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Antisemitismus im Fußball

Antisemitismus bzw. Antijudaismus im Fußball, als festes Element rechtsextremer Ideologien, ist eine weitverbreitete Erscheinung, auftretend in Teilen der fußballerischen Fanszene bei Vereinen in den unteren Spielklassen und äußert sich, während des Spielgeschehens und im Umfeld dessen, mittels rassistischen, neonazistischen Parolen auf Bannern, in Gesängen und in tätlichen Angriffen gegen die am Geschehen beteiligten Personen.

Inhaltsverzeichnis

Antisemitismus im deutschen FußballBearbeiten

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Antisemitismus im deutschen Fußball, welcher sich in vielfältigster Form äußert, begründet eine seit den 80er Jahren bestehende unrühmliche Tradition in dieser Sportart, die oftmals vorgeblich in Abhängigkeit des politischen Handelns des Staates Israels steht.[1] Der Hamburger Sport- und Politikwissenschaftler Florian Schubert merkt zu diesem Punkt an, dass nicht ausschließlich Neonazis den Antisemitismus von außen in das Stadionumfeld tragen würden, sondern vielmehr judenfeindliche Sprüche und Alltagsrassismus schon seit langem existieren würden und so „Jugendliche diese Sprüche im Stadion verinnerlichen und zurück in die Gesellschaft tragen, zum Beispiel in die Schulen“ tragen könnten.[2]

Ein Beispiel für Antisemitismus im deutschen Fußball ist der TuS Makkabi Berlin, ein jüdisch-deutscher Amateurverein, welcher in der Vergangenheit vermehrt Opfer von rassistischen und antisemitischen Anfeindungen geworden ist. So wurden die Spieler des Vereins während eines Spiels in der Kreisliga B gegen den VSR Altglienicke im Jahr 2006 Beschimpfungen und Drohungen ausgesetzt, welche verbal in den Aussagen „wir vergasen euch“ sowie „wir bauen eine U-Bahn nach Auschwitz“ gipfelten. Eine Intervention bei dem spielleitenden Schiedsrichter erbrachte nicht den gewünschten Erfolg der Maßregelung der gegnerischen Zuschauer durch diesen. Spätere, nach dem Spiel, angedrohte körperliche Gewalt konnte verhindert werden.[3][4] Für das Singen des Liedes Eine U-Bahn nach Auschwitz bauen wir wurden zwei Anhänger von Borussia Dortmund vom Oberlandesgericht Hamm im Februar 2016 wegen Volksverhetzung verurteilt.[5][6] Es geht auf das „U-Bahn“-Lied der Rechtsrock-Band Kommando Freisler zurück.[7]

Ein weiteres Problem sind antisemitische, antiwestlich, antiliberal und antiziganistisch orientierte sogenannte „Tendenzvereine“, die teilweise gezielt als Vorfeldorganisationen aus anderen Gruppen gegründet werden, um über den Wettkampf auf dem Fußballplatz junge Migranten zu binden. Soziale, ethnische und weltpolitische Konflikte werden immer häufiger auf dem Fußballplatz ausgetragen.[8]

Resultierend aus diesem und weiteren Vorkommnissen und der Einsicht, dass es eines aktiven Gegensteuerns bedarf, um den teilweise bestehenden Antisemitismus im Umfeld des Fußballs einzudämmen, wurden vielfältige Maßnahmen initiiert. So startete auf Bundesebene unter dem Motto „Am Ball bleiben“ im Jahr 2007 ein Projekt des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Sportjugend zur Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung.[9] Hinzu kommen diverse regionale Veranstaltungen sowie Kooperationen mit betroffenen Vereinen, Mannschaften und Spielern. In diesem Zusammenhang initiierten die Vereine FSV Frankfurt und der Makkabi Frankfurt einen Themenabend unter dem Titel „Antisemitismus im Fußball“, um aktuelle Probleme zu besprechen und diese einer Lösung zuzuführen.[10]

Antisemitismus im österreichischen FußballBearbeiten

1909 gründete sich in Wien der zionistische Verein SC Hakoah Wien, der in der Folgezeit zwar rasch zu einer erfolgreichen Mannschaft, jedoch auch oft Opfer antisemitischer Anfeindungen wurde. Nach dem Anschluss Österreichs (1938) wurden nichtarische Elemente aus dem Fußball entfernt, Spielerverträge gekündigt und Vereine umbenannt oder aufgelöst. So wurde auch der SC Hakoah zerschlagen, sein Vermögen beschlagnahmt und die Ergebnisse der laufenden Meisterschaft annulliert. Während viele Spieler ins Ausland fliehen konnten, ereilte den Rest der Tod in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern.

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Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs keimte in Österreich erneut ein großer Patriotismus auf, der in den folgenden Jahrzehnten und in Folge der zahlreichen Niederlagen österreichischer gegen deutsche Mannschaften einen regelrechten Antigermanismus nach sich zog. Jedoch kommt es noch heute in den Spielen österreichischer Bundesligisten immer wieder zu antisemitischen Ausschreitungen.

GegenreaktionenBearbeiten

  • Seit 2004 unterstützt Hertha BSC mit der Aktion „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ die Opfer rassistischer und antisemitischer Übergriffe im Fußball.[11]
  • Die Fangemeinde des Vereines Ajax Amsterdam bekennt sich ohne ethnischen oder religiösen Bezug zum Judentum aus Abwehr gegen antisemitische Tendenzen in den Fangemeinden anderer Clubs selbst als Juden.[12]

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Markwart Herzog: Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus: Alltag - Medien - Künste - Stars, 2008

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ronny Blaschke: Antisemitismus im Fussball. Klischees in der Kurve. Deutschlandradio Kultur, 18. Januar 2015, abgerufen am 20. April 2017.
  2. Ronny Blaschke: Judenhass im Fußball. Bundeszentrale für politische Bildung, 19. März 2015, abgerufen am 20. April 2017.
  3. Nadja Müntsch: Antisemitismus im Fußball. Ein Besuch beim TUS Makkabi Berlin. Bundeszentrale für politische Bildung, 17. Januar 2007, abgerufen am 20. April 2017.
  4. Peter Ahrens: Antisemitismus im Fußball. Milde Strafe für Judenhass. Spiegel Online, 12. Dezember 2006, abgerufen am 20. April 2017.
  5. Thorsten Gerald Schneiders: Volksverhetzung beim Fußball: BVB-Fans zu Geldstrafe wegen „Auschwitz“-Lied verurteilt, Deutschlandfunk, 3. Februar 2016
  6. Stefan Behr: Strafe für „U-Bahn nach Auschwitz“, Frankfurter Rundschau, 13. August 2014
  7. Andreas Speit: Antisemitische Fußballfans: Eine Frage der Volksverhetzung, taz, 10. Januar 2017
  8. Mona Jaeger: Gewalt im Amateurfußball: Ein böser Kreis, faz.net, 20. November 2014, abgerufen am 29. November 2014.
  9. DFB: DFB und Bundesregierung starten Projekt gegen Rassismus. DFB, 3. Juli 2007, abgerufen am 20. April 2017.
  10. Morten Freidel: Antisemitismus im Fußball. Der Hass ist jederzeit abrufbar. FAZ, 9. Februar 2015, abgerufen am 20. April 2017.
  11. Hertha BSC: !Nie wieder - Erinnerungstag im deutschen Fußball. Hertha BSC, 27. Januar 2017, abgerufen am 20. April 2017.
  12. Tobias Müller: Fußball in Holland: Davidsterne als Fliegerbomben. Zeit Online, 22. März 2011, abgerufen am 20. April 2017.