Hauptmenü öffnen

Anna Croissant-Rust

deutsche Schriftstellerin
Anna Croissant-Rust um 1909

Anna Flora Barbara Croissant-Rust (* 10. Dezember 1860 in Dürkheim; † 30. Juli 1943 in München-Pasing) war eine deutsche Schriftstellerin.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Anna Rust war die Tochter des Ingenieurs und Salineninspektors Philipp Anton Rust und dessen Frau, geborene Barbara Rieder(er). Infolge der Versetzung ihres Vaters kam sie 1868 als Achtjährige mit ihrer Familie nach Amberg. Besonderen Wert legten die Eltern auf die sprachliche und musikalische Ausbildung ihrer Töchter. Lina Rust wurde später in München als Malerin bekannt, Agnes Rust wurde eine Bildhauerin in Amberg.

Nach dem Tod ihres Vaters 1884 zog sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern nach München. Neben ihrer Ausbildung zur Sprach- und Musiklehrerin konnte sie Kontakte zur Schwabinger Künstler- und Literatenszene knüpfen. So begann sie auch ihre ersten Werke zu verfassen: 1887 und 1890 veröffentlichte Michael Georg Conrad ihre ersten Novellen in seiner seit 1885 aufgelegten Monatsschrift Die Gesellschaft. Ihr Feierabend wurde als Meisterwerk des Naturalismus gelobt, durch andere Seiten aber auch scharf kritisiert. Es folgten weitere Erzählungen und Novellen, die das kleinbürgerlich-bäuerliche Milieu beleuchteten. Als einzige Frau wurde sie in Conrads „Gesellschaft für modernes Leben“ aufgenommen, und war ab 1891 Mitherausgeberin von deren Zeitschrift Modernes Leben. Ihr weiter Wirkungs- und Freundeskreis verschaffte ihr Anerkennung und Inspiration.

Mit 28 Jahren heiratete sie 1888 ihre Jugendliebe, den Ingenieur und Artillerieoffizier Hermann Croissant. Über ihn war sie mit dem Schriftsteller und Dialektdichter Eugen Croissant verschwägert. Das Ehepaar siedelte 1895 nach Ludwigshafen, wo ihr Ehemann mit der Leitung eines Gaswerks betraut worden war. Nach eigenen Aussagen empfand sie diese Zeit in der Industriestadt als drückend und überhaupt nicht inspirierend. Deshalb kehrten sie nach der Pensionierung von Hermann Croissant 1905 wieder nach Pasing zurück, wo ihr Haus erneut in den Mittelpunkt des Freundeskreises rückte. Die Kritik begrüßte ihre neue Schaffensperiode, die von 1906 bis 1921 währte.

Im Alter von 82 Jahren starb Anna Croissant-Rust am 30. Juli 1943 in München-Pasing, wo sie in der Villa Maria-Eich-Straße 49 wohnte, und wurde im Familiengrab auf dem Friedhof Pasing beigesetzt.[1]

WerkeBearbeiten

„Von dem Aufsehen erregenden Naturalismus ausgehend, hat sie in ihrem echten sozialen Mitfühlen und der unmittelbaren Erzählergabe eine hohe Reife der Form und Schilderung erreicht.“

  • Das Kind, 1887
  • Feierabend. Eine Münchner Arbeiter-Novelle, 1890 (neu in Feierabend und andere Münchner Geschichten, 1893)
  • Gedichte in Prosa, 1893
  • Der standhafte Zinnsoldat, Drama, 1896
  • Lebensstücke, ein Novellen- und Skizzenbuch, 1896
  • Der Bua, oberbayrisches Volksdrama, 1897
  • Pimpernellche. Pfälzer Geschichten, 1901
  • Aus unseres Herrgotts Tiergarten. Geschichten von sonderbaren Menschen und verwunderlichem Getier, 1906
  • Die Nann. Ein Volks-Roman, 1906
  • Winkelquartett. Eine komische Kleinstadtgeschichte, 1908
  • Felsenbrunner Hof. Eine Gutsgeschichte, 1910
  • Arche Noah, Novellen, 1911
  • O. J. Bierbaum zum Gedächtnis, 1912
  • Nikolaus Nägele und andere Novellen, 1914
  • Der Tod. Ein Zyklus in 17 Bildern. Illustr. v. Willi Geiger. München, G. Müller, 1914. Neuauflage 2014: Der Tod. Mit 17 Holzschnitten von Willi Geiger. Mit einem Vorwort von Edda Ziegler. Allitera Verlag, München 2014, ISBN 978-3-86906-623-3.
  • Die alte Wirtin 1916
  • Kaleidoskop, 1921
  • Unkebunk. Ein Roman aus den achtziger Jahren, 1921
  • Antonius der Held, 1933
  • Das war mein Weg. In: Münchner Zeitung 1935/36, Beilage Die Propyläen Nr. 20.
  • Geschichten. Mit einer Einführung in Leben und Werk, hrsg. v. Rolf Paulus, 1987

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Grab von Anna Croissant-Rust auf dem Friedhof Pasing (Grabfeld 2, Lage, Bild)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Wikisource: Anna Croissant-Rust – Quellen und Volltexte
  Commons: Anna Croissant-Rust – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien