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Artilleriekaserne am Steintor

ehemalige Kaserne in Hannover

Die Artilleriekaserne am Steintor in Hannover war eine 1838 errichtete Kaserne für die Artillerie,[1] speziell die Unteroffiziere.[2] Ihr Gelände am Steintor zog sich von der Münzstraße in Höhe Lange Laube entlang der Goseriede und von der Georgstraße und der Artilleriestraße (heute: Kurt-Schumacher-Straße) mit einem nahezu rechteckigen Exerzierplatz bis an die (heutige) Kanalstraße.[3] Der gesamte Komplex wurde 1876 von Ferdinand Wallbrecht im Tausch gegen die von ihm erbauten Militäranlagen in der Vahrenwalder Heide erworben und dann von ihm diagonal um- und überbaut durch die Neuanlage der Nordmannstraße[4] mit Wohn- und Geschäftsgebäuden.[5]

Artilleriekaserne am Steintor
Blick von der Georgstraße zum Steintor und der Kaserne um 1850

Blick von der Georgstraße zum Steintor
und der Kaserne um 1850

Nachnutzung nach 1876 privat umgebaut
Gemeinde Hannover
Koordinaten: 52° 23′ N, 9° 44′ OKoordinaten: 52° 22′ 34″ N, 9° 43′ 56″ O
Erbaut 1838
Artilleriekaserne am Steintor (Niedersachsen)
Artilleriekaserne am Steintor

Lage der Artilleriekaserne am Steintor in Niedersachsen

GeschichteBearbeiten

Nach dem Einzug von Ernst August 1837 in die Stadt zur Thronbesteigung des Königreichs Hannover[6] wurde im Folgejahr 1838 in der Residenzstadt ein weiterer Militärbau errichtet:[1] Die Artilleriekaserne für die Unteroffiziere erbaute der Landbaumeister Christian Adolf Vogell am Steintor an der Stelle einer früheren Gießerei,[7] die zuvor nach Stade verlegt worden war.[8] Die Kaserne reihte sich in einen umfangreichen Komplex von Militäreinrichtungen, der sich vom Waterlooplatz über die Hofmarställe Am Hohen Ufer und die Anlagen vor dem Clevertor bis zum Königsworther Platz zogen und weiter westlich um die Kasernen am Welfenplatz ergänzt wurde.[1]

Nach dem Deutschen Krieg und der Annexion des Königreich Hannovers durch Preußen 1866[9] wurde unter anderem die „Militär-Reit-Schule“ 1867 von Schwedt an der Oder nach Hannover verlegt[1] und in zwei Teilen – als Lehrgangsbetrieb und „Militär-Reit-Institut“ – zunächst im Marstall am Hohen Ufer untergebracht sowie in der Artilleriekaserne am Steintor.[2]

Für die Zusammenführung der beiden Teile des „Militär-Reit-Instituts“ entwarfen der Intendanturbaurat Eduard Schuster und der Architekt und Bauunternehmer Ferdinand Wallbrecht 1875/76 neue Gebäude, die Wallbrecht dann außerhalb des Stadtgebietes errichtete,[2] an der damals noch nahezu unbebauten Stader Chaussee,[10] (rund um den heutigen Vahrenwalder Park zwischen Vahrenwalder Straße, Husaren-, Dragoner- und Isernhagener Straße).[2]

Schließlich „tauschte“ Wallbrecht die von ihm bei Vahrenwald errichteten Gebäude des späteren Militärreitinstituts, erhielt im Gegenzug die alten Gebäude von den Hofmarställen am Hohen Ufer bis zur Artilleriekaserne am Steintor und baute diese anschließend in Säle und Geschäftshäuser um.[2]

BaubeschreibungBearbeiten

Die Artilleriekaserne am Steintor war insgesamt ein gequaderter Putzbau im Rundbogenstil der Ernst-August-Epoche. Die Front des Gebäudes war der Nikolaistraße (heute: Goseriede) zugewandt war und umfasste hufeisenförmig einen Hof. Der eingeschossige Mittelflügel zeichnete sich durch einen Risalit aus mit einem hohen, rundbogigen Portal und einem von dem Bildhauer Ernst von Bandel geschaffenen Wappen mit artilleristischen Emblemen. Die Seitenflügel waren in einem erhöhten Erdgeschoss und einem Obergeschoss ausgebaut und endeten jeweils mit einem quadratischen, dreigeschossigen Pavillon mit flachem Pyramidendach.[8]

Erhaltene KulturgüterBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Arnold Nöldeke: Artilleriekaserne am Steintore, in Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover Bd. 1, H. 2, Teil 1, Hannover, Selbstverlag der Provinzialverwaltung, Theodor Schulzes Buchhandlung, 1932( Neudruck Verlag Wenner, Osnabrück 1979, ISBN 3-87898-151-1), S. 387f., und S. 405f. (Landesherrliche Stückgiesserei)
  • Helmut Plath: Die Artilleriekaserne. Lithografie von Georg Osterwald. Um 1840. In: Hannover im Bild der Jahrhunderte, 3., erweiterte und verbesserte Auflage, Hannover: Madsack, 1966, S. 48f.
  • Bernhard Dörries, Helmuth Plath: Das Steintor. In: Alt-Hannover. Die Geschichte einer Stadt in zeitgenössischen Bildern von 1500–1900, vierte, verbesserte Aufl., Heinrich Feesche Verlag, Hannover 1977, ISBN 3-87223-024-7, S. 88, 138, 140 (Abb. und Erläuterung zum Lithografen Carl Mentzel)
  • Hugo Thielen, Helmut Knocke: Dragonerstraße. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 100f.
  • C. F. Mossdorf: Kavallerieschule Hannover, 2. Aufl., Hannover 1987
  • Franz Rudolf Zankl: Die Artilleriekaserne am Steintor. Farbige Lithographie von Wilhelm Kretschmer. Um 1860. In ders. (Hrsg.): Hannover Archiv, Blatt S 92
  • Helmut Knocke: Kavallerieschule. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 343.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Artilleriekaserne am Steintor (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Klaus Mlynek: Garnison(stadt). In: Stadtlexikon Hannover, S. 201f.
  2. a b c d e Helmut Knocke: Kavallerieschule (siehe Literatur)
  3. Vergleiche diese Vogelperspektive von 1872 und diesen Stadtplan Hannover von 1873, Ziffer 6
  4. Helmut Zimmermann: Nordmannpassage. In: Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 183
  5. Ansichtskarte Nummer „941“ von Karl F. Wunder
  6. Klaus Mlynek: Ernst August, König von Hannover. In: Stadtlexikon Hannover, S. 163f.
  7. Klaus Mlynek: Kasernen. In: Stadtlexikon Hannover, S. 339f.
  8. a b c Arnold Nöldeke: Artilleriekaserne am Steintor … (siehe Literatur)
  9. Klaus Mlynek: Deutscher Krieg 1866. In: Stadtlexikon Hannover, S. 130
  10. Stadtplan Hannover von 1888, Meyers Konversations-Lexikon 4. Auflage Band 8 Seite 138a+138b
  11. Helmut Plath: Die Artilleriekaserne ..., in ders.: Helmut Plath: Hannover im Bild der Jahrhunderte, 3., erweiterte und verbesserte Auflage, Hannover: Madsack, 1966, S. 48f.