Annabel Wahba

deutsche Journalistin, Drehbuch- und Jugendbuchautorin

Annabel Wahba (* 17. Mai 1972 in München) ist eine deutsche Journalistin, Drehbuch- und Jugendbuchautorin. Kernthemen ihrer Reportagen sind die Politik im Mittleren Osten sowie Flucht und Integration.

WerdegangBearbeiten

Wahbas koptischer Vater kam 1958 nach einem Physikstudium an der Ain-Schams-Universität als Stipendiat nach München, wo er ihre Mutter, eine deutsche Bibliothekarin kennenlernte. Nach seiner Promotion 1964 zum Dr.-Ing. an der TU München siedelten sie zusammen mit den beiden ältesten Geschwistern Wahbas nach Kairo über. Nach dem Sechstagekrieg wanderte die Familie 1968 nach Deutschland aus, wo ihr Vater neben seiner Tätigkeit für die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit an der Gründung der koptischen Gemeinden in Deutschland in den Jahren 1975 bis 1980 mitwirkte.[1] Annabel Wahba ist im Erdinger Ortsteil Bergham aufgewachsen und zur Schule gegangen.[2][3] Nach ihrem Abitur 1991 absolvierte sie eine Volontariatsausbildung an der Deutschen Journalistenschule. 1997 schloss sie ihr Studium der Politikwissenschaft an der Universität München mit einem Magister ab.

Während ihres Studiums verliebte sie sich in einen Israeli, dessenwegen sie nach ihrem Magister für zwei Jahre als freie Korrespondentin für den Mittleren Osten nach Israel ging. Ihre Erfahrungen als Deutsche mit arabischen Wurzeln zwischen Juden verarbeitete sie gemeinsam mit ihrem späteren Mann, dem schottischstämmigen Journalisten und Drehbuchautor Barry Thomson, zum Drehbuch einer 2014 von Degeto Film für BR Fernsehen verfilmten Culture-Clash-Komödie.[4] Aus Sicht des Tagesspiegel kam dabei ein „gelungener, temperamentvoller ARD-Film […], der auch hätte von Woody Allen stammen können,“ heraus.[5] Für Tilmann P. Gangloff zeichnete sich das Drehbuch durch seine „vielen witzigen Ideen“ aus und löste „immer wieder auf wunderbare Weise brisante Momente heiter auf.“[6]

1999 kehrte Wahba nach Deutschland zurück und gehörte ab Oktober 1999 bis 2001 der Redaktion des Jugendmagazins Jetzt an. Von 2001 bis 2006 war sie Redakteurin auf der Reportageseite des Tagesspiegels, seit 2007 ist sie Mitarbeiterin der Zeit.

2006/2007 absolvierte Wahba gemeinsam mit ihrem Mann eine Ausbildung an der Drehbuchwerkstatt München.[7] Wahba war unter anderem an den Drehbüchern mehrerer SOKO Leipzig- und Degeto Filme beteiligt.

Wahbas Reportage „Der letzte Chat“[8] wurde 2009 für den Deutschen Reporterpreis nominiert.[9] Ihr Artikel „Meine Putzfrau kehrt heim“[10] wurde 2009 für die Short-List des Egon-Erwin-Kisch-Preises ausgewählt.[11] Wahbas zusammen mit einer Journalistengruppe der Zeit im Zuge der #MeToo-Debatte durchgeführten Recherchen über die Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Dieter Wedel wurden mit in die Short-List des Nannen Preises der Kategorie „Investigation“ aufgenommen,[12] für die Reporte wurde das Rechercheteam mit dem Deutschen Reporterpreis und dem Leuchtturm-Preis sowie als Journalist des Jahres ausgezeichnet.[13][14]

Wahba lebt seit 2001 mit ihrem Mann Barry Thomson und ihren Kindern in Berlin.

BücherBearbeiten

  • Annabel Wahba: Tausend Meilen über das Meer: die Flucht des Karim Deeb. cbj Kinderbücher Verlag, München 2016, ISBN 978-3-570-40335-8.
  • Annabel Wahba: Mein Versuch, ethisch korrekt zu essen. In: Gunther Hirschfelder, Angelika Ploeger, Jana Rückert-John, Gesa Schönberger (Hrsg.): Was der Mensch essen darf: Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und globale Konflikte. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01465-0, S. 309–314 (eingeschränkte Vorschau).

FilmographieBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Interview mit Dr. Adly Wahba. In: Informationsblatt der Koptisch-Orthodoxen Gemeinde in München und Umgebung. 22. März 2015.
  2. Ich bin ein Chamäleon. In: Die Zeit. Nr. 40 2006, 28. September 2006.
  3. Max Ferstl: Das Chamäleon-Prinzip. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Juli 2017.
  4. Annabel Wahba: Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. In: ZEITMagazin. Nr. 50/2014, 4. Dezember 2014.
  5. Markus Ehrenberg: Die Landneurotiker. In: Tagesspiegel. 4. November 2015.
  6. Tilmann P. Gangloff: Das Lachen bleibt im Halse stecken. In: Stuttgarter Zeitung. 4. November 2015.
  7. Absolventen. In: Drehbuchwerkstatt München.
  8. Annabel Wahba: Der letzte Chat. In: Die Zeit. Nr. 26 2009, 18. Juni 2009.
  9. Reporterpreis 2009 – Nominierte Texte. (Memento vom 11. November 2009 im Internet Archive) In: reporter-forum.de. November 2009.
  10. Annabel Wahba: Meine Putzfrau kehrt heim. In: Die Zeit. Nr. 35 2008, 21. August 2008.
  11. Nominierungen Egon-Erwin-Kisch-Preis 2009. (Memento vom 13. Mai 2009 im Internet Archive) In: Henri Nannen Preis. März 2009.
  12. Nannen Preis 2019 – Shortlists. In: Nannen Preis. April 2019.
  13. a b ZEITmagazin und DIE ZEIT gewinnen drei Auszeichnungen. In: Zeit Online. 4. Dezember 2018.
  14. a b Leuchtturm 2018 für das MeToo-Rechercheteam der ZEIT. In: Netzwerk Recherche. 29. Juni 2018.
  15. SOKO Leipzig – „Blinde Liebe“. In: quotenmeter.de.
  16. SOKO Leipzig – „Falsche Hoffnung“. In: quotenmeter.de.
  17. Fernsehfilm „Herbe Mischung“. In: tittelbach.tv.
  18. Jana Simon, Annabel Wahba, Christian Fuchs, Nadine Ahr, Anne Kunze, Amrai Coen und Götz Hamann: Im Zwielicht. In: ZEITMagazin. Nr. 2/2018, 3. Januar 2018.
  19. Jana Simon, Annabel Wahba, Christian Fuchs, Khuê Pham und Nadine Ahr: Der Schattenmann. In: Die Zeit. Nr. 5/2018, 25. Januar 2018.
  20. Marc Bartl: Stephan Lamby ist Journalist des Jahres 2018 – auch Melanie Amann und Markus Lanz ausgezeichnet . In: kressreport. 18. Dezember 2018.
  21. Annabel Wahba: Unter einem Dach. In: ZEITmagazin. Nr. 43/2016, 14. Oktober 2016.
  22. Preisträger. In: Innere Mission München.
  23. Annabel Wahba: Mein arabischer Vater. In: ZEITmagazin. 14. April 2016.
  24. Flucht und christliche Verantwortung. In: Andere Zeiten. 27. Juli 2016.
  25. Annabel Wahba: Mir gehört Auschwitz. In: Süddeutsche Zeitung. 14. August 1998.
  26. Springer-Preis für die besten jungen Journalisten. In: Die Welt. 4. Mai 1999.
  27. Mir gehört Auschwitz. In: Emma. Juli/August 2000, S. 51–53.