber zuerst ein gerader Chorschluss vorhanden war, der 1432 durch einen Chorneubau in der heutigen Form, ersetzt wurde. Zu dieser Zeit handelte es sich bei der Augustinuskirche um eine spätgotische Kirchenanlage, von der heute keine Merkmale mehr frei sichtbar sind. 1535 nahm Kaiser Karl V. im Augustinerkloster, dass zu dieser Zeit aus mittelalterlichen Fachwerkbauten bestand, Quartier. Nach dem 1680 die Kirche noch einmal einen Umbau erfuhr, wurde schon 1732 ein katastrophaler Zustand des Klosters und der Kirchengebäude festgestellt, der 1755 wegen Einsturzgefahr nochmals bekräftigt wurde. Schon 1747 wurde der barocke Neubau des Klosters abgeschlossen. Ab 1756 wird dann mit den Umbauarbeiten an der Kirche begonnen, die einen Teilabbruch der spätgotischen Kirche beinhalteten. Geleitet wurden die Baumaßnahmen von Johann Michael Keller, der zu dieser Zeit Stadtbaumeister in Schwäbisch Gmünd war. 1758 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen.

 
Innenraum der Augustinuskirche

Am 3. Januar 1803 erhielt das Kloster ein Aufhebungsdekret, was die Räumung des Klosters zur Folge hat. 1806 wurde die Kirche zur evangelischen Garnisonkirche bestimmt und 1817 zur evangelischen Stadtpfarrkirche. 1855 wurden ein Eingang vom Münsterplatz am Chorscheitel durchgebrochen und mehr Sitzplätze für Garnisonangehörige geschaffen. Der Durchgang wurde 1963 im Zuge einer Kirchenrestaurierung wieder geschlossen.

AusstattungBearbeiten

 
Deckenfresko im Langhaus

Der Chor ist sowohl an den Wänden, als auch an der Decke, das Langhaus nur an der Decke durch Fresken von Johann Anwander gestaltet. Die Fresken zeigen größten Teils Begebenheiten aus dem Leben des Heiligen Augustinus. Die restlichen Fresken beziehen sich auf andere Ordensheilige. Neben der Orgel befindet sich das Storrsche Oratorium. Es ist eine kastenförmige Loge. An der Ostseite der Loge prangt ein prächtiges Wappen der Storr von Ostrach.

Der barocke Hochaltar wurde 1770 vom Augustiner Fidelis Hellwirth zusammen mit seinem Schwager Franz Joseph Bergmiller geschaffen. Die Heiligenfiguren stammen vom Vorgängeraltar und wurden um 1700 geschaffen. Die Seitenaltäre und Beichtstühle wurden zwischen 1805 und 1810 nach Hohenberg und Gotteszell verbracht.

Sehenswert ist der um 1700 geschaffene Schalldeckel der Kanzel, deren Korb von 1871 stammt. An der südlichen Chorwand in der Nähe der Kanzel befindet sich das Epitaph für Philipp Senfft von Sulpurg († 15. Februar 1515).

Das Gestühl wurde 1829 bis 1835 eingebaut. Das Chorgestühl stammt von 1750. Im Langhaus wurden noch quergestellte Laienbänke mit Rokokowangen und reichen zwei- beziehungsweise vierfeldigen Dorsalen aufgestellt.

OrgelBearbeiten

Die Orgel wurde 1964 von dem Orgelbauer Richard Rensch (Lauffen/N.) erbaut. Das Instrument hat 30 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[1]

I Hauptwerk C–g3
1. Gedacktpommer 16′
2. Prinzipal 8′
3. Gemshorn 8′
4. Trompete 8′
5. Oktave 4′
6. Rauschharfe 4′
7. Nasat 223
8. Ital. Prinzipal 2′
9. Terz 135
10. Mixtur IV–VIII 113
Tremulant
II Brustwerk C–g3
11. Sordun 16′
12. Rohrgedackt 8′
13. Rohrflöte 4′
14. Messingschalmei 4′
15. Rohrquinte 223
16. Prinzipal 2′
17. Gemshorn 2′
18. Hörnlein 135
19. Gemsnasat 113
20. Zimbel IV 12
Tremulant
Pedal C–f1
21. Prinzipal 16′
22. Untersatz 16′
23. Posaune 16′
24. Oktavbass 8′
25. Trompete 8′
26. Gedackt 8′
27. Flöte 4′
28. Choralbass 4′
29. Clairon 4′
30. Mixtur II 2′
Tremulant
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: drei freie Kombinationen, eine freie Pedalkombination, verschiedene Festkombinationen (tutti, Zungenpleno, Gesamtpleno, Vorpleno), Zungenabsteller

GlockenBearbeiten

 
Westfassade vom Turniergraben aus

Im achteckigen Dachreiter der Augustinuskirche befinden sich heute zwei Glocken. Die erste stammt aus dem Ritterstift Comburg und wurde 1790 von Johann Ernst Lösch aus Crailsheim gefertigt. Die zweite Glocke wurde 1952 von Heinrich Kurtz aus Stuttgart gefertigt und wurde von evangelischen Gemeindemitgliedern gestiftet.

Nr. Name Durchmesser Gussjahr Ton
1 k. A. 485 mm 1790 As″
2 k. A. 549 mm 1952 F″

LiteraturBearbeiten

  • Richard Strobel, Landesdenkmalamt Baden Württemberg: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Band 2, Kirchen der Altstadt ohne Heiligkreuzmünster; Deutscher Kunstverlag, München 1995, ISBN 3-422-00569-2.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nähere Informationen zur Orgel der Augustinuskirche

WeblinksBearbeiten

  Commons: Augustinerkirche Schwäbisch Gmünd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 47′ 55,6″ N, 9° 47′ 42,7″ O