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Armin Klümper (* 19. Mai 1935 in Münster; † 23. Juni 2019 in Kapstadt, Südafrika)[1] war ein deutscher Sportmediziner und Hochschullehrer.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Klümper besuchte das Städtische Gymnasium in Schmallenberg. Nach dem bestandenen Abitur im Jahr 1955 studierte er Medizin.[2] 1963 wurde er mit der Dissertation Struktur und Funktion der linken Herzkammer zum Dr. med. promoviert.[3] 1977 wurde er Leiter der sporttraumatologischen Einrichtung innerhalb der radiologischen Abteilung der Unfallchirurgie der Universität Freiburg.[4] 1970 vermeldete Die Deutsche Universitätszeitung die Verleihung der venia legendi für Klinische Radiologie.[5] Zuvor hatte er sich mit der Schrift Intraossäre Angiographie. Topographische und morphologische Untersuchungen zur Darstellung intraossärer Gefäße in vivo habilitiert.[6]

1977 verschaffte ihm Gerhard Mayer-Vorfelder eine Professur – trotz der Bedenken der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg wegen fehlender Facharztqualifikationen: Klümper war weder Orthopäde noch Internist, sondern Radiologe.[7] Später hatte Klümper lange Zeit eine C3-Professur an der Mooswald-Klinik in Freiburg und war dort Leiter der 1982 von ihm gegründeten[8] sporttraumatologischen Spezialambulanz. 1987 wurde diese Spezialambulanz der Radiologischen Universitätsklinik zugeordnet.[9] 1990 schied Klümper aus der Universität Freiburg aus und gab seinen Beamtenstatus auf.[4] Im selben Jahr wurde er Ärztlicher Direktor der Mooswald-Klinik.[10] Klümper war stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Bundesleistungszentrum Freiburg-Herzogenhorn“, der im Verdacht steht, eine Geldwaschanlage gewesen zu sein, durch die Mittel des Bundesinnenministeriums ins Doping flossen.[11]

DopingvorwürfeBearbeiten

Das Doping westdeutscher Spitzensportler war in den 1970er Jahren bei den Freiburger Sportmedizinern Armin Klümper und Joseph Keul konzentriert.[12] Klümper betonte 1976, dass sich die Sportler hätten frei entscheiden können und dass man nicht „eine planmäßige Verseuchung von Athleten mit Anabolika“ betrieben habe. „Wir haben immer individuell entschieden und individuell im Rahmen der persönlichen Freiheit Anabolika gegeben“, so Klümper.[13] Bis zu den Dopingvorwürfen Mitte der 1990er Jahre galt Klümper in Deutschland als renommierter Sportmediziner.[14] Schon 1987 gab es Ermittlungen im Todesfall Birgit Dressel, die seit 1981 auch Patientin des Freiburger Mediziners gewesen war.[15]

1991 warf ihm der Diskuswerfer Alwin Wagner in dem von Brigitte Berendonk verfassten Buch Doping – von der Forschung zum Betrug Doping vor.[16] Er stürzte aber erst 1997 im Fall der Hürdensprinterin Birgit Hamann, die behauptete, der Mediziner habe ihr ohne ihr Wissen Wachstumshormone gegeben. Der ehemalige Sprinter Manfred Ommer sagte über Klümper: „Klümper war der größte Doper dieses Planeten.“[17]

Ende November 1997 wurde eine Zeitungsanzeige zur Verteidigung Klümpers veröffentlicht, die von namhaften Sportlern wie Eberhard Gienger, Wolfgang Overath, Hansi Müller, Jürgen Hingsen, Christian Schenk, Lars Riedel und Rolf Milser unterzeichnet war. Darin wird Klümper als „leidenschaftlicher Patientenarzt“ bezeichnet, er stelle den Patienten in den Mittelpunkt, orientiere sich „ausschließlich am Krankheitsbild“ und weise einen „ausgeprägten medizinischen Ethos“ auf. Mit der Anzeige sollte laut den Verfassern „Neid, Mißgunst und Diffamierung“ öffentlich entgegengetreten werden.[18]

Klümper oder dessen Rolle im Dopingskandal des Universitätsklinikums Freiburg[19] (s. Dopingaffäre Team Telekom) wurden im Abschlussbericht der ersten Expertenkommission zur Aufklärung von Dopingvorwürfen 2009 nicht erwähnt.[20] Medienberichten zufolge soll Rektor Wolfgang Jäger die Arbeit dieser universitätsinternen Kommission auf die „Abteilung Sportmedizin“ beschränkt haben, der Klümper nicht angehörte.[21] Eine seit 2009 durch die von der Freiburger Universitätsleitung berufene Kriminologin Letizia Paoli (Katholieke Universiteit Leuven) geleitete Evaluierungskommission hatte zahlreiche weitere Dokumente[22] gefunden. Die Kommission löste sich im März 2016 auf, ohne einen Abschlussbericht vorgelegt zu haben.[23]

Allerdings wurden dem Rektor zur Dopinggeschichte an Universität und Universitätsklinikum fünf wissenschaftliche Gutachten im Gesamtumfang von mehr als 1400 Seiten übergeben. Das Gutachten zu Armin Klümper und das bundesdeutsche Dopingproblem alleine umfasst ca. 530 Seiten. Klümper wird darin als „derjenige Sportmediziner in der Geschichte des Hochleistungssports der Bundesrepublik Deutschland“ eingestuft, „der wie kein anderer aktiv am Doping der Sportler und zum Teil auch der Sportlerinnen mitwirkte“.[13] In einem zusätzlichen Gutachten zu Systematischen Manipulationen im Radsport und Fußball, das Andreas Singler 2015 auf Basis von Strafakten der Staatsanwaltschaft Freiburg erstellte, ist sogar von Klümper geplantes und vom Bund Deutscher Radfahrer finanziertes Minderjährigendoping beweisbar (Singler 2015). Ende April 2017 publizierte Singler das Gutachten, wobei er noch Ergänzungen vornahm. So stellte er fest, dass Klümper zwischen 1979 und 1984 mehrmals menschliches Wachstumshormon bezog, wobei er dieses über seine Rezeptbetrügereien organisierte. Damals wurde Wachstumshormon noch aus der Hypophyse menschlicher Leichen gewonnen, 1985 wurden diese Medikamente wegen der Gesundheitsrisiken verboten und schließlich durch gentechnisch hergestelltes Wachstumshormon ersetzt.[24]

AbrechnungsbetrugBearbeiten

1984 wurde gegen Klümper ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug von Krankenkassen eingeleitet, in dessen Rahmen am 3. Mai 1984 Staatsanwälte und Kriminalbeamte seine Praxis durchsuchten.[25] Als die Presse über die Durchsuchung berichtete, verfasste Eberhard Gienger eine Solidaritätsadresse für Klümper.[25] Außerdem wurde ein Spendenkonto für Klümper eingerichtet, auf das u. a. Uli Hoeneß, Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge einzahlten.[25] Das Landgericht Freiburg verurteilte Klümper 1989 zu 160.000 Mark Geldstrafe.[25] Die Ermittlungsakten tauchten erst Ende 2014 im Freiburger Staatsarchiv wieder auf.[7]

AlternativmedizinBearbeiten

1998 zog Klümper mit seiner Frau nach Südafrika,[26] wo er mehrere Bücher schrieb. Er beschäftigte sich auch mit Alternativmedizin. So publizierte er in der Zeitschrift Co.Med Artikel, in denen er sich unter anderem auf pseudowissenschaftliche Thesen von Ryke Geerd Hamer, auf den „Biofeldtest“ des Physikers Paul Schweitzer oder auf eine „Entschlackung“ durch Heilfasten berief.[27]

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

  • mit Thomas Einsingbach, Lutz Biedermann: Sportphysiotherapie und Rehabilitation. Thieme, Stuttgart 1992, ISBN 3-13-711102-1.
  • Knochenerkrankungen. Krause, Freiburg (Breisgau) 1994, ISBN 3-923523-19-X.
  • Verbieten ist leicht, erlauben ist schwer oder die Lust am Wiegen, um die Pfunde zu besiegen. Krause, 1995, ISBN 3-923523-20-3.
  • Unkraut vergeht nicht. Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). Ein Kompendium der Alternative für Ärzte und angeschlossene Heilberufe. Krause, Freiburg (Breisgau) 2003, ISBN 3-923523-22-X.
  • Heilpflanzen der Welt. Heilen mit Kräutern. Die Pflanzen- und Heilkunst der Maori. Krause, Freiburg (Breisgau) 2005, ISBN 3-923523-23-8.

LiteraturBearbeiten

  • Andreas Singler: Armin Klümper und das bundesdeutsche Dopingproblem. Strukturelle Voraussetzungen für illegitime Manipulationen, politische Unterstützung und institutionelles Versagen. Wissenschaftliches Gutachten im Auftrag der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Mainz 2015. (Online).
  • Andreas Singler: Systematische Manipulationen im Radsport und Fußball. Wissenschaftliches Gutachten zu neuen Erkenntnissen zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland im Zusammenhang mit dem Wirken von Armin Klümper. Im Auftrag der Universität Freiburg. Mainz 2015 (letzte Erweiterung im April 2017; Online).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Armin Klümper: Traueranzeige. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Juni 2019, abgerufen am 1. Juli 2019.
    Andreas Strepenick: Laut FAZ-Traueranzeige: Sportarzt Armin Klümper gestorben. In: Badische Zeitung. 30. Juni 2019, abgerufen am 1. Juli 2019.
  2. Städtisches Gymnasium Schmallenberg (Hrsg.): 75 Jahre Gymnasium Schmallenberg 1925–2000. Becker Verlag, Arnsberg, August 2000.
  3. Die funktionelle Struktur der linken Herzkammer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Abgerufen am 1. Juli 2019.
  4. a b Andreas Strepenick, Andreas Frey: Sie nannten ihn Guru – Armin Klümper und der Leistungssport. In: Badische Zeitung. 18. März 2015, abgerufen am 1. Juli 2019.
  5. Die Deutsche Universitätszeitung 1970, S. 21.
  6. Intraossäre Angiographie: Topographie und morphologische Untersuchgen zur Darstellung intraossärer Gefäße in vivo im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Abgerufen am 1. Juli 2019.
  7. a b Martin Herceg: Wie die Politik Armin Klümper geschützt hat. In: Badische Zeitung. 17. April 2015, abgerufen am 1. Juli 2019.
  8. Über uns. In: Die SportOrthopäden. Archiviert vom Original am 3. Dezember 2016; abgerufen am 1. Juli 2019.
  9. W. Wenz u. a.: Radiologie am Oberrhein. Berlin 1987, S. 38.
  10. Sportmedizin: Immer so gemacht. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1993, S. 198 (online1. März 1993).
  11. Andreas Müller: Freiburger Doping-Aufklärung: Rätsel um drei Aktenordner. In: Stuttgarter Zeitung. 22. April 2015, abgerufen am 1. Juli 2019.
  12. Friedhard Teuffel: Doping in der Bundesrepublik: Verboten, aber erwünscht. In: Tagesspiegel.de. 15. Oktober 2011, abgerufen am 13. August 2014.
  13. a b Armin Klümper und das bundesdeutsche Dopingproblem. (pdf, 8,5 MB) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 19. Mai 2017, S. 428, abgerufen am 16. März 2019.
  14. „Er ist einer von uns“. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1987, S. 245 (online).
    Immer so gemacht. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1993, S. 198 (online).
  15. Erik Eggers: Eine krumme Geschichte. In: Tagesspiegel.de. 4. Oktober 2012, abgerufen am 1. Juli 2019.
    Ulrike John: Der qualvolle Tod von Birgit Dressel: „Ein Mahnmal – bis heute“. In: Krankenkassen.de. 9. April 2007, archiviert vom Original am 16. Oktober 2014; abgerufen am 1. Juli 2019.
  16. Georg Gulde: Wieder Vorwürfe gegen Sportmediziner Klümper. In: Badische Zeitung. 21. Februar 2015, abgerufen am 1. Juli 2019.
  17. Manfred Ommer: „Inhalt hat mich nicht überrascht“. In: Focus Online. 6. August 2013, abgerufen am 1. Juli 2019.
  18. Barbara Bürer, Nils Klawitter: Seit 1990 schmückt sich der Westen mit den Sportlern aus DDR-Produktion. Ihre Schöpfer stehen nun vor Gericht. In: Die Zeit 13/1998. 19. März 1998, abgerufen am 17. März 2019.
  19. Peter Ahrens: Doping in der Bundesrepublik: Die Cocktail-Party des Westens. In: Spiegel Online. 29. März 2017, abgerufen am 1. Juli 2019.
  20. Hans-Joachim Schäfer, Wilhelm Schänzer, Ulrich Schwabe: Abschlussbericht der Expertenkommission zur Aufklärung von Dopingvorwürfen gegenüber Ärzten der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. (pdf, 343 kB) Universitätsklinikum Freiburg, 12. Mai 2009, abgerufen am 10. April 2017.
  21. Sebastian Krause: „Getäuscht und hintergangen“ – Die Evaluierungskommission zur Aufklärung der Freiburger Dopingvergangenheit erhebt schwere Vorwürfe. In: Deutschlandfunk-Sendung „Sport am Wochenende“. 6. Februar 2013, abgerufen am 1. Juli 2019.
  22. Anno Hecker: Gab es in Freiburg ein Doping-Zentrum? In: FAZ.net. 13. Februar 2015, abgerufen am 1. Juli 2019.
  23. „Rücktritt ohne Grund – wissenschaftliche Aufklärungsarbeit muss weitergehen“. Pressemitteilung. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 1. März 2016, abgerufen am 22. Juli 2018.
    Udo Ludwig: Kleinkrieg im Breisgau. In: Der Spiegel. Nr. 10, 2016, S. 62, 63 (online).
  24. Andreas Singler, Lisa Heitner: Systematische Manipulationen im Radsport und Fußball: Wissenschaftliches Gutachten zu neuen Erkenntnissen zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland im Zusammenhang mit dem Wirken von Armin Klümper. (pdf, 769 kB) In: amazonaws.com. April 2017, S. 75–77, abgerufen am 22. Juli 2018.
  25. a b c d J. Aumüller, Josef Kelnberger, K. Ott und T. Zick: Medizin für Millionen. In: sueddeutsche.de. 17. April 2015, abgerufen am 12. Juli 2018.
  26. Matthias Dell: Bringt im Fußball nichts. In: freitag.de. 9. Juni 2010, abgerufen am 23. August 2018.
  27. Bernd A. Kasprzak, Armin Klümper: Das Zervikal-Syndrom aus sportmedizinischer Sicht: Konservative Therapie des chronischen HWS-Schulter-Arm-Syndroms. (pdf, 2,4 MB) In: CO.med. Juni 2014, abgerufen am 1. Juli 2019.