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Monacensia

Abteilung der Stadtbibliothek München

Die Monacensia, eigentlich Monacensia im Hildebrandhaus, vereint das Literaturarchiv der Stadt München sowie eine Forschungsbibliothek zur Geschichte und dem kulturellen Leben der Stadt München. Der lateinische Name Monacensia bedeutet „Münchnerisches“. Die Einrichtung bezeichnet sich als „das literarische Gedächtnis der Stadt München“.[1] Seit 1977 ist sie in der ehemaligen Künstlervilla des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847–1921) beheimatet. Die Institution ist an der Münchner Stadtbibliothek angebunden.

Monacensia
Monacensia-juni-2019.jpg
Hildebrandhaus

Gründung 1921
Bestand 350.000
Bibliothekstyp Spezialbibliothek
Ort München Welt-IconKoordinaten: 48° 8′ 37″ N, 11° 35′ 56″ O
ISIL DE-M36a
Betreiber Landeshauptstadt München
Leitung Anke Buettner
Website www.muenchner-stadtbibliothek.de/literaturarchiv/monacensia/

LageBearbeiten

Die Monacensia befindet sich im Hildebrandhaus, der ehemaligen Villa des Bildhauers Adolf von Hildebrand im Stadtteil Bogenhausen am Isarhochufer, nahe dem Friedensengel. Gabriel von Seidl erbaute die Villa, eine der bedeutenden Künstlervillen der Prinzregentenzeit[2], 1898 auf der Grundlage von Plänen Hildebrands. Sie wurde ein Treffpunkt der Münchner Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert, erlebte jedoch bis zum Einzug der Monacensia 1977 eine wechselvolle Geschichte.

Geschichte des LiteraturarchivsBearbeiten

Hans Ludwig Held veranlasste 1921 die städtischen Stellen, ihre Bestände an Büchern zum Thema München auszulagern. So kamen fünftausend Bände aus unterschiedlichen Einrichtungen, wie etwa dem Baureferat oder dem Stadtmuseum, zusammen und wurden zunächst in einem Zimmer im Rathaus der Stadt untergebracht. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Bibliothek weitgehend unbeschädigt. Nach einigen Umzügen befindet sich die Monacensia seit 1977 am jetzigen Standort. Ab 2013[3] war die Monacensia für eine Generalsanierung geschlossen. Sie wurde im Dezember 2016 wieder eröffnet.[4] Während des Umbaus war das Literaturarchiv ausgelagert und nur eingeschränkt zugänglich.

Bestände und BenutzungBearbeiten

Das LiteraturarchivBearbeiten

Die Sammlung umfasst derzeit rund 300 literarische Nachlässe, Vorlässe und Konvolute renommierter Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in enger Verbindung zu München standen oder stehen. Dazu gehören unter anderem Oskar Maria Graf, Annette Kolb, Liesl Karlstadt, Frank Wedekind, Fanny Gräfin zu Reventlow, Gustav Meyrink, Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer oder Jörg Hube. Zu den Schwerpunkten des Literaturarchivs zählen die Sammlungsbereiche Exil, Schwabinger Bohème um 1900, Gegenwartsautoren und Volkskünstler.

Die von Hans Ludwig Held in den 1920er Jahren gegründete Handschriftenabteilung, die Originalmanuskripte und Autographen aller bedeutender Schriftsteller des Münchner und oberbayrischen Raums umfasste, wuchs zum breitgefächerten Bestand an Nachlässen und wertvollen Einzeldokumenten der Monacensia heran. Einen Begriff vom Umfang der gegenwärtigen Sammlungen des Literaturarchivs gewinnt man durch Recherche im alphabetischen Verzeichnis[5] der Bestände. Bei den einzelnen Autoren findet man die Materialien ihres Nachlasses, Teilnachlasses oder Vorlasses wie Manuskripte, Korrespondenzen, biografische Dokumente, Fotos, evtl. vorhandene bildnerische Objekte oder Tondokumente oder persönliche Gegenstände[6] aufgelistet. Detaillierte Informationen zu den Briefbeständen und Autographen lassen sich im Online-Katalog der Münchner Stadtbibliothek[7] und in der Datenbank Kalliope[8] recherchieren.

Durch die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist es der Monacensia möglich geworden, die Tagebücher von Klaus Mann, den gesamten Archivbestand von Monika Mann und sämtliche Briefe, Manuskripte und biografischen Dokumente von Erika und Klaus Mann in digitaler Form[9] der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Monacensia-BibliothekBearbeiten

Die Forschungsbibliothek der Monacensia umfasst rund 150.000 Bücher und Medien zum Thema München. Sammlungsschwerpunkt ist München als Literatur- und Kulturstadt. Die Bestände reichen von Münchner Drucken des 16. Jahrhunderts bis zu Neuerscheinungen. Sowohl für Forschungszwecke als auch zur Lektüre stehen verschiedene Freihandbibliotheken sowie eine umfangreiche Magazinbibliothek zur Verfügung. Bücher und audiovisuelle Medien ab dem Erscheinungsjahr 1960 können ausgeliehen werden. Voraussetzung ist ein Ausweis der Stadtbibliothek München.

Den Bibliotheksräumen im 1. Obergeschoss des Hauses sind unterschiedliche Themen zugeordnet:

  • Die Bibliothek im Damenatelier (ehemalige Atelierräume der Töchter Adolf von Hildebrands) bietet Bücher zur Geschichte und zur Sozial- und Wirtschaftspolitik der Stadt München, sowie zu Literatur, Kunst und Architektur. Weitere Themen sind Naturwissenschaften, Medizin und Technik bis zu Haus und Garten, Sport und Freizeit, jeweils mit Bezug zu München.
  • In der Bibliothek Familie Mann sind Werkausgaben, Briefbände, Tagebücher, Biografien und Bildbände versammelt. Hier findet man auch Sekundärliteratur und Jahrbücher sowie Studien- und Schriftenreihen zur Familie Mann.
  • Die Bibliothek Münchner Autorinnen und Autoren zeigt eine Auswahl von Werken Münchner Autorinnen und Autoren, die ständig aktualisiert wird, sowie die Themenschwerpunkte Bohème um 1900, die 1920er Jahre in München und Literatur der Schriftsteller im Exil.

Angebote und VeranstaltungenBearbeiten

 
Schreibtisch von Oskar Maria Graf in der Ausstellung

Erdgeschoss und Hochparterre sind als „offenes Haus“[10] während der Öffnungszeiten zugänglich. Im Erdgeschoss dient das Forum Atelier als Saal für Veranstaltungen. Es schließen sich Räume mit den Dauerausstellungen „Literarisches München zur Zeit von Thomas Mann“ und „Geschichte des Hildebrandhauses“ an. Weitere Räume bieten Wechselausstellungen Platz.[11] Die seit 1995 existierenden Ausstellungen (unter anderem zu Lena Chist) sind auf der Website der Münchener Stadtbibliothek aufgeführt.[12]

Im Obergeschoss finden sich Bibliothek und Literaturarchiv. Der Garten der Villa ist für die Öffentlichkeit da, daneben gibt es das Café MON[13], benannt nach der Signatur, die die Bücher der Monacensia tragen.

Neben den Ausstellungen und den Freihandbibliotheken gibt es Angebote zur Literaturvermittlung. So bietet die Monacensia in Kooperation mit der MVHS regelmäßig Führungen durch die Ausstellungen an. In Zusammenarbeit mit dem Museumspädagogischen Zentrum gibt es spezielle Führungen für Schulklassen.[14] Es bestehen Kooperationen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem NS-Dokumentationszentrum München[15]. Ergebnisse aus der Forschung werden in der Edition Moncensia veröffentlicht.

Die Veranstaltungen spiegeln die Sammlungsschwerpunkte der Forschungsbibliothek und des Literaturarchivs wieder: Bayerische Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts, Schriftsteller der Schwabinger Bohème um 1900, Exilliteratur zwischen 1933 und 1945, Münchner Gegenwartsliteratur seit 1945 sowie das Thema Münchner Volkssänger, Vortragskünstler und Kabarettisten. Für diese Themen gibt es die folgenden Veranstaltungsreihen:

  • „atelier monaco – Literarische Stimmen aus München“: es geht um die aktuellsten literarischen Texte der Stadt und um die  gesamte Bandbreite und Vielfalt des literarischen Schreibens – Prosa, Lyrik, Theatertexte, Drehbücher und Songtexte oder Textarbeiten aus der bildenden Kunst.
  • bei „Mon liest“ stellen Autoren in Lesung und Gespräch ihre aktuellen Romane vor.
  • In der Reihe „Aus den Beständen“ präsentieren AutorInnen und WissenschaftlerInnen ihre Arbeiten, die auf Basis der Monacensia-Sammlung entstanden sind.
  • Die Sonderausstellungen der Monacensia werden von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet, das sich auch mit aktuellen Debatten und Fragestellungen beschäftigt.

LiteraturBearbeiten

  • Elisabeth Tworek (Hrsg.) unter Mitarbeit von Ursula Hummel: Literatur im Archiv. Bestände der Monacensia. Monacensia, München 2002. (Mit Auswahl der Manuskripte und der Publikationen der Monacensia sowie einem Verzeichnis der Nachlässe.)
  • Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus. Eine Münchner Künstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Gemeinschaftsprojekt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, des Kulturreferats der Landeshauptstadt München und der Monacensia (= edition monacensia). Allitera, München 2006, ISBN 978-3-86520-130-0 (Leseprobe).
  • Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des Künstlers im 19. Jahrhundert. Prestel, München 1985, S. 121–128.
  • Dietrich Sattler: Adolf von Hildebrand und die Architektur. Buchner, München 1932.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Monacensia – das literarische Gedächtnis der Stadt München. Münchner Stadtbibliothek, abgerufen am 18. Juni 2019.
  2. Münchner Stadtbibliothek (Hg.): Das Hildebrandhaus. Biografie einer Künstlervilla. Auswahlverzeichnis, München 2016 (Flyer).
  3. Hannes Hintermeier: Thomas Mann als Spinne im Netz in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Dezember 2016, S. 11
  4. muenchen.de: Monacensia
  5. Münchner Stadtbibliothek - Bestände. Abgerufen am 30. September 2019.
  6. Münchner Stadtbibliothek - Schätze. Abgerufen am 30. September 2019.
  7. Autorinnen & Autoren. Abgerufen am 30. September 2019.
  8. Verbundkatalog für Nachlässe, Autographensammlungen und Archivbestände. Abgerufen am 30. September 2019.
  9. Münchner Stadtbibliothek - Monacensia digital. Abgerufen am 30. September 2019.
  10. Petra Hallmayer: Eine Villa für München in „Münchner Feuilleton“, Juni 2019, S. 29
  11. Broschüre das literarische gedächtnis der stadt münchen, hrsg. "Münchner Stadtbibliothek/Monacensia", München 2016
  12. Münchner Stadtbibliothek - Ausstellungsarchiv. Abgerufen am 6. August 2019.
  13. Café Mon – Café Mon. Abgerufen am 14. August 2019 (deutsch).
  14. Münchner Stadtbibliothek - Schule & Monacensia. Abgerufen am 24. Juli 2019.
  15. Münchner Stadtbibliothek - Wissenschaft & Monacensia. Abgerufen am 24. Juli 2019.